Wie geht "gute" Bildkritik?

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.
Lieber Sven,

mmh, letzterer Satz macht mir Kopfschmerzen, denn dann landet man
rasch bei Betroffenheitslyrik.​
Nee, nee! Ich habs nicht so mit lauwarmem Gurkentee, Räucherstäbchen und Problemerde :vampir: So war das nicht gemeint. Ich glaube im Gegenteil, dass es viele gibt, die durchaus das Zeug dazu hätten, konstruktive Anmerkungen zu machen, sich aber nicht trauen, weil sie meinen, nicht kompetent genug zu sein.​

Ratschläge wie das "Tiefen anheben" sind reines Handwerk und haben mit Bildkritik m.E. nichts gemein.
Auch von Dir habe ich schon oft den Ratschlag gelesen, doch mal an der Tonwertkurve zu zupfen ;) Für mich gehört zu einer umfassenden Bildbesprechung auch die Überlegung dazu, was man besser machen könnte. Ggf geht das nicht nur mit dem oft berechtigten Vorschlag "Fahr nochmal hin und mach das Bild neu" sondern manch mangelnder Wirkung kann mit einfachen Mitteln auch in der EBV abgeholfen werden.​
Allerdings: ein ungestaltetes Bild bleibt ein ungestaltetes Bild.​

Mir jedenfalls ist ein technisch lausiges Bild mit Aussage tausendmal lieber als ein handwerklich perfektes ohne inhaltliche Substanz.

D`accord! Aber ob nun in dem einen oder dem anderen Bereich noch was besser gemacht werden kann, ist doch eigentlich egal: es anzusprechen, bringt im besten Falle den Fotografen wieder ein Stück weiter.

 
Kommentar
Anzeigen
Hi alle,

ich habe versucht, alles zu lesen, und hoffe deshalb, nicht zu viel wiederholen.
Ich persönlich differenziere zwischen Meinung und Kritik.
"Kritik" hat für mich ebenfalls den Aspekt "Kompetenz", also abseits von "gefällt mir" beschreiben zu können, warum etwas diesen oder jenen Eindruck erweckt oder evtl. sogar "gut" oder "schlecht" genannt werden darf.
So käme ich z. B. nie auf die Idee, ein Porträt zu kritisieren, weil ich davon schlicht keine Ahnung habe.
"Meinung" erlaube ich mir auch ohne die genannte Kompetenz, versuche gleichwohl, sie sachlich freundlich zu platzieren. Und eine Meinung bilde ich mir auch zu Porträts. Und wenn ich das Gefühl habe, dass an einer Stelle jemand an Meinungen interessiert ist (Beispiel die Frisörbilder kürzlich), dann äußere ich die auch.

Zuletzt kommt der Kontext, der hier ja auch schon angesprochen wurde (also ob es in einem bestimmten Forenteil der Sache dienlich oder angemessen ist, einen fortlaufenden Sinnzusammenhang durch Kritiken zu unterbrechen).

Wenn ich selbst Bilder einstelle, die kritisiert werden sollen (was ich tatsächlich sehr selten tue), freue ich mich über klare Worte, die freundlich und konstruktiv formuliert sind (bei Meinungen freue ich mich über Formulierungen wie "ich finde..." statt "das ist...").
 
Kommentar
... Auch von Dir habe ich schon oft den Ratschlag gelesen, doch mal an der Tonwertkurve zu zupfen ;) ...


Touché!

Dergleichen betrachte ich freilich als rein handwerklichen Rat.
Das hat mit Bildaussagen und Ästhetik primär nichts zu tun,
sekundär dagegen schon, wenn es hilft, eine Bildaussage zu
pointieren oder erst zu ermöglichen.



... Für mich gehört zu einer umfassenden Bildbesprechung auch die Überlegung dazu, was man besser machen könnte. ...


Vielleicht bin ich zu sophistisch, aber ich halte "Bildbesprechung"
und "Bildkritik" für zwei verschiedene Dinge.

Ersteres zielt auf Lerneffekte durch Bildanalyse mit Vorschlägen,
wie es besser werden könne.
Zweites stellt ein Bild in einen größeren Kontext und bewertet es
anhand diverser Kriterien.

Zugegebenermaßen sind die Grenzen da manchmal fließend, doch
käme ich nie auf die Idee, z.B. ein Werk von Gursky dahingehend
zu bewerten, ob es technische Mängel oder Verbesserungspotenzial
hat.

Sehr wohl habe ich dagegen einem Kollegen anhand seiner Bilder
erläutert, was er aus meiner Sicht besser machen könne, um die
Wirkung seiner Bilder zu steigern – privat wohlgemerkt, schreiben
würde ich das in dieser Form ziemlich sicher nicht.


Noch ein Aspekt, der bislang nicht angesprochen wurde:

Zum Thema Fairness gehört auch die Wahl angemessener Maßstäbe.
Bilder von, sagen wir, Jan werde, ja muß ich in anderem Kontext
sehen und beurteilen als die Fotos eines Anfängers. Erhebt dieser
jedoch den Anspruch, in der selben Liga wie Jan spielen zu wollen
(was prinzipiell zu begrüßen ist), dann muß er sich auch gefallen
lassen, nach gleichen Kriterien bewertet zu werden. Einen möglichen
Verriß muß der Anfänger dann zwingend aushalten können; daran
scheitern übrigens regelmäßig viele …


 
Kommentar
Vielleicht bin ich zu sophistisch, aber ich halte "Bildbesprechung"
und "Bildkritik" für zwei verschiedene Dinge.

Ersteres zielt auf Lerneffekte durch Bildanalyse mit Vorschlägen,
wie es besser werden könne.
Zweites stellt ein Bild in einen größeren Kontext und bewertet es
anhand diverser Kriterien.​
Hm. Mir ist der Unterschied nicht völlig klar. Wieso beinhaltet die zweite Variante einen größeren Kontext, wenn sie einen Gestaltungsaspekt, nämlich die Möglichkeiten in der EBV, außen vor lässt?

Natürlich kann man ein ungestaltetes Bild nicht mit EBV retten. Aber man kann ein Bild, das Mängel aufweist, gelegentlich mit Mitteln der Bildbearbeitung sozusagen in der Dunkelkammer schon von dem ein oder anderen Mangel befreien und es damit verbessern. Oft genug lenken doch Dinge wie Schieflage, stürzende Linien, ein unglücklicher Weißabgleich oder Sensorflecken und dergleichen mehr von der eigentlich guten Bildwirkung ab.

Ich hab mal gelernt, dass man beim Auftreten von Störungen diese erst beseitigen sollte, bevor man sich dem eigentlichen Thema wieder zuwendet. Das stand zwar in einem anderen Zusammenhang, aber ich finde, es passt hier auch.

Ich hätte übrigens trotz meiner sicher recht leicht zu übertreffenden Kenntnisse keine Hemmungen, Herrn Gursky oder andere aus seiner Liga auf technische Mängel oder mögliche Verbesserungen aus meiner Sicht hinzuweisen, sollte eine/r der Damen und Herren hier mal ein Bild zur Diskussion stellen. Wir diskutieren ja das Bild und nicht die Person ;)

Dabei kann ich natürlich völlig falsch liegen mit meinen Anmerkungen. Das Risiko gehe ich aber immer ein, wenn ich mich mit etwas eingehender auseinandersetze. Daraus kann ich auch als Kritisierende nur lernen.

Zum Thema Fairness gehört auch die Wahl angemessener Maßstäbe.
Bilder von, sagen wir, Jan werde, ja muß ich in anderem Kontext
sehen und beurteilen als die Fotos eines Anfängers. Erhebt dieser
jedoch den Anspruch, in der selben Liga wie Jan spielen zu wollen
(was prinzipiell zu begrüßen ist), dann muß er sich auch gefallen
lassen, nach gleichen Kriterien bewertet zu werden. Einen möglichen
Verriß muß der Anfänger dann zwingend aushalten können; daran
scheitern übrigens regelmäßig viele …

Das stimmt. Daran scheitern aber nicht nur die Kritisierten. Auch für die Kritiker ist es anhand eines einzelnen, womöglich noch anonym eingestellten Bildes oft schlicht unmöglich, den individuellen Stand der Lernkurve zu erkennen. Deswegen braucht es von beiden Seiten ein gewisses Einfühlungsvermögen in die (Bild-)Sprache des anderen oder doch zumindest ein großes Maß an Toleranz. Respekt im Umgang miteinander setze ich voraus, sonst braucht man sich gar nicht erst die Mühe zu machen.

Wenn ich das, was hier bisher zusammengetragen wurde, Revue passieren lasse, dann ist ganz klar der einfachere Weg, entweder "Gutschi-gutschi" zu machen oder zu schweigen. Das reicht mir aber nicht, denn davon habe ich nichts und daraus lerne ich nichts, weder als Bildautorin noch als Kritisierende. Wenn ich mich weiterentwickeln möchte, dann gehört es für mich dazu, mich auch mal was zu trauen. Ob nun damit, eines meiner Bilder zur Diskussion freizugeben oder damit, mich mit meiner ehrlichen und überlegten Meinung aus dem Fenster zu lehnen und womöglich zur Belustigung der restlichen Gemeinde aus selbigem heraus zu plumpsen :dizzy:

Sehr hilfreich fände ich es übrigens, wenn die Rollen tatsächlich auch mal wechseln würden. Wenn also nicht nur die Experten als Kritiker auftreten, sondern auch mal ein Bild einstellen. Und umgekehrt Fotografen mit weniger Erfahrung nicht nur Bilder zur Diskussion stellen, sondern sich auch einmal in Kritik üben. Ich habe über das Kritisieren der Bilder anderer unter anderem gelernt, mich besser zu fokussieren und auch meine eigenen Bilder mit kritischeren oder aufmerksameren Augen, mit mehr Abstand zu sehen - auch schon vor dem Drücken des Auslösers. Deswegen sind nicht alle meine Bilder gut (träum weiter, Anja :p), aber meine Fotografie hat sich verändert und es gelingt mir bereits mehr als noch vor einem Jahr.

Kurz und gut: ich bin also völlig auf dem Ego-Trip, wenn ich mich hier für Bildkritik/Bildbesprechung einsetze. Nur, dass Ihr es wisst :D
 
Kommentar
Sehr hilfreich fände ich es übrigens, wenn die Rollen tatsächlich auch mal wechseln würden. Wenn also nicht nur die Experten als Kritiker auftreten, sondern auch mal ein Bild einstellen. Und umgekehrt Fotografen mit weniger Erfahrung nicht nur Bilder zur Diskussion stellen, sondern sich auch einmal in Kritik üben.

Hi Anja,

das ist m. E. überhaupt eine spannende Frage: welche Motivation treibt die Leute an, ein Bild zur Kritik zu veröffentlichen?
Vielleicht nicht hier, weil ja gefragt wurde, wie gute Bildkritik geht, nicht, warum jemand Kritik wünscht.
Und so könnte ich mir vorstellen, dass es den echten Experten nicht mehr wichtig ist, ein Bild kritisiert zu bekommen, weil sie über genügend Erfahrung verfügen und berufliche Rückmeldung bekommen.
Die Experten könnten vielleicht eher in einer Art Lehrgang erläutern, warum ein von ihnen eingestelltes Bild gut ist. Wobei das wahrscheinlich wieder ein einer Geschmacksdiskussion enden würde ...

Ich habe hier vor einigen Jahren eines meiner ersten WW Bilder eingestellt, weil sie alle nix werden wollten. Und bekam recht schlüssig die (eigentlich ja olle) Regel "zu viel drauf" erläutert. Das war sehr hilfreich. Das war aber auch nicht als "gutes Bild" eingestellt, sondern eben als eine Art Hilferuf.
Inzwischen kann ich ganz gut einschätzen, was an meinen Bildern gut oder schlecht ist, daher fehlt mir dann die Motivation, eine Bildkritik zu erbitten.

Geht alles ein wenig um den bereits angesprochenen Kontext, in dem jemand ein Bild einstellt, und seine Kritik diesbezüglich auszurichten.
 
Kommentar
Wenn ich Thanks von den richtigen Leuten bekomme, ist alles in Ordnung!
Wenn ich Thanks von den falschen Leuten bekomme, geht's bergab mit mir!
........... ;) :fahne:

Oi, oi, soviel Dünkel hätte ich Dir nicht zugetraut. :hehe:

Zum Thema:
Mir persönlich ist ist Bildkritik dann wichtig, wenn sie mich über mein Bild selbst nachdenken lässt, egal wie und von wem sie verfasst wurde. :)
 
Kommentar
Hallo Michael,

das ist m. E. überhaupt eine spannende Frage: welche Motivation treibt die Leute an, ein Bild zur Kritik zu veröffentlichen? Vielleicht nicht hier, weil ja gefragt wurde, wie gute Bildkritik geht, nicht, warum jemand Kritik wünscht.

Ja, das würde hier sicher zum jetzigen Zeitpunkt den Thread zerfasern.

Und so könnte ich mir vorstellen, dass es den echten Experten nicht mehr wichtig ist, ein Bild kritisiert zu bekommen, weil sie über genügend Erfahrung verfügen und berufliche Rückmeldung bekommen.

Verständlich. Aber es klang weiter oben auch die Frage an, ob sich eine Bilddiskussion nicht auch im Bilderforum entwickeln könnte, also eher spontan bei Bildern, die nicht ausdrücklich zur Kritik gestellt wurden.

In dem Zusammenhang möchte ich noch mal bewusst machen, dass Kritik beileibe nicht negativ sein muss! Auch ein Bild, dass womöglich überhaupt keine Mängel aufweist, kann man kritisieren/besprechen. Ich muss doch nicht immer zwingend ein Haar in der Suppe finden, ich kann eine Bildkritik auch so schreiben:

"Das Bild gefällt mir. Es ist stimmig, weil .... "

Und auch das übt und schärft den Blick. Wieder nehme ich mir Zeit und klicke nicht einfach weiter ("Jo, tolles Bild"), sondern versuche herauszufinden, warum mir das Bild so gut gefällt.

Es kommt imho auch darauf an, mit welcher Haltung ich an eine Bildbesprechung/Bildkritik herangehe:

Also nicht "Mal sehen, was hat der Fotograf alles richtig oder falsch gemacht / was hätte er besser machen können?"

sondern "Was hat der Fotograf gemacht? Wie wirkt das Bild?"

Die Experten könnten vielleicht eher in einer Art Lehrgang erläutern, warum ein von ihnen eingestelltes Bild gut ist. Wobei das wahrscheinlich wieder ein einer Geschmacksdiskussion enden würde ...

Keine schlechte Idee. Aber das wäre was ganz anderes als eine Bildbesprechung.
 
Kommentar
Was würdet Ihr erwarten, was würdet Ihr lesen wollen, wenn Ihr ein eigenes Foto anonym einstellt und um Kritik bittet?

Ich möchte dann erfahren, wie mein Bild auf euch wirkt, was euch an meinem Bild gefällt, was euch nicht gefällt - und warum!
Ich möchte lernen, was ich besser machen kann - und wie.
Anonym habe ich noch kein Bild eingestellt.


Erwartet Ihr von anderen, die Eure Bilder kritisieren, etwas anderes, als Ihr selbst schreibt?

Nein. Es sei denn, es wird darum gebeten.


Was würdet Ihr erwarten, was würdet Ihr lesen wollen, wenn Ihr ein eigenes Foto einstellt ohne um Kritik zu bitten?

Das kommt auf das Unterforum an.
Wenn ich es im reinen "Zeigt her eure ..." oder innerhalb einer Reportage zeige, erwarte ich keine detaillierten Kommentare oder Bildkritik.
Ich begrüße es aber, wenn jemandem an einem Bild oder der Serie etwas auffällt (positiv wie negativ), dass er mir das mitteilt. Entweder per PN oder nach einer Anfrage, ob hier eine Kritik erwünscht sei.
Denn ich möchte natürlich auch hier dazu lernen, aber nicht den "Zeige-Thread" auseinandernehmen.

Reicht ein – wie auch immer formuliertes – "find´ich gut" oder "find´ich nicht gut"?

Kommt wieder drauf an.
Für Bilder in "Zeige-Threads" oder Serien in Reportage reicht mir ein Thanks oder :up: oder :down: als Rückmeldung, ob euch mein Bild anspricht/gefällt oder nicht.
Wenn ich um Bildkritik bitte, reicht das auf keinen Fall. Dann möchte ich eine genauere Analyse, Tipps oder Alternativ-Vorschläge.


Wird im Stillen ein Lob erwartet und bei Kritik oder Verbesserungsvorschlägen ist man enttäuscht?
Will man ehrliche Meinungen, oder liebevoll formulierte Lobhudelei?
Darf Kritik schonungslos offen und knallhart sein?
Wo endet das, wo beginnt Unhöflichkeit?
Ist die Wortwahl wichtig?

Natürlich freue auch ich mich, wenn mein Bild gut ankommt. Dann habe ich das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.
Aber ich will unbedingt eine ehrliche Meinung.
Wenn das Bild Mist ist, dann darf man mir das auch offen sagen.
Dabei erwarte ich aber, dass mir gesagt wird, warum man das Bild für Mist hält, nicht ein einfaches "Tonne!"
Ein einfaches "Toll!" ist in dem Zusammenhang genauso wenig hilfreich.
Ja, die Wortwahl finde ich wichtig.
Bei denen von euch, die ich persönlich kenne (und das sind mittlerweile einige, was mich sehr freut!), kann ich mit weniger höflich oder ironisch formulierten Kommentaren umgehen und weiß sie zu nehmen.
Bei den meisten von euch, die ich leider nicht persönlich kenne, fällt es ungleich schwerer zu wissen, wie ein Kommentar "eigentlich gemeint war".
Auf wirklich unhöfliche oder meiner Meinung nach unpassende Bemerkungen gehe ich lieber per PN ein. Ich möchte über ein Bild diskutieren, nicht über einen Kommunikationsstil.

Im Optimal-Fall bekomme ich nun gleich Tipps dazu, wie ich das nächste Bild besser machen kann.
Wobei ich einige sicher dankbar annehme, andere aber für mein Bild verwerfe, was nicht heißt, dass ich sie mir für andere Bilder nicht merken würde.

Wenn jemand zu einem Bild nichts zu sagen hat, sollte er auch einfach nichts sagen.


Gibt es Bilder, die für den Betrachter keinerlei positiven Aspekte haben, obwohl sie der Bildautor selbst vllt. gar nicht schlecht findet?

Ja. (Naja, "keinerlei" ist vielleicht übertrieben.)

a) Es gibt Bilder, mit denen ich einfach überhaupt nichts anfangen kann.
Ich wundere mich dann manchmal, dass darunter 50 Thanks auftauchen und frage mich, was ihr an diesem Bild findet, was ich nicht sehe.

b) Ich denke, meine ersten Enten-Bilder gehörten sicher dazu :D
Sie waren belanglos, mittig, unterbelichtet, der Fokus saß nicht auf dem Auge, ...
Aber ich hatte meine Kamera ganz neu und war stolz darauf, dass die Ente zu erkennen und sogar einigermaßen scharf war.
Oder als ich versucht habe, meine Meisen im Flug vor dem Nistkasten zu erwischen. Verflixt, das war schwierig! Wenn ich eine hatte, war der Flügel abgeschnitten, die ganze Meise unscharf oder sonst was. Ich war trotzdem stolz darauf.
Ich weiß gar nicht, wieso ihr meine Begeisterung nicht so teilen konntet ;-)
Objektiv: Unscharfe, oft angeschnittene Meisen vor einem Nistkasten am Balkongeländer, den Hintergrund bestimmten andere Häuser und Autos. Naja.


Kann man über Bilder diskutieren, ohne emotional zu werden?

Ist es wünschenswert, über Bilder zu diskutieren, ohne emotional zu werden?

Die meisten Bilder hier sollen doch Emotionen wecken.
Die wenigsten sollen doch rein dokumentarisch sein. Am ehesten ein Verkaufs-Bild für einen EBayVerkauf? Doch sogar dort sollen Emotionen angesprochen werde, das Haben-Wollen soll ausgelöst werden. Und das wird es von einem gut komponierten und belichteten Bild sicher leichter als von einem unscharfen, platten Abfotografieren.

Aber üblicherweise möchte man doch mit einem Bild den Betrachter emotional berühren. Von "oh, wie niedlich" über "wow, grandiose Landschaft" bis zu katastrophalen Zuständen in Slums.
Wenn ich so ein Bild sehe oder zeige, kann ich mir Gedanken darüber machen, was dieses Bild in mir oder in euch auslöst, ob es das ist, was sich der Einsteller dabei gedacht hat, und ob es technische und gestalterische Möglichkeiten gibt, die erwünschte Wirkung besonders deutlich zu machen.




Ich konnte in den fast 5 Jahren, die ich jetzt hier im Forum bin, sehr viel aus euren Kritiken lernen. Sowohl aus Kritik an meinen eigenen Bildern als auch aus Besprechungen und Betrachtungen eurer Bilder.
Damit bin ich noch lange nicht fertig. Werde es auch wohl nie werden.
Sehr hilfreich finde ich neben den Kritiken hier auch die Meinungen und die Tipps anderer bei gemeinsamen Foto-Touren oder beim Stammtisch. Hier kann man auf einem ganz anderen Hintergrund miteinander über ein Bild diskutieren.



Vielen Dank allen Kritikern hier, die sich die Zeit nehmen, sich mit Bildern auseinanderzusetzen!

Sylvia
 
Kommentar
Ich bin ja nun noch nicht solang hier und versuche mal, das Ganze aus der Sicht eines Neulings zu betrachten.

Ich weiß nicht mehr, wer das geschrieben hatte, aber es stimmt, als Neuzugang traut man sich oft eher nicht, wirklich mal etwas zu schreiben, was über "Tolles Bild" o.ä. hinausgeht. Das ist eigentlich schade, denn neue Ansichten können oft Aspekte aufzeigen, die bei immer denselben Leuten vielleicht gar nicht erst auftauchen.

Die Thanks-Funktion habe ich ehrlich gesagt noch nicht vollständig verstanden, (ist ein bisschen unübersichtlich hier, da bin ich froh, wenn ich mich so nach und nach zurechtfinde) und habe diese Funktion auch erstmal außenvor gelassen, da es mich zu sehr an Facebook erinnerte und ich diesen Like-Wahn nicht leiden mag.
Klar ist aber, dass diese Funktion keine Kritik ersetzt, weil es dem Einsteller einfach nicht weiterhilft in Bezug auf "Was kann ich besser machen?" Er sieht nur, das Bild gefällt offenbar vielen, aber was genau daran jetzt gut ist, weiß er dadurch nicht.

Wenn ich selber ein Bild einstelle, würde ich mich auch echt über konstruktive Kritik freuen, damit ich weiterkomme und weiß worauf ich in Zukunft noch achten kann (war ja mit ein Grund warum ich die Fotogruppe bei Facebook in die Tonne gekloppt habe und hier gelandet bin). Jetzt habe ich noch nicht viel eingestellt, daher kann ich nicht sagen ob das so funktioniert. Aber mir ist schon aufgefallen, dass in vielen Threads sehr viel "Tolles Bild" o.ä. steht, ohne eine richtige Diskussion um bestimmte Bildaspekte.
Andersherum gibt es aber auch durchaus Threads wo schön diskutiert wird und das größtenteils sachlich, das gefällt mir gut. Wäre schön, wenn man sowas noch irgendwie fördern könnte, allerdings hätte ich da momentan auch keine Idee, wie.

Natürlich gibt es aber auch die Bilder, die für den Fotografen unglaublich toll sind, für andere aber einfach nur in die Tonne gehören. Der erste erwischte Vogel ist da echt ein gutes Beispiel, meistens unscharf, doofe Perspektive, abgeschnitten...sowas hab ich auch auf der Platte :D

Also, gute Bildkritik ist in meinen Augen:
- sachlich, bildbezogen und nicht personenbezogen
- zielt darauf ab, dem Fotografen weiterzuhelfen
- realistisch (Ja, kann auch mal wehtun ;) )
 
Kommentar
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten