Du kannst ein 25er mit 50er bei gleichem Abbildungsmaßstab vergleichen und wirst feststellen, daß zwar die Schärfentiefe gleich ist, nicht aber die Bildwirkung.
Um mit unterschiedlichen Brennweiten einen bezogen auf die jeweilige Fokusebene gleichen Abbildungsmaßstab zu erzielen, muss die Aufnahmeentfernung unterschiedlich sein. Bei unterschiedlichen Aufnahmeentfernungen sind nun auch die Ergebnisse der
zentralperspektivischen Projektion des Objektraums in die Bildebene unterschiedlich. Dies führt weiter dazu, dass in der Bildebene das Größen
verhältnis zwischen identischen Motivbereichen im
Vorder- und Hintergrund auf der einen Seite, und identischen Motivbereichen in der
Fokusebene auf der anderen Seite, umso mehr
abnimmt, je mehr die Aufnahmeentfernung
zunimmt. Daher kann man mit zwei unterschiedlichen Brennweiten also in der Bildebene auch dann keine
identischen Abbildungen eines dreidimensionalen Objektraums erzielen, wenn der jeweilige Aufnahmeabstand so gewählt wird, dass die jeweiligen Abbildungsmaßstäbe in Bezug auf die Fokusebene und daher auch der Schärfentiefebereich in cm identisch sind.
Und in Bezug auf die Abbildung des Vorder- und Hintergrundes kann sich bei unterschiedlichen Objektiven zudem der Umstand geltend machen, dass der rechnerisch ermittelte Schärfentiefebereich sich ja einem vereinfachten geometrischen Modell des Strahlengangs von Objektiven verdankt. Die realen Stahlengänge verschiedener Objektive sind jedoch meist unterschiedlich, und daher kann auch ihre jeweilige
"Through-focus MTF" an den identischen Stellen des Schärfentiefebereichs recht unterschiedlich sein. Diesem Thema widmet daher der von gugu in seinem Beitag #229 erwähnte Artikel
"Schärfentiefe und Bokeh" auf seinen Seiten 21 bis 23 ein eigenes Kapitel unter der Überschrift
"Schärfentiefe und Kontrastübertragung MTF".
Es geht überhaupt nicht darum, daß nichts miteinbander Vergleichbar ist, sondern daß nicht jeder Vergleich sinnvoll ist.
"Sinnvoll" heißt ja im Kontext dieses Themas hier, dass der Betrachter der Testbilder einen Eindruck davon gewinnen soll, welche
Art von subjektivem Wahrnehmungsunterschied und welches
Ausmaß an subjektivem Wahrnehmungsunterschied sich beim Vergleichen der von FlowtographyBerlin gezeigten Bilder ergibt.
Denn dieser Test soll ja zum Beispiel Kaufinteressenten dabei unterstützen, für sich persönlich Fragen zu beantworten, wie zum Beispiel: "Ist mir der von mir wahrgenommene Unterschied im subjektiven Schärfeeindruck einen höheren Preis wert?", "Ist mir der von mir wahrgenommene Unterschied im Bokeh den von mir wahrgenommenen Unterschied in der Schärfe wert?" etc.
Der Natur der Sache nach kann sich nun in einer einzelnen Aufnahme auch nur jeweils eine einzelne der unzähligen Variationsmöglichkeiten zeigen, in welchen sich die unterschiedlichen technischen Parameter der getesten Objektive in Wahrnehmungsunterschieden beim Vergleichen von Bildergebnissen niederschlagen können. Daher sind die sich beim Vergleichen der von FlowtographyBerlin gezeigten Bilder ergebenden Wahrnehmungsunterschiede für den jeweiligen Kaufinteressenten umso informativer, je häufiger sich die konkreten Gegebenheiten beim Aufnehmen dieser Beispielbilder auch in der persönlichen Praxis des jeweiligen Kaufinteressenten ergeben.
Wenn also zum Beispiel der den Bildbeispielen für die Schärfe jeweils zugrundeliegende Motivkontrast, oder auch zum Beispiel die jeweilige Aufnahmenentfernung, in der persönlichen Praxis eher die Ausnahme ist als die Regel, dann werden sich die bei der Betrachtung dieser Bildbeispiele resultierenden subjektiven Schärfeunterschiede auch in der persönlichen Praxis eher nur ausnahmsweise ergeben als regelmäßig.
Und wenn zum Beispiel der von FlowtographyBerlin für die Bildbeispiele für den focus shift gewählte Bereich des Bildfelds (rote Markierung) derjenige ist, in welchem auch in der persönlichen Praxis meist die Schärfe optimal sein soll, dann wird sich der bei der Betrachtung dieser Bildbeispiele für den focus shift wahrgenommene subjektive Schärfeunterschied auch in der persönlichen Praxis bei einer ähnlichen Aufnahmeentfernung häufig einstellen.
Je häufiger also die Parameter der von FlowphotographyBerlin für diese Beispielbilder ausgewählten Aufnahmen (Motivkontrast, Einhaltung der Fertigungstoleranzen durch das jeweilige Objektiv, Aufnahmeentfernung, Lage des Fokuspunktes im Bildfeld, Stativ, D800, ISO, Fokussiermethode, etc., etc., etc.) auch in der persönlichen Praxis vorkommen, umso häufiger werden sich die bei der Betrachtung dieser Beispielbilder ergebenden Wahrnehmungsunterschiede auch bei der Betrachtung der eigenen Bilder ergeben - und je seltener, umso seltener.