Auf einem größeren, motorisierten Boot überquerten wir vom Tendaba Camp aus den Gambia-Fluß, der einen ganz ordentlichen Wellengang hatte, um dann in einen Seitenarm, den Bao Bolon, hineinzufahren.
Anders als wir das in Europa kennen, spielt der Gezeitenhub auch weit im Landesinneren von Gambia eine Rolle. Selbst im Osten des Landes, weit von der Küste entfernt, kann er noch fast einen Meter betragen.
Das liegt vor allem daran, dass Afrika so flach ist. Beispiel: Die höchste Erhebung Gambias ist 51 Meter hoch. Afrikas Flüsse haben meist nur eine geringe Fließgeschwindigkeit, so dass sie dem Gezeitendruck wenig entgegenzusetzen haben. Dementsprechend ist das Wasser des Gambia-Flusses und seiner Seitenarme in der Regel salzhaltig, was wiederum bedeutet, dass es oft Mangroven gibt.
Der Rotgesichtslöffler ist unverwechselbar. Noch markanter als seine im Namen festgehaltene Gesichtsfarbe sind bei ihm die roten Füße, die keine andere Löfflerart besitzt.
Unser Name für den Nimmersatt geht übrigens auf seine Jungen zurück, die ihr Körpergewicht in den ersten zehn Lebenstagen von 50 auf 600 Gramm erhöhen und entsprechend gierig fressen.
Auch außerhalb der Mangroven herrschte entlang des Wassers meist ein geschäftiges Treiben:
Küstenreiher
Vom Küstenreiher gibt es interessanterweise zwei Farbvarianten, nämlich diese hier sowie eine rein weiße, die ich entweder nicht gesehen oder mit einem Seidenreiher verwechselt habe.
In Afrika sind diese Vögel nur in einem schmalen Küstenstreifen zwischen Marokko und dem südlichen Senegal heimisch. In Europa und Asien sind sie dagegen weit verbreitet, auch in Nordamerika und in Australien kann man sie antreffen.
Die schon im letzten Kapitel erwähnte Bootsfahrt auf dem Bao Bolon bescherte uns so einige Höhepunkte. Einer davon: Wir stießen plötzlich auf Pelikane.
Es handelte sich hauptsächlich um Rosapelikane, doch waren auch etliche Rötelpelikane darunter. Wir hielten etwas Abstand, um der Gruppe beim Fischen zuzusehen. Unser Führer erklärte uns, dass die Aktion wohl hauptsächlich dazu diente, Jungtieren das Fischen beizubringen. Normalerweise fischen Pelikane in kleineren Gruppen.
Ein paar Riedscharben, eine Kormoranart, hatte sich ebenfalls dazugesellt.
Pelikane und Kormorane jagen oft gemeinsam, da sie sich nicht allzu sehr ins Gehege kommen: Kormorane können viel tiefer tauchen und jagen damit zum Teil Fische, die vor ihnen fliehen, an die Wasseroberfläche, wo dann wiederum die Pelikane zuschlagen.
Eine derart große Jagdgemeinschaft hatten wir auch noch nicht gesehen.
Von nun an gab es sozusagen eine doppelte Jagd: Einerseits jagten die Pelikane weiter, andererseits fühlten sie sich offensichtlich durch uns gejagt und flogen immer wieder in Scharen auf, den Fluß entlang.