Hallo Sam. Ich bin wirklich nicht in Eile. Aber heute hat es sich hier früh zugezogen und der wärmste Raum ist der Gemeinschaftsraum und der hat eine stabile Internet Verbindung.
Die letzten 7 Tage war ich ohne Netzanschluss. Selbst das mittlerweile in Nepal allgegenwärtige Handy (auch das meines Freundes aus Pokhara) hatte in den letzten Tagen fast kein Netz. So nutze ich derzeit die Verbindung, um einfach mal Mails zu versenden und ein paar Sachen zu aktualisieren.
Ich versuche mich einmal an einer Überleitung. Vom Annapurna Base Camp sind wir in einem langen Tagesmarsch nach Chomrong zurück gelaufen, wo ich eigentlich ein paar Nachtaufnahmen vom Machhapuchare machen wollte. Leider hat es sich zugezogen. Auch in den beiden letzten Tagen auf dem Trek war es schwülwarm und immer mal wieder am Regnen.
Schön war der letzte Morgen in Pothana, südlich der Annapurna Kette.
Von Pothana aus sind wir dann hinab nach Pokhara gewandert, die letzten Meter bis zur Straße waren seltsam. In die Geräusche des Waldes mischten sich jene der Straße. Es wurde einem unweigerlich klar, dass diese schönen Tage rund um die Annapurna nun zu Ende gingen.
Für Pokhara hatte ich mir einiges vorgenommen, vieles wurde aber durch die Treibstoffknappheit in Nepal derzeit unmöglich. Taxis (z.B. nach Sarangkot oder nachts zur World Peace Stupa) waren unbezahlbar. Zudem habe ich erstmal einen Magen-Darm-Infet auskuriert. So habe ich in Pokhara lediglich das Waisenhaus besucht, das von meinem nepalischen Freund geleitet wird.
Mit ihm bin ich dann auch weiter nach Kathmandu gefahren und von dort aus zwei Tage später mit dem Bus nach Jiri. Da derzeit Busse Mangelware sind, werden sie entsprechend voll besetzt. Bis unter das Dach und auch auf dem Dach. Die gut 200km nach Jiri haben 13 Stunden gedauert. Alleine 3 Stunden haben wir an einer Tankstelle auf Sprit gewartet, und wir waren sogar unter den ersten, die Diesel tanken konnten.
In Jiri sind wir in der Dunkelheit angekommen und sind nach dem Essen müde in die Betten gefallen. Der Morgen danach hat dann deutlich werden lassen, dass die Wanderung der nächsten Tage durch das Epizentrum des zweiten Bebens von diesem Frühjahr führen sollte. Viele der Gebäude waren beschädigt oder ganz zerstört, darunter auch viele Klöster oder Kultbauten.
Und dennoch haben uns die Menschen mit offenen Armen und großer Herzlichkeit empfangen. Zu den ersten Wanderern in dieser Region nach dem Beben gehörend, haben sie uns in Gesprächen erzählt, dass für sie mit den ersten Trekkern auch ein Stück Normalität zurück kommt, zumal jeder Wanderer Geld in die Region bringt.
In den ersten Tagen haben wir ausschließlich in Lodges geschlafen bzw. gegessen, die nach dem Beben neu aufgebaut wurden. Schon alleine deshalb, um die Mühen und Investitionen der Menschen zu würdigen.