ARBEITEN IM FELD – DIE PFLEGE
(‚Trabalhos na roça – a manutenção’)
Auch wenn die Arbeit morgens offiziell um 7.00 Uhr beginnt, ist Osmundo meistens
schon ab 6.30 Uhr, immer irgend etwas hantierend, auf dem Hauptplatz der Farm zu
finden. Osmundo ist einer der vier Vorarbeiter (‚fiscal‘) der Farm und der lebende
Beweis für brasilianischen Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.
Er weiß, dass eine gute Pflege und Weiterentwicklung der Kakaoplantage sehr
arbeitsintensiv, aber ebenso wichtig für die Produktivität und die Bekämpfung des
Pilzschädlings ‚vassoura-de-ruxa‘ und anderer Plagen ist. Bei den wichtigsten
Arbeiten im Feld konnte ich Osmundo begleiten: "Ja klar, du kannst doch nicht hier
wieder weggehen, ohne alles kennengelernt, fotografiert und aufgeschrieben zu
haben!"
Mulchen (‚Cobertura-morta‘)
Beim Mulchen (‚cobertura-morta‘) plaziert Osmundo halbierte Bananenstämme (mulch = engl.
für unverrottetes organisches Material) um einen Kakaobaum. Dabei erklärt er: "Bananen
haben einen riesigen Wasserspeicher, der den Kakaobaum zusätzlich bewässert und außerdem
störendes Wachstum von neuem Gras verhindert. Deshalb heißt diese Methode ‚cobertura-
morta‘!). Zusätzlich schützen die Bananenstämme die Pflanze vor Insekten und Schädlingen."
„Fliegennest“ (‚Ninho de mosca‘)
Als Osmundo dann einen Bananenstamm in Scheiben schneidet und diese um einen Kakaobaum
herum legt, nennt er dies „Fliegennest“ (‚ninho de mosca‘): Die Wirkung sei dieselbe wie
beim Mulchen, nur dass hierduch zusätzlich die kleine Mücke angelockt werde, die dann die
Kakaoblüten bestäubt. "Sie liebt besonders den Strunk des Bananenstamms. Auf diese Weise
erhöhen wir die natürliche Bestäubung und somit die Produktivität der Kakaobäume."
„Hinführung der Wurzel“ (‚indução de raiz‘)
Es ist beeindruckend, mit welcher Präzision Osmundo seine Machete einsetzt. Das Stück des
Bananenstammes für die Methode der „Hinführung der Wurzel“ (‚indução de raiz') passt
haarscharf auf den ersten Schlag.
Diese Maßnahme hilft einem Ast, der mit der Pfropfen-Veredelungsmethode (s. weiter unten)
neu angesetzt wird , schneller eigene Wurzeln zu schlagen und zu wachsen. Dazu presst
Osmundo das abgeschlagene Stück des Bananenstamm unter den neu angewachsenen
Ast. Der neue Ast nutzt nun den Bananenstamm, um eigene Wurzeln schneller in die Erde
zu treiben. Sobald der neue Ast beginnt, Früchte zu tragen, wird der alte Baum
abgesägt.
„Hinführung der Wurzel“: Beispiel eines Ergenbisses dieser Methode
Osmundo pflanzt einen Kakaobaum
Wenn Osmundo Kakao-Setzlinge neu pflanzt, nimmt er grundsätzlich die Kakao-Sorten, die
widerstandsfähiger gegen die ‚vassoura-de-bruxa‘ sind als andere Sorten. Zusätzlich düngt
und mischt er vorher die Erde, giesst die neue Pflanze und legt einen kleinen Mulch und
erklärt: "Wenn ich will, dass aus meinem Sohn einmal etwas Vernünftiges werden kann,
muss ich ihm schon in der Kindheit alle Chancen dazu eröffnen, nicht?".
Frisch gepflanzter Kakaobaum mit kleinem Mulch
DIE VEREDELUNG
Osmundo und seine Kollegen der Fazenda Boa Sentença arbeiten intensiv mit der Veredelungs-
methode "Pfropfen" (‚metodo de enxertia‘). Diese Tätigkeit ist existentiell bei der
Bekämpfung des Pilz-Schädlings ‚vassoura-de-bruxa‘, der der Kakaoproduktion Brasiliens
so sehr zugesetzt hat. Osmundo ersetzt mit dieser Methode vom Pilz befallene, aber
auch sonst schlecht produzierende Bäume, durch restistentere, gesunde Sorten: "Wir
setzen einfach einen produktiven Ast eines anderen, gesunden Baumes an den Stamm
eines befallenen oder schlecht produzierenden Baumes an."
Poster: Veredelungsmethode Pfropfen (‚Metodo de enxertia‘)
Osmundo ritzt die Rinde des befallenen Baumes vorsichtig an, öffnet sie leicht und setzt
dann den schräg angeschnittenen Ast in die Schnittstelle ein. Mit dem hohem Druck eines
fest zugeschnürten Plastikbandes presst er den neuen Ast fest an die Nahtstelle. "Den
neuen Ast müssen wir mit einer kleinen Plastiktüte abdecken, damit darunter die nötige
Feuchtigkeit und Wärme entstehen kann", erklärt er. Als letzten Schritt schützt er aber
dann die Nahtstelle vor zu starker, direkter Sonneneinstrahlung mit einem alten Blatt, da
der neue Ast sonst verbrennen würde. Innerhalb von ca. 3-4 Wochen wächst der neue
Ast an.