Was für ein 500er ist das?

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Martin F.

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Hallo zusammen,

ein Freund hat diese für Astro-Zwecke umgebaute, Optik hier bekommen:

Mamiya_1.jpg


Mamiya_2.jpg


Mamiya_3.jpg


Es soll angeblich ein 4-linsiges 500er APO-Tele von Mamiya sein... mir kommen da schwere Zweifel auf. Gravuren ect. fehlen komplett.
Das Teil erinnert mich sehr an ein 500er Pentacon für die "Six", das ich mal hatte...

Sonst noch Ideen???
 
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Neee, is klar, Stefan,

der Okularauszug ist natürlich nachträglich adaptiert worden. Der hat mit dem Objektiv eigentlich nix zu tun. Da kann mir der Wolfi auch nicht weiterhelfen...
 
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Der hintere Tubusbereich ist ein Bauteil, das man in den unterschiedlichsten Varianten auch einzeln bekommt. Und genau so ein Okularauszug wurde IMO an eine "kastrierte" Fotooptik gepfriemelt.

Verdächtig scheint mir einmal der typisch konische Vordertubus sowie die "dezentriert" aussehende Stativschelle auf meine Vermutung -> Pentacon (oder baugleich Meyer Görlitz) hinzuweisen :kopfkratz:
 
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500er Pentacon kam mir auch gleich in den Sinn. Mein Vater hat so eins.
Leider wohnt er zu weit weg, als dass ich schnell mal nachschauen könnte.

//
Kai
 
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Mit einem 500er Meyer Orestegor aka Pentacon hat das Ding keine Ähnlichkeit. (Edit: Hat es doch. Siehe dazu Widerruf in Beitrag #15). Weiters auch nicht mit historischen Objektiven von Enna, Zoomar, Kilfitt, Pentax. Keinerlei Ähnlichkeit mit den manuell fokussierbaren Objektiven Mamiya Sekor C 500mm f/5.6 aus den 80ern und schon gar nicht Mamiya Sekor C APO 500mm f/4.5. Ältere Mittelformatobjektive dieser Klasse gibt es von Mamiya nicht, da vor der M645 nur zweiäugige Modelle angeboten wurden. Es müsste sich also um ein Kleinbildobjektiv der Mamiya M42-Generation handeln, wenn man den Ursprungshinweis ernst nehmen möchte. Leider gibt google da nicht wirklich etwas her, da bei Recherchen natürlich die aktuellen Objektive gefunden werden.

Nach der Bauweise ist es ein Objektiv aus den 60er/70er Jahren. Da die meisten der damals aktiven Kleinhersteller (bei den Großen stünde sicher irgend ein Name drauf) heute verschwunden sind, wird das echt schwierig. Da die Fokussiereinheit offensichtlich nicht Bestandteil des Objektives war, könnte auch auf den entfernten Teilen etwas zur Herkunft drauf gestanden haben. Was auf jeden Fall auffällt, ist dass das Objektiv keinen Blendenring hat. Der war bei alten M42 u. ä. Veteranen dort wo die Blende auch war, Blendenübertragung gabs da üblicherweise keine. Offensichtlich wurde die Blende auch entfernt, falls das einmal ein Fotoobjektiv war.

P.S.:
Im Astronomieforum, in dem das Ding auch zur Diskussion steht, wird behauptet, "APO" sei ein definierter Begriff. Na ja, vielleicht unter Astronomen. Habe für die Fotobranche einst anderes gelesen. In den 80ern hat Nikon die Superteles der IF-ED Serie als "nahezu apochromatisch korrigiert" bezeichnet. Sigma hat für seine Linsen den dreifachen Farblängsfehler zugelassen, um noch selbstbewusst APO drauf zu pinseln. So richtig ernst würde ich das Adelsprädikat "APO" auf Objektiven nehmen, wenn auch noch irgendwo "Leitz" darauf steht.
 
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Für alle Practicafreunde sei auf diesen Link verwiesen, den Martin im Astronomieforum gepostet hat. Man sieht, dass das hauptverdächtigte Objektiv aus 4 Linsen besteht, im Prinzip ein zweilinsiger Achromat vorne und zwei Korrekturlinsen ziemlich weit hinten. Wobei die Position der letzteren nicht klar hervor geht. An dieser Konstruktion dürfte sich über die Bauzeit des Objektives nicht viel gändert haben, lediglich die MC Vergütung kam irgendwann dazu. Das oben abgebildete Objektiv muss stark gekürzt sen. Für die Anbringung eines Beobachtungsokulars muss man schon mal - vergleichen mit einer Fotolinse - "rein ins Objektiv" und das Umlenkprisma kostet zusätzlich ein paar Zentimeter. Damit scheiden Objektive mit sehr weit hinten liegenden Linsen aus, da diese an einer Position wären, wo schon das Prisma oder gar das Okular hin muss.

Da das umgebaute Objektiv weder Blende, noch Entfernungseinstellung behalten hat, muss beides ursprünglich hinter der Stativschelle gelegen haben. Auch das passt nicht auf das Meyer/Pentacon. Da liegen beide Bedienungselemente davor.
 
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Tja,

die hinteren Linsen sind diese ominöse Konstruktion hier:

Mamiya_4.jpg


Die stecken in einer Hülse mit dem zugehörigen Zenitspiegel verschraubt.

Zu meinem Pentacon-Verdacht:
wenn ich mich recht erinnere, konnte man das ganze Trum relativ leicht zerlegen, es waren ineinander verschraubte Tubusteile und die Fokusschnecke/Blendenmechanik in der Mitte. Das Ding hatte ja nichtmal Springblende.
Also Tubus entspr. umbauen/abspecken, Okularauszug hinten dran, das hintere Linsenglied reinpfriemeln und fertig ist eine lichtstarke Astrooptik... und mit dem Begriff APO läuft dem Astrofan das Wasser im Munde zusammen...

Nur: ich pers. glaube, daß das nie im Leben APO ist, eher der Versuch, aus einem billigen Altteil nochmal richtig was rauszuschlagen. Mein Freund wird das Teil von einem Optikermeister auf der optischen Bank testen und dann zertifizieren lassen, mal sehen, was dabei herauskommt.
 
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Noch ein Nachtrag:
Bin im Internet über eine Auftellung von Richtpreisen für Sammler historischer Mamiya Objektive gestolpert. Dort werden Brennweiten von 400mm, 600mm und 800mm aufgelistet. Ein klassisches Mamiya Objektiv mit 500mm ist dort nicht bekannt.
 
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Zu meinem Pentacon-Verdacht:
wenn ich mich recht erinnere, konnte man das ganze Trum relativ leicht zerlegen, es waren ineinander verschraubte Tubusteile und die Fokusschnecke/Blendenmechanik in der Mitte.

Heh, jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Haaren! :eek:

Du hast natürlich recht. Ich weiss jetzt, wie das Ding gemacht wurde. Details in Kürze, muss schnell meinen Lachs essen.
 
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Ich weiss jetzt, wie das Ding gemacht wurde.

Gut, der Serverumzug hätte aber wohl auch bis nach dem Essen Zeit gehabt. Na wie auch immer, muss es halt ohne Bildchen funktionieren. Tausend Worte sollen ja angeblich auch fast so viel sagen.

Der vordere konische Teil des Tubus ist offensichtlich zweigeteilt. Man sieht das auch auf Abbildungen des Originalobjektivs. Die Frontlinsengruppe ist im vorderen Teil. Den Konus hat er auseinander geschaubt und eine zylindrische Verlängerung eingesetzt. Daher die zwei Stufen, die die Ähnlichkeit mit dem Original ziemlich gut verschleiern und so auch praktisch bei keinem anderen Objektiv auftreten. Die umlaufende Beschriftung im vorderen Teil hat er ausgedreht. Das ist legitim, das ganze Stück ist eine derartige Bastelarbeit, dass Meyer Optik praktisch nur mehr der Linsenlieferant ist. Hinter dem konischen Teil hat er Blendenmechanik und Fokussierung entfernt und die Stativschelle nachgerückt. Um dann den Astroadapter anzupassen, braucht es noch ein paar Minuten an der Drehbank. Im Inneren noch die von außen nicht sichtbare Bastelei mit den Hinterlinsen. Ob hier der Abstand mit dem Original überein stimmt, wäre mal zu vermessen. Schwarz drüber lackiert und fertig.

Auch ein orignales Meyer Orestegor ist von APO ungefähr so weit entfernt wie die Erde vom Krull. Ich habe das Ding einmal interessehalber an der Mamiya ausprobiert und es hat vom Carl Zeiss Jena 300er jede Menge Ohrfeigen bezogen. Das Ding für Astro? Na gut, für den Mond wird's reichen.

Edith sagt:
Der von Volker beanstandete glänzende Teil ist offensichtlich die Vorderkante des selbst gedrehten Verlängerungstubus. Da hat unser begnadeter Heimwerker ein wenig geschlampt. Da gehört der gute "Tetenal Optiklack totmatt" drauf, falls es den noch gibt.
 
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Tengris,

darf ich Dich wörtlich zitieren???
Guter Job :up:

PS: die ganze Bastelei hier nochmal virtuell nachvollzogen...
Oben Original Pentacon 500/5.6
Mitte wie von tengris beschrieben
Unten das als "APO" erstandene Bastelteil...
na wenn wir da nicht einen Volltreffer gelandet haben ;)

5947cba13ed4bed.jpg
 
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Hallo Martin,

leider steht Image Hosting momentan noch nicht zur Verfügung. Ich besitze nämlich ein Exemplar jenes Praktikar 5.6/500 mm, welches Ihr verdächtigt, und wollte ein Foto hochladen, welches darauf hindeuted, dass das von Dir gezeigte Astro-Spektiv nicht aus jenem Praktikar entstanden ist. Ich versuche es morgen wieder.

Viele Grüße einstweilen!
Uwe
 
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