Doch das Bild des idyllischen Myanmars trügt. Viele Gebiete des Landes sind aufgrund politischer und religiöser Unruhen gesperrt, darunter leider auch der Norden mit den Ausläufern des Himalaya. Somit konzentrieren sich die Besucher auf wenige zentral-gelegene Routen. Um dem staatlich gelenkten Touristenstrom zumindest etwas zu umgehen, reisen wir in das Städtchen Hsipaw im nördlichen Shan-Staat. Eine mehrtägige Wanderung soll uns durch die Dörfer der Palaung führen, eines der ca. 70 Völkchen dieses multikulturellen Landes. Es gibt keine Karten der Gegend, auch Google Maps zeigt nur weiße Flächen, und auf einen Guide wollen wir verzichten. Wir sprechen kein burmesisch und die Menschen hier kein englisch – doch das ist nicht weiter tragisch, denn die Palaung kennen eine gänzlich andere (Schrift)sprache. Ein Einheimischer notiert und übersetzt die Namen der Dörfchen in unleserliche Kringel und rät noch vom Zelten ab: zu viel Miliz, Wildschweine, handtellergroße Spinnen und Schlangen, nicht zuletzt sei es verboten.
#46 Mit unserem Schmierzettel bewaffnet machen wir uns auf den Weg, nur mit dem Nötigsten ausgerüstet - wenig später erklingt tatsächlich, pünktlich zu Weihnachten an einem seeeehr unweihnachtlichen Ort "Stille Nacht, Heilige Nacht" aus einem Kloster...
#47 Nashornvogel (allerdings fotografiert im Vogelhaus Hsipaw).
#48 Diese hübsche Radnetzspinne der Gattung
Nephila...
#49 ... ist tatsächlich ein Monster.
Der Weg führt durch winzige Weiler, in denen die Zeit mindestens stehen geblieben ist. Kinder ducken sich schüchtern hinterm Rockzipfel oder laufen uns freudig entgegen – wir sind beileibe nicht die ersten Weißen, aber immer noch eine Attraktion.
#50
#51
Wir werden es noch oft erleben, in Myanmar oder Vietnam: Kinder und Jugendliche, die uns um Englisch-Nachhilfe bitten. Besonders hier, in Myanmar, wird deutlich, dass ein Großteil der Bevölkerung zu Zeiten der Militärdiktatur bildungspolitisch sehr kurz gehalten wurde.
#52
Wir verbringen einen feuchtfröhlichen Abend mit einer Runde Briten, reichlich chinesischem Bier und übernachten in der Bambushütte eines Gasthauses. Ich erwache spät nachts, da sich mein Rucksack bewegt, struppig anfühlt und schließlich im Halbdunkel die Form eines verlausten Straßenhundes annimmt. Es dauert eine ganze Weile, das Tier nach draußen zu bugsieren. Claudia kämpft derweil gegen eine böse Magenverstimmung und verbringt nahezu die ganze Nacht auf dem Plumpsklo im Freien. „Das ist bestimmt eine Reisvergiftung!“, schimpft sie und vermutlich hat sie recht. Das burmesische Essen ist zwar prinzipiell lecker, aber meist ziemlich ölig und auf Dauer recht eintönig. Es gibt Reis mit Gemüse, frittiert, gebraten oder gedünstet, fettige Reiscracker oder Reisnudeln. Claudia versalzt manchmal absichtlich ihr Essen, um Abwechslung reinzubringen. Was würden wir geben für ein Stück Graubrot mit Käse? Noch schöner wäre Döner, Bratwürstchenpizza oder Freddy Freshs „Grüner Garten“...
Auch Tagträume können nicht über bösen Durchfall hinwegtäuschen, die Dorfschamanin bringt ein Gebräu, das wie Brechmittel schmeckt.
#53
Ein Bauer bringt Claudia am nächsten Morgen auf dem Moped zurück nach Hsipaw, während ich zu Fuß folge und mich noch etwas treiben lasse. Die Menschen leben von der Hand in den Mund, ohne Strom oder Zugang zu Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Fast jeder hütet Schweine, Hühner und Kühe, erntet Mais, Bohnen und Reis.
#54
#55 Was auf uns wie eine spannende Zeitreise wirkt, ist für die hier Lebenden harter, unvorstellbarer Alltag.
#56 Einen 700 Kilo schweren Wasserbüffel reiten? Warum nicht...