Ich glaube, dass die Emotionen in dieser Diskussion daher rühren, dass diese Kamera nichts Überraschendes bietet, was nicht heißt, dass sie deshalb schlecht wäre.
Aber die Nikons, die wirklich Emotionen geweckt haben und heiß geliebt waren, waren die Nikons, die uns in irgendeiner Form überrascht haben. Ein paar Beispiele gefällig?
D200 (nach D70, D50, D100 eine bezahlbare Nikon in deutlich besserem Gehäuse als die Vorgänger. Haptisch an die F100 erinnernd).
D3 (nach etlichen Jahren, in denen Nikon DX als das Maß der Dinge propagiert hat und zudem in Sachen Rauschverhalten von den Canons dieser Zeit abgehängt wurde, eine Kamera, die dort deutlich neue Akzente setzt. Vollformat, Top Rauschverhalten)
D700 (viele der Features aus der D3 in einer Kamera, die kaum größer als eine D300/D200 ist)
D800 / D800E (ein Paradigmen-Wechsel bei Nikon, der auf sehr hohe Auflösung setzt und damit fast im Mittelformat wildert).
DF (technisch vielleicht keine aufregende Kamera, von der Möglichkeit Pre-AI Optiken zu verwenden abgesehen. Aber optisch ein Rückgriff auf die 70er und 80er und damit eine interessante neue Nische).
Sollte ich eine wichtige Kamera vergessen haben, dann bitte ich um Entschuldigung.
Eine D750 bietet nicht diesen Überraschungseffekt, weil sie, wie bereits weiter oben beschrieben, keine grundlegend neuen und damit überraschenden Funktionen liefert. Das liegt auch daran, dass die DSLR Technik mittlerweile so fortgeschritten ist, dass die echten Innovationszyklen eben länger dauern als in den Anfangsjahren der Digitalfotografie. Im Vollformatbereich ist Nikon breiter aufgestellt als jeder Mitbewerber, was für uns durchaus gut ist, da dort für jeden etwas dabei sein sollte.
Nüchtern betrachtet lassen die Specs der D750 vermuten, dass wir dort eine sehr performante Kamera angeboten bekommen werden. Vielleicht ist es einfach zu viel erwartet, dass jede Nikon jenseits der 2000 Euro auch unsere emotionale Seite ansprechen muss. Nicht jede Nikon DSLR kann den Nimbus einer F3 bekommen.
