Frage Suche Weitwinkel optimiert auf Blende 16-22

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.

tideloon

NF-Premium Mitglied
Premium
Registriert
Hallo zusammen

Oft wird diskutiert, wir gut ein Objektiv bei offener Blende abbildet. In diesem Zusammenhang lese ich, dass die beste Abbildungsqualität oft durch abblenden auf Blende 8 bis 11 erreicht wird und danach die Bildqualität abnimmt. Ich suche ein Weitwinkel-Objektiv, bei dem auch bei Blende 16 bis 22 eine gute Bildqualität erreicht wird, bzw. auf diesen Blendenbereich optimiert ist. Gibt es das überhaupt?
Ich will das Weitwinkel für Landschaftsbilder einsetzen, daher muss es nicht unbedingt Autofokus haben.

es grüsst
Beat Markus
 
Anzeigen
... das stimmt auf dem DOF-papier, hat aber mit der praktischen anwendung nichts gemein.

Was auf dem "DOF-papier" (Schärfentiefetabelle, Schärfentiefeskala, Ergebnisse eines Schärfentieferechners) "stimmt", hat mit der praktischen Anwendung sehr wohl etwas "gemein", und zwar in den Hinsichten, die ich in meinem Beitrag #39 erläutert habe.
 
Kommentar
Was auf dem "DOF-papier" (Schärfentiefetabelle, Schärfentiefeskala, Ergebnisse eines Schärfentieferechners) "stimmt", hat mit der praktischen Anwendung sehr wohl etwas "gemein", und zwar in den Hinsichten, die ich in meinem Beitrag #39 erläutert habe.

Das stimmt und ich find es sehr hilfreich!

Aber ich kann mir bei der Thematik durchaus auch vorstellen, dass es für einige Leute zu viel der Theorie ist und zu viel der Formel und Mathe.

Deshalb nutze ich die Erkenntnisse in der Praxis wie folgt:

Zuerst kommt der Gedanke an die Verwendung, bzw. die benötigte Größe:
Wenn ich, oder mein Kunde, ein Bild für nen kleinen Flyer oder für irgendeine andere relativ kleine Darstellung benötigt, dann blende ich auch lieber bis f/16 oder f/22 ab - bevor ich aufwändiges Stacking betreibe oder die PC-Es auspacke.

Wenn ich weiß, dass ab ca. 20 cm Größe (Länge) benötigt und veröffentlicht wird, dann müssen für solche Aufgaben (von "nah bis fern" so "scharf wie es geht") eben die aufwändigeren Methoden her...
 
Kommentar
Hallo,

Zuerst kommt der Gedanke an die Verwendung, [...]
diesen Aspekt muss man wirklich dick unterstreichen. Ich denke, dass der technische Aspekt allzu oft in den Vordergrund gerückt wird und viele Möglichkeiten des Fotografen auf der Strecke bleiben ... einfach weil er sich zu "eindimensionale" an gewisse Regeln hält. Klassisches Beispiel für mich ist in der Maktofotografie die Blende 45, die durchaus sinnvoll sein kann, wenn von vorne herein klar ist, dass auch (!) ein kleines Ausgabeformat gewünscht ist, bei dem die Beugung keine Rolle spielt. In diesem Fall ist das Wissen um die kritische und die förderliche Blende eher hinderlich.

Ciao
HaPe
 
Kommentar
In diesem Fall ist das Wissen um die kritische und die förderliche Blende eher hinderlich.
Keineswegs: Denn nur "Regeln", bezüglich deren Herleitung und Begründung man sich gerade kein "Wissen" angeignet hat, führen bei ihrer dann nur rein formelhaft auswendig gelernten und damit gedankenlos "eindimensionalen" Befolgung in der Praxis in die Irre.
 
Kommentar
Auch mit Kenntnis dieser physikalischen Gesetze, deren Auswirkungen je nach verwendeter Objektiv-Kamera-Kombination variieren, hat es sich für mich als hilfreich erwiesen, durch mehrere Fotos eines Motivs mit unterschiedlichen Einstellungen zu spielen. Man kann zwar vorher mit allen möglichen Berechnungen das Optimum ermitteln aber oft sind gerade die Fotos interessanter, die technisch nicht perfekt sind. So kann auch ein im Vordergrund am Bildrand befindlicher Stein gut aussehen und räumliche Tiefe vermitteln, wenn er nicht knackscharf ist.
 
Kommentar
Man kann zwar vorher mit allen möglichen Berechnungen das Optimum ermitteln ...

Genau das ("mit allen möglichen Berechnungen das Optimum ermitteln") kann man in Bezug auf den visuellen Schärfentiefeeindruck eben nicht. Denn neben den für diese Unmöglichkeit in meinem Beitrag #39 bereits erläuterten Gründen, ist laut dem derzeitigen Stand der Wahrnehmungsforschung der subjektive Schärfe(ntiefe)eindruck zum Beispiel nicht zuletzt auch vom jeweiligen Bildinhalt abhängig.

Denn wir sehen und erkennen ("Wahrnehmung") beim Betrachten von Bildern in aller Regel ja nicht Abstraktionen wie "scharf" oder "unscharf", sondern konkrete Bildinhalte - Katja im blauen Kleid beim Murmelspiel, die Sonnenblume in Evelyns Garten in der Mörgenröte, Philippe beim Bäcker in Avignon, Struppi im Tiefflug mit Ball in der Schnauze etc. Und einen zu geringen visuellen Schärfentiefeeindruck des jeweiligen Betrachters merkt man ja in der Regel auch - wenn er nicht per Zufall ein "an Fotografie interessierter" ist - an einer inhaltlichen Frage, wie vielleicht "Ist der Berg im Hintergrund die Zugspitze oder das Matterhorn?", und einen zu großen an einer inhaltlichen Frage, wie vielleicht "Wieso hat Opa ein kleines Haus auf dem Kopf?"

Für einen Einzellfall der Bildbetrachtung die Blendenzahl für "das Optimum" in Sachen Schäfentiefeindruck rechnerisch vorhersagen zu wollen, halte ich also für ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber für sehr viele Fälle der Bildbetrachtung – also in einem statistischen Sinne - geht das rechnerische Vorhersagen näherungsweise durchaus.

Denn ein großer Teil der Gesamtbevölkerung weist zum Beispiel bei Sehtests den Visuswert 1 auf. Und auch ein Betrachtungswinkel von 50° ist ein häufig vorkommender Betrachtungswinkel, da er ziemlich genau dem beidäugigen Sehfeld entspricht. Siehe hierzu den nachstehenden Link auf Tafel 14: http://www.iwr.uni-heidelberg.de/groups/CoVis/Teaching/GWV_WS1213/vis1-3_Wahrnehmung1Resized.pdf

Und so verstehe ich soulbrothers Praxistipp: Man geht von einer begründeten Annahme in Bezug auf Visus, Betrachtungswinkel, Sujet, Medium und Druckauflösung etc. aus, und greift dann im Werkzeugkasten zum jeweils probaten Mittel, also einmal vielleicht zum Stacking, oder greift vielleicht ein anderes Mal - wie z. B. Flat D - meinen Vorschlag einer "Schärfentiefereihe" auf, also

durch mehrere Fotos eines Motivs mit unterschiedlichen Einstellungen zu spielen …

Geht es zum (konstruierten) Beispiel um ein Foto für die Bravo, dann ist es vielleicht zielführender, von einem bei Jugendlichen häufig anzutreffenden Visuswert von vielleicht 1,5 auszugehen, als zum Beispiel von 0,5. Und da die Bravo wohl oft im üblichen Leseabstand gelesen wird, kennt man ja zumindest so in etwa den Betrachtungsabstand. Und wenn man dann noch weiß, dass das Foto ganzseitig veröffentlicht wird, dann kennt man so in etwa auch den Betrachtungswinkel. Aber selbst bei einer derartigen Berücksichtigung der in Bezug auf die Schärfentiefe geltenden Zusammenhänge ergibt sich sicher auch nicht bei jedem einzelnen Bravoleser der "optimale" - also jeweils beabsichtigte - Schärfentiefeeindruck, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einer großen Zahl von ihnen.
 
Kommentar
Meines Wissens nach gibt es keine Objektive die auf Blende f/16-22 optimiert sind. Der Grund dafür ist einfach, bei diesen Blenden greift die Beugung zu. Damit ein Objektiv in diesem Bereich seine beste Abbildungsleistung erzielt, muss es weiter offen schon extrem schlecht sein.
 
Kommentar
Meines Wissens nach gibt es keine Objektive die auf Blende f/16-22 optimiert sind. Der Grund dafür ist einfach, bei diesen Blenden greift die Beugung zu.

Das ist ja unter anderen einer der Gründe für die Entwicklung von Softwarelösungen für diese Problematik. Eine dieser Lösungen - "Focus Stacking" - wurde ja hier auch bereits angesprochen.

Eine weitere ist zum Beispiel, die Einflüsse der Beugung auf eine einzelne mit hoher Blendenzahl aufgenommen Fotografie nachträglich durch den Einsatz hierfür geeigneter Algorithmen wieder möglichst weitgehend aus der Abbildung "herauszurechnen". Zwei Beispiele (Aufnahmen mit Blende 22): http://web.canon.jp/imaging/dlo/sample/index.html

Die grundsätzliche Funktionsweise dieser Art von Softwarelösung - die in vom Grundsatz her teils ähnlicher Weise (z. B. virtual PSF) auch im Bereich CGI zum Einsatz kommt (virtual camera, virtual lens) - wird zum Beispiel von Canon auf der Internetseite für den "Digital Lens Optimizer" wie unten zitiert erläutert. Bei seiner unter diesem Zitat verlinkten Quelle findet man unter dem Menüpunkt "Reduction of diffraction effect" weitere diesbezügliche Erläuterungen und Bildbeispiele:

"After passing the lens and various filters, the light has diverted from the ideal condition as it reaches the image sensor where the image will be formed. This is due to the influence of factors such as aberrations, diffraction, and the low-pass filter. If these influences can be compensated for using highly precise and specific data, the result ideally would be the original and optimal image. This is the unique principle behind the Digital Lens Optimizer. Factors contributing to optical image deterioration as the light passes through the lenses and filters in the camera were identified and converted into mathematical functions (optical transfer functions (OTF)). By applying the inverse functions to the captured image, the state of the light (image quality) can be returned to approach the state that the incident light had before entering the camera.

The factors such as aberrations, diffraction, and low-pass filter influence differ for different lenses and cameras, and they also are dependent on shooting parameters. The Digital Lens Optimizer therefore uses inverse functions that are carefully optimized and based on precise data. This makes it possible to compensate even for complex and asymmetric aberrations such as coma."

Quelle: http://web.canon.jp/imaging/dlo/effect/index.html

Eine weiterer Lösungsansatz besteht (derzeit bei vielen fotografischen Aufgabenstellungen wohl eher noch "vom Grundsatz her") in der Benutzung einer "plenoptischen Kamera" oder "Lichtfeldkamera", die jedoch langsam aber stetig ihrem Spielzeugcharakter zu entwachsen scheinen (womit ich ürbrigens rein gar nichts nichts gegen den Spaß vorbringen möchte, den man mit "fotografischem Spielzeug" haben kann!). Ein Beispiel für den derzeitigen Stand der Dinge: https://www.lytro.com/

http://www.youtube.com/watch?v=CECoSeL79Wc
 
Kommentar
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten