Vergleichstest von: Zeiss Otus, Sigma 50 Art, Nikkor 58G, Nikkor 50/1.4G und 50/1.8G

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FlowtographyBerlin

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Hallo Forum,

ich habe einen Vergleichstest gemacht von folgenden Linsen:

  • Zeiss Otus 55mm/1.4,
  • Sigma 50mm/1.4 Art,
  • Nikkor 58mm/1.4G,
  • Nikkor 50mm/1.4G
  • Nikkor 50mm/1.8G

Das Besondere ist, daß es A/B-Slider gibt, mit denen man die Resultate eines gleichen Motivs direkt miteinander vergleichen kann, Schärfe, Bokeh etc. Außerdem gibt's "normale" Bildmotive und keine Ich-setz-mich-mal-an-meinen-unordentlichen-Schreibtisch-und-knips-in-die-Ecke" Motive. ;-)

Ist auf Englisch, aber die meisten können das ja: Klickt Ihr hier.

Viel Spaß,
Flow
 
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Zum einen teile ich die Auffassung von Häuschen, dass z.B. hier:



beim Fokussieren etwas schief gegangen sein muss.

Ich habe inzwischen aufgrund einiger Nachfragen den Artikel auf Seite 2 um das Vorgehen beim Fokussieren ergänzt. Und nein, Du kannst Dir sicher sein, daß dabei nichts schiefgegangen ist, das wäre bei einem solchen Test ziemlich bescheuert. Daß ich eine Gurke erwischt habe, ist nicht ausgeschlossen. Daß bei dem 1600-Euro-Teil eine solche Gurke durch die QC läuft, wäre allerdings schlimm. Außerdem wären dann ziemlich viele Gurken in Umlauf, wenn man den Bildern im Netz glaubt.

Hier ein Crop vom Fuß des Mikrofons, oben 58G, unten Zeiss. Klicken auf's Bild:

Oben erkennt man, daß die Fokusebene knapp vor dem Schatten des Gehäuses liegt. Nicht weil es dort scharf ist, es ist ja das 58G, sondern weil es dort relativ am "schärfsten" ist. Unten erkennt man, daß die Ebene beim Zeiss ebenfalls dort liegt.

So, und noch zum Spaß ein Ausschnitt von der Stimmgabel mit Serviette, Preview hier:


Originalgröße hier.

Bei allen Ausschnitten läuft die Fokusebene genau auf dem dunklen Streifen im Pelz, wie man ihn am besten beim Zeiss erkennt. Auch hier sieht man sehr gut, daß man beim 58G eben einfach wenig sieht, auch im Vergleich zum 50/1.4G, was jetzt ja kein Sigma oder Zeiss ist bezüglich Schärfe bei Offenblende.

Davon abgesehen, ist die Frage, ob etwas "brauchbar" ist, auch eine Frage des Zweckes des Gegenstandes.

Da hast Du natürlich vollkommen recht. Unter "brauchbar" verstehe ich in diesem Fall Bilder, die man an einen Kunden verticken kann und der das Gefühl hat, gute Bildqualität geliefert zu bekommen. Daß die Ansprüche da jeder anders (anders, nicht höher oder niedriger) setzt, sagst Du selber sehr schön:


Und das hast Du nicht nur schön geschrieben, sondern das ist auch tatsächlich einfach schön.
 
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Hm, also Spezialobjektiv für spezielle Anwendungen zu einem speziellen Preis.
Da sind sich das Otus und das Nikkor 58 1.4 ja recht ähnlich.

Das würde ich so nicht zusammenfassen. Speziell heißt ja, für alles andere nicht so ne Wucht. Das einzig Spezielle am Otus ist der fehlende Autofocus. Ansonsten ist das Ding fast ausnahmslos makellos, und damit eben für alles zu gebrauchen. Sehr schade mit dem MF.
 
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Ich finde das mittlerweile gar nicht schade, sondern als einen Vorteil.

Das manuelle Fokussieren betreibe ich immer häufiger - nicht nur mit meinen Zeiss-Objektiven an der Df, wo ohnehin nur MF möglich ist - sondern auch mit meinen AF und AF-S-Objektiven von Nikon.

Wenn ich manuell fokussiere, bekomme ich oftmals ein noch besseres Ergebnis als wenn ich mich auf den Autofokus verlasse - so bequem das automatische Fokussieren auch sein mag.

Natürlich gibt es auch Situationen, wo der Autofokus Vorteile bietet - z.B. wenn sich Objekte sehr schnell bewegen.

Mein spezielles Lieblingsobjektiv - insbesondere für Fotospaziergänge und für Flugreisen - ist das leichte, schmale "Pancake"-Objektiv Voigtländer Ultron 40mm f/1:2.0. Bei korrekter manueller Fokussierung ist es unglaublich scharf - und das bis in die Ecken.
Und es passt darüber hinaus auch vom Stil her sehr gut zu meiner Nikon Df.

Gruß
Gianni
 
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Natürlich haben sie eine Berechtigung und ich glaube auch, daß das Objektiv in vielen anderen Bereichen, oder Situationen, gut einsetzbar ist. An einer D800 kann ich bei f1.4 nur nirgendwo einen 'scharfen Kern' erkennen. Bei geringeren Auflösungen oder anderen Kameras, wie z.B. an einer Df, mag die 58er in den meisten Fällen vielleicht noch scharf genug wirken. Das kann ich mangels Erfahrung dieser Kombi nicht beurteilen. An einer D800 (die auch in Florians Vergleich benutzt wurde) überzeugt mich das 58er bei offener Blende jedoch nicht.

Darüber, welcher Schärfeverlauf nun am schönsten ist, läßt sich ja auch trefflich streiten. Für mich persönlich kann ich nur sagen, daß es irgendwo im Bild scharf sein sollte, man also tatsächlich einen Verlauf von scharf zu unscharf hat und nicht von 'leicht unscharf' zu 'sehr unscharf'. Denn ein Verlauf von leicht unscharf zu sehr unscharf läßt sich relativ einfach auch mit anderen 50ern erreichen, sofern er gewollt ist (z.B. durch den Einsatz speziell angefertigter Filter). Dafür brauche ich kein spezielles Objektiv, oder muss, wie David Hamilton es einst mit seinen Hasselblad Optiken tat, die Frontlinsen verkatzen

Ich selber nutze z.B. auch das 105er DC ganz gerne an der D800. Die ist bei offener Blende auch nicht superscharf und kontrastreich. Aber wenn ich das weiß, kann ich sie für Motive einsetzen, wo ich entweder einen 'verträumten Look' haben möchte, oder die offene Blende nicht umbedingt brauche und auch nicht wählen würde.

Der für mich entscheidenene Unterschied zwischen 'älteren' Optiken, wie den DC-Optiken oder noch mehr einem 1.2 Nokt, ist nur der, daß sie optisch seinerzeit wirklich 'State of the Art' waren. Also ihre Optische Leistung für die damaligen Verhältnisse und Anforderungen absolut herrvorragend gewesen ist. So gut, daß sie sogar an heutigen hochauflösenden Digitalkameras, an die zur Zeit ihrer Entwicklung noch niemand denken konnte, eine ganz 'gute Figur' machen.

Das kann man, bei aller Liebe, vom neuen 58er nicht gerade behaupten. Von einer Festbrennweite im Profi-Segment hätte ich eigentlich schon erwartet, daß man sie auch an jeder Nikon-Kamera nutzen kann, ohne irgendwelche 'Spezialfertigkeiten' in die unscharfen Fotos interpretieren zu müssen. Darüber hinaus sind die Unterschiede zu den bereits vorhandenen 50er Optiken eher gering. Man hat zwar viele verschiedene 50er im Portfolio, die sich aber alle Optisch nicht so stark voneinander unterscheiden. Am ehesten noch im Preis, um es mal etwas überspitzt und provokant zu formulieren :winkgrin:

Es geht nicht darum, daß jetzt alle superscharfe Fotos gut finden und machen müssen, oder das Sigma-50er, oder Zeiss-55er, jedem zusagen muss. Sie sind aber bisher die einzigen Hersteller (Schneider-Kreutznach wäre da vielleicht auch noch zu nennen) die dem Kundenwunsch nach leistungsfähigeren Optiken für das F-Bajonett nachkommen. Nikon scheint diese Entwicklung eher zu verschlafen. Und falls sich Zeiss irgendwann entschließt auch mal was 'längeres' zu bauen, dann wird die Luft im Telebereich, in dem die Nikkore zur Zeit noch unangefochten sind, auch dünner. Klar, der fehlende AF wird für viele bei den langen Brennweiten immer ein KO-Kriterium bleiben, nur halte ich es für einen Fehler sich darauf auszuruhen.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht beschert uns die Photokina das ein oder andere neue Nikkor :hallo:

VG
 
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Prinzipiell ist alles richtig was Du schreibst.

Fein, dass Dir die Erläuterungen in meinem Beitrag #136 dazu eingeleuchtet haben, dass und warum man die mit einer Kombination aus 1,4/50G und D800 aufgenommenen Fotos, wenn man sie aus dem normalen Leseabstand von ca. 40 cm betrachten möchte, mindestens im Format von ca. 65 cm x 100 cm – also nahezu im Format Din A0 - ausgeben muss, um die für diese Kombination aus 1,4/50G und D800 von DxO angegebene MTF50-Ortsfrequenz von 1600 Lp/PH aus dieser Betrachtungsentfernung von 40 cm überhaupt wahrnehmen zu können.

Dass das … [Pesch: Sigma 1,4/50 Art] … im Moment sicherlich die vernünftigste Entscheidung ist, die man treffen kann, wenn man ein sehr gutes 50ger sucht, wird, glaube ich, niemand bestreiten.

Das möchte ich sogar ganz vehement bestreiten. Denn wenn der persönliche Geschmack eines Lichtbildners zum Beispiel eher in die Richtung "Pictorialismus" tendiert, dann könnte er, wenn er ein dafür "sehr gutes 50er sucht", zum Beispiel vielleicht mit dem Nikon 1,4/58G letztlich glücklicher werden, als mit dem Sigma 1,4/50 Art, einem Filter und einer Tube Vaseline.

Und auch wenn ich persönlich eher in die Richtung "Straight photography" tendiere, so hielte ich – vor die Wahl gestellt - zum Beispiel den Erwerb eines gebrauchten Exemplars des Summilux 1,4/50 ASPH. zu meiner Leica M7 für "vernünftiger", als den Neukauf dieses gerade erst am Markt eingeführten Sigma 1,4/50 Art zu meiner Nikon F6.

Denn die für den subjektiven Schärfeeindruck besonders wesentlichen MTF-Werte des Summilux 1,4/50 ASPH. für 10 Lp/mm passen besser zu meinen persönlichen Anforderungen, als die des Sigma 1,5/50 Art für diese Ortsfrequenz. Denn nur ganz in der Bildmitte weist das Summilux 1,4/50 ASPH. bei 10 Lp/mm einen um nur ca. 2% geringeren MTF-Wert auf als das Sigma 1,4/50 Art. Und im "Tausch" dafür bleiben die sagittalen und tangentialen MTF-Werte des Summilux 1,4/50 ASPH. bis zu einer Bildhöhe von ca. 15 mm dann bei ca. 90%. Beim Sigma 1,4/50 Art hingegen sind die tangentialen und sagittalen MTF-Werte für 10 Lp/mm bei der Bildhöhe 15 mm bereits deutlich abgefallen, und sind auch bereits deutlich unterschiedlich. Und außerhalb dieses Bildkreises von ca. 15 mm liegen bei den von mir bei Blende 1,4 aufgenommenen Fotos keine bildwichtigen Details.

Als "Preis" nur für den ganz geringfügigen Unterschied der MTF-Werte für 10 Lp/mm ganz in der Bildmitte von etwa 2% erschiene mir auch ein Gewichtsunterschied von 335 g (Summilux 1,4/50 ASPH.) gegen 815 g (Sigma 1,4/50 Art) unangemessen. Diese Gewichtsersparnis würde ich lieber für die Mitnahme einer oder zwei weiterer Brennweiten zu meiner M7 nutzen. Und bei den weitaus meisten meiner Fotos benötige ich auch keinen AF, da meine Motive nur höchst ausnahmsweise in Bewegung sind.

Auch der Wertverlust tendiert beim Kauf eines gebrauchten Exemplars dieses Summilux 1,4/50 ASPH. selbst nach vielen Jahren der Benutzung gegen Null. Wenn man hingegen ein jetzt neu gekauftes Sigma 1,4/50 Art in einigen Jahren wieder verkaufen möchte, dann halte ich einen Wertverlust von einigen hundert Euro nicht für völlig ausgeschlossen.

Und ja, ich weiß, dass die von Sigma und Leica veröffentlichten MTF-Werte möglicherweise nicht 1:1 vergleichbar sind. Aber meiner bisherigen Erfahrung nach sind die sich hierdurch ergebenden "Beurteilungsfehler" eher marginal.

Was "vernünftig" ist, könnte also vielleicht auch eine Frage der persönlichen Auffassungen, Zielvorstellungen und Prioritäten sein, und daher auch oft sehr unterschiedlich. Allein schon die Frage nach dem generell derzeit "besten" 50er halte ich persönlich daher für eher wenig "vernünftig". Generalisierende Antworten auf diese Frage also auch nicht. Wie heißt es doch so schön im Schatzkästlein lateinischer Glückskeksfüllungen:

"De gustibus et coloribus non est disputandum"



Dass Zeiss so argumentiert, bestätigen auch die nachstehend verlinkten ausführlichen Erläuterungen von Zeiss zum Für und Wider des automatischen und manuellen Fokussierens: http://www.zeiss.de/camera-lenses/d...hat_makes_the_difference/manual_focusing.html

Die Hinweise in diesem vorstehend verlinkten Artikel auf Ausführungen in den Camera Lens News Nr. 30 zum Thema "Objektive objektiv messen" beziehen sich hierauf.

Da das in dem oben unter dem Zitat von falconeye verlinkten Artikel zum Thema Fokussierung eingebettete Video dessen englische Version ist, hier noch dessen deutsche Version:

https://www.youtube.com/watch?v=uNbW4xNsykY
 
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Ja, das stimmt tatsächlich, und das habe ich auch im Review geschrieben (Seite 6 ist das glaube ich, zum Thema Handling). Das liegt daran, daß das Zeiss eine direkte Übertragung hat, also einen wirklichen MF mit Anschlag und ohne Kupplung dazwischen, wie eben früher ohne AF. Kein Spiel und eine sehr kurze Übersetzung, also viel drehen für wenig Bewegung.

Und das ist glaube ich kein Sales Pitch Zeug, das ist das einzig Sinnvolle, wenn man schon keinen AF verbaut.
 
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… eine sehr kurze Übersetzung, also viel drehen für wenig Bewegung. ... das ist das einzig Sinnvolle, wenn man schon keinen AF verbaut.

Auch das halte ich für eine Geschmacksfrage. Beispiel: Zusammen mit der Leica M7 benutze ich das Leica Apo-Summicron 1:2/75 ASPH. Dieses Objektiv hat genau die gegenteilige Auslegung, also wenig drehen für viel Bewegung. Mir persönlich ist das nun zum Beispiel sehr recht. Denn so finde ich persönlich im Messsucher den Punkt, an welchem der Kontrast im Messfeld zeimlich schlagartig ansteigt, weil beide Messfelder 100%ig übereinanderliegen, und wieder abfällt, weil sie wieder auseinanderdriften, sehr deutlich und auch sehr zügig. Manche andere Benutzer dieses Objektivs schimpfen jedoch über diese Abstimmung des Schneckengangs.

Und nein, Du kannst Dir sicher sein, daß dabei nichts schiefgegangen ist, das wäre bei einem solchen Test ziemlich bescheuert.

Wie falconeye ja in seinem Beitrag #123 bereits erläutert hat, und wie auch Zeiss in dem in meinem Beitrag #145 zum Thema "Fokussieren" verlinkten Artikel erläutert, wäre dies keineswegs "ziemlich bescheuert", sondern der bei solchen Praxistests eigentlich zu erwartende "Normalfall".

Denn kein Autofokussystem und auch kein visuelles System ist dazu in der Lage, die sich bei solchen Praxistests ergebenden systematischen Fehler (Dejustagen und Fertigungstoleranzen etc.) und zufallsverteilten Fehler (begrenzte Kontrastempfindlichkeit des visuellen Systems etc.) völlig zu vermeiden.

Und unser visuelles System ist sowie kein linear arbeitendes Messinstrument. Daher kann man auch bei noch so großer Aufmerksamkeit und Sorgfalt nie völlig ausschließen, dass man unter den Aufnahmen einer eventuellen "Fokusreihe" auf dem Monitor dann vielleicht doch nicht diejenige korrekt identifiziert hat, bei der die Fokuslage optimal ist. Und es ist auch eine eher trügerische Hoffnung, dass im Zweifel die Betrachter vor ihren heimischen Displays dann schon sehen werden, wo genau die Schärfe am höchsten ist, und dann diese Stellen in den jeweiligen Bildern miteinander vergleichen.

Nicht umsonst bereiten ja zum Beispiel NASA und ESA die Auswerter von Fotos mit großer Gründlichkeit auf solche Aufgaben an den Grenzen der Wahrnehmung vor.

Unser visuelles System ist für solche ja nahezu "Messaufgaben" eher ungeeignet, weil diese in der Evolution unserer Spezies keine Vorteile mit sich brachten. Was unser visuelles System hingegen hervorragend kann, ist ein Mikrofon in Sekundenbruchteilen als Mikrofon zu erkennen und von einer Currywurst zu unterscheiden. Denn in Windeseile ein Raub- von einem Beutetier zu unterscheiden, ist für die Evolution unserer Spezies natürlich von größerer Bedeutung gewesen, als herauszufinden, wie groß gerade die auf der Retina abgebildeten CAs sind.

Hat unser visuelles System aber das sich allein schon aufgrund der Sakkaden ständig verändernde bunte Geflirre auf unserer Retina erst einmal aufgrund entsprechender Gedächtnismuster als "Mikrofon" erkannt, dann sehen wir ab diesem Zeitpunkt eher ein von diesen internen Gedächtnismustern geprägtes inneres Bild mit dem Bildtitel "Mikrofon", anstatt weiter das, was gerade wirklich auf unser Retina so alles los ist.

Deshalb ist das Erkennen von "Schärfe" immer mit einem größeren Unsicherheitsfaktor verbunden, als das Erkennen von "Currywurst". Und das wiederum bleibt dann unter Umständen nicht ohne Konsequenzen, insbesondere bei Hochleistungsobjektiven:


In diesem Zusammenhang noch eine Lektüreempfehlung: http://www.imx.nl/photo/technique/lens-testing-at-a-cross.html
 
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Eigentlich wollte ich mich ja so langsam mal aus diesem Thread zurückziehen, weil ich der Ansicht bin, daß zu den 50ern eigentlich schon alles gesagt worden ist. Und ich möchte eigentich auch keine neue Wissenschafts-Diskussion starten, die mit der Sache an sich wenig zu tun hat.

Aber vielleicht sollte man eine Aussage mal etwas relativieren.


Denn diese Aussage suggeriert eine Genauigkeit, die mit der praktischen Anwendung wenig zu tun hat. Zum einen entspricht eine Defokussierung im Bildraum nicht einer Linsenverschiebung von einem 1/100mm (sondern man müsste die Sensorebene um 1/100mm bewegen). Es geht bei der Aussage ja explizit um die Kamerapräzision. Zum anderen sind die Fokuswege der Linsenelemente ja gerade deshalb übersetzt. Und zwar nicht linear.

Da die MTF-Kurven in der Regel bei der Einstellung unendlich gemessen werden, entspricht diese Verschiebung einer Bewegung am Fokusring von möglicherweise 1mm. Und das kann man schon noch recht genau am Objektiv einstellen. Wäre dem nicht so, wäre ein Großteil aller Objektive ziemlich unbrauchbar und auch die Motoren der AF-Systeme könnten die Präzision eines 1/100mm nie erreichen und würden nur relativ unscharfe Bilder produzieren, bzw. die Schärfe würde eigentlich nie da liegen, wo man sie haben möchte.

Das soll nicht bedeuten, daß es nicht immer auch Fokusfehler gibt, aber da geht es für den Anwender bei seiner Arbeitsweise nicht um Genauigkeiten von 1/100mm. Nur mal so zur Klarstellung

Und jetzt... frohes Weiterdiskutieren allerseits

VG
 
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... entspricht eine Defokussierung im Bildraum nicht einer Linsenverschiebung von einem 1/100mm

Zur Vermeidung von Missverständnissen an einem Beispiel:

Wenn man eine zum Beispiel 3 m entfernte Gegenstandsebene in der Sensorebene scharf abbilden möchte, dann muss die Entfernung der Linsen von der Sensorebene durch Drehen am Einstellring so justiert werden, dass die der Gegenstandsweite von 3 m entsprechende Bildweite genau der Entfernung zwischen Linsen und Sensorebene entspricht. Das nennt man "Scharfstellen".

Stellt man nun jedoch versehentlich die Entfernung auf ca. 3,05 m oder 2,95 m ein, dann entspricht bei einem der von FlowtographyBerlin getetsteten 50er dieser Defokussierung im Objektraum von ca. +/- 5 cm, eine sich dann aus der Linsengleichung ergebende Defokussierung im Bildraum von ca. +/- 1/100 mm.

Und diese Grafik auf der Seite 23 der von mir in meinem Beitrag #147 zitierten und verlinkten Broschüre von Zeiss "Schärfentiefe und Bokeh" veranschaulicht nun, in welchem Maße die MTF dieses Hochleistungsobjektivs bei solch einer Defokussierung von 1/100 mm im Bildraum - also 5 cm im Objektraum - abfällt.

Hier im Kontext dieses Objektivtests ist diesbezüglich insbesondere wichtig festzuhalten, dass also bei solchen Hochleistungsobjektiven, wie zum Beispiel dem Sigma 1,4/50 Art und dem Zeiss Otus 1,4/55, schon sehr kleine Defokussierungen im Objektraum von zum Beispiel +/- 5 cm, die einer Defokussierung im Bildraum von in diesem Beispiel nur 1/100 mm entsprechen, bereits zu einem sehr deutlichen Abfall der MTF-Werte von in diesem Beispiel 20% bei 40 Lp/mm führen können.

Das ist in diesem Zusammenhang hier insofern von Interesse, als dieser Abfall der MTF für 40 Lp/mm um 20% in einer 100% Ansicht eines D800 Bildes bereits deutlich wahrnehmbar sein könnte. Auf der Einstellscheibe, die man ja unter einem sehr viel kleineren Sehwinkel sieht als das gesamte Foto in einer 100% Ansicht, ist jedoch dieser Abfall der MTF um 20% möglicherweise weniger deutlich wahrnehmbar, als in so einer 100% Ansicht.

Daher stellen solche Hochleistungsobjektive wie das Otus also auch ganz besonders hohe Ansprüche an die Sorgfalt des Anwenders (oder Reviewers), und natürlich auch an die Sorgfalt in der Fertigung von Kamera und Objektiv. Dies insbesondere dann, wenn man die Bildergebnisse des Otus später unter Sehwinkeln betrachten möchte, die deutlich größer sind, als der Sehwinkel, unter welchem man beim manuellen Scharfstellen die Einstellscheibe betrachtet hat. In solchen Fällen ist daher also eine Scharfstellung bei Betrachtung einer vergrößerten Live-View-Darstellung unter einem deutlich größeren Sehwinkel als beim Scharfstellen auf der Einstellscheibe - also im Zweifel auf einem externen Display - meines Erachtens unverzichtbar. Die mit einer D800 und einem Otus wohl vom Grundsatz her mögliche Annhäherung an MF-Qualität scheint also auch mit einem im Mittelformat üblichen Aufwand einherzugehen.

Da ja nun der in der Linsengleichung dargestellte Zusammenhang zwischen Gegenstandsweite und Bildweite nicht gerade besonders anschaulich ist, kann man sich bei Interesse auch in anschaulicher Weise von den Grafiken auf den Seiten 24 bis 27 dieser hier verlinkten Broschüre von Zeiss nach der Zwischenüberschrift "Dreidimensionale Eigenschaften" davon überzeugen lassen, dass zum Beispiel im Bereich einer Gegenstandsweite von etwa 3,00 m, und im Bereich der von FlowtographyBerlin getesteten Brennweiten, eine Defokussierung im Bildraum von 1/100 mm (0,01 mm) einer Defokussierung im Objektraum von etwa 5 cm entspricht.

Auf der Basis dieses in den oben von mir verlinkten Grafiken veranschaulichten Zusammenhangs kann man dann vor dem Hintergrund der jeweiligen persönlichen Anforderungen beurteilen:

  • für wie wahrscheinlich man persönlich beim Scharfstellen mit den von FlowtographyBerlin getesteten Brennweiten im Entfernungsbereich von etwa 3,00 m eine versehentliche Defokussierung von etwa +/- 5 cm hält.
  • für wie praxisrelevant man einen durch solch einen Fokussierfehler bei einem Hochleistungsobjektiv dann verursachten Abfall der MTF für 40 Lp/mm um 20% vor dem Hintergrund der persönlichen Anforderungen an den subjektiven Schärfeeindruck beim Betrachten eines Ausdrucks hält.
@ gugu:

Dass Du auf der einen Seite in Deinen Beiträgen zu diesem Thema hier betonst, Du würdest auch bei sehr großformatig ausgegebenen und aus geringer Entfernung betrachteten Fotos auf einen hohen subjektiven Schärfeeindruck Wert legen, aber in Deinem Beitrag #148 dann im Widerspruch dazu die Auffassung vertritt, eine Defokussierung im Bildraum von 1/100 mm und der durch sie bei einem Hochleistungsobjektiv dann versursachte Abfall der MTF für 40 Lp/mm um 20% sei nicht praxisrelevant ("aber da geht es für den Anwender bei seiner Arbeitsweise nicht um Genauigkeiten von 1/100mm"), ist mir völlig unverständlich.
 
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Danke!
 
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Ich hab mich mit dem Thema ein halbes Jahr beschäftigt.Das Nikon 1.4 / 1.8 / Sigma 50 Art und Nikon 58 1.4 da gehabt und mehr oder weniger lang getestet. Das Simga ist schon etwas schärfer wide open, aber auch am Ende nicht um Welten. Hat Nachteile im Bokeh und der Farbwiedergabe. Das Nikon 1.8 bietet das meiste fürs Geld, aber die beste Linse in Summe ist für mich das 58'er.
Zeiss ist optisch zweifelsfrei Herausragend, aber ohne AF und für den Preis (für mich) nicht interessant.

Was aber Fakt ist und da bin ich mir sicher!

Dein 58'er ist eindeutig eine dejustierte Linse (ob gewollt oder nicht )
Ich hab mal nen unbearbeitetes Freihandbeispiel der zu erwartenden Schärfe bei 1.4 ohne Blitz ISO 400 reingepackt.

https://www.flickr.com/photos/enrico-heller/14984176036/in/set-72157646707636036/

VG
Enrico
 
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Vergleichstest von: Zeiss Otus, Sigma 50 Art, Nikkor 58G, Nikkor 50/1.4G und ...

Ich hab mal nen unbearbeitetes Freihandbeispiel der zu erwartenden Schärfe bei 1.4 ohne Blitz ISO 400 reingepackt.

Enrico, danke.
Leider zeigst Du nur 4MP, bzw. entspricht auch der Detailauschnitt nur der halben Kameraauflösung, anders als Florian dies tut. Hast Du nicht mal ein 100% Ausschnitt einer detaillierten Textur?
 
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Ich habe gesagt das eine Defokussierung von einem 1/100mm im Bildraum für den Anwender nicht Praxisrelevant ist, da man Problemlos mit dieser Genauigkeit arbeiten kann, denn sie entspricht ungefähr einer Bewegung am Fokusring die im Millimeterbereich liegt. An und für sich ist diese Defokussierung für die Abbildungsleistung schon Relevant, aber damit läßt sich prima arbeiten.

VG
 
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Diese ganzen theoretischen Ungenauigkeitsargumente lassen doch völlig außer acht, daß der Tester Flo offenbar bei einigen Objektiven sehr genau fokussieren konnte, während ihm das beim 58er Nikon nicht gelingen wollte bzw. offenbar einfach nicht besser möglich ist. Ob das Exemplar nun besonders schlecht ist oder auch alle anderen betrifft, kann man damit wohl nicht klären.
 
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Blende 4.0 war da sicher nicht ganz unbeteiligt. Es ging ja um die Schwäche bei Offenblende.
 
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AW: Vergleichstest von: Zeiss Otus, Sigma 50 Art, Nikkor 58G, Nikkor 50/1.4G und ...

Enrico, danke für das Beispiel. Das sieht tatsächlich recht scharf aus, ich kann Details von ca. 1.5px ausmachen, auf Flo's Crop vielleicht nur 3px. Inwieweit dies am Exemplar oder anderen Problemen liegt (s.o.), ist eine andere Frage.

Eine Anpassung an die Kamera durch den (NSP) hat sichtbar was gebracht.

Im Gegensatz zum Sigma ist die Fokus Qualität schon recht konstant, beim Sigma war das eher nicht so der Fall, zumindest bei meinem Exemplar, wobei auch das nicht der Grund war mich gegen das Sigma zu entscheiden.
 
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