Am Zielort Guwahati, der Hauptstadt des Bundesstaats Assam, wurde ich von einem kleinen Trupp von Leuten abgeholt. Diesen Teil meiner Reise hatte ich bei einer von drei Freunden geleiteten, in Kolkata ansässigen Firma gebucht, die in ganz Nord- und Ostindien Wildlife-Reisen anbietet. Tamamud, einer der Inhaber, begrüßte mich zusammen mit einem Fahrer und einem örtlichen Vogelexperten.
Gleich ging es auch los zu unserem ersten Stopp, der passenderweise sozusagen an der Strecke zu unserem eigentlichen Ziel lag und daher eine angenehme Fahrtunterbrechung mit Übernachtung bot: Der Nameri-Nationalpark, etwa viereinhalb Stunden Autofahrt von Guwahati entfernt.
Dort, wo normale Äcker an der Straße lagen, sah ich ein mir auch aus vielen Teilen Indiens vertrautes Bild:
Auf den Äckern trieb sich eine bunte Mischung von Tieren herum, überwiegend Schafe und Kühe. Dann und wann sah ich angebundene Tiere, aber einen Pferch oder eine eingezäunte Weide habe ich nirgends wahrgenommen. Als indischer Viehbesitzer muss man zusehen, dass man immer weiß, wo die eigenen Tiere gerade sind.
Der Nameri-Park liegt im Norden von Assam und bietet neben einer reichhaltigen Vogelwelt auch Elefanten, Tiger und andere größere Wildtiere. Ich staunte nicht schlecht, als bei unserer Fahrt in den Park am frühen Morgen des nächsten Tages am Nationalparkeingang ein Bewaffneter zustieg. Der trug ein Gewehr, das zwar schon recht betagt wirkte, aber zur Elefantenabwehr (und um die ging es hauptsächlich) zur Not hoffentlich noch taugte. Dazu bestand letztendlich gottseidank keine Notwendigkeit.
Auf einem Ruderboot überquerten wir und zwei andere kleine Gruppen den Kameng-Fluß.
Hier im Tiefland Indiens sind ganz andere Vögel zu finden als im Himalaya, zum Beispiel diese:
Der Dschungelmaina gehört ebenso wie der etwas farbenprächtigere und noch häufigere Hirtenmaina zu den Staren. Mainas sind in Asien und auch Ozeanien weit verbreitet.
Er gehört zwar nicht zu den Nektarvögeln, aber auch der Goldstirn-Blattvogel ernährt sich unter anderem vom Nektar bestimmter Baumarten. Bei der Nahrungssuche dient er nebenbei als Pflanzenbestäuber.
Ganz oft zu sehen ist dagegen der Rotlappenkiebitz. Er treibt sich meist in Gewässernähe herum und hat ein sehr weites Verbreitungsgebiet, von der Osttürkei bis nach Vietnam.
Paddyreiher haben wenige natürliche Feinde und sind daher populationsstark. Ihr Verbreitungsgebiet ist im Wesentlichen auf Indien, Bangladesh und die südlichen Himalayastaaten beschränkt.
Noch einen letzten interessanten Vogel aus dem Nameri-Nationalpark möchte ich vorstelllen: die Türkisracke. Ihr englischer Name, Dollarbird, kommt angeblich von den hellen Flecken unter ihren Flügeln, die etwa die Größe einer amerikanischen Dollarmünze haben.
Nun ging es auf die lange Fahrt zum eigentlichen Ziel dieses Teils der Reise, dem Eaglenest Wildlife Sanctuary. Anders als man vielleicht denkt, hat der Name nur mittelbar mit dem Raubvogel zu tun: Die Eagles sind eine indische Militäreinheit, die früher in diesem Bereich stationiert war und ihm ihren Namen gegeben hat.
Das Eaglenest liegt tief drin in Indiens wohl abgelegensten Bundesstaat, Arunachal Pradesh. Dieser liegt nahezu vollständig im Himalaya, weit im Nordosten Indiens und direkt nördlich von Assam. Er bildet die „Frontlinie“ zwischen Indien und China, da er an Tibet grenzt. Im Jahr 1962 gab es zwischen den beiden Ländern kriegerische Auseinandersetzungen um diesen Bereich, den China heute immer noch offiziell beansprucht. Aus diesem Grund ist in Arunachal Pradesh auch heute noch viel indisches Militär stationiert. Der Zugang zu diesem Bundesstaat bedarf einer besonderen Genehmigung, was im Vorfeld einigen bürokratischen Aufwand erforderte.
Übernachten wollten wir im Lama Camp, einer Ansammlung von schlichten Unterkünften nahe dem Eaglenest. Um dorthin zu kommen, geht es zunächst über lange Passstraßen nach Norden. Zwischendurch boten sich immer wieder beeindruckende Blicke.
Danach ging es, nunmehr wieder in südlicher Richtung, immer weiter hinauf in die Himalayahöhen. Die Straße dort hoch war recht schmal und das Ausweichen nicht immer einfach, aber auch nur selten erforderlich. Im hier gezeigten unteren Bereich war sie aber geradezu eine Luxuspiste, da zumindest noch geteert.
Das rustikale Lama Camp liegt auf etwa 2.400 Metern Höhe und bietet als gehobene Variante einfache Hütten ohne Heizung, was bei Nachttemperaturen von 8–10 Grad herausfordernd war. Es gibt auch Zelte.
Der höchste Punkt dieser Passstraße, der Eaglenest Pass, liegt dann auf knapp 2.800 Metern.
Im Bereich des Eaglenest hatten wir insgesamt drei volle Tage, die jeweils aus frühen (normalerweise um fünf Uhr morgens los) und späten Touren (in der Regel um halb drei nachmittags) oberhalb oder unterhalb des Camps bestanden. Dadurch deckten wir einen Höhenbereich von etwa 1.800 bis 2.800 Metern ab, was zum Teil deutliche Unterschiede bei den zu beobachtenden Arten bedeutete.
Der Braunhäherling setzt zudem auf gute Tarnung, da er im Unterholz kaum auszumachen ist. Auch seine geringe Größe macht es nicht leichter, ihn zu sehen.
Kommen wir mal zu etwas größeren Vögeln. Der Roststirn-Meisenhäherling ist zwar auch kein Riese, aber immerhin etwa amselgroß. Seine besondere Zeichnung gefällt mir sehr gut.