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Hören und Sehen, dies verbinden mit Emotionen, vielleicht wäre das die Kurzdefinition meiner Fotografie. Ich finde, wenn ich gefragt werde, nie eine schlüssige Antwort darauf...
Ich gehe. Schaue. Staune. Motive finden sich zu Hauf. Nicht jedes ruft. Aber dieses.
So hat Beethoven komponiert. Den Motiven nachgehend. Lange und intensiv. Immer wieder korrigierend, nicht zufrieden mit Versionen. Und manchmal hat er noch am Morgen einer Uraufführung Noten verändert. Die Musiker mussten es dann am gleichen Tag einüben.
Ja, vielleicht. Ja, viellicht hat mich das Shooting heute Morgen auf Coco vorbereitet. Liebe, eine kleine Liebeserklärung an einen Emu. Aber vielleicht versteckten sich solche Emotionen halt auch bei mir in Bildern. So, wie die Liebeserklärung von Beethoven in seiner einzigen Oper: Leonore....
Ich ahnte, dass heute ein besonderer Tag würde. Emotional, fotografisch, den Sinnen, dem Erleben.
Was ist es, was uns reifen lässt, was uns stark macht, was uns weiterbringt? Vielleicht jene kleinen Dinge im Alltag, nicht der Lottogewinn, nicht Ferien auf Irgendwo ...
Wenn ich am Morgen die Abwaschmaschine ausräume und im Radio wird die Ouvertüre zur Leonore gespielt, dann, ja dann, dann bin ich in einer andern Welt. Glücklich und vorbereitet für den Tag, was auch immer er bringen wird....
Und so hielt ich heute im Zoo inne, als ich diese junge Meerschweinchen sah: fast philosophisch sass es da, sinnierend über weiss Gott. Hoch oben auf der Anhöhe...als ob es ahnte, was mich mit Coco erwarten würde ...
Die Person Beethoven und seine Musik tragen mich noch immer. Intensiv, manchmal. Und was ich an ihm sehr bewundere ist sein Mut Dinge zu tun, welche zu dieser Zeit kompositorisch nicht sehr opportun waren.
Mozart und Haydn und Händel und Bach sind nicht zu wiederholen. Das wusste Beethoven. Er machte sich ständig auf die Suche, sich in der Musik selbst zu entdecken.
Vielleicht ist das das gemeinsame Merkmal mit der Fotografie. Ein Stück sich selbst zu entdecken und auf sich selbst neugierig bleiben ...
Vielleicht lerne ich durch Beethoven, durch Mozart und Händel und Vivaldi oder vielmehr durch die Musik zu fotografieren.
Beethoven war nahe daran immer wieder bankrott zu gehen. Seine Musik verkaufte sich nicht immer so gut, sein Sekretär, notabene sein Bruder hat während seiner "Amtszeit" auch einige potentionele Abnehmer vergrault.
Ich gerate immer tiefer in die Verbindung von Ton und Bild und tiefer ich gerate, desto mehr fasziniert es mich ...
Und so ist eine Ouvertüre - und das habe ich nicht gewusst - oft nach der eigentlich Oper geschrieben worden. Sozusagen als eine Vorbereitung auf die Geschichte.
Und so kam mir plötzlich in den Sinn, dass ich ja - fotografisch gesehen - ja eigentlich das gleiche tue. Ich nehme oft eine Stimmung in mir war und lasse meine Aussenwelt darauf reagieren. Und so brauchte ich nach dem heutigen Tag Farbe, aber auch Schärfe, Klarheit und Kontraste und Schatten.
Ich habe die Oper "Fidelio" oder eben "Leonore" nicht sehr oft gehört. Aber ich meine sie zu spüren, alleine durch die Ouvertüre.
Und so kann es sein, dass ich durch eine Bildbetrachtung, zwar nicht die Details, aber zumindest den roten Faden oder die Thematik zu erahnen fähig bin...
Vielleicht ist auch dies ein Zusammenhang zwischen Musik und Fotografie. Zwischen den Zeilen, respektive zwischen den Tönen und zwischen den Abbildungen zu lesen.
Und das alles lässt mich weiter forschen, lesen und mich mit Beethoven auseinander setzen ...
Kreise, Linien, hell und dunkel. Strukturen und Kontraste. Das alles gibts auch in der Musik. So gesehen ist Bildgestaltung oder Komponieren ein und dasselbe...
Beethoven reiste nicht mehr viel, seid dem er in Wien wohnte. Ausflüge da und dort hin. Also komponierte er insbesondere seine "grossen Werke" sozusagen von zu Hause aus ...
Ich kann im Moment auch wenig reisen. Es ist mit dem umzugehen, was man hat. Aber mein Geist reist, ständig. Und komponiert.
Weil es so heiss war, ging ich mit den Hunden heute im Wald spazieren. Die V2 dabei. Und ich habe mir die Messe von Beethoven vorgenommen.
Dass die Komposition schon bei der Uraufführung völlig in die Hosen ging, lag nicht nur daran, dass er die letzten Noten am selben Tag geschrieben hat. Es lag insbesondere daran, dass man sich so eine Messe gar nicht gewohnt war. Streng verbockt in den strukturieren und harmonischen Abläufen aus alter Mozart- und Haydnzeit konnte das Publikum mit dieser "sinfonischen" Art und Weise gar nichts anfangen ...
Ich liess meine Gefühle bei der Musik und hielt einfach zwischendurch die Kamera irgendwo hin. Und dem Nichts, aus der Intuition, aus dem was passiert mit Beethoven und mir ...