Neben perfekten oder ziemlich perfekten Bildern

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Harbachoed Karl

Sehr aktives NF Mitglied
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Vor mir liegen einige Fotoausstellungskataloge (auch Wettbewerbe), die in ihrem Titel zentral „Künstlerische Fotografie“ führen.
Nach meinem Geschmack sind jedoch maximal 20% der Bilder künstlerisch. Vielleicht sind nocheinmal oder etwas mehr künstlerisch intentiert und von der Jury so aufgefasst, ich kanns auf den einzelnen Bildern nicht erkennen.

Was fällt euch vom Forum zum Thema KF ein, wie würdet ihr das kurz umreißen?

~ Sehr viel Dank, Karl
 
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Ich habe dein Thema einmal in den Diskussionsbereich ohne Bilder verschoben...
 
Kommentar



Mmh, Karl, da hast Du ja eine Frage aufgeworfen,
die höchst komplex ist und von Ästhethik über
Gestaltung bis Kunst- und Foto-Theorie zahlreiche
Aspekte umfaßt.

Selbst wenn wir einmal voraussetzen, daß jede
Art von Fotografie einen Gestaltungswillen des
Fotografen beinhaltet, müssen wir differenzieren
zwischen journalistischen, dokumentarischen und
künstlerischen Bildern.

Die Übergänge zwischen den Genres sind dabei
fließend – erschwerend kommt hinzu, daß eine
Unterscheidung zwischen Auftrags- und freier
Arbeit nicht wirklich hilfreich ist, um dem Thema
gerecht zu werden.

Die Arbeiten von Bernd und Hilla Becher z.B.
können mit Leichtigkeit als Dokumentarfofografie
verstanden werden; durch ihre serielle Präsentation
entfalten sie jedoch eine künstlerische Wirkung.

Um ein anderes, naheligendes Beispiel zu nennen:
Die lapidaren Fotos von Albert [MENTION=63488]häuschen[/MENTION] , die er
in seinem Thread daily news zeigt, kann man als
Schnappschüsse oder Dokumentationsfotos sehen;
gleichzeitig stehen sie in ihrer Bildästethik aber in
einer bestimmten Fotografen-Tradition, die längst
als eine Form künstlerischer Fotografie akzeptiert
ist.

Vielleicht ist es hilfreich, wenn ich von meinen
eigenen fotografischen Erfahrungen und Reflektionen
des Themas berichte.

Ungeachtet ihrer Gestaltung, fertige ich die meisten
meiner Fotos für journalistische Zwecke, was klar
ihren Bildinhalt dominiert – weil bestimmte formale
Kriterien einzuhalten sind. So wird keine Zeitung,
ungeachtet seiner ästhetischen Anmutung, ein Foto
drucken, das zu 3/4 aus Schwarzfläche besteht.
Solche von mir bewußt so aufgenommene Bilder
bezeichne ich als künstlerische Fotos. Diese zeige
ich folglich in Ausstellungen, wo andere Kriterien
als journalistische von Relevanz sind.

Dennoch kommt es vor, daß auch journalistische
Fotos von mir einen über das Dokumentarische
hinausgehenden, ästhetischen (künstlerischen)
Wert haben. Um ein Beispiel zu zeigen:


picture.php


Der Rockpalast-Macher Peter Rüchel


Ohne falsche Bescheidenheit: Die Gestaltung und
(damit verbundene) Farbwirkung hebt dieses Foto
von einem rein dokumentarischen ab.


Damit kommen wir zu dem, was ich als visuelle
Bildung bezeichnen möchte. Jede Form eines
künstlerischen Ausdrucks verlangt – neben so
banalen Dingen wie handwerklicher Technik –
zwei wesentliche Dinge:

1. einen Blick für Farben und Formen, der sich
aus profundem Wissen der Kunst- bzw. Foto-
Geschichte speist;
2. den Willen, sich auszudrücken und dieses
mit adäquaten Mitteln auch zu können, wofür
das unter 1. genannte unabdingbar ist.


Dieser Wille sich auszudrücken, entspringt
m.E. einer inneren Notwendigkeit, die nicht
von Vorgaben Dritter dominiert wird – selbst
wenn man konstatieren muß, daß es immer
auch Faktoren (etwa ökonomische) gibt, die
einen künstlerisch Schaffenden beeinflussen.


Auch dazu zeige ich ein Bildbeispiel:


picture.php



Dieses Foto mußte ich einfach machen –
Motiv erkennen, gestalterisch konzipieren,
fotografisch umsetzen; eine freie Arbeit,
die ich als künstlerisches Foto klassifiziere.

Dies gelte übrigens auch dann, wenn die
Vorgabe gewesen wäre: Fotografieren sie
eine Leuchtstoffröhre … eine klassische
Aufgabe für Fotografie-Studenten.

Die Kunst (sic!) besteht halt auch darin,
selbständig Bildmotive zu entdecken und
in künstlerischer Form zu realisieren.



Ich denke, mit meine Ausführungen eine
hinreichende Basis für weitere Diskussionen
gelegt zu haben – Danke fürs Lesen!



 
Kommentar
Was der Picasso da für schreckliche Gesichter gemalt hat
Das war doch keine Kunst, das kann ich auch

(Die Spucke reicht nicht, aber Ketchup tuts ja auch)
 
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Häuschen, du glaubst, alles, was du nicht kannst, ist Kunst? Mit Nichten und Tanten!

Ich habe keine Definition für Kunst parat und kann mir unter den Kunstbänden, die Du nur beschreibst, leider nichts vorstellen.
Drum erschien mir das Thema sehr unkronkret und ich habe mit dem für mich typischen Unsinn darauf reagiert.
Auf diese Art lässt sich das Thema Kunst in der Fotografie hier vielleicht besser anhand bekannter Stilrichtungen in der Malerei erläutern und so richtete sich mein Picasso-Vers an Dich direkt, mit der Frage ... was hältst Du von seinen Werken?

Für mich kann ein ansehnliches Zusammenfügen von Formen, Farben, oder Tonwerten ebenso Kunst sein, wie ein Werk mit vermeintlich tieferem Sinn. Was Kunst als Letztes ist, ist Eingängigkeit und Gefallen, aber das, so hoffe ich, haben uns die Künstler ja bereits vor 100 Jahren ausgeredet.

Es bleibt die Neugierde, welche Fotografien Dich denn nun zu diesem Thema beflügelt haben und ich warte interessiert auf ein paar Beispiele.
 
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Ich habe keine Definition für Kunst parat und kann mir unter den Kunstbänden, die Du nur beschreibst, leider nichts vorstellen. .

Es sind Ausstellungskataloge von Foto-Verbänden. Die führen jedes Jahr Wettbewerbe durch und veröffentlichen nachher die Einreichungen und die Ausgezeichneten Arbeiten und Fotografen.

Drum erschien mir das Thema sehr unkronkret und ich habe mit dem für mich typischen Unsinn darauf reagiert.

Mir gings nur um den Begriff „künstlerisch“ (um den sich freilich heiter streiten läßt). Wenn wir uns nicht hin und wieder wehren, geht jede Aussage flöten.


Für mich kann ein ansehnliches Zusammenfügen von Formen, Farben, oder Tonwerten ebenso Kunst sein, wie ein Werk mit vermeintlich tieferem Sinn. Was Kunst als Letztes ist, ist Eingängigkeit und Gefallen, aber das, so hoffe ich, haben uns die Künstler ja bereits vor 100 Jahren ausgeredet.

Es bleibt die Neugierde, welche Fotografien Dich denn nun zu diesem Thema beflügelt haben und ich warte interessiert auf ein paar Beispiele.


Meine einstweilen lose Erklärung für Künstlerische Fotografie ist das Vorhandensein eines verfolgten inhaltlichen oder formalen Anliegens. Das ist nicht immer zu erkennen, bei Serien schon leichter.

Angenommen Werbefotografie macht mit der gleichzeitigen Abbildung von Konservendosen und lebenden Rindern weis, dass die Dosen tatsächlich nur Rindfleisch enthalten. Bei meiner Gemeinschaftsausstellung ließ ein Kollege jedoch ein Pferd aus einer geöffneten Konservendose hüpfen (das war zur Zeit des Pferdefleischskandals 2013).

Ich stellte das Kernthema der Oper „Der Rosenkavalier“ dar: Das sonderbare Ding Zeit und wie alles dem Zeitlauf unterliegt.

Interessiert das jemanden? Ich verwendete drei Bilder und eine Überschrift dazu. Ich stelle anhand eines einfachen Bildes dar, es wäre auch zu erklären.

picture.php

Mit freundlichen Grüßen
Karl
 
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"Zwei unbedarfte Hausfrauen" - ob der Spiegel nun auch verklagt wird??? ;-))

Grüße
Erhard
 
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