Das ist doch schön zu lesen
Kann es nicht sein, dass Suri einfach nur Heimweh nach euch hat? So sehr, wie sie dich annimmt, sich bei dir wohlfühlt, kann die Trennung sie doch durchaus krank machen... oder?
Danke Rosi und Betti....
Ja, liebe Betti. Wir machen uns auch solche Gedanken und wir sind die ganze Zeit auch am Recherchieren über diesen Umstand.
Ich möchte hier gerne einige Gedanken dazu äussern:
Handaufzuchten sind und bleiben immer sehr heikel. Da Handaufzuchten in der wichtigsten Phase des Lebens nicht von Artgenossen stattfinden, sondern von artfremden Wesen, ist entsprechend auch die Prägung und das Kopieren, respektive auch das Verhalten ein Stück weit "artfremd".
Suri hat sich gut in die Gruppe integriert. Insbesondere vom ältesten Männchen wird sie stark unterstützt, mit den anderen Gruppenmitglieder kommt sie recht gut zurecht, wenn auch nicht sehr innig.
Seit Suri im Zoo ist, besuchen wir sie - bewusst sehr wenig. Vielleicht sind es Abstände von drei bis vier Monaten, wo wir sie sehen. Der Rest der Zeit ist sie ausschließlich mit Ihresgleichen zusammen.
Die Prägungsjahre sind eine - nebst der biologischen Komponente des Instinkts - eine prägende Phase. Alle Ausseneinwirkungen auf eine Wesen haben entsprechend eine Resonanz und lässt sich im Verhalten wieder erkennen. Wir alle um Suri, haben keine äusseren Verhalten bemerkt, welche darauf schliessen könnten, dass in der Prägungsphase etwas falsch gelaufen ist. Wäre dies, dann wäre eine Reintegration auch nicht möglich gewesen.
Dass sie auf mich, der Tierpflegerin (welche nicht mehr im gleichen Zoo arbeitet), meine Frau und meine Tochter so reagiert, hat vermutlich mit dem zu tun, dass wir ein fester Bestandteil ihrer Prägungsphase sind. Wir sind aber in ihren Augen, Nasenbärenmammis und - Papis, auch wenn wir keine Hundekekse essen ...
Aber nun kommen wir ja auch ganz schnell auf Themen, welche wir, oder zumindest ich nicht erklären können. Was ich gefühlsmässig wahrnehme, kann für Suri anders sein. Dennoch glaube ich an das Wort "Vertrauen" sehr wohl, sie vertraut uns. Aber das ist nicht messbar. Und um einen Schritt weiter zu gehen: ich glaube nicht, dass sie "lange Zeit" nach uns hat. Aber da wir die ersten "Bezugspersonen" waren in ihrem Leben, hat sie ein Vertrauen in uns.
Sie lag heute auf meinem Schoss, wie sich unsere Hunde hinlegen, wenn wir zusammen schmusen. Suri hat sich mir schutzlos anvertraut, auf dem Rücken und hat geschlafen. Das ist Sicherheit, sie wusste, dass ihr nichts passieren würde und dass ich sie beschützen würde. Ich als Mensch, als Sam, empfinde das wohl anders als sie. Dennoch stimmt es für beide Seiten.
Ich weiss nicht, liebe Betti, ob Nasenbären "Heimweh" kennen. Selbst bei unseren spärlichen Besuchen im Zoo, geht sie nach einer Weile von uns weg und geht zurück ins Rudel, oder einer "nasenbärischen Beschäftigung" nach. Das heisst, sie wendet sich auch bewusst von uns ab.
So oder so kann ich deine Frage nicht einfach so beantworten, weder wissenschaftlich noch menschlich und schon gar nicht "tierisch". Selbst im Tierspital bleiben mehr Fragen offen als sie Antworten hätten...
Uns bleibt nichts anderes übrig als das zu tun, was wir denken es könnte richtig sein. Jeglichen Rat und Hinweis zu überprüfen, zu überdenken. Letztlich, das ist uns jetzt schon klar, war uns immer klar, bleibt ein grosses Risiko, weil wir Suris Sprache einfach nur deuten können, und dies auf alle möglichen Richtungen...
Ich könnte sie loslassen, die kleine Suri. Wenn es Zeit wäre zu gehen, dann geht auch Suri. Es täte weh, ich würde sie sehr vermissen. Eines weiss ich schon jetzt: sie ist eine Persönlichkeit, für die ich ewig dankbar sein werde, dass sie in mein Leben getreten ist. Solche Erfahrungen und Innigkeit lernt man an keiner Schule ...
