"So glücklich ... sollt ihr mich sehen, ... "

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Irgendwie bin ich froh, gehe ich heute Abend ein Konzert fotografieren. "Leichte musikalische Kost", das meine ich nicht abwertend. Aber im Vergleich zu gestern mit Beethoven bin ich froh, etwas abgelenkt zu sein.

Beim Spaziergang heute dachte ich dauernd an das Oratorium und Beethoven. Die wohl vielleicht richtige Interpretation, dass Beethoven genau zu dieser Zeit merkte, dass er wohl als Pianist bald nicht mehr auftreten könne, seine zunehmende Taubheit aber ihm Horizonte in der Komposition auftun würden, mag richtig sein.

Aber was hat wohl Beethoven durchgemacht, dies zu akzeptieren und den Mut aufzubauen, sich der Aufgabe und der Konkurrenz zu stellen?

Die V2 ist eine handliche Kamera, und so locker ich sie in der Hand halte, desto mehr bin ich immer wieder begeistert. Das gerade auch heute Motive mir zurufen wundert mich nicht.



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Und dennoch: das Projekt "Beethoven" ist intensiv, unglaublich lehrreich in allen Belangen. Und eine grosse Herausforderung.

Aber immer und immer wieder suche ich die Weite, den Himmel, die Erde. Immer wieder die Verbindung zwischen irdischem und göttlichem. Und irgendwo finde ich die Töne von Beethoven. Unglaublich intensiv, unglaublich präsent...


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Beethoven geht nicht mehr. Nach über 200 Seiten im Buch hat mich Beethovens Musik und der Mensch Beethoven eingenommen. Ich entdecke Neues, ich entdecke Neues in Werken, welche ich kannte ....

Ich kenne auch die Morgen, die Wolken, meine Heimat ... aber ich entdecke sie durch die Fotografie immer wieder neu ...


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Das hohen Pegelstände der Flüsse und Seen bei uns lassen andere Motive zu. Und lassen andere Gedanken zu.

Wien, zu Beginn des 19 Jahrhunderts, suchte nicht unbedingt Beethoven. Beethoven suchte Wien, das breite Publikum. Aber nach unsäglichen Jahren hatten die Wiener auch Lust auf nicht so anspruchsvolle Musik. Das wusste Beethoven. Auch wenn man ihn als Pianistvirtuose unglaublich schätzte.

Und doch widersetzte er sich vielen gängigen Strömungen zu dieser Zeit. So schnell wie Vivaldi und Mozart konnte er nicht komponieren. Er brauchte für seine Werke viel Zeit.

Das Motiv, die kleine bewaldete Insel in der Aare kann man bei niedrigen Pegelständen zu Fuss erreichen. Und wenn diese Insel Beethoven darstellt, dann schafften es nur wenige, ihm zu Lebzeiten nahe zu kommen.


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Wo Beethoven auch immer auftaucht, wohin ich ihn auch immer mitnehme, er und seine Musik melden sich immer wieder. Und immer auf andere, intensive und intime Weise...

Was wird wohl in ihm vorgegangen sein, als er merkte, dass sein Gehör irgend einmal nicht mehr geht? Musik kann man nicht sehen und er musste somit alle Kräfte auf sein inneres Vorstellungsvermögen konzentrieren.


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Weder Musik noch Bilder entstehen im Kopf. Der Kopf büschelt nur die Wahrnehmung. Musik und Bilder entstehen wohl irgendwo im Herzen, oder im Bauch. Oder sind. Sind irgendwo, schwirren in der Luft umher, wartend wahrgenommen zu werden ...

Man kann sich in diesem kleinen Juratal hinsetzen und Beethoven hören. Man muss nicht. Aber ein Wahnsinnserlebnis ist es allemal. Und immer wieder von Neuem ...


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Ich bin soweit, dass ich Dinge vorweg nehmen kann. Dass Beethovens Oratorium, welches mich immer wieder auf eigene Art und Weise beschäftigt, weit mehr ein Selbstbekenntnis ist, habe ich schon lange vermutet.
Und es wird auch bestätigt, literarisch. Genau so, dass die Oper Léonore eine versteckte Liebeserklärung ist ...


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Meine alten Schallplatten. Aber es ist nicht Nostalgie. Es ist die Kombination zwischen den Zeilen und zwischen den Tönen zu lesen. Und plötzlich verstehen lernen.

Wie Fotografie: zwischen den Kontrasten, den hellen und dunklen Bereichen, den scharfen und unscharfen Bereichen lesen zu lernen ....


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Dass Beethoven sein Oratorium mit "Ich, Ludwig van Beethoven" betiteln konnte, war klar. Das mache ich ja auch nicht.

Jenes Werk, dass bis heute völlig kontrovers angeschaut wird, das verwirrt, das musikalisch phasenweise mehr an eine Oper erinnert, als eine kirchliches Werk.

Und an an diesem Werk, aber nicht nur an diesem Werk, haben sich manche Menschen nach ihm den Kopf zerbrochen ...


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Aber wie ich einmal gesagt habe. Wenn man sich die Zeit nicht nimmt, das Ganze zu sehen, die Wirkung zu verstehen, zwischen den Tönen und Melodien zu hören, dann hört man den Menschen nicht.

Beethoven musste froh gewesen sein, sich von der Obrigkeit und der Zensur etwas lösen zu können. Die Stellung im "unabhängigen" Theater in Wien, liessen ihm doch etwas mehr "kompositorische Freiheiten".

Und das, das ist wohl in der Malerei und in der Fotografie auch so ...


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Sam, die 54 gefällt mir ausgesprochen gut.

Und weißt Du, warum? Ich hoffe, Du verstehst was ich meine und das, was ich schreibe bitte nicht falsch.

Das wäre für mich - natürlich müsste man den Text vom Inhalt ändern, aber nicht vom Aussehen - ein Motiv für eine Karte, eine Karte, die ich in einem Trauerfall jemandem schicken würde, der mir sehr viel wert ist. Es vermittelt eine Ruhe, ein Innehalten, ein Verweilen. Ich hasse die üblichen Trauerkarten, aber das wäre eine, bei der mir auch Worte für denjenigen, der sie bekommt einfallen würden.

Ich habe aber keinen Daumen mehr :up::up::up:.
 
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Ich frage mich schon, ob man den Himmel einfach fotografieren soll. Er sieht schön aus, dachte ich.

Beim genaueren Hinsehen begann ich Grösse und Struktur und die Kontraste der einzelnen Wölkchen genauer anzuschauen. Und unweigerlich war ich wieder bei Beethoven. Himmel ist nicht Himmel, die "Eroica" ist nicht einfach eine Sinfonie.


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Und ein paar Minuten weiter erscheint plötzlich die Sonne zwischen den Wolken. Bei Beethoven muss ich immer wieder innehalten. Seine Musik ist nicht einfach so zu konsumieren. Er zwingt mich zuzuhören.

Und Fotografie? Immer wieder sind es diese banalen Motive, welche mich zwingen Inne zu halten. Und gleichzeitig merke ich auch, dass die Motive mich auf mich selbst zurück werfen. So wie die Musik, auch jene von Beethoven ...


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Beethoven, so schien es mir, hätte die letzten Tage geruht. Bis ich vor Lizz Wright stand. Ein Mensch - fast nicht von dieser Welt - voller Töne, voller Kompositionen. Und Beethoven war nah dran. Beethoven versteht man zwar nur annähernd von Aussen als Mensch, aber man kann sich in seine Welt begeben. Es ist halt alles eine Sache der Sichtweise ...


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Vielleicht tat es mir gut heute, meine V2 einfach ins Gras zu stecken, unter Blumen und alles von Unten zu fotografieren. Nochmals Lizz Wright in solcher Intensität innerhalb so kurzer Zeit, wäre wohl zu viel gewesen.

Aber es sind jene Dinge. Beethoven hat wohl keines, oder nur sehr wenige, seiner Kompositionen in einem Wisch veröffentlicht oder uraufgeführt. Schon im Druck gibt es von einigen grossen Werken zwei, drei Versionen. Und wenn man den Briefen und den damaligen Dokumentationen glaubt, dann waren es noch viel mehr Versionen.


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Viele Dinge von Beethovens Herangehensweise an seine Kompositionen sind auf die Fotografie adaptierbar.
Motive (Töne) so zu gestalten, dass sie ein Klangbild geben. Mit Pausen und Tempi arbeiten, mit Halbtönen arbeiten. So entstehen Kontraste, so entsteht der Eindruck von hell und dunkel, so entsteht Tiefe und Nähe und Weite...


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Noch bei keinem Konzert habe ich die Auswirkungen meines intensiven Befassens mit Musik und Fotografie so stark gespürt wie am letzten Sonntag bei Lizz Wright. Nicht nur, dass ich den Vorteil hatte, sie bereits einen Abend lang "studiert" haben zu dürfen.

Ich befinde mich zunehmend auf einer anderen Ebene, sehen und hören vereint sich zur Wahrnehmung eines Ganzen. Es entstehen Wahrnehmungsweisen, welcher ich dieser Kombination noch nicht kannte, oder mir zumindest noch nicht bewusst gewesen bin.

Und das geniesse ich sehr ...


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Beethovens "Eroica", oder seine 3. Sinfonie ist ein Meisterwerk. Anders als alles andere an sinfonischer Dichtung was bisher komponiert wurde. Anders, neu, eingängig aber zugleich auch aufrüttelnd...

Beethoven fordert, aber auf eine tolle Art und Weise. Und auch wenn ich sie schon gefühlte tausend Mal gehört habe. Es ist, als ob sie sich immer wieder neu erfindet ...


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