Opel Altwerk Rüsselsheim

ni27fo

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Blick aus dem Werksinneren durch das Hauptportal - on Flickr​

Seit schon mehr als einem Jahrzehnt wartet man darauf, daß sich aus dem alten Gebäudeensemble ein neuer Stadtteil entwickelt - aber das zieht sich (kontaminierte Gebäude/Gelände, Denkmalschutz, Geld, ...)
In der Zwischenzeit haben sich - in den noch nutzbaren Gebäuden - verschiedene Firmen eingmietet. Die VHS hat dort Räumlichkeiten in Nutzung, es finden Konzerte und Auto-Shows statt. Einige Werkstätten für Kunst/Kunsthandwerk oder Automobile sind dort vor Ort. Ich hatte das ein oder andere Bild von Oldtimern, die dort hergerichtet werden ja auch schon in verschiedenen Threads gezeigt. Auch von den Veranstaltungen CAR Sonntag und CAR Freitag. Die große Generalsanierung steht aber noch aus.

In loser Folge werde ich hier weitere Bilder zeigen (evtl auch Zweitverwertungen). Aktuell von heute - und damit auch Veranstaltungshinweis: Es findet momentan eine Ausstellung statt, die zumindest vom Namen her die Fotografen ansprechen sollte: Belichtungsmesser. Ich war heute da, wollte da aber nicht die Kunstwerke an sich fotografieren (das können andere besser), sondern mehr die Verbindung von Objekt und Ausstellungsort


Belichtungsmesser - on Flickr​
 
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Über das Opel Altwerk - was kann man da schreiben? Ziemlich viel - aber womit anfangen?

Mit Adam Opel - der Schlosser-Geselle, der von Reisen nach Paris und anderswo das 'Rezept' für eine Nähmaschine mit nachhause brachte, die im Stall (außerhalb des heutigen Altwerks) nachbaute und damit nach Startschwierigkeiten so viel Erfolg hatte, daß er die Möglichkeit hatte in die Fahrrad-Produktion einzusteigen, dann zum größten Fahrradbauer Deutschlands aufstieg und sich aber weigerte Automobile zu bauen?

Eher nicht, denn aus seiner Zeit wird kaum noch etwas übrig sein im Opel Altwerk - das Werk selbst, nach einem verheerenden Brand und lange nach Adam Opels Tod neu aufgeaut, steht für die Automobil-Produktion, die seine 5 Söhne mit ihrer Mutter/seiner Witwe aufgenommen haben.


Ob das zu erhalten ist? Bäumchen wachsen auf dem Dach, Wasserschäden innen ... on Flickr​


Prägend für das Opelwerk in Rüsselsheim - das heute das Opel Altwerk ist, war sicherlich der Architekt Paul Meissner. Er entwarf auch das Opel Hauptportal (Bild kommt später), was heute durch angrenzenden Bebauung nicht mehr so imposant wirkt, wie es wohl damals wirken sollte - und vielleicht auch gewirkt hat. Er entwarf auch den Opelturm (von dem habe ich aktuell kein eigenes Bild), der zwar ähnlich alt ist, aber nicht zum Altwerk selbst gehört.


Die beste Zeit hinter - oder noch vor sich? ... on Flickr​
 
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Was ist also das Altwerk?

Das Opel Hauptportal steht ziemlich im Stadtzentrum von Rüsselsheim, etwa da wo die erste Fabrik stand.

Die stete Entwicklung der Firma brachte mit sich, daß immer neue Gebäude im freien Gelände westlich gebaut wurden. Das Unternehmen wuchs also nach Westen, war zu Spitzenzeiten 240 ha groß, größer als das Fürstentum Monaco (208 ha). Bis zu 42.000 Menschen haben alleine in Rüsselsheim bei Opel gearbeitet.

Nach dem Boom und mit Beginn der Automatisierung, sind viele Arbeitsplätze weggefallen, auch Gebäude wurden obsolet. Man hat sich dann in die neueren Gebäude zurückgezogen und irgendwann den nicht mehr benötigten innenstadtnahen alten Teil verkauft. Das wird jetzt als Altwerk bezeichnet. Es gibt Gebäude, die genauso alt sind (s.o. Opelturm) aber trotzdem weiter im Westen stehen und noch genutzt werden und damit nicht zum Altwerk gehören.


Blick nach Norden ... on Flickr
Das Bild ist aus dem Ausstellungsraum im D3 aufgenommen. Etwas milchig, die Scheiben waren nicht geputzt, Man erkennt auch Spiegelungen der Fenster von der Südfront des Gebäudes. Man erkennt auch die Kirchturmspitze über den B/C-Gebäuden. Dazu zwei Erläuterungen:
  1. Man sieht die Kirchturmspitze nur deshalb, weil die Opel-Söhne 1922 ein neues Geläut gespendet haben, weswegen der Kirchturm um eine Etage aufgestockt wurde​
  2. D3? B/C-Gebäude? Ich nehme an, das ist bei größeren Firmen so üblich die Gebäude mit Buchstaben/Zahl Kombinationen zu benennen. Hier ist es so, daß das Altwerk in Quadranten eingeteilt ist. Die Teilung entsteht durch zwei Straßen, die Wilhelmstraße in Ost-West-Richtung, die Fritzstraße in Nord-Süd-Richtung. Im Südosten sind die A-Gebäude, im Nordosten die B-Gebäude, die C-Gebäude im Nordwesten und schließlich die D-Gebäude im Südwesten. Der Kirchturm könnte aus dieser Perspektive gerade die Grenze zwischen B- und C-Gebäuden markieren.​

Diesmal nicht Nikon ... on Flickr​
 
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Wenn man etwas sucht, dann findet man auch einen Lageplan vom Altwerk, ich verlinke mal. Auf dem ersten Bild dieser Serie schaut man also zwischen B19 links und A8 rechts durch. Das dritte Bild zeigt wieder B19 von Westen betrachtet. Verbunden ist es über die Brücke mit A8. Diese Brücke kann man auf folgendem Bild noch mal sehen


Blick durch die Wilhelmstraße nach Westen, also quasi die Umkehrung von Bild 1
Zweitverwertung, aber neu bearbeitet ... on Flickr
Unter den 5 Fenstern der Brücke sind für jeden Sohn Adam Opels eine Gedenktafel angebracht. Ganz hinten sieht man das Metallgerüst, das wohl einmal ein Dach getragen hat. Es ist das gleiche, wie das aus Bild 5. Auch im folgenden Bild sieht man schon etwas Grün auf dem Dach wachsen


FT01_108 - on Flickr​
 
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Das Opel Hauptportal


froschige Perspektive ... on Flickr​

Wie bereits oben erwähnt geplant von Paul Meissner. Und genau genommen treffen sich an der mittleren Säule die Gebäude A1 und B1. Rechts vom Portal war im Erdgeschoß der Ausstellungsraum, da wurden die aktuellen Opel Modelle in die Schaufenster gestellt. Das kam bestimmt erst später und nicht gleich nach dem Bau von B1, war aber lange Teil des Rüsselsheimer Stadtbildes. Aktuell ist darin eine Weinbar, die leider nur an einem Tag der Woche geöffnet hat.

Ein weiteres Bild vom Hauptportal zeigt ein Denkmal von Adam Opel, der - wie erwähnt - nichts vom Automobilbau wissen wollte. Das Denkmal stand ursprünglich auch an anderer Stelle, wurde aber vor ein paar Jahren ans Hauptportal versetzt.


Opel Hauptportal 2 - on Flickr​

Noch ein Blick von drinnen nach draußen - ein ähnliches Bild, aber zur Nacht aufgenommen, hatte ich schon mal gezeigt


Opel Hauptportal 3 - on Flickr​


Direkt hinter dem Gebäude A1 liegt der Adamshof, also zwischen A1 und A7. Hier finden im Sommer gelegentlich Konzerte statt. Links hinten (von der Absperrung etwas verdeckt) ist die Rückseite vom "Rollwerk" einer Indoor Skating- und Event-Location. Ein Bild vom Inneren hatte ich hier #27.595 schon mal gezeigt.


Adamshof - on Flickr

Viele Brücken hat es, fällt mir auf. Im Altwerk selbst sind es aber nur vier. Und die Straßen sind asphaltiert und keine Kanäle - ansonsten hat das mit seinem morbiden Charme fast was von Venedig - mit viel Phanatasie ...
 
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Hier noch mal der Lageplan, heute selbst fotografiert, also kann ich ihn auch hier zeigen


Altwerk Plan - on Flickr​


Wie man sieht befinden sich auf den Gelände im D-Bereich nicht nur Produktionsgebäude. Da ist auch die Villa Martha, eines der Wohnhäuser, die auf dem Werksgelände für die Familie gebaut wurden. Vom ursprünglichen Gebäude ist aber kaum noch etwas übrig. Das wurde - wahrscheinlich nach Zerstörungen im zweiten Weltkrieg - zweckmäßig umgebaut. Jeder Opeler (oder Opelaner) - und auch Zulieferer, die einen Werksausweis bekamen, war da mindestens einmal drin. Das war nämlich eine Sanitätsstation, und darin wurden auch die medizinischen Untersuchungen gemacht, die Voraussetzung für den Ausweis waren. Weitere Informationen auf dem folgenden Bild, da muß man aber auf Flickr reinzoomen um die zu lesen (wenn das nicht für alle funktioniert, kann ich auch noch mal vergrößerte Ausschnitte hier posten)


Altwerk Hinweistafeln ... on Flickr​

Zuletzt noch ein Bild vom Bunker - genauer gesagt dem einen Bunker im Altwerk (es gibt einen weiteren auf dem Opel-Gelände - der sogenannte "Schuhbunker"). Dieser Bunker, direkt neben der Villa Martha, wird von außen als Reklamefläche genutzt. Ins Innere kommt man iim Rahmen von Führungen, die gelegentlich angeboten werden (ich war da noch nicht, habe es aber vor). Im Bunker wurden wohl Teile von "Iron Sky" gedreht, die Kulisse soll da noch rumstehen


Altwerk Bunker - on Flickr​
 
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Als vorläufiger Abschluss noch etwas Off-Topic, weil nicht Altwerk. Südlich der Bahn wurden nach dem Krieg viele Gebäude gebaut, die PEK (später ITEZ genannt), Prüfstände, Prototypenbau, Design-Studio, kleine Teststrecke - zuletzt 1998 die neue Firmenzentrale von Opel, mittlerweile auch Zentrale von Stellantis (zu denen Opel ja seit einiger Zeit gehört) für Europa.


Opel Zentrale - on Flickr​

Alle Flächen südlich der Bahn werden nun auch schon bald aufgegeben, inclusive der Zentrale. Man will sich im Westen auf kleinerer Fläche konzentrieren und baut schon am Green Campus


Green Campus - on Flickr​

Da sich das Altwerk ja weniger durch das Alter der Gebäude definiert als einfach dadurch, daß die Gebäude aufgegeben wurden, ist die jetztige Zentrale vielleicht auch bald als Altwerk zu bezeichnen - wobei es ja strenggenommen nichts mit dem Werk zu tun hat, denn südlich der Bahn war ja keine Produktion, 'nur' Entwicklung und Verwaltung

Es sind enorme Herausforderungen für die Stadt, zum einen mit der Schrumpfung von Opel klarzukommen, zum anderen die Flächen zu entwickeln. Wohnraum ist zwar knapp, aber Bahnlärm und vor allem die Einflugschneise von FRA stehen dem Wohnbau entgegen.

Das soll es vorerst gewesen sein. Vielleicht poste ich noch das eine oder andere Bild, das ich finde oder noch mache hier. Ansonsten kann das hier gerne als Mitmachthread weitergeführt werden, falls jemand noch Bilder hier beitragen kann/will. Wenn dann aber nur Altwerk Rüsselsheim - ich weiß es gibt auch ein Altwerk in Bochum und anderswo
(sagte mal ein Bochumer Kollege verwundert zu mir "ach, in Rüsselsheim habt Ihr auch einen Opel" :ROFLMAO: - nein, bis auf ein Praktikum war ich nicht bei Opel angestellt, aber als Dienstleister viel im Werk rumgekommen. Opa und Großtante waren beim medizinischen Personal dort (Villa Martha))
 
2 Kommentare
MartinA
MartinA kommentierte
Eine hübsche Serie mit allerhand lesenswerten hast Du uns hier gezeigt. Sehr interessant.
Vielen Dank.

P.S. aktuell kann ich mangels "Material" keine Bilder beisteuern. Rüsselsheim stand bisher nicht auf meiner Liste. Außer "Opel" habe ich keine Vorstellung davon, was es dort noch so alles zu entdecken gilt.
Interessant ist zumindest, dass die Stadt mir rund 66.000 immerhin die zehntgrößte Stadt von Hessen ist (lt. Wikipedia).
 
ni27fo
ni27fo kommentierte
Stadt? Ja, von der Größe her schon. Vor 150 Jahren war es noch ein Dorf. Mit dem rasanten Wachstum bei Opel und der damit verbundenen Zuwanderung wurden lauter neue Stadtteile gebaut. Jedes mit eigenem kleinen Zentrum. Die Stadt ist also eher eine Ansammlung von Stadtteilen, nicht organisch gewachsen.
 
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