[GB] South West Coast Path - Part II


assiliisoq

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Penzance - St. Winwalloe 10.4.2019


Morgens frühstücken wir gegen 7 noch gemeinsam, anschließend gehen wir zum Busbahnhof. Thorsten muss heute seine Heimreise antreten, ich nehme den Bus durch Penzance bis Marazion, um mir Einkaufsmeilen, Industrie und Bahngleise zu ersparen.



In Marazion steige ich aus, muss noch ein wenig durch den Ort laufen, treffe dann auf den Pfad - gesperrt! Wegen unsicherer Kliffkante. Die angekündigte Umleitung finde ich nicht. Jede Menge frische Schuh- und Pfotenspuren sehe ich auf dem Pfad. Ich tauche unter dem Absperrband durch, wie vermutlich alle, und folge problemlos dem Weg, der einmal etwas näher an die Kante führt, aber nicht gefährlich wirkt.

St. Michael´s Mount ist ein Pendant zum Mont Saint Michel der Bretagne.
Bei NW kann man über einen Steg hinüberlaufen, bei HW fährt im Sommer ein Bötchen.




Nun kommt nach einem bedeckten Morgen die Sonne heraus. Es wird richtig heiß. Ich laufe bald in Shorts und T-Shirt, habe dummerweise weder Sonnencreme noch einen Sonnenhut oder eine Kappe dabei. Wer ahnt denn, dass es auch eine englische Sonne gibt!?

Am Cudden Point treffe ich auf einen alten Holzpfahl, in den schon viele Leute kleine Geldmünzen gesteckt haben.
Bringt bestimmt Glück und erfüllt Wünsche!

...


In Praa Sands bekomme ich den 1. heißen Kakao mit Marshmellows und Sahne!




Die eine und andere Minenruine steht am Wegesrand bei Rinsey.




Auch die Grasnelken freuen sich über die Sonne.




Dann treffe ich die zweite Kreuzotter! Diesmal bin ich schneller!







Mittags gelange ich in den hübschen Ort Porthleven.













Auf einer Terrasse sitzend will ich eine Pizza essen, aber der Ofen wird erst abends angefeuert. Ein Baguette mit ham&cheese ist jedoch zu bekommen.
Der Wetterbericht verspricht auch für morgen tolles Wetter.

Die Küste ist heute nicht sooo spektakulär, aber trotzdem schön. Immer mehr Blumen scheinen aus dem Boden zu springen.
An einem großen Süßwassersee The Loe komme ich vorbei, den ich mir beim Planen als mögliches Zeltrevier ausgeguckt hatte.




Ich treffe jedoch einen Einheimischen unterwegs, der meinte, hinter der Kirche St. Winwalloe sei ein Grashügel, auf dem man hervorragend zelten könne, und unten am Strand ein Bach. Perfekt!
(Wildzelten ist in England eigentlich nicht erlaubt, fällt aber unter "verrückt genug", folglich scheinen es die Engländer cool zu finden. Zumindest außerhalb der Saison. CP sind sowieso fast alle geschlossen. Bisher habe ich nur Leute/Einheimische getroffen, die mir dabei geholfen oder mir im Zelt freundlich zugewunken haben.)

St. Winwalloe Beach und Bach




St. Winwalloe







Winwalloe´s backyard




Es ist zwar ein wenig windig hier oben, aber der Ausblick auf das Meer ist herrlich!
Die Südhälfte meines Gesichtes hat doch tatsächlich einen Sonnenbrand abbekommen.
 
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assiliisoq

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Eine interessante Tour, die ich auch wieder auf Google-Maps verfolge.
Hallo Thomas!

Schön, dass du dabei bist!
Ich hoffe, ich schreibe die Ortsnamen alle richtig, damit du dich nicht verläufst! :)

Liebe Grüße von T nach A,
Sylvia
 
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assiliisoq

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St. Winwalloe - Church Cove 11.4.2019


Das Zelt ist morgens trotz des Windes ziemlich nass. Ich wische außen und innen viel Wasser ab, lasse den Wind noch eine Weile durchziehen und trinke derweil Tee.
Nachts war es lausig kalt. Ich vermute knapp über 0°C. Ich habe in meinem Schlafsack, der mal gut unter dem Gefrierpunkt gearbeitet hat, nur im dünnen Merino ein wenig gefröstelt. Den muss ich wohl mal aufplüschen lassen. Nachdem ich meine Fleecejacke übergezogen habe, war es aber gut.

Es ist wieder toll sonnig, wird aber über den Tag nur bis 9°C "warm", dazu pfeift ein kalter Wind, brrr.
Erst um 9:30 komme ich los.
Bis Poldhu ist es nicht weit. In einem Surf-Shop kaufe ich Sonnencreme und eine Kappe.

Die nächste Landmarke ist ein Marconi-Denkmal.




1901 hatte Marconi hier eine große Sendeanlage aufgebaut und den ersten kabellosen Transatlantik-Funkkontakt nach St. John´s in Neufundland hergestellt. An der Empfangsanlage in NFL habe ich vor einiger Zeit auch gestanden. Beeindruckende Leistung!

Eine schöne, wilde Küste führt mich nach Porthmellin.













Weiter geht es über wunderschöne Wiesenwege nach Kynance Cove.
Irgendwo zwischendurch finde ich ein windstilleres Plätzchen und mache eine lange Pause in der Sonne.













Hier laufen sicher 20 Leute herum, ein riesen Rummel ;) , ziemlich alles Locals auf Tagesausflug
Auch auf dem Weg zum nächsten Highlight treffe ich immer mal wieder jemanden.
Ich nähere mich Lizard Point, dem südlichsten Punkt der Insel.







Im fast südlichsten Cafe mache ich noch eine Pause mit einem Pott Tea.
Das südlichste Cafe, ein paar Meter weiter unten, ist total überrannt (für Frühlingsverhältnisse) und sieht mir weniger einladend aus.




Nun geht es vorbei am Lizard Lighthouse.







Bei tollem Wetter folge ich einem wunderschönen Weg mit herrlichen Blumen nach Church Cove.
Eins von denen, Church Coves gibt es hier einige.
Leute treffe ich hier keine mehr. Bis auf einen.
Er hat mit seiner Schubkarre viele große "Maulwurfshügel" aus Schotter auf dem Weg verteilt.
Zur Befestigung und Matschprävention.
Er sagt, ich dürfe auf die Hügel drauftreten.
Wir beide haben dann viel Spaß, als ich mit beiden Füßen von einem zum anderen springe. :grins:
Er muss sie mit seiner Schaufel sowieso platt machen verteilen.
Die Beschilderung des Weges bleibt lückenhaft. Das konnten sie in Somerset und North Devon besser als in Cornwall. Aber die Beschaffenheit der Wege ist in Cornwall um einiges besser. Auch heute finde ich an oft matschigen Stellen große Steine als Brücke.







In Church Cove.




Die Schatten werden länger. Ich mache mich langsam auf die Suche nach einem Zeltplatz.
Von Church Cove steige ich einen Hügel hoch und finde eine herrliche Wiese an einem großen Navigationszeichen.
Ich gehe noch ein Stück weiter, doch das nächste Tal, in dem ein Bach fließt, ist steil und gestrüppig. An den Bach komme ich gar nicht heran, von Brombeeren überwuchert.

Ich gehe die paar 100 m wieder hoch und zurück und stelle mein Zelt an dieser perfekt markierten Stelle auf.




Mit meiner 1/2 L Flasche und dem Wassersack steige ich zum letzten Rinnsal ab. Die Flasche kann ich gut in eine Mulde drücken und langsam füllen, dann in den Wassersack umfüllen ... bis ich meinen 3L Vorrat für Abend und Morgen zusammen habe.
Vor dem Zelt mache ich es mir gemütlich, es ist einigermaßen windgeschützt. Ich koche mir einen Topf Tee und lade die einzige Zecke, die mich heute besucht, wieder aus.
 
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lommi

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Moin Sylvia,

es ist wie immer toll und ein großes Vergnügen, mit Dir auf Reisen zu gehen! Danke für die vielen Eindrücke! (y)

Kennst Du dieses Buch:
Habe ich heute zufälligerweise von einer Fotografin (in ihrem Newsletter) als Lesetipp erhalten.

Liebe Grüße und pass auf Dich auf,
Sabine
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Moin, Sabine!

Schön, dass du dabei bist!
Interessant, auf dieses Buch hat mich die letzten Tage schon einmal jemand hingewiesen. Scheint neu zu sein.
Mal sehen, vielleicht hat es unsere Dorfbücherei - wenn sie irgendwann wieder öffnet ...

Liebe Grüße und halt dir das kleine Mistviech vom Leib!
Sylvia
 
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assiliisoq

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Church Cove - Gillan Creek 12.4.2019

Der heutige Tag wartet mit ein paar Special Effects auf mich.
Um 9:15 laufe ich los. Es ist noch bedeckt, kalt und stramm windig.
Auch heute soll es nicht über 9°C werden.

Die Vegetation wird hier an der Südküste exotischer.

Mammutblatt/Gunnera




Devil`s Frying Pan, bei Südwind brutzelt die sicher ziemlich heftig. Für Kajaker in der Gegend bei ruhigem Wetter sicher ein toller Platz!




Das erste Dorf heute ist ein Zungenbrecher: Thatched Cadgwith.
Viele alte Steinhäuser sind sehr hübsch erhalten und mit Reet gedeckt (thatched).
Da ich aber gerade erst losgelaufen bin, nehme ich mir hier nicht die Zeit mich intensiver umzusehen.










Die Dartmoor Ponies tragen noch Wintermähne und genießen sichtbar die sich ab und zu durchkämpfende Sonne.




Black Head Lookout der Coast Guard




Die Ausschilderung des Weges ist manchmal recht lückenhaft. An Abzweigungen fehlen Hinweise (ich bin verwöhnt durch die perfekte Markierung im ersten Abschnitt des Weges). Ab und zu konsultiere ich meine Navi-App. Dagegen finde ich Pfeile geradeaus, wo es wirklich gar keine andere Möglichkeit gibt, als dem Pfad durch die blühenden Dornbüsche geradeaus zu folgen.
Ich laufe durch herrliche Ginster-, Heide-, Schlehen- und Blumenhänge. In Tälern versucht sich auch mal ein Baum gegen die Elemente zu behaupten.

Lost and found




In 4 Std. bin ich in Coverack. So lange hält mein Frühstücksmüsli meist ganz gut. In Coverack suche ich mir ein Restaurant, in dem ich heute mal drinnen sitzen kann. Es bläst draußen kräftig, und wenn die Sonne gerade keine Wolkenlücke findet, ist es echt frisch.













Was mir immer wieder auffällt ist, dass die Kindererziehung in England anders ist als in D. Zumindest was Restaurants und ähnliche Orte betrifft. In D sollen Kinder mit am Tisch sitzen und sich möglichst ruhig und unauffällig benehmen und essen. In England rennen sie in der Regel krakeelend und spielend zwischen den Tischen hindurch, stopfen sich zwischendurch ein paar Pommes mit Ketchup rein, von denen die Hälfte aber auf Tisch, Stuhl und Boden landet und alles verklebt. Viele Strandrestaurants haben für Kinder sogar Spielsachen in einer Kiste stehen oder Verkleidungsklamotten. Dort ist das natürlich normal und für alle ganz entspannt, mir ist das immer viel zu laut. Bei der Platzwahl muss man aufpassen, dass man sich nicht mit den Essensresten der letzten Gäste auf dem Stuhl oder an der Tischkante verklebt. Ob das in Städten auch so ist, weiß ich nicht, aber in den Küstenorten ist mir das immer wieder aufgefallen. Daher vermeide ich es gerne drinnen zu sitzen.

Ich versuche über die WLan-Verbindung für übermorgen in Falmouth eine Unterkunft zu bekommen. Das Backpackers ist ausgebucht. Ich erfahre später, dass es halb leer war. Scheint was mit der Buchungsseite nicht zu stimmen. Buchungsprobleme habe ich auch mit der 2. Wahl, dem Jacob´s Ladder Inn. (Alles andere ist ziemlich teuer für Einzelreisende.) Kurz vor Ende des Buchungsvorgangs werde ich immer rausgeschmissen. Ich sei nicht zugangsberechtigt ... ? Ich schreibe eine e-Mail an das Haus, bekomme aber keine Antwort. Es bleibt also interessant, wo ich in der Stadt unterkomme.
Für heute Abend ist allerdings wieder zelten geplant.
Nach einem leckeren Baguette mit Huhn, Pilzen, Käse und Salat und 2 Tassen Milchkaffee ziehe ich weiter.

Hinter Coverack laufe ich über endlose herrliche "Zeltwiesen", jedoch ohne verlässlichen Wasserlauf. Es ist auch noch viel zu früh.
Nach Durchwanderung eines Steinbruches und Umwanderung eines weiteren erreiche ich Porthallow. Das Dorf bietet nicht viel, ist aber dennoch ein Highlight. Hier steht der MIDWAY marker des SWCP! Die Hälfte der 1014 km von Minehead nach Poole habe ich hier und heute geschafft!




Bald beginne ich Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz zu halten. Nach 3 km sollte ein Bach kommen. Kurz vorher sehe ich ein paar geeignete Wiesenplätze auf Meereshöhe, sogar ganz gut windgeschützt. Aber an den folgenden Bach komme ich nicht heran :( Er fließt in einem tiefen "Canyon" unter einer kleinen Brücke durch. Alles oberhalb und unterhalb ist massiv eingezäunt - Privat!

Der nächste eingezeichnete Bach ist erst in Gillan. Doch kurz vor Gillan ist wieder eine Umleitung ausgeschildert. Weg von dem Bach und weit oberhalb vorbei, eine Querung ohne Zugangsmöglichkeit und dann am oberen Rand des tiefen Bacheinschnittes wieder Richtung Küste. Hier endlich, wo Weg und Bach auf den Strand münden, kann ich das Bachwasser erreichen. Und fülle gleich meine 3 L Küchenvorrat auf.
Hier im Dorf kann ich natürlich nicht zelten, laufe also weiter in Richtung des Gillan Creek, den ich mangels Brücke und Bootsverbindung (fährt nur im Sommer) bei NW furten muss. Das ist für morgen früh geplant. Ob ich an seinem Ufer irgendwo zelten kann?
Über Pfade geht es am Dorf vorbei. Ich erreiche die saisonale Fährstelle, ein kleines Stückchen Wiese - hier könnte ich zur Not zelten. Aber beim Blick auf den Fluss sehe ich die Stepping Stones noch gerade so aus dem Wasser schauen. Solange die sichtbar sind, soll eine Furt möglich sein.
Drüben gibt es auch etwas Wiese. Kurze Lageeinschätzung. Go!
Schuhe, Socken und Hose aus und rein ins kalte Wasser.
Die Steine sind von Algen überwachsen und sehr glitschig. Nebenher geht es bedeutend besser. Der Boden ist sandig, schlickig und mit einigen dicken Steinen übersät, ich muss ein bisschen aufpassen. In der Mitte des Flusses liegt eine breite Sandbank, eher Schlickbank mit Algen, Muscheln und Steinen. Da steige ich durch. Dann wieder ins Wasser. Es reicht mir bis an die Knie, die Strömung ist nicht stark, alles harmlos. Problemlos erreiche ich den Sandstrand am anderen Ufer.
Der kalte Wind pfeift das Flusstal hoch. Ich finde schnell einen nicht zu sandigen, mit Gras bewachsenen Platz, in dem meine Heringe hoffentlich dem Gebläse standhalten.
Noch barfuß in :hahaha: Unterhose, niemand hier weit und breit, baue ich schnell das Zelt auf, Eingang nach Lee flussaufwärts, hechte dann hinein, trockne mich ab und ziehe mich warm an.
Das Wasser steigt schnell. Eine halbe Stunde später wäre ich nicht mehr durch den Fluss gekommen. Glück gehabt.
Das hätte ich dann auch schon mal und brauche morgen nicht auf NW warten und mir nasse Füße holen. Furten kostet immer einiges an Zeit.

Gillan Creek Furt kurz nachdem ich durchgelaufen bin.




Gillan Creek fast bei HW (Bild am nächsten Morgen gemacht)




Zeltplatz am Gillan Creek




Ich koche einen Liter Tee und spanne das flatternde Zelt noch einmal nach.
Das leichte Ziehen im Unterschenkel ist weg, seit ich heute irgendwo einmal nur ganz leicht umgeknickt bin. Ist das nicht sonst eher andersrum?
Unter den Fersen brennt es etwas nach 8 Std. laufen. Die Trailrunner sind schon ziemlich durch, sie haben schon 900 km Pyrenäen hinter sich. Die Dämpfung ist im Eimer und das Profil stellenweise ziemlich flach geworden. Für diese Tour sind sie aber noch gut um aufgetragen zu werden
 
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assiliisoq

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Gillan Creek - Falmouth 13.4.2019


Die ganze Nacht hat es ziemlich geblasen. Auch heute Morgen ist es noch sehr windig.
Um 9 bin ich unterwegs.

Gleich hinter meinem Zeltplatz stehen ein paar verwaiste, hübsche Wagen herum, die langsam einwachsen und verfallen.




Kurz danach laufe ich durch St. Anthony an der Gillan Creek Mündung. Nichts los hier heute Morgen.




Die Strecke nach Helford ist wunderschön!
Es geht immer wieder durch Wald, es wird sehr grün.







Viel Bärlauch wächst hier im Wald. Ich pflücke einige Blätter und treffe dabei einen Local. Ich frage ihn, wie das auf English heißt. "Wild garlic", sagt mir seine Frau, die hinter ihm auftaucht. Und fragt mich, was ich damit mache. "Essen", antworte ich ihr. Und beide staunen, dass man dieses Unkraut essen kann. Ich erkläre ihnen noch, dass ich das einfach so, roh, schon gerne mag, dass man es aber auch in Salat, auf Brot, in Quark etc. essen oder z.B. zu Pesto verarbeiten kann. Davon haben sie noch nie gehört. Das mache man in England nicht. Ich gebe ihnen ein Blatt, beiße selbst in eines rein, sie zögert eine Weile, probiert es dann aber. Und meint, das schmecke ja wirklich richtig gut!
Ich habe mich schon gewundert, dass hier die dichten Bärlauch-Bestände völlig unangetastet wachsen. Damit ist es jetzt wohl vorbei. ;)




In manchen Beschreibungen liest man, dass dieser Küstenabschnitt nicht so schön sei, weil es so viel durch Wald gehe und man oft das Meer gar nicht sehe. Ich genieße aber gerade diese Strecke sehr, weil sie etwas Abwechslung in die vielen Cliff Top Wege bringt. Und weil es hier etwas windgeschützt ist. Und weil ich Wälder einfach liebe.

So komme ich irgendwann nach Helford.
Das Holy Mackerel Cafe in einer säkularisierten Kirche ist noch geschlossen. So muss ich leider darauf verzichten, die Heilige Makrele anzubeten oder sie mit 5000 anderen zu teilen.




Es ist kurz vor Ostern. Easter Egg Rolling gehört in England unbedingt dazu.










Der Tante-Emma-Laden heißt hier Village Store und ist noch ein lebendiger Bestandteil vieler kleiner Dörfer.




Kurz danach erreiche ich den Fähranleger nach Helford Passage auf der gegenüberliegenden Seite des Helford River.
Wenn man außerhalb der Saison unterwegs ist, muss man gerade bei diesen Fährpassagen vorher genau schauen, ob das Boot zu der Zeit fährt. Dieses soll schon fahren. Am Anleger ist eine Tafel, die man aufklappt und damit dem Fährmann signalisiert, dass man gerne rüber möchte. Am Anleger steht schon ein Engländer mit seiner Tocher, die eine Woche Urlaub in Helford verbringen und heute einen Tagesausflug machen wollen. Sie haben die Signaltafel schon aufgeklappt. Wir warten eine Weile zusammen. Dann erwähnt er, dass er schon vor mir eine halbe Stunde gewartet hätte. Oh.
Er beschließt, den Fährmann unter der angeschlagenen Nummer anzurufen.
Fährmann: Wegen des Sturmes fährt er heute nicht. Ohhh. :oops:
Das ist hier hübsch, aber ein völlig ungünstiger Ort um festzustecken! Extrem ab vom Schuss.
Der Engländer fragt, wo ich denn hin will. Ich erzähle ihm vom SWCP und dass ich am anderen Ufer weiter nach Falmouth laufen will.
Er berät sich kurz mit seiner Tochter und die beiden beschließen, trotzdem ihre geplante Tour von Helford Passage zu machen und mich mit rüber zu nehmen, sie würden dann eben mit dem Auto rüber fahren. Das sei aber ein kleiner Umweg.
Ich bin ihnen natürlich unendlich dankbar!!! Hier aus Helford wäre ich mit Öffis so gut wie nicht weggekommen. Und der Wetterbericht sagt für die kommenden Tage nicht weniger Wind an.
Wir steigen rund 15 Min. einen steilen Berg hinauf, bis wir zu ihrem Feriencottage gelangen, wo ihr Auto geparkt ist.
Tatsächlich sind wir um den ganzen Helford River bis zur nächsten Brücke und zurück bis Helford Passage über all die winzigen, von Hecken gesäumten Single Track Roads eine gute 3/4 Stunde lang unterwegs! Die Landschaft ist sehr hübsch, so sehe ich noch etwas vom Inland ...
Ich bedanke mich bei ihnen hunderttausendmal. Ich bin sicher, wenn sie nicht beschlossen hätten, mich mit hierher zu nehmen, wären sie heute alleine sicher nicht um den ganzen Fluss herum gefahren, sondern hätten sich eine andere Tour ausgesucht. Für mich waren sie die Rettung! Trail Magic! :bussi:

So erreiche ich heute gegen 12 doch noch Helford Passage.







Mittlerweile scheint auch die Sonne, es ist aber durch den heftigen Wind immer noch ziemlich kalt.

Ich steige am Bosloe House mit seinem Park vorbei über Wiesen aufwärts.







Der Weg ist wunderschön! Mit Primeln und anderen Blumen übersäte Wiesen, blühende Wäldchen, am Wegesrand Scharbockskraut, Zwiebeln, Bärlauch, Bluebells, Narzissen, viele Gänseblümchen, in Gärten exotische Pflanzen, der Riesen-Rhabarber, der kein Rhabarber ist (Mammutblatt/Gunnera), ...













Wo der Weg durch hohe Schwarzdorn-Hecken oder andere dichte Büsche geschützt ist, kann ich gut wandern.
Auf freien Flächen habe ich Mühe, nicht vom Pfad gepustet zu werden.
Ich finde eine geschützte Stelle, wo ich mich ein wenig in die Sonne lege.
Einen Kakao mit Marshmellos und so einem Schokoröllchen gönne ich mir noch in Maenporth.
Dann mache ich mich zügig wieder auf den Weg, denn die Übernachtungsfrage in Falmouth ist ja noch offen.
Es gibt noch einiges Auf und Ab, aber keine heftigen Anstiege.

Gegen 4 erreiche ich Falmouth.
Ich laufe die lange, für mich langweilige Promenade entlang, dann vor Pendennis Castle an der Landenge auf die Hafenseite hinüber, am Hafen entlang und durch die Fußgänger-Einkaufsstraße, wo einiges los ist. Ganz am Ende finde ich links die Jacob´s Ladder.




Am oberen Ende steht das Jacob´s Ladder Inn. Auf den ersten Blick sieht es geschlossen aus. :oops:
Ist aber trotz der dicken Vorhänge und der geschlossenen Türe offen. Ein paar Locals sitzen an der Bar. Der Barkeeper ist etwas überfordert mit meiner Frage nach einem Bett im Dorm. Seinen Chef erreicht er auch nicht. Schließlich soll ich ihm meinen Namen und meine Telefonnummer auf einen Zettel schreiben, den er irgendwo findet. Das war das Einchecken. Er zeigt mir Zimmer, Bad und Küche. Sehr einfach und improvisiert alles, aber für eine Nacht ok. Ich bin froh, dass ich hier überhaupt ein Bett bekomme.




Im 4er-Dorm sind 2 Etagenbetten, ich werde alleine hier bleiben, bei der perfekten Werbung kein Wunder. :ignore:

Im Bad ist das große Fenster offen, das man zum Öffnen, wie in GB üblich nach unten schiebt und nicht wie eine Türe in den Angeln öffnet oder kippt. Ich schließe das erstmal und stelle die Heizung an, es ist saukalt und windig.
Auch im Zimmer stelle ich gleich die Heizung auf volle Leistung.
Das Wasser in der Badewannendusche ohne Vorhang ist immerhin richtig schön heiß!
Besonders sauber ist es nicht, das Fenster rutscht immer wieder auf, es gibt auch keine Haken, um Handtuch oder Kleidung aufzuhängen, der Duschkopf hält nicht in seiner Halterung - egal, heiß! Und nach einigen Tagen fühlt es sich gut an, mal wieder gewaschen zu sein.

Der Wetterbericht hat für morgen von bewölkt auf Sturm und Starkregen korrigiert.
Ich überlege, evtl. einen Tag hier in Falmouth zu bleiben und abzuwettern.
Beine ausruhen, einkaufen, ein wenig umsehen.
Einen Puffertag habe ich eingeplant, den könnte ich hier gut gebrauchen.
Unten im Pub esse ich eine Pizza mit Spinat, Schafskäse und karamellisierten Zwiebeln - richtig lecker!
Dazu ein local Ale.
Währenddessen baut eine Band auf. Es ist kaum auszumachen, wer Bedienung, Bandmitglied und Gast ist. Alle zusammen sind ein eingespieltes Team. Die Männer tragen fast alle einen wilden Bart. Bevor die Band loslegt, bin ich aber schon in meinem Zimmer, das gleich über der Bar liegt. Die Elektronik kommt in die Steckdose.
Es ist erst 20:30, ich bin total müde und werde sicher gleich einschlafen.
 
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shovelhead

Sehr aktives Mitglied
Beitrag #7, Bild #8: achtet auf die Wellen - es überlagern sich zwei um 90° versetzte Systeme. Das ist ebenso selten wie (oft) tödlich, weil es oft richtungslose und kreisend Strömungen in solchen Bedingungen gibt, die viel schneller laufen, als man so annimmt. Wenn ihr solche Wellensysteme seht, überlegt lange, ob ihr unbedingt heute schwimmen oder surfen müsst. Es kostet ein Vermögen an Blumen ....

Enys Dodman Arch in #12 ist ein bekannter Hot-Spot für Seekajaker - wer hier tobt ist kein Anfänger mehr
 
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assiliisoq

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Falmouth 14.4.2019


Das Frühstück im Inn war so ok, ein "Full English" habe ich schon reichhaltiger und besser bekommen. Ich bin satt geworden.

Im Tesco unten an der Jakobsleiter kaufe ich ein wenig Nachschub ein, Banken mit Geldautomaten und auch die Touri-Office befinden sich hier. Die Lage ist schon sehr gut!
In der Touri-Info erfahre ich nun aber, dass heute keine Fähre fahren wird. Und morgen auch nicht. :oops: Wegen des Sturmes.
Stattdessen könne ich mit einem Bus über Truro nach Porthscatho fahren, was auf der Hälfte der nächsten Etappe liegt. Oder noch einen Tag länger bleiben und dann die Fähre (hoffentlich) nehmen.
Dann würde mir aber ein Tag bis Plymouth fehlen, mein Zielort und Absprungpunkt für die Rückreise. Ob ich den wieder rauslaufen könnte? Außerdem soll das Wetter morgen noch mieser werden als heute.
Erstmal steige ich die Leiter wieder rauf und organisiere, dass ich noch eine weitere Nacht hier im Inn bleibe.

Dann bummel ich ein wenig lustlos durch Falmouth auf und ab.
Falmouth ist weder hübsch noch hässlich. Man könnte einiges ansehen, Maritimes Museum, Castle (WW I), ..., aber ich bin ziemlich unmotiviert.

Blick aus meinem Dorm-Fenster.




Einkaufsstraße in Falmouth



Die Leute hier sind echt abgehärtet. Es bläst ziemlich und ist gerade mal 10°C. Aber meist trocken.
Das Mountain Warehouse bietet CV- und Schraub-Gaskartuschen an. Falls das mal jemandem hilft.

Darwin was here!




Nicht die Beagle




Fischkonserve




Ich gehe zurück ins Inn und versuche mein Weiterkommen zu organisieren.
So recht kann ich mich nicht entscheiden und notiere mir sämtliche Optionen und Zeiten, will aber die Entwicklung des Wetterberichtes abwarten und morgen früh entscheiden.

Im Zimmer ist es lausig kalt, die Heizung wird kaum lauwarm und der Wind pfeift durch die schlecht schließenden, einfachverglasten Fenster. Das Fenster im Bad rutscht mit jedem Windstoß wieder runter und steht halb offen.

Dann lese ich noch etwas, im Bett unter der Decke liegend.
Je länger ich hier bin, desto ungemütlicher und pekiger finde ich es und werde immer sicherer, dass ich hier morgen auf jeden Fall raus will.

Abends setze ich mich wieder unten in den Pub und bestelle ein Bier.
Die Leute hier sind wirklich alle ganz lieb, aber es ist eben doch eher eine Eckkneipe als ein Beherbergungsbetrieb. Sie scheinen auch nicht so recht zu wissen, was sie mit mir anfangen sollen.
Ich möchte noch einmal so eine leckere Pizza bestellen.
Gibt es heute aber nicht. Heute gibt es nur Sunday Roast.
Ich bin sonst kein Fleischverächter, aber was ein paar Leute auf ihrem Teller haben, sieht für mich nicht so appetitanregend aus.
Der Barkeeper bietet mir an, dass ich stattdessen eine Portion fried potatoes haben könne.
Da ich schon ein großes Bier auf dem Tisch habe, will ich jetzt nicht das Lokal wechseln und bestelle die Bratkartoffeln.
Das war dann aber tatsächlich nur ein Teller mit angebratenen (teilweise auch angebrannten), vertrockneten Pellkartoffeln ohne alles. :(
Ich beschließe, dass dies einfach nicht mein Tag ist und beende ihn recht bald.
 
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assiliisoq

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Falmouth - YH Boswinger 15.4.2019


Noch vor dem Frühstück entscheide ich mich auf jeden Fall weiterzulaufen. In der Jugendherberge in Boswinger kann ich für heute Abend ein Bett organisieren. Das sind, wenn ich mit dem Bus über Truro nach Portloe fahre, noch 8-10 km zu laufen. Das sollte bei jedem Wetter machbar sein, vor allem, wenn man abends wieder im Trocknen sitzt und seinen Krempel auswringen kann.
Angesagt sind Sturm und Regen.
Damit liege ich dann 1/2 Tag hinter meinem Zeitplan, das wir schon klappen.

Beim Frühstück stehen auf allen Tischen rundherum die Stühle obendrauf, Putzeimer dazwischen, gefegt ist noch nicht, es ist noch "nach der Party".
Das Frühstück bekomme ich nur halb runter. Es ist alles geschmacklos, vertrocknet, Besteck und Glas sind nicht sauber, im Glas ist eine Ecke abgesprungen. Am Milchkännchen hängt ein dickes Haar, und als ich das entferne, hängt daran hinter dem Kännchen noch eine ganze Wollmaus. Brrr! Ich bin wirklich nicht pingelig, aber das kratzt doch an meiner Toleranzgrenze.
Und bestärkt meine Entscheidung: Ich will hier raus!
So ein bisschen Regen und Sturm können doch auch ganz erfrischend sein.

Ich habe noch eine Stunde, bis mein Bus geht.
Irgendwie habe ich Probleme mit meinem Handy oder mit irgendwas.
Bei der Fluggesellschaft kann ich mich nicht einloggen, um meinen Rückflug zu bestätigen. Auf Buchungsseiten komme ich oft nicht rein, ...
Hm. Habe ich irgendeine Einstellung versehentlich geändert? Oder hat ein Update irgendwas umgeschaltet?
Ich schreibe meiner Freundin in D eine Nachricht, dass sie mich evtl. mit meinen Daten von ihrem PC aus für den Flug eincheckt, falls ich das Problem nicht lösen kann.

Raus aus der kalten Bude!




Die Bushaltestelle liegt ebenfalls gleich am Fuße der Jakobsleiter. Die Lage des Inns ist schon 1a, das muss man ihm lassen.
Ich fahre windgeschützt, warm und trocken nach Truro, muss dort eine 1/2 Std. warten und steige in einen kleinen Bus nach Portloe ein, der jedes Dörflein am Wegesrand besucht, oft mit Sackgassen, wo er wenden und wieder rausmanövrieren muss. Auf der 2. Hälfte der Strecke bin ich der einzige Fahrgast. Der Fahrer fragt, wo ich denn gerne raus möchte. Wir wissen beide nicht, wo der SWCP durch den Ort läuft, und so sage ich ihm, dass er mich am tiefsten Punkt der steilen Straße in die Hafensiedlung rauswerfen kann. Manchmal passt der Bus nur um cm zwischen den Häusern durch, da braucht es schon einiges Geschick, nichts zu touchieren.
Die Busse kosten mich jeweils 6 GBP, dennoch ganz schön teuer, wenn man bedenkt, dass ich z.T. für 20 GBP mit dem Reisebus von London bis hierher gefahren bin.

Portloe







Ich muss doch ein Stück die Straße wieder hinaufsteigen, aber das macht nichts.
13:00 Puh, bin ich froh, dass mir der frische, kalte Wind um die Nase pfeift! On the trail again! Yeah!
Heute macht es mir richtig Spaß, mit dem Wind zu kämpfen.
Es fällt weniger Regen als angesagt, die Wege sind überwiegend noch nicht matschig, es geht viel rauf und runter, was aber kaum auffällt, da der Wind die eigentliche Herausforderung darstellt. Es ist oft nicht leicht, in der Spur zu bleiben. Gut, dass ich noch einen Liter Saft und eine halbe Tüte Milch vom Vortag im Rucksack habe, sonst würde ich wohl wegfliegen. Oft muss ich mich schnell mit den Stöcken seitlich abstützen, um nicht umgeweht zu werden.
Ab Portholland setzt dann auch waagerechter Regen ein, was ich erst gar nicht realisiere, denn Gischt und aufwärtsfliegende Wasserfälle bespritzen mich schon die ganze Zeit. Materialtest für die Gore-Hüllen.
Jacke: braucht neue Imprägnierung, sonst dicht. Nur an den Ärmelbündchen zieht das Wasser innen hoch und meine Fleecejacke bekommt nasse Bündchen.
Hose: Prima!
Sealskinz-Socken: Mist. Kaum setzt richtiger Regen ein, bekomme ich in den Dingern nasse Füße. Sie halten zwar weiterhin warm, aber trocken nur für ganz kurze Zeit. Taucht nix.

In Portholland-East gibt es ein kleines Cafe. Ob es geöffnet ist, prüfe ich nicht. An der Hafenmauer schlägt die Gischt so heftig über die Straße, dass ich eine Weile warte, um den richtigen Moment abzupassen um an die andere Seite zu rennen. Das hätte mich sonst glatt umgehauen. Große Schaumberge türmen sich auf der Wiese und vor den Häusern. Ich bin froh, als ich drüben einen kleinen Hügel erreiche und einen Weg, der von dichten Schlehen gesäumt etwas Schutz bietet.

Trotzdem macht mir die Sache schon Spaß!

Beim Caerhays Castle soll ein Beach Cafe sein, in dem ich die Zeit bis zur Öffnung des YH (erst um 5pm) mit Teetrinken verbringen will. Dummerweise ist das Cafe geschlossen.

Und weiter, rauf runter rauf runter über viele Wiesen. Mit vielen Schafen. Endlich Schafe! Die habe ich schon ziemlich vermisst!
Und ganz viele Fasane! Überall zwischen den Schafen.
Rauf runter rauf runter.
Abzweigung zum YH verpasst. Mist.
Zurück. Wieder nicht gefunden.
? Per Navi die genaue Stelle gesucht. Ein paar Spuren, die im Brombeerdickicht enden. Nee, nicht mit mir!
Einfach bis ganz unten an den Strand und dann die lange Straße wieder rauf finde ich aber blöd.
Ich entdecke irgendwo Spuren in die richtige Richtung, folge ihnen neugierig, mit nicht allzu viel Dornenkontakt und zwischen ein paar Bäumen durch erreiche ich eine Wiese, von der der in meiner Karte eingetragene Fahrweg Richtung Hostel verläuft. Am Ende erreiche ich ein Gatter, auf dem straßenseitig ein Schild hängt: Keep out! Privat! Zu spät.
Nach ein paar Metern stehe ich vor der Jugendherberge.

Sieht dunkel aus, ist auch erst 4pm. Ich trödel die Straße hinauf, weil dort in meiner Karte ein CP mit Cafe eingezeichnet ist. Das entpuppt sich jedoch als ein Bungalow-Park, das Cafe ist zu.
Sonst gibt es hier im Ort nichts. Ich trödel wieder zurück.

Die Türe ist jetzt tatsächlich schon offen, und die Rezeption ist besetzt.
Vor mir eine "Dame" mit Rollköfferchen, die offensichtlich noch nie in einer JH übernachtet hat. Sie will alles ganz genau wissen, Zimmer und Bad gezeigt bekommen, vom Frühstück dies nicht und das anders, ...
Es dauert ewig. Aber ich hab ja Zeit.
Als die "Dame" fertig ist, meint sie zu mir, ich sei ja ganz nass. "Ja", sage ich, "es regnet."
:nixweiss:
Die Frau an der Rezeption muss sich mit Mühe das Lachen verkneifen.

Bald legt der Regen jedoch tatsächlich Pausen ein und ein paar erste Sonnenstrahlen finden ihren Weg hierher.




Die Zimmer sind top ausgestattet und sauber, das Bad ist super und ich nehme erst einmal eine lange, heiße Dusche.
Hier wird sogar Abendessen serviert, meat oder veggie. Ich nehme Veggie balls auf Pasta mit leckerer Tomatensoße, dazu gibt es bunten Salat und als Nachspeise jam sponge, fluffiger Kuchen mit Marmeladenfüllung und heißer Vanillesoße. Wow! Super!
Ein anderer Gast erzählt, dass das Backpackers in Falmouth die letzten beiden Tage fast leer gewesen sei! Auf der Buchungsseite war es ausgebucht! Das wäre sicher viel besser gewesen als das JL Inn! Egal. Vorbei.

Ist irgendwie doch noch ein prima Tag geworden heute. Nur Bilder gibt es wegen des Wetters fast keine.
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
YH Boswinger - Black Head 16.4.2019


Sonne! (zumindest etwas)
Kein Wind! (zumindest wenig)

Zum Frühstück habe ich die Wahl zwischen Full English oder Buffet und wähle zweiteres.
Croissants, Schokocroissants, versch. Brötchen, Toastmaschine, Nutella, Wurst, Käse, Marmeladen, ... Joghurt. Klasse! Und das in der Nebensaison für die wenigen Gäste, die hier sind.

Um 9:15 bin ich unterwegs. Erst geht es steil eine Straße zum Strand hinunter, wo ein einsames Auto auf einem Parkplatz steht.

Cabrio-Wetter




Von diesem "Tiefpunkt" muss ich dann gleich als Kaltstart auf den Dodman Point aufsteigen - mit 114 m der höchste Punkt der Südcornischen Küste. Ohne Treppen und künstlichen Sauerstoff laufe ich recht entspannt die noch nassen Wiesen hinauf.

Blick zurück. Ganz oben rechts auf dem Hügel liegt die YH Boswinger.







Gipfelkreuz, 1896 als Navigationsmarke errichtet




Hier ziehe ich Gore-Jacke (gegen morgendliche Kühle) und Leggins aus und weiter geht´s in kurzen Hosen und Fleece-Jacke.

Dodman Ponies




Dodman Cow




Dodman Sheep




Dodman Fasane

---

Völlig entspannt geht es am Hang entlang langsam wieder hinunter.




Ich nasche von den noch regennassen Zwiebelblättern.




Gorran Haven ist ganz nett, wie viele Orte hier auch hin und wieder Filmkulisse.
Engländer liegen bei jedem Wetter am Strand.










Ich halte mich aber nicht lange auf und steige gleich drüben den nächsten Hügel wieder hoch.
Heute macht mir das alles nichts aus, ich bin im "flow", genieße das gute Wetter, habe kein bestimmtes Ziel.

Ich setze mich zu ein paar Lämmern auf die Wiese. Eines der Lämmchen wagt sich langsam, vorsichtig, aber neugierig zu mir heran. Gerade, als wir uns beginnen anzufreunden, kommt leider ein Paar mit Hund den Pfad entlang und das Lämmchen springt weg. Es kommt dann auch nicht mehr wieder. Schade.




Was für ein Platz für ein Haus!







The Rising Sun Inn in Portmellon ist ein Pub aus dem 17. Jh.
Ich versuche mir vorzustellen, wie das Leben hier zu dieser Zeit aussah ...




... oh, schon wieder zu lang ...
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Gegen Mittag erreiche ich den hübschen Hafen von Mevagissey.




Das She Sells lacht mich an. Ob´s hier einen guten Mittagsimbiss gibt?




Es ist "nur" eine Eisdiele/Creperie. Draußen kann man nur auf ein paar Bänken am Hafen sitzen, die jedoch schon besetzt sind. Drinnen gefällt es mir nicht so gut. Ich laufe weiter bis zum Hafenende und setze mich dort auf die Mauer, trinke den letzten Birnensaft aus Falmouth und esse eine übrige halbe Tüte Cashews.










Ich mag solche Häfen. Ein ständiges Kommen und Gehen von Booten, da könnte ich den ganzen Tag zuschauen.

Und weiter geht es auf und ab und auf und ab.










Ich muss entweder vor Porthpean mit seinem Golfplatz zelten oder durch das gesamte dichter besiedelte Gebiet bis hinter Polmear laufen. Da ich mir Charlestown und seinen Hafen darin aber genauer ansehen möchte, ohne den Zeit-/Zeltdruck, will ich vorher mein Lager aufschlagen. Ich habe mir schon eine Wiese auf einer Landzunge hoch über dem Meer ausgeguckt (auf der Karte). Vorher müssten noch 3 Bäche kommen, an denen ich hoffe Wasser auffüllen zu können.
Der erste Bach verbirgt sich in einer tiefen Rinne unter hohem Dornengestrüpp.
Der zweite Bach, ein Tal weiter, ist trocken.
Der dritte Bach, in einem herrlichen Wäldchen, ist perfekt! Eine Brücke führt hinüber, von der aus ich gut an das Wasser heranreichen kann. Wo auch immer ich einen Platz finden werde, Wasser habe ich schon mal.
100 Stufen auf den Berg hoch. Hier treffe ich auf einen Gedenkstein für A. L. Rowse, einen berühmten cornischen Historiker, Schriftsteller und Dichter. Sein Grab liegt im nahen Charlestown.

Voice of Cornwall - This was the land of my content




Auf der Kuppe unterhalte ich mich mit einem Paar aus der Gegend.
Dann untersuche ich die sehr einladend aussehende Wiese.
Gegen evtl. wieder auffrischenden Wind finde ich einen Wall aus Schlehdorn.
Der Rest der Wiese scheint vor nicht allzu lange Zeit ebenfalls Schlehdorngebüsch gewesen zu sein. Die Wiese ist durchsetzt mit abgesägten Buschstämmchen und liegengelassenen Dornenästen. Ich suche also eine Stelle, wo mein Zelt zwischen die Stümpfe passt und räume diese von Ästen und Zweigen frei. Gar nicht so einfach. Ein paarmal untersuche ich dann tastend die Wiese, denn ich will natürlich nicht, dass sich eine dieser langen Schlehendornen durch den Zeltboden und in die Luftmatratze bohrt. Drei Tropfen Regen fallen zwischendurch aus einer Wolke, aber mehr nicht. Ein Jogger kommt vorbei und winkt.
Schließlich hoffe ich gründlich genug aufgeräumt zu haben und baue meine mobile Burg auf.




Es ist erst 16:30, als ich einziehe. Ich beginne mit meiner Teezeremonie und mache mir einen gemütlichen Nachmittag.
 
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Captn Marc

Nikon-Clubmitglied
Moin Sylvia,

schade, dass die geplante Reise nicht stattfindet, schön, dass Du zwangsweise Zeit für Reiseberichte bekommen hast.
Schöner, interessanter Bericht und herrliche Fotos.
Die Ecke von England habe ich schon ein paarmal mit dem Schiff umrundet und irgendwann steht sie sicher auch auf dem Reiseplan, wenn auch mit anderer Fortbewegung

Lieben Gruß
Marc
 
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Kay

NF-F Platin Mitglied
... Schöner, interessanter Bericht und herrliche Fotos.
.... und irgendwann steht sie sicher auch auf dem Reiseplan, wenn auch mit anderer Fortbewegung
Da schließe ich mich an. Die Ecke muss wunderschön sein und steht schon lange auf meinem (touristischen) Speiseplan.

Jetzt tut es gut, Dir, Sylvia auf Deiner Reise " hinterherzuträumen " ! (y):6874:
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Seid ihr alle fit?
Dann kann´s ja weitergehen!

Black Head - Fowey 17.4.2019


Mitten in der Nacht werde ich wach, muss mal kurz raus.
Iiieh! Alles total nass!
Nicht nur die Wiese, auch mein Zelt und alles, was drin ist, Schlafsack obendrauf, alles!
Eine dicke, sehr nasse Nebelwolke wabert um meinen Hügel herum und durch mein Zelt hindurch, das ich häufig offen lasse, wenn es nicht zu windig oder regnerisch ist. Nur das Fliegennetz ist zu, von dem laufen die Tropfen hinunter.

Vorsichtig schlüpfe ich wieder in den Schlafsack, um bloß die Tropfen obendrauf nicht einzuwalken.

Morgens stelle ich fest, dass da so viele Tropfen runtergelaufen sind, dass sich in einer Ecke am Eingang sogar eine kleine Pfütze gebildet hat, in der meine Müslitüte schwimmt (glücklicherweise wasserdicht) und meine Stirnlampe (auch ohne Schaden davongekommen).
Es ist nicht mehr neblig, aber noch vollständig bedeckt. Ein kalter Wind weht über den Hügel.
Der Wetterbericht hatte einen super sonnigen Tag versprochen ...
Ich drehe mich nochmal um und wärme den Schlafsack noch ein wenig von innen.

Erst um 9:40 komme ich daher los. Kurz darauf treffe ich einen Einheimischen, der mir erzählt, dass er auch viel wandert: Lykischer Weg, Tramuntana, GR20, Fishermen´s Trail - einiges kennen wir beide. Und die HRP, die ich im letzten Jahr gelaufen bin, hat er bald vor zu gehen. Wir quasseln also eine ganze Weile. Zum Abschied gibt er mir noch ein paar Tipps, wo ich im Verlauf des Weges schöne Plätze zum Wildzelten finden würde.

Auf meinem ersten Abschnitt heute nach Charlestown treffe ich diese freundliche Schaffamilie.







Auf und ab und auf und ab und die Sonne kommt jetzt tatsächlich raus!




Bald erreiche ich Charlestown Harbour.
Ein sehr hübscher Hafenort mit alten Schiffen und Gebäuden, der im Sommer bestimmt stark überlaufen ist.
Ich genieße das jetzt tolle Wetter und schaue mich ein wenig um.






















Nun wird das Wandern weniger anstrengend. Um einen Hügel herum führt der Weg nach Carlyn, an einem Pitch&Putt-Platz vorbei, dann nach Par. Par ist eher hässlich. Ein enger Weg zwischen Bauzäunen führt an einer Bahnlinie entlang, ziemlich vermüllt. An der Hauptstraße geht es am Clay-Werk vorbei. An der Kreuzung an der Brücke steht ein Inn und ein Groceries. Ich gehe nicht hinein, will Par schnell hinter mir lassen. Ein Stückchen Straße noch, dann in ein Waldstückchen, das hinunter zum Strand führt. Hier verlaufen jede Menge Wege, aber keine Hinweisschilder zum SWCP, wenn dann an sinnlosen Stellen und ich bin überrascht, dass es sie überhaupt noch gibt. Die grobe Richtung ist aber schon klar.

Es geht zwischen Strand und Dünen entlang, ich finde es nicht sooo schön, dann auf einen Hügel rauf und fast eben nach Polkerris weiter.




Blick auf Polkerris im tiefen Tal.




Es besteht zumindest hier am Strand aus 2 Restaurants, 1 Eisdiele und 1 Strandladen, und natürlich dem Stückchen Strand.
Trotzdem ist es irgendwie echt hübsch. Und ungewöhnlich voll für diese Zeit.
Es gefällt mir hier, 2 Uhr ist eine gute Zeit für eine Mittagspause. Ich setze mich draußen an einen schrägen Tisch vor Sams Restaurant, bestelle einen Cappuccino und eine Pizza mit Fisch drauf. Die Pizza ist sehr lecker, 20 GBP für beides aber auch nicht billig.




Erst um 15:30 zockel ich weiter, vollgestopft und mit aufgefüllten Eiweißdepots. Es läuft sich erstaunlich leicht. ;-)
Ich steige einen wunderschönen Hohlweg hinauf, der allerdings nicht der richtige ist. Macht nichts. Das lässt sich leicht wieder korrigieren.




Lange verläuft der Pfad fast eben bis zum Gribbin Head mit dem markanten rot-weiß-geringelten Turm.




Herrliche Zeltwiese hier oben, aber etwas Publikum und kein Wasseranschluss.
Ich laufe weiter in die Bucht von Polridmouth, den Daphne du Maurier-Fans besser bekannt als Menabilly nach dem Estate, das verborgen hinter dem Strand liegt und in dem sie lange gelebt und geschrieben hat. Hier ist wohl auch ihr Manderley aus dem berühmten Roman Rebecca.
Ich muss dazu sagen, ich habe noch keinen Roman von ihr gelesen und habe diese Weisheit nur von Schildern am Weg.
(Es hat mich scheinbar wenig beeindruckt, denn ich habe hier keine Bilder gemacht.)

Wieder rauf, runter in die nächste Bucht.
Langsam wird es kalt. Eine steife Brise treibt hohe Bewölkung über den Himmel.
In einiger Entfernung, kurz vor Fowey, sehe ich einen Taleinschnitt vor mir, der aussieht, als biete er eine nicht zu steile, nicht eingezäunte Wiese. Auf der Karte ist eine kleine Brücke eingezeichnet, also gibt es einen Bach.
Als ich ankomme, finde ich unter der Brücke aber eher nassen Matsch als fließendes Wasser.
Weil es aber etwas windgeschützt ist, mache ich kurz Pause und erkunde die nähere Umgebung.
Ein Trampelpfad geht neben dem "Bach" ein paar Meter Richtung Meer. Ich folge ihm und - Ja! - hier rinnt wieder Wasser aus dem Boden! Ich hole meinen Wasserschlauch und fülle ihn.
Die Wiese ist tatsächlich nicht eingezäunt, ich gehe neben den Bäumen, die den Bach umsäumen, ein Stück landeinwärts und finde eine fast ebene, nicht von Kühen zertrampelte, nicht matschige Stelle ohne Dornengestrüpp. Hier oben fließt der Bach auch oberirdisch.

Aufbauen, Tee kochen, Schlafsack im Wind trocknen, Abendessen kochen.




Jenseits des Baches und der Bäume kommen ein paar Kühe den Hang herunter. Hoffentlich stolpern die heute Nacht nicht über meine Zeltleinen!
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Fowey - Hennaforth 18.4.2019


Die Kühe haben mich in der Nacht nicht besucht. Am Morgen sind sie nicht mehr zu sehen.
Die Nacht war wieder recht windig und so bleibt es auch am Tag.
Um 8:50 bin ich unterwegs und erreiche nach kurzer Zeit Fowey.
Hier ist es richtig hübsch und man hat einen sympathischen Humor.




Erkennt ihr das Bild?
Der Maulwurf sagt zur Wasserratte: "And you really live by the river? What a jolly life!"
für die, die es nicht sowieso zu Hause haben.

Als Nächstes finde ich im Fenster einer Buchhandlung folgenden Aushang:




:cool: :sdb69633: Ob die das im Moment noch dort hängen haben? :ignore:

Ich streune ein wenig durch das hübsche Städtchen.
Dann setze ich mich auf die Terrasse des Havener´s und trinke Cappuccino.
Ein bisschen Zeit habe ich noch, bis mich die Fähre über den River Fowey nach Polruan schippert.










Fowey vom Fluss aus




Deshalb ist das hier so windig:



:hahaha: Briten. Da haben die extra einen öffentlichen Park für. Und bestimmt auch eine Competition. :smilewinkgrin:


Gegen 11 laufe ich aus Polruan hinaus.
Es geht nun in ständigem Wechsel auf und ab. Mal einfach auf steilen Pfaden, mal anstrengend über laaange Treppen. Eine herrliche Küste!

Rückblick auf Gribbin Head mit dem Ringelturm.
















 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Gegen 14:30 erreiche ich Polperro, wieder ein wunderschöner Hafenort.
Ich schlendere eine Weile durch die engen Gassen, die noch nicht so überlaufen sind, obwohl wir uns dem Osterwochenende nähern.



















Am anderen Ende des Hafens setze ich mich an einen der 3 Tische des Museumscafes, der glücklicherweise gerade frei wird.
Mit Tee und einem leckeren Baguette mit Gemüse-Crisps genieße ich den Blick über den Hafen.
Es ist immer noch ziemlich windig. Die 18°C heute merke ich nicht. Die nächsten Tage sollen es 22/23°C werden, ohne Wind.







Ich habe es nicht eilig, denn ich möchte heute Abend vor dem nächsten Städtchen zelten, vor Looe.
Das ist nicht mehr sooo weit.
Bevor mir aber kalt wird, verlasse ich diesen sympathischen Ort.







Schneller als gedacht gelange ich bis fast an den Ortsrand von Hennaforth, wo die Besiedlung beginnt.
Bis hierher war der Weg ziemlich geradeaus und ohne viele Steigungen, dafür mit schönen Blicken und tollen Buchten.
Aber ohne Zeltmöglichkeiten.
Ich befürchtete schon, ich müsste noch ganz durch Looe hindurch, das ich mir morgen ansehen will, und weiter außerhalb auf einen sündhaft teuren CP. Falls der jetzt am Osterwochenende a) überhaupt Zelte annimmt und b) noch einen Platz hat.

Daher bin ich nicht wählerisch, als ich diesen hübschen Wiesenzipfel finde.




Er liegt zwar direkt am Weg, mein Zelt baue ich daher so weit wie möglich in die hinterste Ecke, vielleicht 40 m vom Pfad entfernt. Durch die Büsche hinter mir bin ich gut vor Wind geschützt. In meinem Vorgarten blühen hunderte Bluebells!

Pitch late. Ich lege mich ein wenig in die Sonne.
Ab 5 kommt niemand mehr vorbei. Daher baue ich um 1/2 6 meine Hütte auf.
Kurz danach setzt reger Betrieb auf dem Pfad ein.
Jogger, Hundegassigeher, Abendrundendreher, ...
Beim Wasserholen am Bächlein nebendran unterhalte ich mich eine Weile mit einem Engländer und seinem deutschen Freund, die beide hier im Ort wohnen. Sie geben mir noch gute Tipps für den Weg mit.
Während ich dann Tee koche, winken mir all die anderen Leute fröhlich zu. Sieht nicht so aus, als ob irgendjemand ein Problem damit hätte, dass ich in ihrem Vorgarten zelte. Ganz im Gegenteil.

Später lässt der Besucherstrom in meinem Vorgarten wieder nach. Ich genieße einen wunderschönen Abend.
 
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aloa

Nikon-Clubmitglied
Hallo Sylvia,
danke für deinen ausführlichen, wunderschönen Bericht, der gerade jetzt, wo man sozusagen an Haus und Hof gefesselt ist, Sehnsüchte weckt. Wie gut ( und schmerzhaft ;)), mal wieder Fernwehbilder zu sehen.
Eine Frage : Du erzählst, dass du oft deine Wasservorräte an irgendwelchen Bächen auffüllst. Ist das Wasser dort so unbedenklich, so sauber, oder bereitest du es irgendwie auf?
Hoffen wir gemeinsam, dass Corona uns bald wieder in Freiheit entlässt.
Gruß
Helmut
 
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assiliisoq

NF-F Premium Mitglied
Ich brauche ein bisschen Bewegung - also, weiter geht´s!


Hennaforth - Portwrinkle 19.4.2019


Heute Morgen gibt es einen (für mich) Frühstart! Schon um 7:50 bin ich unterwegs.
Ich plane das nicht, das passiert einfach. Es ist herrlich, den eigenen Biorhythmus einfach machen zu lassen.

Die Nacht war recht warm und windstill. Trotz des sumpfigen Bodens um mich herum gibt es kein bisschen Kondens im Zelt, auch von außen ist es trocken.
Ich koche meinen letzten Beutel Instantkaffee, trinke zusätzlich noch einen Liter Tee und esse einen der letzten Müsliriegel.
Ich glaube, ich funktioniere ein bisschen wie ein Kamel. Ich trinke morgens viel und abends, tagsüber brauche ich dann kaum etwas.
Heute ist mein vorletzter Tag, meine Vorräte gehen zur Neige. Ich werde noch durch einige Dörfer kommen, in denen ich mich für die verbleibende Strecke versorgen kann. Die Dichte an Ortschaften hier an der Südküste ist viel höher als an der Westküste. Das hat auch Vorteile, obwohl ich die einsamen, wilden Landschaften insgesamt bevorzuge. Die Häfen sind meist aber sehr hübsch und einladend, zudem in dieser Jahreszeit noch nicht touristisch überlaufen, obwohl das Osterwochenende vor der Türe steht und die Engländer Ferien haben.

Nach einer Katzenwäsche mit dem im Restwasser getränkten Lappen-für-alles ziehe ich bei herrlichem Wetter los.
Hinter der Hecke treffe ich auf einem weiteren Wiesenzipfel ein Paar, das ebenfalls gerade sein Zelt einpackt, direkt neben dem Weg.

Nach kurzer Zeit komme ich nach Hennaforth, einem Vorort von Looe. An der Straße begegne ich mindestens 3 englischen Mini-Bussen, die zu Campern umgebaut sind, und aus denen gerade verschlafen Leute klettern, um ihre Liegeflächen zum Frühstückstisch umzubauen. Ich treffe den deutschen Engländer wieder, er gibt mir noch Tipps für Looe, das ich kurz darauf erreiche.




Das ist Nelson.



Die einäugige Robbe hat für 25 Jahre auf Looe Island gelebt und ist tagsüber durch den Hafen von Looe geschwommen, um Einheimische und Touristen zu unterhalten - und sich von ihnen unterhalten zu lassen. Nach ihrem Tod 2003 bekam sie dieses Denkmal.

Looe harbour




In West-Looe frühstücke ich einen Cappuccino. Eigentlich wollte ich das Cafe hauptsächlich der Toilette wegen nutzen. Sie haben aber keine. :oops:
Stattdessen gibt es eine öffentliche Toilette um die Ecke, kostenlos. Und so früh am Morgen auch sauber.

Ich schlendere am Hafen entlang.

Meister und Meisterwerk Ton in Ton.




Flusshafen




Eine Brücke verbindet West-Looe mit East-Looe.
Obwohl die Einheimischen meinen, West-Looe sei schöner, gefällt mir East-Looe besser. Naja, ich bin ja auch Tourist. Vielleicht habe ich aber auch die schönsten Ecken von West-Looe übersehen.

In East-Looe bummel ich durch enge Gassen mit schiefen, alten Häusern. Morgens um 10 ist hier noch nichts los.

Circa 1456 ...







Surfbrett mit Galionsfigur




Dann endlich geht es auf den Pfad.







Zwischendurch muss ich ein Stückchen über ein kleines Sträßchen laufen. Hier würde man sagen Redder. Genau 1 Wagen breit, auf beiden Seiten hohe Wälle, total überwuchert mit Gestrüpp, Dornen, Büschen und Hecken. 2 Autos kommen mir entgegen, jedesmal muss ich mich mit dem Rucksack richtig ins Gebüsch drücken, damit wir aneinander vorbeikommen.







Auf 1000 km sicher 1000 Gatter ...







Bluebells und Sternmiere




Es wird richtig heiß!
Als ich ins nächste Dorf komme, treffe ich auf dem Sträßchen eine Mutter mit ihrem Sohn, die gebannt auf den Boden starren und Fotos machen.
Achtung! Eine Schlange!
Als ein Auto kommt und das Tier sich immer noch mitten auf der Straße sonnt, will ich es nehmen und von der Straße in die Böschung tragen; es beginnt aber zu zappeln, und so wird es mehr ein dirigierendes Schubsen.
Mutter und Sohn quieken und springen beiseite, als die Schlage sich bewegt.
Ich erkläre ihnen, dass es "nur" eine Blindschleiche ist (wenn auch ein recht imposantes Exemplar), und den Unterschied zu einer Schlange. Ich glaube, ich kann sie nicht so ganz überzeugen.
 
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