Nepal 2015 - ein Land nach dem Beben

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.
Hier mal zwei Beispiele für die Menschen, denen wir begegnet sind. Zunächst ein alter Rai Mann, der stolz sein Kukhuri (Messer) trägt.

Und dann die Kinder, die allgegenwärtig sind. Dadurch, dass mein nepalischer Freund ein Waisenhaus leitet und einen guten Draht zu Kindern hat, haben sich da viele Möglichkeiten ergeben.



 
Kommentar
Anzeigen
Die ersten Tage der zweiten Wanderung führten uns durch schöne Terassen-Landschaften und durch eine vom Tourismus relativ unberührte Region. Früher ging hier die Hauptroute zum Everest durch, aber seit der kleine Flughafen in Lukla in Betrieb ist, kürzen die meisten Trekker die Wanderung um eine Woche ab und landen dort auf einer abenteuerlichen Piste.
Hier zunächst ein Bilder der Landschaft rund um Jiri, Shivalaya und Bhandar.



Namche Bazaar, der Hauptort der Sherpa im Everest Gebiet, hat uns in Wolken empfangen und auch die kommenden Tage im Anstieg zum 5360m hoch gelegenen Gokyo Ri, einem Aussichtsberg (die Nepali sagen Hügel, weil nicht das ganze Jahr mit Schnee bedeckt) waren kühl und durch die nachmittags aufziehende Bewölkung auch feucht.

Die Scheiben der Lodges waren in diesen Tagen morgens innen mit Rauhreif überzogen. Da freut man sich über einen guten Schlafsack und den heißen Kaffee morgens.

Die meisten Wanderer gehen früh morgens zum Sonnenaufgang auf den Gokyo Ri. Dann aber haben die meisten Berge keine Sonne, weil der Blick nach Ost und Nordosten geht. Abends sieht das anders aus, allerdings muss man dann gut 500m steil im Dunkeln absteigen, was wir mit Stirnlampen gemacht haben.

Da wir nicht sicher waren, ob das Wetter hält, sind wir schon mittags aufgestiegen und bis zum Sonnenuntergang dort geblieben. Hier mal ein paar Eindrücke vom Gokyo Ri und von einem der sechs Seen rund um den kleinen Ort Gokyo.

Der dritte der Gokyo Seen (Dudh Pokhari) im Morgenlicht


Blick vom Gokyo Ri auf Kang Taiga und Thamserku


Blick auf Everest, Nuptse, Lhotse und Cholatse (in der MItte in der Sonne und klein, der Makalu)


Everest, Nuptse und Lhotse
 
Kommentar
Boah, du hast das gemacht, was uns nicht "vergönnt" war, umso mehr freue ich mich über deine Eindrücke! :up:
 
Kommentar
Boah, du hast das gemacht, was uns nicht "vergönnt" war, umso mehr freue ich mich über deine Eindrücke! :up:

danke Euch allen. Beim Gokyo Ri haben wir wirklich Glück gehabt, aber die nächsten Tage scheinen schwierig zu werden. Aber dazu gleich mehr.

Von Gokyo sind wir über Phortse und Pangboche nach Deboche abgestiegen, einer kleinen Lodgesiedlung wenige Minuten vom Kloster Tengboche entfernt. Dort soll in diesen Tagen das Mani Rimdu Festival mit Mönchstänzen stattfinden. Gerade auf die Tänze hatte ich mich sehr gefreut und daher auch den Umweg vom Gokyo Ri zum Everest Basecamp in Kauf genommen (der direkte Weg läuft über einen Pass).

Hier mal ein paar Eindrücke vom ersten Tag des Festivals, einen kleinen Mönchsprozession.







Leider war das Licht da schon nicht mehr schön und wenig später hat es zu schneien begonnen, die ganze Nacht durch und auch am darauffolgenden Tag. Daher wurde der Mönchstanz abgesagt. Da die Wettervorhersage auch für die kommenden Tage Schnee vorsieht, ist es nicht sicher, ob wir den Anstieg zum Kalar Pattar machen können oder ob das zu gefährlich wird (z.B. wegen Lawinen).

So harren wir heute der Dinge, spielen Karten, Uno und andere Spiele und hocken ansonsten um die Feuerstelle in der Lodge.
 
Kommentar
Als wir abends noch mal am Kloster waren, haben uns die Mönche gesagt, dass die Tänze einen Tag später stattfinden sollen. Wir waren darüber sehr froh und haben uns am folgenden Tag die ersten Tänze angeschaut, was sehr beeindruckend war.

Die Trommeln, Fanfaren, das Murmeln der Mönche, die alten Kostüme, eine klasse Atmosphäre, wenn wir auch fast auf den Sitzen festgefroren wären.

Hier mal ein Bild vom ersten Tanz.



Hier ein Bild vom zweiten Tanz

 
Kommentar
>>Floskel EIN:<< Vielen Dank für den beeindruckenden Reisebericht mit grandiosen Bildern >>Floskel AUS<<

Im Ernst: Größter Respekt und vielen Dank für mitnehmen :up::up::up:
 
Kommentar
Während des Mani Rimdu Festivals hatte es ja immer mal wieder geschneit, so dass wir überlegt haben, ob ein Aufstieg in Richtung Kalar Pattar (Aussichtspunkt am Everest auf rund 5500m) überhaupt sinnvoll ist.

Am letzten Tag des Festivals kam dann aber wieder die Sonne raus, und der Schnee auf 3800m schmolz schnell. So haben wir beschlossen, den Aufstieg anzugehen und jeden Tag aufs Neue zu entscheiden, ob wir weitergehen können.

Und wir hatten Glück, die Wege auch über 4000m waren gut zu gehen und die Mengen Neuschnee beschränkten sich dort auch nur auf 2-3cm.

So sind wir von Tengboche nach Pheriche und von dort weiter Richtung Lobuche gewandert. Auf einer kleinen Anhöhe zwischen den beiden Lodgesiedlungen befinden sich Gedenksteine für die am Everest verunglückten Bergsteiger, die meisten davon Sherpa. Das macht nachdenklich und zeigt die Schattenseiten des Tourismus an diesem Berg.



In Lobuche war die Nacht unruhig, nicht nur wegen der Höhe, sondern weil ich die Erkältung der letzten Tage nicht los wurde und mich dementsprechend schwach fühlte. Morgens war der Hals ordentlich am Kratzen und ich am Frösteln. Da es nach einem ordentlichen Frühstück aber deutlich besser war, entschieden wir, den weiteren Aufstieg zum Kalar Pattar zu wagen. Das Gepäck haben wir in Lobuche gelassen, wohin wir am Nachmittag zurückgekehrt sind.

Eigentlich wollte ich zum Sonnenauf- bzw. -untergang zum Kalar Pattar, aber das hätte eine weitere Nacht in Kälte und Höhe bedeutet, wofür ich mich nicht fit genug gefühlt habe. So sind wir gegen Mittag und damit bei halbwegs erträglichen Temperaturen auf dem kleinen Gipfel des Aussichtsberges angekommen. Der Everest scheint zum Greifen nah, dominiert wird die Szene aber vom Nuptse (rechts), der zwar deutlich niedriger ist aber eben auch deutlich näher.

 
Kommentar
Bevor es wieder ins Tal zurückgeht in diesem Thread, möchte ich Euch noch einmal 2 Panoramen von den beiden höchsten Punkten, Gokyo und Kalar Pattar, zeigen.

Beim zweiten sorgt der Schnee allerdings für eine farblich recht eintönige Darstellung.

Anstieg zum Gokyo Ri mit Blick auf den Ort Gokyo, den Gletscher


Kalar Pattar mit Everest, Nuptse und dem schneebedeckten Khumbu Gletscher
 
Kommentar
Anders als der Annapurna-Himal ist das Everest Gebiet so gut wie nicht durch Straßen erschlossen. Lediglich im Süden kommt eine Piste in Salleri an. Darüber hinaus gibt es den kleinen Flughafen in Lukla, mit dem die Mehrzahl der Touristen in die Region einfliegen.

Oberhalb von Lukla gibtes nur drei Möglichkeiten, Waren zu transportieren: mit Yak (bzw. Nak) oder Maultier, mit Trägern oder mit dem Hubschrauber.

Und da alles irgendwie eine Frage des Preises ist, werden die weitaus meisten Waren mit Muskelkraft die Berge herauf transportiert und ermöglichen so den Trekkern viele Annehmlichkeiten.

Den Trägern, die man auf dem ersten Bild sieht, sind wir unterhalb von Lukla begegnet. Sie hatten zwei Tage zuvor einen Büffel geschlachtet und waren gerade dabei, das Fleisch in die Berge zu transportieren (dort wird es häufig als Yaksteak verkauft). Einer der Träger wurde von uns verarztet, weil sich eine Wunde, die er mit Zahnpasta abgedeckt hatte, entzündet hatte. Das sah nicht gut aus, aber vor ein paar Tagen haben wir ihn wieder gesehen und die Wunde ist gut abgeheilt. Nachdem ich diese Fleischtransporte über Tage hinweg gesehen habe (wohlgemerkt ohne irgendeine Kühlung / der Doko wird nachts irgendwo in die Unterkunft gestellt), habe ich beschlossen, die Tour weitgehend fleischlos zu bestreiten.



Das zweite Bild zeigt einmal den Vergleich zwischen einem 70l Rucksack und dem, was mancher Träger an Waren die Berge hinauf schleppt. Häufig sind das Cola bzw. Fantaflaschen bzw. Bier. Darüberhinaus Tütensuppen, Nudeln ... eben das, was man da oben gerne bestellt. Die Gewichte, die da meist von recht hageren Nepali in die Berge gewuchtet werden, machen nachdenklich und lassen mich Respekt zollen. Füür mich persönlich sind das die wahren Helden im Himalaya.



by the way: auch Materialien zum Hausbau wie Balken, Wellblech für die Dächer ... wird meist auf diesem Weg transportiert.
 
Kommentar
Nach knapp 2 Wochen Pause ist es mal wieder Zeit für ein Update. Nach dem Everest-Trek war ich ein paar Tage in Kathmandu und bin dann weiter nach Pokhara gefahren.

Aaditya, mein Begleiter auf dem Everest Trek, leitet dort ein kleines Waisenhaus und während des Treks kam die Idee, mit den Kindern eine kleine Tour zum Abschluss ihrer Schulferien zu machen.

So bin ich zunächst ein paar Tage in Pokhara geblieben, habe mit Aaditya den Gemüse-Großmarkt besucht und dort fotografiert, während er Einkäufe für das Waisenhaus machte, und bin dann zwei Tage alleine vorgewandert und dann zwei Tage mit den Kindern und dem Team vom Waisenhaus.

Danach wollten wir zu zweit ins Epizentrum Gebiet und uns dort den Wiederaufbau einer Schule anschauen. Der Schulleiter hatte uns eingeladen. Die derzeitige Treibstoffkrise, die nunmehr seit 2 Monaten anhält und dazu geführt hat, dass kaum noch Verkehr ist, hat diese Pläne allerdings zunichte gemacht. Die Busse in die entlegene Bergregion nördlich von Gorkha waren einfach zu voll. Selbst die Dächer waren bis zum letzten Winkel mit Menschen gefüllt.

So bleibe ich noch 2 Tage in Pokhara und werde mich dann in Richtung Kathmandu aufmachen, bevor sich dort, Ende des Monats, meine Zeit in Nepal dem Ende entgegen neigt.

Die Eindrücke der letzten beiden Monate waren so vielfältig, dass man sie in einem Fotoforum, das ja in erster Linie Bilder zeigen soll/will nur schwer zusammen fassen kann. Ich habe dies in einem Blogartikel auf meiner Homepage gemacht.

Hier aber noch ein paar Bilder.

Kind in Swyambunath, Kathmandu


Affe auf der Stupa in Swyambunath


Lichterfest in Pokhara, ein geschmückter Hauseingang


Auf dem Obst- und Gemüsemarkt in Pokhara


Sonnenaufgang in Sarangkot bei Pokhara
 
Kommentar
Heute in Kathmandu angekommen, wo ich die letzten Tage relativ ruhig mit ein paar Tagesausflügen angehen möchte, möchte ich Euch Bild aus Pashupatinath zeigen. Für Hindus ist das der heiligste Ort in Nepal und Verbrennungsstätte für die Toten. Eine Art "Mini-Varanasi".

Viele Saadhus, ob echte oder nur für Touristen, vermag ich nicht immer mit Sicherheit zu sagen, halten sich dort auf. Sie posieren gerne für Fotos, wollen dann aber auch dafür "entlohnt" werden.

Hier mal ein Foto, das ich aber an den Rändern etwas beschnitten und in ein Schwarzweiß Bild umgewandelt habe.

 
Kommentar
So langsam heißt es hier Abschied nehmen von Freunden und Plätzen, die ich mag, wenngleich da einiges seit dem Beben anders aussieht.
So der große Stupa von Boudha, der komplett saniert werden muss und dem daher derzeit seine Krone fehlt.

Heute Abend (hier wird es Nacht) bin ich daher noch mal an den zweiten bedeutenden Stupa gelaufen. Auch er gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Stupa von Swyambunath, auf einem kleinen Hügel gelegen, ist relativ unbeschadet aus dem Beben gekommen. Die Gebäude um ihn herum leider nicht.

Abends wird der Stupa beleuchtet, und heute deutete sich eine schöne Abendstimmung an. Als die Sonne unterging, haben die ganzen Souvenirhändler ihre Stände abgebaut, so dass dort oben deutlich Ruhe einkehrte.



Der Weg hinunter nach Kathmandu war dann schon etwas unheimlich auf den ersten Metern. Trotz Stirnlampe und Stativ (als Schutz) war ich mir bei den ganzen Affen die auf dem Hügel leben, dann doch nicht sicher, wie die reagieren.
 
Kommentar
Mit einem Bild von Tieren, die im Kathmandutal allgegenwärtig sind, möchte ich diese kleine Bilderreise beenden. Tiere, die mir nicht immer geheuer sind, die aber in Gestik und Mimik deutlich zeigen, dass sie ziemlich nah mit uns verwandt sind.

Mittlerweile liegt die Zeit in Nepal eine knappe Woche hinter mir, und ich vermisse Land und Leute. Dort sind mir einfach in den letzten Jahren viele Menschen ans Herz gewachsen.

Und auch ganz allgemein gesprochen finde ich, dass man gerade in diesem Jahr die Haltung der meisten Menschen dort bewundern kann, nach Erdbeben und mittlerweile 3 Monaten Treibstoffkrise nehmen sie all das mit Würde und ohne übermäßig zu klagen. Im Gegenteil, viele Schäden, die das Beben verursacht hat, werden aktiv angegangen, auch wenn das wirklich Zeit brauchen wird.

Ich danke allen, die mich auf dieser Reise hier begleitet haben und hoffe, mit meinen Bildern und Texten Euch dieses Land etwas näher gebracht zu haben.

 
Kommentar
Vielen Dank für die super Bilder und die Reiseberichte. Das war alles sehr spannend und es hat viel Spaß gemacht Dir zu folgen.

Grüße aus der Heimat
 
Kommentar
-Anzeige-