Zauberhaftes Myanmar

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Besser kann man Landschaften in dem Licht der Morgen- und Abendstunden kaum darstellen...:up::up::up: Nach einem etwas schläfrigen Start in den
Morgen bin nach dem Anschauen deiner letzten Bilder mit einem Schlag hellwach !
 
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Hallo Daniel,

einmal mehr traumhafte Impressionen aus einer (nicht nur) fotografischen Traumdestination.

Und schon wieder habe ich keine Daumen mehr...

LG,
Ralf

PS: Könntest Du evtl. noch näheres zum "Startrails"-Bild (#24) schreiben ?
Dieses hat es mir besonders angetan...
 
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Hallo Ralf,

danke für die Blumen!

Zum Startrail:
- Ich hatte mit den ersten Aufnahmen bereits zur Dämmerung (in etwa zur Blauen Stunde) begonnen, um Farbe in den Hintergrund zu bringen und störende, künstliche Beleuchtungen zu umgehen. Dazu habe ich zwei Aufnahmen erstellt, eine unterbelichtete für den Himmel und eine überbelichtete, um Details im Vordergrund zu erhalten. Etwa 30 Minuten später folgte die Serie für die Startrails (f4, ISO 1250, 60sec), gleicher Standort. Alternativ hätte ich auch direkt starten können und einige Aufnahmen verworfen, aber identische Belichtungsparameter (ISO) erschienen mir hier kontraproduktiv und so musste ich die Kamera sowieso anfassen.
- In PS wurden zunächst die Vordergrundaufnahmen mittels Luminanzmasken angepasst, anschließend das Startrail überlagert (Ebenenmodus "Weiches Licht" oder "Aufhellen"). Die Strichspuren habe ich mit Starstax gestackt ("Lücken füllen" und "Kometenmodus").
- Wichtig war die exakte Ausrichtung nach Westen und eine längere Brennweite, um parallele Striche zu erhalten.

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass das Rotationszentrum auf der falschen Seite liegt... Ich hatte die finale Version noch einmal gespiegelt, da mir die Bildwirkung besser gefiel.
 
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Einige 'blaue Stunden' später nutzen wir die günstige Anbindung zu einem weiteren Highlight des Landes, dem Inle-See. Da wir Unterkünfte nie vorbuchen, stecken wir hier regelmäßig in einem Dilemma: Überland-Busse in Myanmar starten immer spätabends und erreichen ihr Ziel mitten in der Nacht, so müssen wir die Morgenstunden meist totschlagen... mit Warten oder Fotografieren.


#25




In einem Boot erkunden wir die weite, sumpfige Marschlandschaft mit fließendem Übergang zum See. Lautlos gleiten wir entlang der Wasserstraßen kleiner Ortschaften, deren streichhölzerne Bambushütten sich auf wackeligen Stelzen halten.


#26




Ein Ort von magischer Schönheit, nur die Bugwelle durchbricht die spiegelglatte Wasseroberfläche.


#27




Lila Wasserhyazinthen bilden hübsche Vorgärten. Bauern ernten Tomaten, bauen Gurken und Bohnen auf ihren schwimmenden Feldern an. Kiosk, Schweinestall, Schule, Wochenmarkt und Post – alles Alltagsleben geschieht hier auf dem Wasser.

#28




Ich frage mich stets: wie muss das auf die Einheimischen wirken? Auch als Rucksacktourist komme ich mir vor wie ein Fremdkörper in dieser ganz andersartigen Welt, die seit Jahrhunderten kaum verändert scheint.


#29

 
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Da ich nach Möglichkeit vor dem Fotografieren um Erlaubnis bitte, muss ich hier schnell sein: fragen, Kamera einstellen, Fotos schießen, zeigen, erneut fragen... geht in dem Einbaum nicht. Irgendwann habe ich den Dreh raus, winke schon von Weitem, mit Händen und Füßen klappt die Verständigung.


#30




Die Fischer haben eine außergewöhnliche Rudertechnik entwickelt: das Ruderblatt wird mit dem rechten Arm und Bein gesteuert und gleitet ähnlich einer Haifischflosse wellenförmig und geräuschlos durch das Wasser. So bleibt, auf dem freien Bein balancierend, eine Hand frei zum Auswerfen der Netze.


#31




#32




Das Boot kann auf diese Weise in alle Richtungen gesteuert werden; Mensch, Gefährt und Wasser verschmelzen zu einem Element.


#33




Schon die Jüngsten beherrschen die einzigartige Technik meisterhaft und steuern ihre Boote wendig und geschickt auch durch engste Gassen.


#34




Ich habe Glück mit unserem Bootsführer: nach einigen Instruktionen weiß er die Fischerboote in günstigem Winkel zur Sonne anzufahren, seine Adleraugen erspähen lohnende Motive schon von Weitem. Und er kennt die meisten Fischer persönlich, was die Verständigung sehr erleichtert - nichts ist mir peinlicher, als wie ein westlicher Safari-Tourist und ohne zu fragen durch die Dörfer zu schippern.


#35




Am Abend taucht die untergehende Sonne die ohnehin schon märchenhafte Szenerie in ein auberginefarbenes Licht. Ich dirigiere den Bootsführer von Motiv zu Motiv; Claudia dagegen schluckt nur stumm. Noch nie zuvor haben wir einen derart naturverwachsenen, anmutigen Ort menschlicher Zivilisation erlebt.


#36

 
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Daniel,

alles - wie immer - super.
Die Aufnahmen mit dem 85er beeindrucken mich sehr!!

LG Hans
 
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Die Mischung aus den tollen Bildern mit den interessanten Geschichten aus dem Land und den technischen Ausführungen zu einigen Fotografien machen diesen Thread zu einem der spannendsten in letzter Zeit. :up:
 
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TRAUMHAFT!!!
Und mir sind schon wieder die Daumen ausgegangen. Danke für die wunderschönen Einblicke in eine mir fremde Welt!

LG
Jürgen
 
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Lieber Daniel,

deine/eure Art zu reisen und deine Art zu fotografieren begeistern mich immer wieder -
Erlebnisse und Ergebnisse verschmelzen kongenial zu Bildbänden, in denen ich versinken kann!

Vielen Dank für deine vielen großartigen Reportagen!

Sylvia
 
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Hi Daniel, bin unterwegs, aber das muss ich loswerden! Ganz wunderbare Fotos, #31 ist fantastisch, eins der schönsten Fotos, das ich seit langem gesehen habe, danke auch für die spannenden Infos über die Menschen dort.

LG,
Jochen
 
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...#31 ist fantastisch, eins der schönsten Fotos, das ich seit langem gesehen habe, danke auch für die spannenden Infos über die Menschen dort.

Glück gehabt - ich wollte es erst dem digitalen Papierkorb zuführen, da das Licht so schlecht war...



Die Menschen sind zumeist nur wenig kamerascheu und ich darf fast jeden fotografieren. Die alte Dame wollte natürlich jedes Bild sogleich begutachten, auch nach jedem Klicken der Abblendtaste... Es dauerte eine ganze Weile, bis ich ein befriedigendes Ergebnis im Kasten hatte.


#36 Man raucht viele Zigarren...




#37 ...und kaut Unmengen Betelnüsse. Die an Muskatnuss erinnernde Frucht entfaltet eine nikotinähnliche Wirkung, macht schöne rote Zähne...




#38 ...und sorgt für das bezauberndste Lächeln der Welt.


 
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„Warmly welcome and assist tourists“, heißt es auf einem Hinweisschild inmitten eines Ortes. Ich glaube, die Einheimischen haben es internalisiert. Sie begegnen uns Fremden mit einer derartigen Wärme und aufrichtigen Freundlichkeit, die wir als kühle Deutsche schlicht unfähig sind zurückzugeben. So sehr wir auch wollen. Wir werden stets angelächelt, neugierig beäugt. Vor allem junge Mädchen fragen Claudia schüchtern nach einem gemeinsamen Foto. Ein Restaurantbesitzer schenkt mir Zigarren, seine Frau Claudia derweil einen hölzernen Armreif, Andere Obst und selbstgenähte Taschen.


#39




#40




Aber es ist nicht nur die grandiose Gastfreundschaft der Menschen, auch ihre natürliche Schönheit fasziniert uns immer wieder.


#41




Die Frauen schminken ihr Gesicht mit einer aus Wurzeln gewonnenen Paste, die Sonnenschutz und Kosmetik zugleich sein soll - schon die Kleinsten tragen die unverwechselbare Schminke.


#42




Ich kann die Zahl der besuchten, südostasiatischen Märkte nicht mehr zählen - aber ein Erlebnis war es immer!

#43




Als wir das Städtchen Hsipaw mit dem Rad durchstreifen, stolpern wir über eine Nudelfabrik. Nachdem das Reismehl mit Füßen gestampft, bloßen Händen gerollt und das Endprodukt schließlich gedämpft wird, gelangen die Glasnudeln auch nach Deutschland...

#44




Was den Frauen ihre Kosmetik, ist den Männern der Longyi (Wickelrock), beides unverkennbare Charakteristika der Burmesen.

#45





 
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Ich gebe hier mal ein globales :up:
Finde die Bilder (und Bericht) ausnahmslos schön.

Und selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Fotos steigern aber sowas von unsere Vorfreude
 
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Doch das Bild des idyllischen Myanmars trügt. Viele Gebiete des Landes sind aufgrund politischer und religiöser Unruhen gesperrt, darunter leider auch der Norden mit den Ausläufern des Himalaya. Somit konzentrieren sich die Besucher auf wenige zentral-gelegene Routen. Um dem staatlich gelenkten Touristenstrom zumindest etwas zu umgehen, reisen wir in das Städtchen Hsipaw im nördlichen Shan-Staat. Eine mehrtägige Wanderung soll uns durch die Dörfer der Palaung führen, eines der ca. 70 Völkchen dieses multikulturellen Landes. Es gibt keine Karten der Gegend, auch Google Maps zeigt nur weiße Flächen, und auf einen Guide wollen wir verzichten. Wir sprechen kein burmesisch und die Menschen hier kein englisch – doch das ist nicht weiter tragisch, denn die Palaung kennen eine gänzlich andere (Schrift)sprache. Ein Einheimischer notiert und übersetzt die Namen der Dörfchen in unleserliche Kringel und rät noch vom Zelten ab: zu viel Miliz, Wildschweine, handtellergroße Spinnen und Schlangen, nicht zuletzt sei es verboten.


#46 Mit unserem Schmierzettel bewaffnet machen wir uns auf den Weg, nur mit dem Nötigsten ausgerüstet - wenig später erklingt tatsächlich, pünktlich zu Weihnachten an einem seeeehr unweihnachtlichen Ort "Stille Nacht, Heilige Nacht" aus einem Kloster...




#47 Nashornvogel (allerdings fotografiert im Vogelhaus Hsipaw).




#48 Diese hübsche Radnetzspinne der Gattung Nephila...




#49 ... ist tatsächlich ein Monster.




Der Weg führt durch winzige Weiler, in denen die Zeit mindestens stehen geblieben ist. Kinder ducken sich schüchtern hinterm Rockzipfel oder laufen uns freudig entgegen – wir sind beileibe nicht die ersten Weißen, aber immer noch eine Attraktion.


#50




#51




Wir werden es noch oft erleben, in Myanmar oder Vietnam: Kinder und Jugendliche, die uns um Englisch-Nachhilfe bitten. Besonders hier, in Myanmar, wird deutlich, dass ein Großteil der Bevölkerung zu Zeiten der Militärdiktatur bildungspolitisch sehr kurz gehalten wurde.


#52




Wir verbringen einen feuchtfröhlichen Abend mit einer Runde Briten, reichlich chinesischem Bier und übernachten in der Bambushütte eines Gasthauses. Ich erwache spät nachts, da sich mein Rucksack bewegt, struppig anfühlt und schließlich im Halbdunkel die Form eines verlausten Straßenhundes annimmt. Es dauert eine ganze Weile, das Tier nach draußen zu bugsieren. Claudia kämpft derweil gegen eine böse Magenverstimmung und verbringt nahezu die ganze Nacht auf dem Plumpsklo im Freien. „Das ist bestimmt eine Reisvergiftung!“, schimpft sie und vermutlich hat sie recht. Das burmesische Essen ist zwar prinzipiell lecker, aber meist ziemlich ölig und auf Dauer recht eintönig. Es gibt Reis mit Gemüse, frittiert, gebraten oder gedünstet, fettige Reiscracker oder Reisnudeln. Claudia versalzt manchmal absichtlich ihr Essen, um Abwechslung reinzubringen. Was würden wir geben für ein Stück Graubrot mit Käse? Noch schöner wäre Döner, Bratwürstchenpizza oder Freddy Freshs „Grüner Garten“...

Auch Tagträume können nicht über bösen Durchfall hinwegtäuschen, die Dorfschamanin bringt ein Gebräu, das wie Brechmittel schmeckt.


#53




Ein Bauer bringt Claudia am nächsten Morgen auf dem Moped zurück nach Hsipaw, während ich zu Fuß folge und mich noch etwas treiben lasse. Die Menschen leben von der Hand in den Mund, ohne Strom oder Zugang zu Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Fast jeder hütet Schweine, Hühner und Kühe, erntet Mais, Bohnen und Reis.


#54




#55 Was auf uns wie eine spannende Zeitreise wirkt, ist für die hier Lebenden harter, unvorstellbarer Alltag.




#56 Einen 700 Kilo schweren Wasserbüffel reiten? Warum nicht...

 
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Glück gehabt - ich wollte es erst dem digitalen Papierkorb zuführen, da das Licht so schlecht war…

Du bist des Wahnsinns fette Beute!
Ich mag gar nicht dran denken, was da alles von den Chipkarten gelöscht wurde…

Die letzten Bilderstrecken waren - sofern das überhaupt geht - nochmal eine Steigerung und speziell einige der Portraits hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei mir. Wirklich großartig!
 
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Wer da kein Fernweh bekommt, dem ist wirklich nicht meht zu helfen.
Ich bin jetzt über 8 Jahre hier im Forum aktiv. Und erst recht wieder froh darüber.
 
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