Hallo in die Runde, ich bin nach vielen Jahren wieder bei Nikon eingestiegen.
Meine erste DSLR war die D5100 im Kit mit dem Standardzoom und Telezoom, das ich später noch mit 35er Festbrennweite ergänzte. Leider störten mit die chromatischen Aberrationen dieser Festbrennweite sehr, die Kamera selbst fand ich richtig gut.
Es folgte der teure Schwenk auf Canon 6D mit 24-105/4 Vollformat, dann bekam ich eine Leica X1 in die Hand und konnte darauf hin die Canon nicht mehr sehen.
Nun habe ich viele Leicas durch, meist mehr oder weniger gut erhaltene Gebrauchtgeräte bis hin zur S (Mittelformat) und aus Gründen der Zuverlässigkeit und nachvollziehbaren Vorgeschichte sollte es nun wieder eine nagelneue Kamera sein. Leica baut umwerfend gute Objektive, aber nur mäßig robuste Kameras, die sehr viel Liebe und auch gelegentlich unplanmäßigen Service brauchen. Da ich jedoch das Geld nicht für das fraglos gute SL-System ausgeben wollte, schaute ich mich wieder bei Nikon um.
Man legte mir die Z-Serie ans Herz, schöne Geräte - aber der Blick durch den elektronischen Sucher (hier Z8) offenbarte nichts Gutes. Eine spürbare optische Verzögerung und ein ziemlich starkes Ruckeln/Flimmern beim Schwenken schreckten mich ab. Dazu muss ich sagen, dass ich etwas anfällig dafür bin und mich auch manche Monitore usw. beeinträchtigen. Unbedingt vorher probieren, ob man damit zurechtkommt!
Ich hatte mich im Vorfeld über die D850 informiert, wollte dann auch konkret diese Kamera mit dem 24-70/2.8 Standardzoom und habe sie schließlich gekauft.
Die Kamera ist ein ziemlicher Brocken, liegt aber sehr gut in der Hand. Der klassische Sucher macht Spaß. Verarbeitung ohne Tadel, als Leicajaner gebe ich ein "sehr gut". Das Bedienkonzept und ich werden langsam Freunde, denn viele Jahre war ich daran gewöhnt, die Parameter der Belichtung einfach am jeweiligen Drehrad/Ring einzustellen und den kleinen Rest per Schnellzugriff im Menü zu erledigen. Die D850 hat für alles einen Knopf, Betriebsmodi oder Funktionstasten. Nun gut.
Voller Erwartung schoss ich die ersten Bilder Freihand und wurde schwer enttäuscht. Wo war die versprochene Schärfe? Wo ist der Vorteil der 45 Megapixel im Vollformat? Meine Leica X Vario, die ich behalten habe, macht ganz eindeutig klarere Bilder - mit 16 Megapixel auf APS-C.
So funktioniert das aber nicht. Nun setzte ich die Nikon aufs Stativ, schaltete den Stabilisator ab, blendete auf f/11 ab und siehe da, die Details kamen heraus. Die Entwicklung der NEF-Daten lässt sich in meinem Capture One sehr gut erledigen.
Die D850 ist eine bildgewaltige Kamera, die Farben sehr fein und hochwertig herausbringt. Der Funktionsumfang für die Belichtungssteuerung ist riesig. Die enorme Auflösung muss allerdings bedient werden, was entsprechende Arbeitsabläufe erfordert. Viel Licht, kurze Zeiten oder häufiger Stativeinsatz und man muss die schmalere Schärfeebene im Vergleich zu APS-C/DX richtig einschätzen.
Das Klappdisplay (nur nach oben oder unten) ist ein schönes Feature, gerade mit der Möglichkeit des Auslösen per Fingertip.
An der Verbindung zu iPhone hapert es auch noch, snapbridge ist recht zickig.
Das Zoom AF-S 24-70 2.8E ED.. Nun ja. Offenblendig ziemlich(!) weich zu den Rändern, kleine chromatische Aberrationen gibt es auch zu sehen. Da bin ich allerdings auch sehr verwöhnt von Leica. Die Verzeichnungen sind noch im Rahmen und gut zu korrigieren.
Eine große Enttäuschung erlebte ich jedoch beim Focusstacking. Das Ding verändert den Bildwinkel beim Fokussieren (focusbreathing) und taugt daher nicht wirklich dafür.
Ansonsten per se kein schlechtes Objektiv und ich denke schon, dass ich noch das Tele dazu beschaffen werde.
Fazit: Es macht viel Spaß, mit dieser Kombination zu fotografieren, obwohl - oder gerade weil sie keine "Jackentaschenkamera" ist. Man muss sie bewusst mitnehmen, sich bewusst am Motiv platzieren, das Gerät bewusst einstellen und Klack. Ehrlich gesagt habe ich einen satten Spiegelschlag in all den Jahren vermisst und genau das kann die 850 sehr gut.
Der Begriff wird mehrfach für verschiedenste Kombis verwendet. Aber ich finde ihn so blöd, dass mir nie überlege, was gerade damit gemeint sein könnte.