Seit die Schulen geschlossen sind, ist es für einen Montag sehr ruhig hier in der Stadt. Es hat kaum Leute und es ist eine ruhige, ja fast geisterhafte Stimmung. Und ich sehe niemanden "rennen" beim Gehen, irgendwie ist alles viel langsamer geworden ....
Meine Z50 gewöhnt sich langsam an mich. Ich habe die Zeit nun korrekt eingestellt.
Susanne und ich haben sehr einhellig den Anlass abgesagt. Wann wir ihn nachholen wissen wir noch nicht. Sollten die Geschäfte geschlossen werden, ist auch sie mit ihrer Broccante betroffen.
Claudia und ich werden aber Anfang April sicher in unser Ferienhaus ins Tessin fahren. Wir werden uns halt hier mit gut mit Lebensmitteln eindecken, da ja alle Restaurants und Bars im Tessin geschlossen haben. Susanne vom Tessin, welche in der spitalexternen Betreuung arbeitet, haben sie den Ferienbezug verboten.
Ich selbst bin beruflich auch immer wieder mit der Thematik konfrontiert.
Vermutlich wird heute oder morgen in der Schweiz der "Notstand" ausgerufen. Dann wird es "spannend". Sechs Kantone haben das schon gemacht und jegliche Geschäfte ausser Lebensmittelgeschäfte und Apotheken geschlossen.
In diesem Sinne: tragt Euch, liebe Sabine und Sandra Sorge ....
Es gibt Neuigkeiten: Ich habe mich noch nie sooo sehr über einen Laptop gefreut wie eben, als Sandra mit einem zur Tür hereinspazierte!
Ihr Arbeitgeber hat ihr von sich aus einen Homeoffice-Platz zur Verfügung gestellt, weil ich chronisch krank bin und zu den besonders gefährdeten Personen zähle. Das nenne ich mal verantwortungsbewusst und vorbildlich.
Von draußen kann ich Dir nichts berichten, denn ich habe mich heute nur drinnen aufgehalten. Diese Postkarte kommt noch von Freitag, ebenfalls aus der Bünte, wie die davor auch. Wir hatten es noch mal ziemlich stürmisch hier in der letzten Woche. Der Wind hatte einige Narzissen abgeknickt, die ich nach diesem Foto mit nach Hause genommen habe.
Während ich Dir hier schreibe, kämpft Sandra nebenan mit den Tücken der Technik. Scheint doch nicht so einfach zu sein, auf Homeoffice umzuschalten wie erhofft. Das Netzwerk lässt sie nicht rein, Passwörter und Freischaltungen funktionieren nicht.
Irgendwie passt dazu das Foto, das ich gestern in der Schrebergartenkolonie gemacht habe ...
#237 – Verschlossenes Welcome
Eine Umstellung ist es ja so oder so mit dem Homeoffice. Mal sehen, wie wir das wuppen. Ich bleibe, was das angeht, optimistisch.
Jetzt ist eh erst mal Feierabend und Sandra geht noch eben Besorgungen für eine ältere Nachbarin machen. Ich setze derweil schon mal den Tee auf ...
Passt weiter gut auf Euch auf, liebe Grüße,
Sabine
Vorab herzlichen Dank für die schönen und feinen Bilder. Ich mag beide, das Schattenspiel wie auch das verschlossene Welcome. Ich habe mich heute Morgen gefragt, ob sich unsere Optik nun ändert. Ich denke schon, weil uns vielleicht Dinge auffallen, welche uns mit diesen Massnahmen nicht aufgefallen wären.
Nun, vielleicht hast Du es ja gelesen: die Schweiz hat die Massnahmen auch verschärft. Alle Geschäfte sind bis auf jene mit Lebensmitteln und Gesundheit ab Mitternacht geschlossen. Als ich heute Morgen ins Büro ging, waren schon alle Stühle und Tische weg, welche erst letzte Woche auf dem grossen Platz standen.
Die folgenden Bilder entstanden gestern wiederum, als Claudia in der Therapie war. Ich nutze die Zeit um die Teiche zu besuchen und tatsächlich hatte es in einige Laich.
Die Halme finde ich nach wie vor sehr spannend. Ich habe zwar nicht den Eindruck, dass sie gewachsen sind, aber da stolpere ich ja wieder über meine "anekdotische Evidenz". Klar sind sie gewachsen, aber eben für mich kaum feststellbar. Ich müsste sie also messen, dann wüsste ich es oder die Besuchskadenzen ausdehnen, dann würde ich es auch sehen.
Nun, auch heute Morgen hatte ich den Eindruck, dass mich meine anekdotische Evidenz eingeholt hat. Nur weil ich wusste, dass viele Geschäfte nun geschlossen haben und viele Menschen nicht mehr zur Arbeit gehen, muss es auch weniger Verkehr haben. Ich sah ein paar Autos auf meinem morgendlichen Wackel und sagte mir, ja, es hat weniger Autos als gestern. Nun muss ich mir ja eingestehen, dass ich nie Autos zähle auf meinem Spaziergang und dass ich ja auch nicht immer auf die Minute am Morgen am selben Ort bin. Also um das wirklich zu wissen, ob es weniger Autos hatte heute Morgen, hätte ich sie schon die Tage vorher zählen müssen um mein Gefühl zu bestätigen.
Vielleicht habe ich recht mit dem Eindruck, dass weniger Menschen hier an meinem Arbeitsort sind. Der Kebab - Stand nebenan bringt jeweils so gegen sieben Uhr am Morgen die Zutaten (Gemüse, Brote usw.). Heute war niemand da. Also dieser Mann hat heute Morgen definitiv gefehlt und ist auf die Schliessung seines Geschäftes zurück zu führen.
Vielleicht magst Du Dich verwundern, dass ich mir solche Gedanken mache. Aber die Kommunikation rund um das Virus basiert ein Stück weit genau auf solchen Annahmen. Womit wir wieder bei den Evidenzen wären.
Ich mag mich an meine Ausbildungszeit als Gärtner erinnern, in welcher wir hie und da auch Viren befallene Pflanzen in Quarantäne stellen mussten. Das musste früh geschehen, weil wir ja nicht wussten, ob die Nachbarpflanze der befallenen Pflanze auch schon befallen war, ohne dass sie Symptome zeigte. Und es passierte dann eben auch, dass eine befallene Pflanze mit in die Quarantäne kam. Und dann war in der Regel Schluss mit Lustig.
Spannend sind ja auch die Interpretationen der Massnahmen. Und wie wir Menschen sind, wir kämpfen gegen und nicht für. Das ist ein Unterschied. Ich versuche immer wieder mich darauf zu konzentrieren, dass ich für etwas kämpfe oder arbeite und nicht gegen etwas. Und ich spüre dann, dass ich anders arbeite wenn ich für etwas arbeite.
Normalerweise ist werktags die Fussgängerzone bevölkert. Aber sie ist weitgehend leer, bis auf wenige Menschen ....
Und so habe ich mich halt etwas auf andere Motive konzentriert. Als ob der Löwe ebenso erstaunt nach oben schaut und sich fragt, was uns wohl jener da oben für ein Virus geschickt hat ....
danke für Deine Postkarten vom Teich und von Deinem Rundgang durch die Stadt.
Besonders angetan hat es mir die Zen-artige Postkarte mit den zwei Halmen im Teich (242). Welche Ruhe. Wunderbar.
Die schmale Gasse (248) zieht mich irgendwie an ... "Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht"
Ja, wahrscheinlich sehen wir andere Dinge – oder wir sehen die Dinge anders. Unsere Umgebung verändert sich ja jetzt auch durch die getroffenen Maßnahmen (auch wenn das nicht überall so offensichtlich ist, wie auf Deinem Rundgang).
Ich sehe größere und kleinere Veränderungen. Ich sehe aber auch die gleichen Dinge. Doch ich habe andere Assoziationen dazu. Gleich schicke ich Dir eine Postkarte, mit der ich Dir das verdeutlichen kann.
Hier erst einmal ein paar Blümchen aus der Bünte. Alle drei Fotos habe ich letzte Woche fotografiert.
Ich hatte schon länger vor, eine Motiv-Sammlung mit Schrebergartenhütten anzulegen. Doch ich spaziere so gut wie nie durch unsere Schrebergartenanlage, weil unser Gärtchen ganz am Rand liegt und ich dort so glücklich bin, dass ich nur sehr selten weiter in die Anlage hineinspaziere. Deswegen habe ich bisher kaum solche Fotos von solchen Gartenlauben gemacht.
Diese drei hier sind alle von einem kurzen Spaziergang am Sonntag (nur zusammen mit Sandra und immer mit ausreichend Corona-Abstand zu den wenigen anderen Spazierenden). Erst zuhause am Rechner habe ich bemerkt, dass ich drei farblich zueinander passende Lauben erwischt habe (eine braune Holzlaube war noch dabei).
Was ich oben meinte: Ich habe bei diesen Gartenlauben aktuell die Assoziation "Quarantäne". Ohne Corona würden mir wahrscheinlich andere Begriffe in den Sinn kommen: "Vintage" oder "Spießigkeit" zum Beispiel oder "Warten auf den Frühling". Aber im Moment komme ich an "Quarantäne" einfach nicht vorbei. Die trübe Wetterstimmung am Sonntag mag dabei die unwirkliche Corona-Stimmung noch verstärkt haben ...
Auf dem Rückweg lachte mich Sonntag noch dieses grüne Herz an. Ein typisches Motiv für ein 365-Tage-Projekt. Im Quadrat wahrscheinlich auch ganz schick. Ich lasse es hier im 4/3-Format aus der Kamera.
Zum Motiv: Auch vor Corona/Covid-19 hätte ich dieses Herz gesehen und dieses Foto wahrscheinlich auch gemacht. Aber ziemlich sicher mit einer anderen Assoziation als jetzt. Ein grünes "Gesundheitsherz", "Passt auf Euch auf!" oder "Achtet auf Eure Mitmenschen!" fallen mir jetzt dazu ein.
Ich schicke Dir alle guten Wünsche und ganz liebe Grüße, auch an Claudia,
Sabine