Welche Fotosoftware nutzen Fotograf:innen heute eigentlich? Lightroom? Photoshop? DxO? Oder reicht vielleicht sogar die kostenlose Software des Kameraherstellers? Vor einigen Wochen haben wir genau diese Frage in unserer Community gestellt. Dabei waren Mehrfachnennungen ausdrücklich erwünscht. Schließlich wollten wir nicht nur wissen, welches Programm genutzt wird, sondern wie Software im persönlichen Foto-Workflow zusammenspielt.

Bild mit Hilfe von KI generiert
Inzwischen haben 144 Mitglieder an unserer Umfrage teilgenommen. Zeit für eine erste Zwischenbilanz – und die zeigt vor allem eines: Die eine Fotosoftware für alles scheint es in vielen Workflows gar nicht zu geben.
Lightroom Classic liegt vorn – NX Studio überrascht
Mit 59 Stimmen beziehungsweise 41 Prozent führt Adobe Lightroom Classic die aktuelle Umfrage an. Das überrascht zunächst nicht: Lightroom Classic verbindet Bildverwaltung und RAW-Entwicklung und kann damit für viele Fotograf:innen die Zentrale ihres Workflows bilden. Interessanter wird es direkt dahinter. Nikon NX Studio erreicht 51 Stimmen beziehungsweise 35,4 Prozent und liegt damit sogar knapp vor Adobe Photoshop mit 50 Stimmen und 34,7 Prozent.Natürlich muss man dieses Ergebnis im richtigen Zusammenhang betrachten. Netzwerk Fotografie hat historisch eine große Nikon-Community. Unsere Umfrage bildet deshalb keinen repräsentativen Querschnitt aller Fotograf:innen ab. Sie zeigt aber sehr schön, dass kostenlose Herstellersoftware im tatsächlichen Workflow keineswegs bedeutungslos sein muss.
Auf den weiteren Plätzen folgen DxO PhotoLab mit 23,6 Prozent, die DxO Nik Collection mit 21,5 Prozent und Adobe Bridge/Camera Raw mit 16 Prozent. Capture One kommt auf 14,6 Prozent, Affinity auf 13,9 Prozent und Luminar auf 13,2 Prozent.
Die Top-Plätze erzählen aber nur die halbe Geschichte
Ein klassisches Ranking würde dieser Umfrage nicht gerecht. Mehrfachauswahl war schließlich ausdrücklich möglich – und genau dadurch wird es interessant. Lightroom Classic und Photoshop z.B. sind keine ungewöhnliche Kombination. Ebenso können Lightroom und DxO PureRAW zusammenspielen oder Capture One für die RAW-Entwicklung und eine andere Anwendung für weitere Bearbeitungsschritte eingesetzt werden.Die Kommentare zeigen, dass viele Workflows nach Aufgaben aufgeteilt sind: Ein Programm verwaltet und entwickelt die RAW-Dateien, andere kommen gezielt für Entrauschung, Panorama, Focus Stacking oder die weitere Bildbearbeitung zum Einsatz. Das bestätigt ziemlich genau einen Gedanken, den wir bereits in unserem Ratgeber „Lightroom, Excire, DxO & Co.: Welche Software übernimmt welche Aufgabe?“ aufgegriffen haben: Statt nach der einen „besten Fotosoftware“ zu suchen, kann es sinnvoller sein zu fragen, welches Werkzeug eine bestimmte Aufgabe im eigenen Workflow besonders gut erledigt.
DxO ist längst mehr als PhotoLab
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Blick auf die verschiedenen DxO-Produkte: PhotoLab wird von 23,6 Prozent der Teilnehmenden eingesetzt, die Nik Collection von 21,5 Prozent, PureRAW von 11,1 Prozent sowie ViewPoint von 9,7 und FilmPack von 9 Prozent. Diese Werte dürfen selbstverständlich nicht addiert werden. Dieselben Personen können mehrere DxO-Produkte ausgewählt haben. Sie zeigen aber, dass auch hier unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt werden.Das passt gerade besonders gut: Mit DxO PhotoLab 10 ist Anfang September eine neue Version erschienen, die unter anderem Tiefen- und KI-Masken, Color Grading und erstmals eine direkte Übergabe an Affinity mitbringt. Auch PhotoLab entwickelt sich damit weiter vom reinen RAW-Konverter hin zu einem Werkzeug, das immer mehr Bearbeitungsschritte selbst übernehmen oder gezielt an andere Programme übergeben kann.
Und dann gibt es noch „Andere Software“
Einen der interessantesten Werte unserer Umfrage finde ich persönlich an einer Stelle, die in einer klassischen Rangliste leicht untergehen würde.25 Teilnehmer:innen beziehungsweise 17,4 Prozent haben „Andere Software“ angeklickt.
In der Diskussion werden dann Programme und Werkzeuge genannt, die unsere ohnehin schon recht lange Auswahlliste gar nicht vollständig abbilden konnte. Spezialprogramme für Panorama und Focus Stacking gehören ebenso dazu wie zusätzliche RAW-Konverter, Viewer oder andere kleine Helfer. Auch das zeigt: Ein Foto-Workflow muss heute nicht zwangsläufig aus einem großen Softwarepaket bestehen. Manchmal ist es eine ganze Werkzeugkiste.
Hat sich seit 2025 etwas verändert?
Bereits im Frühjahr 2025 hatte ein Mitglied unserer Community gefragt, welche Programme die Community für die Bildbearbeitung einsetzt. Ein direkter Vergleich mit unserer aktuellen Umfrage ist allerdings nur eingeschränkt möglich: Nicht nur Zahl und Zusammensetzung der Teilnehmenden unterscheiden sich, auch die Fragestellung und die angebotenen Antwortmöglichkeiten sind nicht vollständig identisch. Ein paar Unterschiede sind trotzdem interessant.Lightroom lag damals bei 41,2 Prozent. In der aktuellen Umfrage kommt Lightroom Classic auf 41 Prozent. Da die ältere Umfrage Lightroom und Lightroom Classic nicht getrennt auswies, sind diese beiden Werte allerdings nur eingeschränkt vergleichbar. Photoshop ist dagegen von 43,8 auf derzeit 34,7 Prozent zurückgegangen. Nikon NX Studio steigt von 31,9 auf 35,4 Prozent, Capture One von 12,4 auf 14,6 Prozent und Luminar von 11,1 auf 13,2 Prozent. DxO PhotoLab bleibt mit 23,6 statt zuvor 23 Prozent nahezu unverändert.
Das sind keine Marktanteile und aus zwei Community-Umfragen lässt sich noch kein belastbarer Markttrend ableiten. Spannend wird deshalb sein, wie sich die Werte entwickeln, wenn an der aktuellen Umfrage noch mehr Mitglieder teilnehmen.
Smartphone und Tablet haben wir vergessen
Die Diskussion zur Umfrage hat uns außerdem auf etwas gebracht, das wir bei der Zusammenstellung schlicht nicht auf dem Schirm hatten: Software für Smartphones und Tablets. Unser User Wuxi wies darauf hin, dass entsprechende Apps in unserer Auswahl gar nicht vorkommen. Damit bildet die aktuelle Umfrage vor allem den klassischen Computer-Workflow ab. Dabei kann ein moderner Foto-Workflow längst mehrere Geräte umfassen. Fotos werden unterwegs übertragen und gesichtet, RAW-Dateien auf dem Tablet bearbeitet oder Aufnahmen auf Smartphone, Tablet und Computer synchronisiert. Nicht jeder Bearbeitungsschritt muss heute am Desktop stattfinden.Das nehmen wir mit. Uns interessiert deshalb künftig auch genauer, welche Rolle Smartphone und Tablet im Foto-Workflow unserer Community spielen und welche Aufgaben ihr inzwischen „mobil“ erledigt. Stay tuned – wir greifen das Thema demnächst auf!
Die Zwischenbilanz: Nicht ein Programm, sondern ein Workflow
Nach 144 Teilnehmer:innen gibt es in unserer Umfrage zwar einen Spitzenreiter. Die interessantere Erkenntnis liegt für mich aber hinter den Prozentzahlen. Lightroom Classic kann die Bildverwaltung und RAW-Entwicklung übernehmen, Photoshop die aufwendigere Pixelbearbeitung. DxO kann für RAW-Verarbeitung und Entrauschung eingesetzt werden, Excire bei Verwaltung und KI-Suche helfen, Capture One seine Stärken unter anderem beim Tethering ausspielen – und daneben existiert eine erstaunlich große Zahl weiterer Programme und Spezialwerkzeuge.Die Frage lautet deshalb offenbar immer weniger: Welche Fotosoftware ist die beste? Viel interessanter ist in meinen Augen: Welche Kombination funktioniert für meinen eigenen Foto-Workflow am besten?
Unsere Umfrage läuft weiter. Wenn ihr noch nicht abgestimmt habt, könnt ihr das weiterhin tun – und noch interessanter als das Kreuzchen sind eure Erfahrungen in der Diskussion: Welche Programme nutzt ihr gemeinsam, welche Aufgabe übernimmt welches Werkzeug – und welche Software fehlt euch noch in unserer Auswahl?
→ Zur Umfrage und Diskussion: Welche Fotosoftware nutzt ihr 2026 – und wofür?