Zum Ausgangsthema: Es gibt nunmal technischen Fortschritt. Und auch Menschen, die den Fortschritt kennen. Wer beispielsweise gezielt Gebrauchtobjektive - zumal Festbrennweiten - kauft, wird im Regelfall wissen, was er/sie tut. Ich würde mal unterstellen dass in dem kleinen Segment der Käufer gebrauchter Festbrennweiten sehr, sehr viele die Stärken und Schwächen der einzelnen Objektive kennen und beispielsweise wissen, dass ein 35/2 AF(D) nicht so der Hit ist an hochauflösenden neueren Gehäusen. Und ein 28/1,8 das alte 28/2,8 deklassiert. Warum also sollte man das kaufen, also die klaren Schwächen akzeptieren? Die Rechnungen dieser Objektive sind nun wirklich uralt und nicht an die Anforderungen von Sensoren angepasst, sondern von Film: Wenig Verzeihnung, wenig Vignettierung, aber schwache Schärfe- und Konstrastleistung und nachlassende Ränder. Heute konstruiert man das eben genaus anders herum.
Außer enigen wenigen Liebhaben kaufen dann wohl eher Leute mit sehr schmalem Geldbeutel die Stangenobjektive und es ist ja klar, dass es nur über den Preis gehen kann - erst recht, weil die aktuellen AF-S-Objektive - zumindest die 1,8er-Serie - vergleichsweise günstiger geworden sind bei drastischer Steigerung der optischen Performance, vor allem nahe Offenblende. Also da muss man schon ein großer Fan von Kompaktheit sein, um auf diesen Vorteil zu verzichten. Und wenn ein 60/2,8 AF(D) für 200 Euro zu haben ist dann ist das ein in Relation zum Neukauf des aktuellen Modells erstaunlich hoher Preis, der sicherlich auch die hervorragenden optischen Eigenschaften beinhaltet. Ich habe selber eines und mir war es einen ähnlichen Kaufpreis auch wert.
Ich sehe da aber auch keine dramatisch schnelle Entwicklung, sondern eine vorhersehbare, die mit Nachfolgeangeboten zu tun hat wie beschrieben. Ist bei Gehäusen ja auch so: Die lange Zeit sehr stabilen bis überteuerten D4-Preise haben in letzter Zeit deutlich nachgegeben - weil die D5 da ist und vermehrt D4-Gehäuse auf den Markt kommen, inzwischen für weniger als 2000 Euro. Das war vor einem jahr noch anders.