Riniken, 6. April 2022
Liebe Sabine
Genau 53 Minuten später, nach dem Du die letzte Postkarte geschickt hast, habe ich sie mir angeschaut. Und wirst Du vermutlich schon in Richtung Bett sein.
Ganz herzlichen Dank für die schönen, spannenden und vielseitigen Postkarten. Claudia hat es auch grippemässig erwischt. Sie liegt jetzt auch im Bett mit Kopfschmerzen, geht aber heute Morgen trotzdem mit Tina einen Spaziergang machen. Ich wünsche Sandra weiterhin gute Besserung und sie soll sich gut erholen bevor sie wieder zur Arbeit geht.
Ich schicke Dir noch die Postkarte, welche ich Dir eigentlich schicken wollte und mir eine doppelt reingerutscht ist.
Ich habe nächste Woche Ferien und Claudia und ich müssen uns etwas aufteilen. Wir sind zur Zeit ziemlich am ad hoc planen. Mit unserer Pflegetochter haben wir grosse Schwierigkeiten, aber davon erzähle ich Dir dann einmal auf einem anderen Kanal. Es ist unglaublich turbulent bei mir im Geschäft. Wir Mitarbeitende haben nun alle einen Kanal über Homeoffice, so dass wir unabhängiger arbeiten können. Der Krieg hinterlässt Spuren, überall und wir werden, auch wenn das einmal fertig sein sollte, noch lange damit zu tun haben.
Seit wir Pflegekinder haben, seit ich in diesem Job bin, den ich mache sehe ich täglich, was Gewalt bei Menschen anrichtet und welche nachhaltigen Wirkungen sich zeigen. Nach dem Krieg ist vor dem Krieg und wieviele verletzte Seelen hinterlässt das alles ...
Ich werde vermutlich am Freitag zusammen mit Tina ins Ferienhaus fahren. Andy wird mitkommen und wir werden das Wochenende verbringen, Deckleisten zu montieren. Susanne und Claudia werden für die Spendenaktion noch viel Arbeit in der Brokki haben und wird erst vermutlich am Sonntag mit dem Zug nachkommen. Wenn alles klappt, dann bleichen wir bis am Mittwoch nächster Woche dort.
Somit wird es für eine Woche meinerseits "Postkarten-Stille" sein. Wir haben zwar Internet im Ferienhaus, ich habe aber noch keinen PC dort oben, an dem ich Dir Postkarten schicken könnte. Dafür wird es vermutlich dann eine ganze Menge geben.
Ich habe übrigens wieder begonnen zu schreiben. Irgendwie kam mir der Gedanke, dass mein Grossvater ja mitten im 1. Weltkrieg nach Afrika fuhr. Und irgendwie sah ich da eine Parallele zur heutigen Zeit. Meine Grosseltern haben sich im Krieg auch Postkarten und Briefe geschickt. Und nun schicke auch wieder Briefe ...
So schicke ich Dir die "verlorene Postkarte". Irgendwo im Garten unseres Ferienhauses hat mich diese Primel angeguckt. Und ich lege Dir auf die Rückseite der Postkarte noch den Flyer vom Spendentag. Ich bin dort sicher dabei zum Helfen. Wir hören bestimmt voneinander, auch über andere Kanäle. Pass auf Dich auf, tragt Euch Sorge!
Herzlich. Sam