Zeiss Otus 85mm vs Nikon Nikkor 85mm/1.4G
http://www.dxomark.com/Lenses/Compa...f14G-on-Nikon-D800E___1384_814_388_814#tabs-2 Von f/4 bis f/8 sehe ich bei den Kurven der beiden Objektive im ganzen Bildbereich unter 4% Unterschied, also nicht wahrnehmbar?
Bei den Blenden 4 bis 8 erreichen diese von Dir verlinkten Acutance-Profile für Kombinationen einer D800E mit einem Zeiss Otus 1,4/85 und einem Nikkor 1,4/85G Werte über 80%. Zu solchen Acutance-Werten über 80% muss man nun wissen, dass die Berechnungungsweise der Acutance-Werte und ihrer Verknüpfung mit
JNDs gemäß der "spatial metrics" des CPIQ-Standards so beschaffen ist, dass Acutance-Werte über ca. 90% (exakt 88,59% oder 0,8859) nicht mehr zur Erhöhung des subjektiven Schärfeeindrucks beitragen:
... the value 0.8859 is the acutance value above which increases in acutance are not accompanied by increases in perceived quality.
Quelle:
http://front4.dxo.com/var/dxo/stora...edded/2012 CPIQ_Spacial_Metrics_Copyright.pdf
Eine Acutance von ca. 90% ist also gleichbedeutend mit dem maximal möglichen subjektiven Schärfeeindruck. Von diesem Wert aus (exakt 88,59% oder 0,8859) werden dann gemäß der "spatial metrics" des CPIQ-Standards die subjektiv wahrnehmbaren Schärfedifferenzen in
JNDs berechnet. Und dabei führt die im CPIQ-Standard definierte Verknüpfungsweise zwischen Acutance-Werten und JND-Werten dazu, dass Unterschiede in den Acutance-Profilen, deren Acutance-Werte zwischen 80% und 90% liegen, einem Unterschied in den JND-Werten von unter
1 JND entsprechen, und damit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle bleiben. Erst ab ca. 80% Acutance und darunter werden also Unterschiede in der Acutance auch als Unterschiede im subjektiven Schärfeeindruck wahrnehmbar.
Nachstehend eine Tabelle, die Acutance-Werte mit dem jeweiligen "subjektiven Schärfeverlust" in JND vernüpft, und zwar immer im Vergleich zu dem maximal möglichen subjektiven Schärfeeindruck, der (siehe oben) bereits bei einem Acutance-Wert von ca. 90% sein Maximum erreicht.
- 100% Acutance = -0 JND (subjektiver Schärfeeindruck maximal)
- 90% Acutance = -0 JND (subjektiver Schärfeeindruck maximal)
- 80% Acutance = -0,9 JND (bei 80% reduziert sich der subjektive Schärfeeindruck gegenüber seinem Maximum also erstmals um fast -1 JND)
- 70% Acutance = -4,0 JND
- 60% Acutance = -8,4 JND
- 50% Acutance = -12,9 JND
- 40% Acutance = -17,9 JND
- 30% Acutance = -22,4 JND
- 20% Acutance = -26,6 JND
- 10% Acutance = -30,8 JND
Der Abfall der Acutance von 80% auf 70% entspricht also einem Abfall des subjektiven Schärfeeindrucks von -0,9 JND auf - 4,0 JND - also um
3,1 JND. Also entspricht in
diesem Intervall zwischen 80% bis 70% ein Abfall des subjektiven Schärfeeindrucks von
-1 JND einem Abfall der Acutance von
ca. 3,2%.
1 JND ist nun im Bereich "Image Quality Assessment" (IQA) so definiert:
3.6 just noticeable difference -
JND: stimulus difference that leads to a
75:25 proportion of responses in a paired comparison task (Hervorhebungen: Pesch)
Quelle:
https://www.iso.org/obp/ui/#iso:std:iso:20462:-3:ed-2:v1:en
Ein Unterschied in der Acutance von "1 JND" bedeutet also im Falle dieser von DxOMark veröffentlichten Acutance-Profile, dass ein Betrachter mit durchschnittlicher Kontrastempfindlichkeit bei zum Beispiel 40 Vergleichen aus einer Betrachtungsentfernung, die der kurzen Seite des betrachteten Ausdrucks entspricht, 30x (75% von 40) einen Unterschied im subjektiven Schärfeeindruck wahrnimmt, und 10x (25% von 40) keinen. Das meinte ich damit, dass ein Betrachter bei einem Unterschied in der Acutance, der nur 1 JND entspricht, noch nicht
zuverlässig einen "Schärfeunterschied" wahrnimmt. Die Unterschiede in den von Dir verlinkten Accutance-Profilen der Kombinationen einer D800E mit einem Zeiss Otus 1,4/85 und einem Nikkor 1,4/85G bei den Blenden 4 bis 8 liegen also (siehe die Tabelle oben) gerade so an der Grenze einer
zuverlässigen Wahrnehmbarkeit. Als
zuverlässig wahrnehmbar, und daher auch werblich verwendbar, gelten im Rahmen des CPIQ-Standards erst Unterschiede von mindestens 2 JND. Und in dem Intervall zwischen 80% und 70% entspricht ein Unterschied im subjektiven Schärfeeindruck von
2 JND einem Unterschied in den Acutance-Profilen von ca.
6,4% (siehe weiter oben).
Wenn in einem vergleichenden Testbericht zu Kombinationen mit einer D800E und einem Zeiss Otus 1,4/85, sowie einem Nikkor 1,4/85G mit einem "deutlichen" Unterschied im subjektiven Schärfeeindruck des Testers also einer gemeint sein sollte, den der jeweilige Tester bei einem "blinden" Vergleich - also ohne zu wissen, welcher der beiden gerade von ihm verglichenen Ausdrucke mit dem Otus und welcher mit dem Nikkor aufgenommen wurde -
völlig zuverlässig und jederzeit wahrnehmen kann, dann wäre das angesichts der von Dir in dem Eingangszitat ganz oben verlinkten Acutance-Profile für die Blenden 4 bis 8 in der Tat etwas ungewöhnlich. Denn um 2 JND - also 6,4% - unterschieden sich diese von Dir verlinkten Acutance-Profile für die Kombinationen einer D800 mit einem Zeiss Otus 1,4/85 und einem Nikkor 1,4/85G ja bei den Blenden 4 bis 8 in der Tat nirgendwo im Bildfeld.
Das ein Tester trotzdem gegebenfalls einen "Schärfeunterschied" auch bei diesen Blenden zu sehen meint, könnte zum Beispiel die folgenden Gründe haben: Der Tester
- betrachtet die Ausdrucke aus einem deutlich geringern Abstand als einem, der ihrer kurzen Seite entspricht – also zum Beispiel in einer 100%-Ansicht einer D800-Datei.
- verfügt persönlich über eine deutlich überdurchschnittliche Kontrastempfindlichkeit, was vorkommen kann.
- führt seine Vergleiche nicht "blind" durch, sondern weiß beim Vergleichen, dass er gerade den Ausdruck eines mit dem Otus (oder dem Nikkor) aufgenommen Fotos betrachtet, und sieht dann beim Vergleichen nicht zuletzt auch Unterschiede vielleicht nur deshalb, weil sie seinen Erwartungen entsprichen: http://www.sueddeutsche.de/wissen/w...eicht-lassen-wir-uns-manipulieren-1.1407348-2
- etc.