Mitmachthema Schallplattenspieler, Tonarme und schwarze Scheiben...

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Wir hatten schon Plattenwäschen in stilisierter Form, heute habe ich eine mal wirklich bei einer Intensiv-Wäsche im Vollprogramm fotografiert.

JARREVINYLWASH

Da ich meine Platten fast alle - immer - bei jedem Abspielen - auch gleich digitalisiere gebe ich mir manchmal extra Mühe. Speziell wenn es sich um mir wichtige Musiker/Bands handelt oder auch wenn es Erstpressungen sind, beides ist hier der Fall. Die Erstpressung ist die deutsche Version und der Musiker ist Jean-Michel Jarre, der mit Zoolook vielleicht nicht sein stärkstes Album abgeliefert hat, aber ein durchaus hörenswertes für meinen Geschmack. Er hatte viel Neues damals ausprobiert, denn 1984 war eines der Jahre in denen die Digitaltechnik heftig an Fahrt aufnahm und vieles erschwinglich wurde was mit modernen Produktionsmethoden zu tun hatte.

Das Ergebnis ist oft total erstaunlich; die alten Scheiben können, selbst wenn sie sichtbare Oberflächen-Fehler aufweisen, noch sehr sehr gut klingen. Obendrauf ist eben nicht in der Rille drin... Diese konnte ich jetzt erst bei Mieterfreundlicher Zimmerlautstärke genießen, aber zumindest da klingt sie als hätte ich sie gestern gekauft, obwohl das tatsächlich etwas mehr als 40 Jahre her ist.

Mit dem Master wurde in der Folgezeit so einiges veranstaltet, meist nicht zu seinem Vorteil. Dynamikkompression, EQing, Re-Mastering ohne Augenmaß, ich persönlich fand das Original immer am besten. Ein französisches Original wäre noch zu beschaffen, um mal mit dem deutschen Mastering zu vergleichen, die deutschen Kollegen*innen haben das aber damals immer sehr gewissenhaft gemacht und es gibt eigentlich selten was zu meckern.

Ein wenig melancholisch wurde ich noch durch die Tatsache, dass auf der Platte noch Haare meiner letzten Katze zu finden waren. Aber nach der Wäsche blieb die Nadel absolut klinisch sauber nach beiden Seiten, so muss das.
 
Totalreflexion
Totalreflexion kommentierte
na wenn wie @Bremenfrosch auch noch andere interessiert sind, wären ein paar Waschtipps hier direkt im Beitrag vielleicht doch absolut on topic ... wäre ja schließlich ein photo-making-of :D
 
MOS2000
MOS2000 kommentierte
Das Problem an der Sache ist nicht so sehr darzustellen was ich tue, sondern dass es sich insgesamt in der Plattengemeinde um ein Reizthema handelt - legst Du dar welche Mittel Du verwendest weiß immer sofort jemand besser, warum genau dieses bloß niemals, wenn Du jene Bürste verwendest weiß immer sofort jemand warum genau diese nicht, und natürlich darfst Du die Putzbewegung niemals so ausführen wie Du das eigentlich schon immer machst. Es ist also eigentlich genauso wie hier eine Diskussion über Kameramarke Y oder X, Fotogurte, Stative oder Beleuchtungskrempel.
:D

Man kann letztlich ein Buch darüber schreiben, weil das Thema insgesamt sehr viel mit tatsächlicher Physik und Materialwissenschaft zu tun hat. Und genau das hat auch jemand gemacht - und in diesem Buch kommen wirklich -alle- Themen rund um Plattenwäsche zur Sprache. Leider liegt das Werk nur auf englisch vor (habe lange nicht mehr geprüft, vielleicht ja inzwischen auch auf Deutsch...???), aber man kann es völlig umsonst als E-Book herunterladen - zum Beispiel hier:


Ich selbst habe das Teil wirklich auch fast komplett gelesen, da mich wirklich interessiert hat wie man die physikalischen Probleme bei der Plattenwäsche überwindet, denn von denen gibt es wahnsinnig viele. Aber es gibt einfache, echte Grundprinzipien die man befolgen muss, und der Autor des Werkes legt eigentlich ganz gut dar, was die entscheidenden Faktoren sind. Das habe ich dann für mich angepasst und abgeändert, weil er aus seiner US-Sicht Dinge, Material und Stoffe beschreibt die wir hier so nicht mit diesem genauen Namen im Supermarkt stehen haben. Inzwischen ist er bei der dritten Revision angekommen und beschreibt auch Alternativen für EU Interessenten. Vielleicht schaut ihr erstmal da kurz rein und stellt dann noch Fragen dazu, weil das Feld ist so groß, ich müsste da jetzt ausholen bis Ennepetal.

Meine Zusammenfassung in ganz kurz:
Handwäsche mit Absaugung über Fenstersauger (von Kärcher, hält immer so 5 bis 8 Jahre). Die Platte dreht sich auf einer älteren Okki Nokki Plattenwaschmaschine (nutze ich nur noch als Drehteller), maximal 5 Flüssigkeiten (natürlich ultrageheime Rezepturen(!), die ich aber nicht immer alle verwenden muss), 3 davon lassen sich aufschäumen (muss man aber nicht), dazu ein paar spezialisierte Flaschen, Pinsel, Bürsten und Tücher. Die Kosten dafür sind überschaubar, ich kann die Wäsche nach meinem Gusto skalieren und die Platte auch sofort nach der Wäsche hören.

Auch ich habe in den späten 80er Jahren des letzten Jahrtausends mal mit einer Knosti begonnen, fand die aber, vom Start weg, total ätzend.
Man muss auch, ehrlicherweise, zusammenfassend sagen, dass die Ergebnisse insgesamt wechselhaft sind, egal mit welcher Methode. Man bekommt bei weitem nicht jede Platte knisterfrei, selbst wenn sie optisch in Ordnung ausschaut. Und man braucht einen "Platz" dafür (bei mir ~40x50 cm Stellfläche plus ein Wandschränkchen für Material), wenn man das jedes mal erst aufbauen muss, dann vergällt mir das den Spaß daran, aber es tickt jeder anders.

Wer 2 - 3.000 EUR übrig hat sollte sich mit dem Gedanken tragen, einfach eine der besseren Plattenwaschmaschinen zu kaufen, spart die ganze Lernzeit und die vielen Materialexperimente (kann man sich evtl. mit einem Kumpel teilen und tauscht dann alle drei Monate oder so). Die billigen, um die 400 bis 1.000 EUR, sind allesamt nicht zu empfehlen (meiner Meinung nach). Da kauft man nach einem recht geringen Zeitraum von 1,5 bis 2 Jahren wahrscheinlich doppelt. Königsklasse ist eine Ultraschall-Maschine mit automatischer Trocknung, aber sowas kann ich mir nicht leisten, günstigste Version davon gibt es so um 600 EUR rum (die "HumminGuru"). Selbst "Knosti" baut inzwischen eine Ultraschall-Maschine (~850 bis 900 EUR). Den größten Nerd-Faktor findet man bei Leuten die das Abenteuer angehen, sich selbst eine Ultraschall-Maschine zu bauen, da habe ich keine Werkzeuge und keine Ader für. Handwäsche dauert immer am längsten, bis auf die "Ultrakurz-Methode": Fensterreiniger oder Reinigungsschaum drauf (gibt da diverse Mittelchen), einmal fusselfrei abwischen - fertig. Das machen auch ganz viele und sind happy damit.
:)
 
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Totalreflexion
Totalreflexion kommentierte
Hey, fantastisch, vielen Dank für die Anregungen und den link! Da werde ich mich einlesen und dann gelegentlich anfangen zu experimentieren.
 
MOS2000
MOS2000 kommentierte
Ich kann schon sagen, dass ich so Sachen wie "immer Wegwerf-Handschuhe tragen" nicht mache - und auch die Sache mit dem "Label-Protector" ist nicht meins, ich will die Platten nicht nach Abschluss an der Luft trocknen lassen sondern hören...und eine UV-Lampe habe ich auch nicht.

Das Buch ist halt die 1000% Methode, wobei es immer noch Menschen gibt die Schnappatmung bekommen wenn da Leitungswasser verwendet wird - ich will gar nicht wissen wieviel Liter AQdest bei solchen Kollegen im Jahr durchlaufen.

Als ich früher ein sehr großes Waschbecken in der Küche hatte, da habe ich tatsächlich auch mit so einem Griff und Label-Protektor hantiert, inzwischen wasche ich mit AQdest bei liegender Platte ums Label herum - kommt doch mal ein Tropfen drauf - who cares. Den meisten Labels macht das ohnehin nichts aus, nur die aus ganz grobem Papier zeigen Abnutzung und Flecken.

Meine Dosierflaschen sind 350 ml von OXO, größer ist mir "zu groß", das lässt sich schlecht handeln.
Die Stasis Bürste nutze ich auch, die ist wirklich gut.
Für weitere, meiner Meinung nach taugliche, Bürsten bin ich im Kosmetik-Handel fündig geworden (Stichwort "Kabuki-Pinsel/Bürste" oder "Foundation Pinsel/Bürste"). Man muss da nur identifizieren welche hochwertig genug sind dass sie keine Haare verlieren.

Meine "Geheimwaffe" um stark verschmutzte Platten "zu schrubben":
Das hat "lange" Microfasern die meiner Meinung nach gut in die Rille kommen und trotzdem nichts schädigen, damit natürlich nicht "scheuern" sondern einfach mit leichten Druck die Rille nachfahren oder leicht in Rillenrichtung agieren.

Zum Allround-finalen trocknen und als Microfaser-Tuch - googlen nach:
"ChemicalWorkz - Glass Mitt Applicator - Scheibenreinigungs-Applikator"
Das ist so ein "Handschuh" mit einer Microfaser-Seite und einer fusselfreien Wabenstruktur-Seite.

Zu meinen Lösungen (aka geheime Wundermittel) kann ich nochmal getrennt was texten...
 
MOS2000
MOS2000 kommentierte
Für den Start Platte immer leicht feucht abwischen, damit keine größeren Partikel darauf rumliegen.

Waschlösungen benutze -ich- folgende (aber nicht immer alle):
  • Lösung 1 - Dr. Wack 1:100 - sehr stark verdünnt, dieses Auto Scheiben-Konzentrat, das bekommt die Kiste dann auch gleich noch mit
  • Lösung 2 - wexel ich ab und zu zwischen: Koch-Chemie Mehrzweckreiniger "Mzr" oder Dr. Schutz Grundreiniger R
  • Spüllösung 1 - AQdest + Tropfen Spüli
  • Losung 3 - L'Art Du Son (LADS)
  • Spüllösung 2 - AQdest + Schuss Isoprop
Alle Reiniger verdünne ich deutlich mehr als empfohlen, bis auf LADS - das nach Vorschrift.
Alle sollten nie Antrocknen; 1,2 und 3 kann man bei Bedarf aufschäumen.
1 + 2 werden mit der Stasis-Bürste eingearbeitet
LADS hat eine eigene Kosmetikbürste
Die beiden Spülungen ebenso.
Das "Scrub-Pad" von oben verwende ich manchmal einfach zwischen den Gängen um in den Rillen noch "bewegung" zu verursachen, soweit das möglich ist, aber immer mit einer noch recht nassen Platte.

Ziel ist eigentlich bei allen Waschvorgängen zunächst die Oberflächenspannung zu überwinden, damit die Rillen bis auf den Grund nass werden (gerne auch ein Tropfen Mirasol o. ä im Wasser verwenden), mit irgendwelchen Bürsten in die Rillen rein zu kommen und "was zu bewegen/zu lösen", dazwischen sauge ich dann jedes mal ab, aber die Platte ist erst nach der letzten Spülung dann am Schluss wirklich trocken. Man kann durch die Einwirkzeit und die Einarbeitung das Ergebnis beeinflussen. Der letzte Gang sollte dann immer eine reine Wasserangelegenheit sein (Isoprop damit es etwas schneller verdunstet), theoretisch sollte dann nichts an "Stoffen" mehr auf der Platte bleiben (das ist natürlich ein theoretisches Konstrukt - man kann auch 20 mal absaugen, irgendwas bleibt immer über, spätestens ist wieder was drauf wenn man die Platte auf den Abspieler legt und nur 3 Sekunden wartet).

Beim trocknen vorsicht vor Papier und Stoffen die nicht fusselfrei sind - man sieht das ggf. nicht wirklich, aber manche Baumwolle liefert feinsten Abrieb, Papier kommt mir oft zu hart vor und streut auch gerne feinste Partikel. Daher dieses runde Handschuh-Dings von oben, das macht gefühlt sanft, fusselfrei und ordentlich trocken, aber die Suche nach dem perfekten Microfaser-Tuch und/oder Schwamm-Dingens ist gefühlt irgendwie nie zuende - die Teile aus dem Buch sind getestete Konsens-Technik. Die Platte ist dann (bei mir) nach 2-3 Minuten finaler Abtrocknung an der Luft einsatzbereit.
Das ganze ist so eine Art Tanz den man schlecht beschreiben kann.
:)

Sollten irgendwo besonders hartnäckige Flecken/Stoffe sein, dann kriegt das idR ne Sonderbehandlung, je nachdem auch mal einen Tropfen unverdünntes Reinigungsmittel oder so.

Als Drehteller eignet sich auch ein alter Plattenspieler, am besten ein Reibradler, weil der den robustesten Vortrieb hat, Technik-Affine können sich vielleicht sowas sehr simpel selbst bauen, RPM sind so bei 12 bis 18 ganz gut, schneller ist dann gefühlt manchmal schon zu schnell.

Den Duft der Reiniger muss man mögen - das ist individuell sehr verschieden - die Knosti-Lösung und alle fertig angebotenen Reiniger aus dem Zubehörmarkt sind maßlos überteuert und auch "kein Hexenwerk" - meist ein Reiniger mit Alkohol, was leicht basisches oder leicht sauer, da gibt es viele Strategien. Nur das L'Art Du Son hat bei mir über die Jahre Einzug gehalten als vorgefertigte Lösung, auch nicht günstig, aber es hat sich einfach bewährt. Alle Mittel reichen in den kleinsten Gebinde-Größen sehr sehr (!!!) lange, AQdest reicht aus dem SupMa völlig, die doppelt und dreifach entmineralisierten Wässer sind einfach nur Cash-Grab der absolut unnötig ist imho. Aber wir Hobbyisten betreiben ja gerne maximalen Aufwand für möglichst wenig Mehrnutzen.
:D

Das alles klingt "verrückt", aber ich mache auch oft einfach nur die Runde mit feucht abwischen, einmal LADS und einmal spülen, das ist dann in 5 Minuten durch. Mein Weg würde sicher in einem HiFi Forum auch wieder übelst verrissen, aber er ist wie er ist und funktioniert für mich gut. Bei teuren Maschinen sind viele der Prozesse automatisiert und auch die liefern hervorragende Ergebnisse. Zu Ultraschall konnte ich mich noch nicht durchringen, aber die Methode hat Ihren Reiz, aber eben auch wieder andere Problem/Verschleissteile, nichts ist wirklich perfekt.

Damit beende ich das aber hier, sonst wird es zu viel OT...bei Fragen gerne PM oder so...
 
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In einem anderen Forum haben wir gerade so ein 80er Jahre Ding am laufen, da kann ich noch ein wenig Material beisteuern bei dem vielleicht Erinnerungen wach werden - viel Spaß:

Russ Ballard - Voices (12'', 1984)



Sabrina - Boys (Summertime Love) (12'', 1987)



Samantha Fox - Touch Me (Album, 1986)

In meiner Plattensammlung findet sich noch der gesamte 80er Bestand als ich Hormonsklave war.
Ich höre das zwar nur noch sehr selten, aber ich kann eben auch schwer davon lassen, oft hängen ganze Geschichten dran.
:D
 
3 Kommentare
Totalreflexion
Totalreflexion kommentierte
Hab lange überlegt, welche Aufnahmen mir besser gefallen, die mit oder ohne Zoom-Effekt. Aber dieser Zoom-Effekt bei den letzten beiden Fotos ist schon ziemlich gelungen (y). Was mich zu meiner Frage bringt: ist der Effekt händisch-analog, also mit Zoom-Obektiv und langer Belichtungszeit, oder digital per EBV erzeugt?
 
MOS2000
MOS2000 kommentierte
Analog an der Linse gedreht...
 
Totalreflexion
Totalreflexion kommentierte
... klasse! Hätte nicht gedacht, dass das so gut werden kann. Nochmal Respekt!
 
Demnächst 100 Jahre jung.

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Das "Ariston" gehört wie die Mund- oder Ziehharmonika zu den Tonzungen-Instrumenten. Beim Drehen der Kurbel dreht sich die Platte, in deren Lochung ein Tastfinger springt, der mittels kleiner Hebel das Venil der Metallzunge öffnet, die, vibrierend durch die aus dem Blasebalg einströmende Luft, den Ton erzeugt. Die Lochplatten werden mit Hilfe einer kleinen von Hand bedienbaren Stanz-Maschine ebenfalls selbst hergestellt. Die Notenscheiben sind aus Hartpappe und haben einen Durchmesser von 33 Zentimetern.

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