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Lydian

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Über den Thread "Streifzug durch die Natur Tschechiens" habe ich mich sehr gefreut. Tolle Fotos sind es, die KiKa dort präsentiert: https://www.nikon-fotografie.de/vbu...79-streifzug-durch-die-natur-tschechiens.html
Sofort wurden eindrückliche Erinnerungen an die Felsenstadt von Adršpach (ich werde künftig die deutsche Schreibweise verwenden) wach. Es ist schon über 10 Jahre her, dass sich dort, ausgelöst durch eine Diskussion in einem Forum, einige Kletterer trafen, die gerne im Sandstein unterwegs sind. Die meisten von ihnen waren noch nie zuvor in Adersbach. Die Qualität meiner Fotos kann und soll sich nicht mit denen KiKas messen. Zum einen hatte ich bis dato keinerlei Erfahrungen mit digitaler Fotografie, zum anderen auch nur eine kleine billige Coolpix dabei. Die Kamera sollte ja auch mit auf die Felsen.

In der Pfalz und Nordbaden füllte ich meinen VW T3 bis auf den letzten Platz (6), der verfügbare Stauraum war mit Kletter- und Campingutensilien vollständig ausgefüllt und mit ca. 90 km/h ging es nach Ostböhmen, nahe der polnischen Grenze. Im Garten der Familie Meier in Dolni Adršpach wurde das Basislager aufgeschlagen. Die Familie stellt gegen einen geringen Obulus ihren großen Garten Kletterern zur Verfügung; eine Dusche und ein WC im Haus der Familie darf benutzt werden. Vom Garten hat man einen sehr beeindruckenden Blick auf die Felsenstadt.

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Im Hintergrund die eigentliche Felsenstadt. Die Felsen haben entsprechende Namen: Bürgermeister, Bürgermeisterin (mit dem markanten Kopf), Rathaus, Gefängnis, Schöffe..... Und dann gibt es noch die Große und die Kleine Guillotine Auch der Henker fehlt nicht.

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Im Hintergrund rechts die Felsengruppe "Königreich" mit König, Königin, Schloss, Prinzessin ....

Einige dieser Felsen werden (wollen...) wir in den kommenden Tagen besteigen.
 
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Klaus Harms

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AW: Zum(m) Himmelfahrt(skommando) nach Adersbach

Freigeschaltet, Sachen gepackt und neugierig auf mehr!:)
 
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Lydian

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Auf eine Fläche von weniger als 20 km² verteilen sich in der Felsenstadt von Adersbach ca. 1.100 Sandsteintürme, die von Kletterern als "würdig" eingestuft wurden, mit einem Gipfelbuch für die Eintragung einer Besteigung versehen zu werden. Anders als im Elbsandstein begann die Erschießung der meist sehr abweisenden Adersbacher Türme durch Kletterer erst ab den 20er Jahren. Überwiegend waren es sächsische Kletterer, die ihre strengen Regeln (dazu später etwas mehr) auch auf dieses Gebiet übertrugen.

Die bekanntesten Felsformationen in Adersbach sind zwei Paare: das Liebespaar sowie Bürgermeister und Bürgermeisterin. Mit ca. 100 m Höhe gilt das Liebespaar als die höchste Felsformation. Hier ein Scan eines Dias, das bei meinem ersten Aufenthalt in Adr (Klettererslang) entstand:

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Unter Kletterern genießt Adr einen Ruf wie Donnerhall. Es gibt nur wenige fixe Sicherungen (Haken, Ringe) und aufgrund des weichen Sandsteins ist die Benutzung von metallischen Sicherungsgeräten (Klemmkeile, Friends etc.) verboten. Ohne Übertreibung kann man - hohe Berge außen vor gelassen - sagen, dass es das anspruchsvollste Klettergebiet Europas ist. Als ich in den 90ern während eines Aufenthalts im Elbsandstein sächsischen Kletterern eröffnete, dass ich auch mal nach Adr wolle, erntete ich große Blicke und die Aussage: "Da hebst du nicht ab."

Das Liebespaar wird gerne Adersbach-Anfängern angetragen. Die Route "Milenka" besteht aus drei Seillängen und ist mit dem sächsischen Schwierigkeitsgrad VIIb bewertet. Die Adr-Schwierigkeitsgrade sind, egal nach welcher Umrechnung, nicht mit Angaben für Klettergärten oder -hallen zu vergleichen. Die internationale Seilschaft Martin (Schwaben), Ashley (Australien) und Frank (Baden) versuchte sich an der Milenka, scheiterte jedoch und blies auf halbem Weg zum Rückzug, den sie glücklich bewältigte. Da ich die Route bereits kannte, übergaben sie nun mir das "scharfe Ende" des Seils. Frank gab entnervt ganz auf.

Für die Begehung der"Milenka" begibt man sich zunächst in den auf dem Foto gut zu sehenden Spalt zwischen dem Paar und beginnt die Kletterei mit einem Stemmkamin, der sich weiter oben zu einem Körperriss verengt, quasi im Inneren der Formation. Es ist dort sehr dunkel; eine Stirnlampe wäre durchaus hilfreich! Es gibt keine nennenswerte Sicherung, eine Mikro-Knotenschlinge stopfte ich in einen Spalt. Den ersten Stand macht man im Inneren nach ca. 35 m an einer Sanduhr, den zweiten, nach Verschneidungskletterei, die sich weiterhin im Inneren der Felsformation abspielt, bilden zwei Knotenschlingen, die man zu einem Kräftedreieck verbindet. Von dort quert man wieder nach außen und sichert von einer Plattform - auf der sich der Sichernde nicht sichern kann - weiter.

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Ashley beim Sichern

Die dritte Seillänge weist zwei fixe Sicherungen auf - die einzigen der Route. Die Kletterei ist heikel und auf das Fotografieren wurde verzichtet.

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Der beeindruckende Blick vom Liebespaar. Direkt unterhalb die (45 m hohe!) "Große Guillotine", links das "Bürgermeister-Paar" nebst "Schöffen".

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Martin bei den Vorbereitungen zum Abseilen. Man sieht an seinem Gurt fast nur textiles Material - Teil der Kletterregeln in Adr. Der Holzspatel dient dazu, Knotenschlingen, wie man sie an seinem Gurt sieht, in Rissen zu platzieren oder auch wieder zu entfernen. Diese Knotenschlingen sowie Sanduhrschlingen sind die einzig möglichen Sicherungsmittel, mit denen man die sehr spärlich vorhandenen Haken (eigentlich: Ringe) ergänzen kann.

 
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Lydian

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Warum Himmelfahrt(skommando)? Nun, ein ausgewiesener Gebietskenner, mit dem ich zwei Jahre zuvor schon Adr erleben durfte, lud zu einem Treffen ein.

"(An/zu) Himmelfahrt wird im Klettergebiet von Adersbach / Wekelsdorf ein Klettertreffen angeboten. Klettervorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich, da der Bierkeller fast durchgängig geöffnet ist und in 24 Stunden auch nicht mehr Geld verschlingt als eine deutsche Kneipe in einem Zehntel der Zeit. Das abgelegene Gebiet in der böhmisch-sudetischen Hanfzone bietet ausschließlich grauenhaft gesicherte, brüchig-sandige Risse und Reibungen. Keile, Friends, Chalk usw. sind streng verboten. Eine Bergrettung existiert nicht. Toprope ist unmöglich, da freistehende, schwer zu ersteigende Türme. Für Zucht und Ordnung sorgt die Sandsteinmafia."

In der Tat war der nahe "Bierkeller" ein wesentliches Element unseres Treffens. Gutes Essen & Bier, für deutsche Verhältnisse spottbillig. Das teuerste Gericht kostete ca. 4 €, 0,5 L Pivo ca. 0,80 €. Der "Verbalalpinismus" lief im Bierkeller jeden Abend zu höchster Form auf. Es wird einleuchten, dass das Erlebte allen Teilnehmern in dauerhafter Erinnerung blieb.


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Der Blick aus Meiers Garten war jeden Morgen erhebend.
 
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Lydian

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Für Gebietsfremde ist es fast unmöglich, sich in dem Labyrinth zu orientieren. Es gibt nur einen Kletterführer, der aber auch nur Übersichtsskizzen und verbale Beschreibungen der Kletterwege (natürlich auf tschechisch) bietet. Und so verbringt man einen großen Teil der Zeit mit Suchen nach dem richtigen Turm, dann nach dem Kletterweg und schließlich - was die meiste Zeit in Anspruch nimmt - damit, die Route vom Boden aus einzuschätzen, Sicherungsmöglichkeiten zu taxieren und mit dem inneren Schweinehund zu kämpfen.


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Da willst du hoch? Ernsthaft? Kristina (mit Kopftuch) taxiert den Weg "Slunovrat" am Bürgermeister. Sebastian zweifelt.


Von Kristinas Begehung bekommen wir dann nichts mit, da wir vom Gebietskenner zum Felsen "Hrad" (Burg) geleitet werden. Hier gibt es einen nicht übermäßig schwierigen Weg, der auf 40 m Kletterlänge ungewöhnlicherweise drei Sicherungsringe bietet.


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Trotzdem ist sich Martin nicht so sicher, was da auf ihn zukommt. Nach und nach steigen wir alle durch diesen Weg.

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Die rettenden Ringe. Schwer wird es aber darüber ...




 
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Lydian

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Kletterregeln

1913 wurden die heute noch weitgehend unverändert gültigen Kletterregeln für die Sächsische Schweiz erstmals veröffentlicht. Sie gelten im wesentlichen auch in Adersbach. Hauptcharakteristikum war und ist der Verzicht auf künstliche Hilfsmittel zur Fortbewegung am Fels. Die Kletterregeln sind Bestandteil der Nationalparkverordnung. Sie haben damit einen normierenden Charakter.

Die wichtigsten Regeln sind:
- Der Kletterer darf ausschließlich natürliche Griffe und Tritte nutzen und sich an ihnen mit der eigenen Körperkraft fortbewegen.
- Seile, Schlingen, Karabiner etc. dürfen ausschließlich zur Sicherung verwendet werden.
- Die gegebene Felsoberfläche darf nicht verändert werden (Ausnahme sind Sicherungsringe).
- Sicherungsringe dürfen nur vom Erstbegeher eines Kletterwegs angebracht werden.
- Die Verwendung von Magnesia ist verboten.
- Klemmkeile, Friends und ähnliche Hilfsmittel sind verboten, es dürfen ausschließlich Schlingen verwendet werden.
- Erstbegehungen eines neuen Kletterwegs dürfen ausschließlich von unten nach oben erfolgen.
- Am nassen und feuchten Fels ist das Klettern untersagt.

Die Schwierigkeitsgrade

Es gilt grundsätzlich die sächsische Skala, die mit römischen Ziffern geschrieben wird. Ab VII werden die Grade mit a, b und c weiter unterteilt. Die schwierigsten Wege erreichen derzeit den Grad XIIb. Da die offizielle Angaben in Adersbach bezüglich der Schwierigkeit von Kletterwegen nur Eingeweihten eine halbwegs gesicherte Beurteilung erlauben (man muss wissen, wer diesen Weg erstbeging und bewertete sowie in welcher Phase der Erschließungsgeschichte dies geschah), kursiert unter Kletterern eine verkürzte, etwas sarkastische Skala:

I: es geht
II: es geht schwer
III: es geht nicht


Da der Fels oft strukturarm ist, sollte man Hände und Knöchel, die nach Halt suchend verzweifelt in Risse geklemmt werden, schützen. Oft umhüllen dicke Lagen von Tape die Hände. Wer es beherrscht, gestaltet sich aus zwei Rollen Tape einen Handschuh, den man am Abend aufschneiden, ausziehen und am nächsten Tag wieder überstreifen kann. Zuvor werden Haare auf den Handrücken gerne mit Hilfe eines Feuerzeugs "gekürzt".



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Kristina (Sachsen) und Wolfi (Pfalz) am Stand
 
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Lydian

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Ich habe fast mehr Geschichten des Scheiterns als Fotos ... So beorderte mich der Gebietskenner in eine Seilschaft mit Kristina und wies uns den Weg "Modni vlna" (Modewelle) an der Burg zu. Eine abdrängende Wand, ein stark überhängender, seichter Faustriss, Ausstiegsgeplänkel im 6. Grad. Bewertung IXb. Kristina kämpfte sich bravourös mit allerletzter Kraft hoch, aber ich versagte. Keine Chance, ein Desaster mit dem Ergebnis heftig blutender Hände.

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Kristina in "Modni vlna"

Auch an der Großen Guillotine in der Route "Sturzkante", VIIIc (ich hätte es wissen müssen ....diese Namen!) erging es mir nicht besser. Abwechselnd vorsteigend kämpften Helge und ich uns immerhin bis an die Schlüsselstelle etwa 10 m unter dem Gipfel empor. Dort gaben wir auf.

Mit viel Bier wurden die Niederlagen am Abend begossen.

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Aber es folgten auch Erfolgserlebnisse.

PS: Ich habe diesen Beitrag um zwei kürzlich wiedergefundene Fotos ergänzt. Leider nur in geringer Auflösung.
 
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assiliisoq

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Huuu, bei deinen Beschreibungen und Fotos bekomme ich einerseits richtig Lust, auch mal wieder Hand anzulegen -
andererseits stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich mich erinnere, wie viel Respekt mir der sicherungslose Sandstein (in der Sächsischen) eingeflößt hat. Und natürlich seine Bezwinger.

Dieses Felsenstadt kannte ich tatsächlich noch nicht. Ich würde ziemlich sicher nicht abheben.
Sieht aber für Sandstein-Liebhaber extrem reizvoll aus!
 
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Lydian

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Im Ernst: Im Vergleich zu Adersbach ist das Elbsandstein Kindergeburtstag oder Ponyhof. Im Elbsandstein bin ich gut zurechtgekommen, auch mit eher schwer bewerteten Wegen wie Teufelsturm Talseite. In Adr gibt es eigentlich keine leichten Wege; so ist ein Pfälzer, der hierzulande durchaus auch mal einen oberen Siebener zieht, aus einer III mit Schmackes rausgeflogen. Auch die Sicherungsmöglichkeiten sind im Vergleich in Adr sehr spärlich gesäht. Nicht in jedem Weg, aber meistens. Statistik: In Adr gibt es mehr Kletterwege als Sicherungsringe. Das heißt, in den meisten Wegen gibt es keine.

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So unstrukturiert wie an diesem kleinen Türmchen ist es oft. Dieser Weg ist vergleichsweise gut gesichert.​
 
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assiliisoq

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Im Ernst: Im Vergleich zu Adersbach ist das Elbsandstein Kindergeburtstag oder Ponyhof.

Sieht so aus.

Dieser Weg ist vergleichsweise gut gesichert.

Ist ja sogar ein Abseilring drauf - und nicht erst auf einem der Nachbartürme.

Huuu, sieht gruselig aus - und verlockend!
Ist aber leider gar nicht mein Niveau.
Da bekomm ich vom Gucken schon ´ne Nähmaschine ...
 
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Lydian

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Stichwort scheitern: Beim ersten Aufenthalt in Adersbach scheiterten wir an der Route Údolní hrana (Talkante), VIIIa an der Stepanska Koruna (Stefanskrone ). Die beste Ehefrau von allen scheute in einem windigen Quergang. Aber meine Krone muss ich doch besteigen!!!


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Hier eine andere Seilschaft im oberen Teil der Route.

Da sich die internationale Seilschaft Baden/Australien/Pfalz am Liebespaar bewährte, erfolgte nun ein neuer Versuch.

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Am Ende der besagten Querung (Foto: Ashley).


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Dieses Mal glückte die Besteigung. Ashley sichert vom Gipfel nach. Genussklettern am Ausstieg - völlig Adr-untypisch.


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Blick vom Gipfel auf die Stelle, von der die ersten beiden Fotos dieses Beitrags geschossen wurden. Sebastian beobachtete uns und war etwas in Sorge, ob wir es noch im Tageslicht schaffen würden ...


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Beim Abseilen: Blick auf Großer Schöffe, Bürgermeisterin und Bürgermeister

 
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Lydian

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Die Felsenstadt im Morgenlicht. Markant die Bürgermeisterin mit ihrem Kopf und der hübschen Nase. Sogar eine Frisur ist zu erkennen. Der Bürgermeisterin werden wir auch noch auf's Haupt steigen. Höchster Fels der Gruppe ist die Stefanskrone (Stepanska Koruna) mit den glatten Kanten; über die linke sind wir aufgestiegen.


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Martina auf den letzten Metern zum Gipfel des Král (König), einer der etwas leichter zu besteigenden Türme (SG V).


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Blick aus der Felsenstadt auf Meiers Wiese, unser Zelt & Bulli.


 
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Lydian

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Gipfel und Wege in Adersbach tragen oft einschüchternde Namen. Auch an der Bürgermeisterin gibt es eine solchen Weg: "Iljův odkaz". Scherzhaft von uns "Iljas alte Katze" genannt, lautet die korrekte Übersetzung "Iljas Vermächtnis". Die Weg-Beschreibung im Kletterführer:

" Od JV koutovou spárou (1. kruhu) a komínem na pilíř. Zleva úzkým komínem do vhloubení ke 2. kruhu. Spárou přes převis ke 3. a 4. kruhu. Stěnou pod hlavu, traverz stěnou doleva ke 2. kruhu Staré cesty a tou na vrchol".

OK, "kruhu" heißt Ring und auch "kominem", "traverz" und "Starè cesty" können wir entschlüsseln. Aber sonst? Zum Glück haben wir den Gebietskenner dabei. Er übersetzt:

"Von Südosten Verschneidungsriß (R) und Kamin auf Pfeiler. Links engen Kamin zu Nische (2.R). Riss über Überhang zu 3. und 4. R. Unter dem Gipfelkopf nach links zum 2. R des Altes Wegs queren und wie dieser zum Gipfel."

Immerhin, 5 Ringe auf 70 Meter. Was bin ich froh, dass ich Kristina nachsteigen darf. Behängt wir ein Weihnachtsbaum, Hände und Schuhe mit Tape geschützt, macht sie sich auf den Weg.

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Etwa eine Stunde lang hören wir ihr kratzen, schaben, stöhnen, fluchen. Sehen tun wir nicht viel. Einmal quere ich auf eine benachbarte Plattform und schieße ein Foto, derweil Wolfi weiter sichert. Kristina ist gerade am Überhang. Das Foto ist mit Tele geschossen; in Realität ist es dort viel höher als es hier scheint.


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Die gleiche Stelle aus anderer Perspektive. Helge macht Stand am Überhang.

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Dann der Ruf: "Stand!" Wolfi ist als nächster dran. Obwohl er von oben gesichert wird, vertraut er mir beim Lossteigen an: "Ich hab' Schiss wie die Sau!", zwängt sich in den Riss und versucht, Höhe zu gewinnen.


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"​
 
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Lydian

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Kristina sichert den rampfenden Wolfi nach, Helge fotografiert en passant beim Abseilen.



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Euphorie nach Überwindung der Hauptschwierigkeiten



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Nun nur noch der Bürgermeisterin auf den Kopf steigen



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Hier nochmal die Bürgermeisterin mit ihrem hübschen Kopf aus der Ferne. Im Prinzip stiegen wir ihr über das Ohr bzw. durch die Frisur. Der die Aufstiegslinie markierende Riss ist deutlich erkennbar.



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Abseilen im Abendlicht


 
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Lydian

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Als Kletterer hat man sich durchaus daran gewöhnt, dass es ein Boom-Sport geworden ist und in manchen Gebieten der Andrang das erträgliche Maß oft überschreitet. Nicht so in Adersbach: Da muss man schon länger schauen, um an einem der über 1.000 Türme Kletterer zu entdecken. Ein Zoom auf die Totale (jedenfalls, was die Knipse hergibt ....) verdeutlicht die Dimensionen.


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jazzmasterphoto

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Faszinierend Bilder! :up:

In jungen Jahren hätte ich so was gerne gemacht
und damals wohl auch gekonnt …

Mich würde nun schwer interessieren, wie griffig
der Sandstein ist – denn ich war mal vor Jahren
in Yosemite (okay, von der harmlosen Seite :) ,
aber dennoch nicht ohne) auf einem Kletterberg,
dessen Oberfläche glatt wie ein Kinderpopo ist.



 
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Lydian

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Mich würde nun schwer interessieren, wie griffig
der Sandstein ist – denn ich war mal vor Jahren
in Yosemite (okay, von der harmlosen Seite :) ,
aber dennoch nicht ohne) auf einem Kletterberg,
dessen Oberfläche glatt wie ein Kinderpopo ist.

Half Dome? Auf den Spuren von Ansel Adams?




Yosemite ist Granit, und dann noch ein bekanntermaßen glatter. Die Türme in Adersbach und Weckelsdorf sind aus Sandstein (also quasi aus ehemaligem Granit ....), sehr grobkörnig und rau. Ein Nachteil ist, dass - wer auch immer - bei der Herstellung stellenweise recht sparsam mit Bindemittel umgegangen ist, was hin und wieder zur berüchtigten Adersbacher Rollreibung führt.

Was heißt in jungen Jahren? Ich habe 17jährig mit dem Klettern begonnen, musste aber 41 werden, bis ich zum ersten Mal in Adr war. Die Fotos hier sind nochmal zwei Jahre später entstanden.

Hier mal ein Foto aus Weckelsdorf, das auf dem gleichen Berg wie Adr liegt und mit einem längeren Spaziergang von dort erreicht werden kann. Helge am Krokodil (Foto: Rüdiger):

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In Weckelsdorf, teilweise auch in Adersbach, wurden große Teile des tschechischen Märchenfilms "Der dritte Prinz" gedreht. Hier z. B. ab ca. 50 Min:
https://www.youtube.com/watch?v=IHOwLc-5U0U


 
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Lydian

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Zum Abschluss ein großer Spaß. Zwischen dem Bürgermeisterpaar wird gerne eine Seilbahn gebaut und luftig vom einen zum anderen Gipfel gehangelt. Dazu schickt man je eine Seilschaft auf die beiden Türme, was aufgrund der klettertechnischen Schwierigkeiten jeweils recht lange dauert. Oben angekommen, werfen beide je ein Seilende (eines mindestens 70 m langen Seiles) zu Boden, welche vom Bodenpersonal zusammengeknotet werden. Dann wird Seil eingeholt, die Seilbahn eingerichtet und der Spaß von Kopf zu Kopf kann beginnen.

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Die Kletterregeln besagen, dass man sich nicht im Gipfelbuch des erhangelten Turmes eintragen darf, da man ihn schließlich nicht sportlich einwandfrei erstiegen hat. Hier Fotos zweier uns unbekannter Seilschaften. Vor zwei Jahren machten wir dort das gleiche - allerdings bei unsicherem Wetter. Das Einrichten gelang noch im Trockenen, aber dann ging ein veritabler Wolkenbruch nieder und machte die Sache noch spaßiger. Nicht ganz so lustig war das sich direkt über Adersbach entladende Gewitter und unsere doch sehr exponierte Position. Aber es ging gut.


 
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Lydian

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Adersbach wird für mich immer mit Kristina verbunden sein. Zwar lernten wir uns schon einige Jahre zuvor kennen und kletterten auch in anderen Gebieten zusammen, aber hier konnte ich Kristina mit ihrer ganzen großartigen Persönlichkeit, ihrer unbändigen Energie und Willenskraft und auch ihrem so trockenen Humor erleben. Im September 2010 kam sie durch einen Felssturz im Wilden Kaiser ums Leben. Sie wird uns allen gerade auch abseits des Kletterns immer ein leuchtendes Vorbild bleiben. Deshalb möchte ich ihr diesen kleinen Bericht widmen. Das nachfolgende Foto machte Helge (siehe auch Beitrag 15).


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In Gedenken an Kristina
1981 - 2010​
 
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