Fotografie: die humane Form des Jagens?

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sam25

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Eine Abendlektüre für Euch von mir von heute ... vielleicht löst auch die Kälte solche Gedanken aus ... :)


1. Einleitung und Thesen

Immer und immer wieder mache ich mir Gedanken darüber, warum ich fotografiere. Nicht das es mich belasten würde, aber der Drang mich fotografisch mit meiner Aussenwelt zu beschäftigen lässt mich hie und da den Rahmen der alltäglichen Erklärungen zu verlassen um mich in all meinen "Wissensgebieten" umzusehen.

Ein Gebiet welches mich interessiert – auch im Zusammenhang mit Fotografie – ist das Gebiet der Evolution und die daraus entstandene biologische Entwicklung des Menschen. Geht man davon aus, dass die Grundlagen der menschlichen Entwicklung so stimmen, treibt uns noch immer ein Jagdtrieb an. Nur haben sich die Ziele verschoben. Was der Jagdtrieb früher als elementar und überlebenswichtig galt, wird er heute im Kaufhaus nicht mehr gebraucht. Vielleicht ist ja „shoppen“ ebenfalls eine humane Form von Jagen oder Sammeln.

Hie und da habe ich von Fotografen schon den Ausspruch gehört „auf Motivjagd gehen“. So komplett daneben scheint mir das ja nicht zu sein, sprechen wir doch auch bei der Heimkehr von einer „Ausbeute“. Beim Jagen gibt es Beute; halt in Form von belichteten Pixeln oder Filmstreifen in irgend einem Kasten. Beim Malen ist es ja anders. Der berühmte englische Maler William Turner hat seine Ideen immer irgendwo draussen geholt. Und er hat sich vor Ort Skizzen gemacht, um sich zumindest die Konturen des Motivs besser merken zu können. Insofern ist auch er auf Motivjagt, in der Folge aber mit einer andern Umsetzung.

„Weil es mir Freude macht“ ist die gängigste Antwort von Hobbyfotografen betreffend ihrer Motivation zu Fotografieren. Warum nicht Bücher lesen? Dinge sammeln hat ja seinen Ursprung im Bedürfnis Dinge zu horten. Dies hat sich über lange Jahrtausende bewährt, konnte man doch seine gesammelten Dinge wiederum gegen andere Waren eintauschen. Scheinbar ist aber die Form, sich auszudrücken ebenfalls eine sehr alte Form. Wandmalereien und -zeichnungen in Höhlen fand man in Europa genau so wie in andern Kulturen. Und irgendwann wurde begonnen auf Steinen oder Gefässen zu zeichnen und zu malen. Dem praktischen Zweck wurde noch eine ästhetische Bedeutung beigemessen. Für Zeichnungen oder Malereien brauchte man ja ursprünglich überhaupt nichts. Ich kann ja in den Sand am Strand zeichnen und am andern Tag ist es weg. Es ist also ein Ausdruck mit temporärer Wirkung, nicht mehr und nicht weniger. Ich kann mit Kreide auch auf die Strassen zeichnen. Nach dem nächsten Regen ist auch dieses Kunstwerk weg. Und vor allem brauche ich dazu kein „externes Motiv“. Einen Sonnenuntergang kann ich nur schemenhaft im Sand darstellen, nicht aber mit Farben, Kontrasten usw.

Es muss als mehr sein, um sich der Fotografie zu widmen und über Jahre hinweg dran bleiben. Ob ich das Produkt in Foren zeige oder es ausdrucke in Buch- oder Einzelbildform ist nochmal eine Stufe mehr. Es scheint, dass ich die Trophäe zeigen und mit andern Menschen teilen möchte. Und wenn man noch die geschlechterspezifische Prägung des Menschen ins Feld führt, dann würde sich ja meine These bestätigen, dass Fotografieren eine mutierte Ausdrucksweise von Jagen ist, wenn auch durchaus bei einigen auf sehr beschaulichem Niveau.


2. Jagdtrieb und Motivwahl
Der klassische Tierfotograf wäre ja derjenige, der dem eigentlichen und ursprünglichen Jagdtrieb am Nächsten kommt. Das Studieren der Lebensgewohnheiten der Tiere gehört zur erfolgreichen Tierfotografie. Hier zählt weniger die Ästhetik eine Rolle als das genaue und scharfe Ablichten de Tieres. Das Wissen eines guten Tierfotografen über die Lebensgewohnheiten des Motivs unterscheidet sich ja kaum von jenem eines erfolgreichen Jägers. Nur das Resultat unterscheidet sich und die Motivation.
Bei der Landschaftsfotografie spielen schon weit vielseitigere Aspekte in die Motivwahl hinein. Einerseits können es rein dokumentarische Gründe sein, andererseits aber auch ausschliesslich ästhetische. Das Festhalten von Landschaften kann man aber auch so deuten, dass man sich neue Jagdgebiete ergründet, also transformiert wiederum auf den ursprünglichen Jagdtrieb, sich nur dafür interessiert, um sich eine neue Futterquelle zu erschliessen.
Bei der Menschenfotografie erscheint mir die Motivation noch viel komplexer zu sein. Neugier und Interesse können durchaus Motivation sein. Ästhetik auf jeden Fall aber durchaus auch die lapidare Intension, sich selbst und dem Gegenüber visuelle Erinnerungsstücke zu schaffen. Dies wäre zu vergleichen mit den Trophäen welche Jäger in ihren Häusern aufgehängt haben.
Und dann wäre noch die eher „profane Motivjagt“ zu erwähnen, die oftmals als Kunst bezeichnet wird und ebenso oft zu heftigen Diskussionen führt. In der Malerei, der Musik und in der Fotografie gibt es ja genügend Beispiele dafür. Während Beethoven mit seinen hochkomplexen und für die Zuhörerschaft anstrengenden Kompositionen nicht immer Erfolg hatte, stiess Rossini mit seiner „Partymusik“ (sinngemässe Bezeichnung von Beethoven über Rossini’s Musik) beim Publikum auf euphorische Begeisterung.


3. Weibliche und männliche Aspekte der Motivwahl
Wird der Jagdtrieb eher dem Männlichen zugeordnet wird der Sammeltrieb eher dem weiblichen attestiert. Das es zumindest für die Öffentlichkeit mehr wahrnehmbare männliche Fotografen gibt als weibliche ist wohl eine Realität. Ich meine auch, dass es insbesondere mehr Tierfotografen als Tierfotografinnen gibt. Die weibliche Fotografie ist weiter weg vom eigentlichen Jagdtrieb und/oder ist zumindest weit mehr ästhetischer geprägt als jene der männlichen Kollegen. Die Technik ist mitunter bei Fotografinnen nicht so dominant in der Diskussion wie bei männlichen Kollegen. Nun der Sammeltrieb hat per se nichts mit Ästhetik zu tun, wohl aber mit „hüten“ und „sozialer Verantwortung“. Dort liegt vielleicht der Zusammenhang. Somit ist das „Shoppen“ weit weniger ein „Jagdtrieb“ als eher ein Sammeltrieb, wenn auch in der heutigen Zeit mit andern Intensionen.


4. Die gesellschaftliche Bedeutung des Jagdtriebs
Die Tierjagd ist ja heute aus verschiedensten Gründen „ausser Mode“ oder wird oft zurecht kritisiert. Ich nehme hier dazu keine Stellung weil es nicht hierher passt. Die Jagd als Überlebenschance ist ja so lange nicht vorbei. Dennoch hat sich am mutierten Verhalten ja wenig geändert. Papparazies jagen Prominente mit ihren Fotoapparaten bis ins Schlafzimmer. Die ständige Suche nach neuen Motiven von berühmten Menschen finden noch heute reissenden Absatz bei tausenden von Menschen. Und anstatt dass man sich auf dem Markt trifft um die Neuigkeiten durchzukauen, findet es heute in den Medien statt. Eine erfolgreiche Jagd führte auch früher immer wieder zu Festen und dies in vielen Kulturen auf der Welt.
So wäre ja das Jagdinstrument die Kamera geworden. Und weil der Mensch ja bestrebt ist, die Zeit sinnvoll und effizient zu nutzen, ist ihm ja auch die Technik sehr wichtig. Sie ersetzt Zeit und somit auch einen Teil des eigenen „Hinzutuns“ für das Resultat.


5. Die „Beute teilen“
Nicht sehr nett ist ja der Titel. Aber zur Jagd gehörte auch das Teilen der Beute mit der Familie oder der Sippe. Vielleicht kommt aus diesem Trieb auch das Bedürfnis, Fotos in alle möglichen Foren oder soziale Netzwerke zu stellen. Dabei kommen natürlich auch Bedürfnisse der Selbstdarstellung und der Eigenvermarktung hinzu. Während die Jäger über den toten Fuchs diskutieren, diskutieren wir über die Bilder. Und die Frage nach dem Workflow betreffend einem tollen Foto ist ja nichts anderes als jene Diskussion unter Jägern, wie sie der Beute aufgelauert sind und die Beute dann vor die Flinte sprang. Des Lobes ist man voll, wenn man getroffen hat, des Lobes ist man voll, wenn einem ein Bild von einem Motiv gelungen ist.


6. Fazit
Fotografie als nur eine humane Form des Jagens zu bezeichnen wäre falsch. Aber nicht ganz. Es mag wohl mitspielen beim Einen von uns mehr, beim Andern eher weniger. Zum Fotografieren gehören heute genau so Neugier und Freude dazu. Das gegenseitige Teilen und diskutieren von fotografischen Impressionen ist auch ein sozialer Akt. Es macht Freude, führt zu Kontakten und ist in seiner Form schön für’s Auge.

Und ohne Fotografie hätte ich mir wohl auch diese Gedanken nicht gemacht. :)
 
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Vielen dank für Deine abendlichen Betrachtungen über Zusammenhänge zwischen der Jagd und Fotografie (sowie eventuell vorhandenen Mischformen dieser Beschäftigungen).

Nun bin ich weder Philosoph noch Poet, sondern vor allem jemand, der auf visuelle Reize emotional sehr stark reagiert und einer Suche nach Schönheit in (Licht-)malerischen Werken folgt - in der Umsetzung eigener wie auch der Bewunderung fremder Werke.

Wenn Du so willst, kannst Du es als die "Jagd" nach der Schönheit ansehen.

Für mich ist es eher eine Leidenschaft. In diesem Sinne bin ich, der wörtlichen Übersetzung aus dem Französischen folgend, ein Amateur - ein Liebhaber der Fotografie.

Herzliche Grüße Nic

PS: Mir wird übrigens immer ganz schlecht, wenn ich im Zusammenhang mit dem Fotografieren das Wort "Shooting" höre.
 
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Sam, schöne Gedanken, aber mit einigen kann ich z.B. nicht ganz konform gehen.

Die Fotografie, zumindest die der Hobbyfotografen - Paparazzis und Konsorten gehören in noch eine andere Dimension - unterscheidet sich aber doch um einiges von der Jagd im üblichen Sinn.

Der Jäger möchte das Tier tot zu seinen Füßen liegen sehen, vielleicht nicht immer, aber irgendwann eben.

Der Hobbyfotograf möchte das Tier noch jahrelang immer wieder fotografisch einfangen und es darf weiterleben.

In meinen Augen ein gewaltiger Unterschied.
 
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Ich dachte auch ganz spontan: eher Sammler als Jäger.

Aber es wird doch auch nicht nur gejagt oder gesammelt was man findet.

Sondern gestaltet wird auch!
Man bewegt sich im Raum und schiebt dadurch die Kulissen und das Bühnenbild zurecht. Dann noch das Bühnenlicht einstellen und ....

Also ich finde, da wird aus dem Sammler auch noch ein Bauer.
 
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Was denn wohl so im Kopf abläuft, wenn man auf der Straße oder auf Festen auf die Jagd geht? :fahne:
Mit Film übrigens noch spannender weil man nur 36 Sch.. - äh Bilder zur Verfügung hat.
 
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Danke für die Beiträge. Wie Ihr sicher gemerkt habt, meine ich meine Thesen auch nicht sehr ernst. Und ich will ja auch nicht Recht haben, manchmal gehe ich extreme Gedankenspiele ein, um wieder weiter zu kommen...:)

In meinen Jugendjahren hat einmal ein Freund einen Abend lang am Stammtisch behauptet, die Erde sei eine Scheibe. Am Stammtisch mischten sich im Verlauf des Abend immer mehr Gäste auch aus dem Restaurant dazu. Es kam zu heftigsten Debatten. Ich fand das äusserst spannend, denn die Gegner dieser These mussten sich immer mehr Argumente einfallen lassen. :D

Zurück zur Fotografie. Letzthin sah ich wieder so eine Presskonferenz mit Fotografen und Kameraleuten. Ein Rudel Jäger habe ich mir dabei gedacht, als wollten sie das Motiv erlegen...:D

Zum Thema "Sammeln". Sammeln ist weniger ein Trieb als ein sich in der Entwicklung der Menschheit gelerntes und geübtes Verhalten. Hier unterscheide ich klar von "gelerntem Verhalten", resp. von "angeborenen Trieben". Sammeln tritt dann als nach der "Triebbefriedigung" ein, als bewusster Entscheid. So sammle ich Bilder und Kameras wie andere Briefmarken.

Die Gestaltung, ja. Wie ja schon der Titel heisst, können sich Triebe in ihrer Wirkung durchaus verändern. Der Trieb aber an sich bleibt. Das wir beim Fotografieren noch ganz viel bewusste Gestaltungselemente verwenden, liegt auf der Hand.

Das Fotografie auch Meditation sein kann oder zuweilen ist, da bin ich einverstanden damit. Das ist aber eine spezielle Form der Auslegung, der Herangehensweise. Ziel und Wirkung wäre hier ja zu unterscheiden und damit komme ich auf dein Argument, Christel, dass sich der Zweck, beziehungsweise die Wirkung zwischen einem Jäger und einem Fotografen unterscheidet. Das aber ist bereits die Ausführung, nicht aber der Trieb. Der Trieb kann durchaus ein anderer sein, die Wirkung, rsp. das Resultat ein anderes. Darum auch die Fragestellung, ist Fotografie eine humane Form des Jagens.

Ich ziehe hier auch eine Parallele zum Sexualtrieb. Der ist immer noch der gleiche, auch wenn das Ziel nicht mehr zwingend die Vermehrung ist. :D

Ich bin ja gespannt ob noch der eine oder andere Gedanke aufkommt...:)
 
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Eine interessante Fragestellung, wobei ich persönlich nicht die eigentliche Jagd als "nicht oder weniger human" abstempeln würde. Nach wie vor hat die Jagd auf Tiere sehr wohl zahlreiche Daseinsberechtigungen, die hier aber nicht weiter ausgeführt werden.

Wen das Wesen der Jagd besonders interessiert, hier wären Informationen zu finden:

http://www.amazon.de/Meditationen-%C3%BCber-die-Jagd-Federzeichnungen/dp/3935078692/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1423119749&sr=8-1&keywords=meditationen+%C3%BCber+die+jagd

http://www.amazon.de/Jagdlust-Warum-sch%C3%B6n-vern%C3%BCnftig-Pirsch-ebook/dp/B007KTCWE6/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1423119807&sr=8-2&keywords=eckhard+fuhr

http://www.amazon.de/Die-Zukunft-Jagd-die-J%C3%A4ger/dp/3788812591/ref=cm_cr-mr-title

Doch zurück zum Thema:

Was hat die Jagd mit der Fotografie, oder noch viel allgemeiner, mit unseren Freizeitbeschäftigungen zu tun?

Nun, ein wichtiges Element ist natürlich das Überwinden der höher entwickelten Sinne der zu bejagenden Tiere. Der Jäger misst sich in letzter Konsequenz mit seiner Beute. So wie der Kämpfer oder Krieger mit seinem Gegner.

Des weiteren wäre da die Beute. Nachdem in ursprünglichster Form sicher das Fleisch und die Nebenprodukte wie Häute, Felle etc. primäre Ziele waren, bekam mit der Zeit (der höchste Kult darum war zweifelsohne zu Zeit der Feudalherren bis hin zu den moderneren Diktaturen) eine wachsende Bedeutung. Wobei auch schon frühe Kulturen die Jagdtrophäen als besondere Auszeichnung Ihres Jägers würdigen.

Zuletzt in dieser Erörterung (und das füge ich speziell als Bezug zur Fotografie an) spielt auch das Interesse am Handwerkszeug eine starke Rolle. Natürlich üben edle oder kunstvolle Waffen auf einen Teil der Jäger eine besondere Anziehungskraft aus. Die "Holland & Holland" Seitenschloss-Doppelflinte mag die "Leica" des Fotografen sein. Man kann das Handwerk auch mit günstigem Gerät ausüben, aber diesen Menschen macht es mit dem edlen Stück einfach mehr Spass. Und ja: Die Jagd ist und bleibt ein Handwerk, vermutlich das älteste der Welt.

Wer die letzten drei Absätze gelesen hat wird feststellen, dass die Jagd mit fast allen unseren Freizeitbeschäftigungen vieles gemein hat. Nicht wenige Wissenschaftler sehen unsere Hobbies durchaus als "Ersatzbefriedigungen" für den Jagdtrieb. Den Sport teilweise noch dazu als Ersatzbefriedigung für den Krieg.

Wir alle wollen doch immerzu irgendwas oder irgendwen überlisten und besiegen, sei das nun ein Reh oder der Tennisgegner oder der Einzelhandel auf der Jagd nach dem günstigsten Preis.

Wir haben auch alle irgendwo unsere Trophäen, seien dies Hirschgeweihe, besonders gelungene Fotos oder Pokale im Schrank. Dinge eben, die in der ganz persönlichen Rückschau, die Erinnerung manifestieren.

Und viele, wenn nicht die meisten, haben in irgendeiner Beziehung ein Faible für besonders schöne Dinge. seien dies edle Jagdwaffen, überdimensionierte Fotoapparate oder am Ende nur viele edle Schuhe und Handtaschen. Wie arm wären unsere Leben in der Wohlstandsgesellschaft wenn wir immer nur das hätten was wir nüchtern betrachtet wirklich brauchen. Es ist auch nicht erheblich, ob einer ein Präzisionsgewehr hat und nicht richtig schießen kann oder eine Nikon D4 obwohl er gar nicht besonders gut fotografiert. Wer hat nicht gerne genau den Tennisschläger mit dem der Weltranglistenerste spielt oder reitet ein Pferd, mit dem Ludger Beerbaum Olympiasieger werden könnte und kommt doch selbst nie über Kreisklasseniveau hinaus.
 
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Ich dachte auch ganz spontan: eher Sammler als Jäger.

Aber es wird doch auch nicht nur gejagt oder gesammelt was man findet.

Sondern gestaltet wird auch!
Man bewegt sich im Raum und schiebt dadurch die Kulissen und das Bühnenbild zurecht. Dann noch das Bühnenlicht einstellen und ....

Also ich finde, da wird aus dem Sammler auch noch ein Bauer.

Hallo Frank,

da hake ich noch einmal gezielt ein. Jagd ist ein Handwerk und Fotografie ist ein Handwerk. Der ambitionierte Handwerker wird immer trachten, seine Werkzeuge richtig einzusetzen um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Selbst wenn man die Fotografie als Kunst ansieht wird das Hervorbringen der Kunst nur möglich sein, wenn das dazu nötige Handwerk beherrscht wird.

Der Fotograf richtet sein Studio ein, platziert die Lampen und wählt eine bestimmte Kombination aus Kamera und Objektiv um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.

All das tut auch der Jäger. Er richtet sein Revier ein und ist somit auch immer ein Landwirt, Forstwirt und ein Zimmermann/Tischler. Dann wählt er die geeignete Waffe und Munition und überlegt, bei welchem Licht(!), welchem Wind das erstrebte Tier wo, z.B. in welcher Vegetation, am besten zur Strecke zu bringen ist.

Im Grunde wird doch ein "Handwerk" immer nur dann wirklich gelingen, wenn man es ziemlich perfekt beherrscht. Das schließt Kenntnissen und Können in den relevanten Nebengewerken ganz sicher mit ein.
 
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Das Thema ist spannend. Da kann ich stundenlang drüber sinnieren, assoziieren und viele (Sprach)Bilder fallen mir ein, mehr oder minder ernstgemeint ;)

Wir sind halt eben trotz aller Vernunft, Wissenschaft, Erklärungswut, Kontrollmechanismen aller Art immer triebgesteuert.

Manch einer mag beim Lesen gedacht haben "Was? Trieb? Jagdtrieb? Darüber sind wir doch seit langem hinausgewachsen. Unsere Vorfahen, ja klar. Die konnten ja auch nicht anders, das war auch überlebenswichtig. Die sind entschuldigt. Aber wir doch nicht! Ich doch nicht! Dazu bin ich viel zu vernünftig und aufgeklärt. Ist doch gar nicht mehr nötig heutzutage."

Ja, aber warum denn nicht? Wir müssen doch nicht alles ausmerzen, was uns instinktmäßig in den Sinn kommt und spontan unser Handeln bestimmt. Damals wie heute heißt triebgesteuert doch nicht, dass man sich völlig gehen lässt und auf nichts mehr Rücksicht nimmt. Der Begriff ist häufig so negativ besetzt, ich würde ihn gerne mal neutral betrachten. Und dann kann so ein Trieb, ein An-Trieb aus dem Bauch heraus auch etwas richtig gutes sein. Wie sonst haben so viele Fotografen herausgefunden, was jeweils der entscheidende Moment zum Abdrücken war, der ein Bild hinterher so sensationell machte?

Man kann (vor allem hinterher, zum Erklären des Unerklärbaren) immer alles auf die Technik, Lernwissen und die Vernunft schieben. Ich bin aber wirklich dankbar dafür, dass hier so viele Fotografen offensichtlich immer wieder ihrem Trieb nachgeben, auf die Jagd nach guten Bildern zu gehen. Und ich meine - aber das ist nur eine unbestätigte, persönliche Theorie von mir ;) - dass diejenigen, die ihre Jagd-, Sammel- oder sonstige Triebe wahrnehmen und einfach achselzuckend zulassen, eine reichere Beute machen als die, die dieses Erbe wegdiskutieren.

My 2 cents ;)
 
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Der Jäger möchte das Tier tot zu seinen Füßen liegen sehen, vielleicht nicht immer, aber irgendwann eben.

Der Hobbyfotograf möchte das Tier noch jahrelang immer wieder fotografisch einfangen und es darf weiterleben.

In meinen Augen ein gewaltiger Unterschied.

Im Ergebnis ist das natürlich ein gewaltiger Unterschied, die Motivation ist aber im Prinzip die gleiche.

Der eine möchte als Resultat Fleisch und/oder Trophäe, der andere ein besonders schönes Bild.

Beide haben aber den gleichen Antrieb, eben den "Jagdtrieb".

Und, auch das sei hier erwähnt, in beiden Zünften gibt es Individuen, die sich unlauterer Mittel bedienen. Nicht selten bedienen sich Tierfotografen oder Filmer zahmer Tiere, nutzen Tiere in Gefangenschaft oder bedrängen Wildtiere in unverträglichem Maß.
 
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Ich danke schon mal für die angeregt Diskussion. Letztlich entscheidet ja jeder und jede selbst, warum er oder sie fotografiert.

Ich habe letzte Woche einen Workshop bei Kaderleuten gegeben mit dem Thema Changemanagement. Sie staunten nicht schlecht, als ich die mit der Evolution begann.
Auf Wechsel oder Herausforderungen reagiere ich als Mensch zuerst "instinktiv" mit den drei typischen Verhaltensformen "Flucht" "Starre" und "Angriff". Auch diese Verhaltensweisen kann ich durchaus "steuern" und "transformieren" also lernen mit ihnen bewusst umzugehen.

Es ist rein biologisch nicht möglich den Jagdtrieb nach so wenigen Jahren - bezogen auf die Menschheitsgeschichte - nicht mehr als das gebraucht wird, komplett wegzudenken. Es wird vermutlich noch Jahrtausende gehen, bis er im täglichen Leben - wenn überhaupt - nicht mehr in irgend einer Form auftaucht.

Ich finde Du führst sehr schöne Beispiele von Synergien auf Heiko. Die ganzen Vorbereitungen für ein gutes Bild ähneln sich sehr beim Jagen wie beim Fotografieren. Trophäen können etwas offen formuliert genau so gut Bilder sein wie ausgestopfte Tierköpfe oder Geweihe. Das alles rechtfertigt natürlich die Jagd per se nicht, genau so wenig wie die lästigen Fotografen welche Prominente Jagen. Aber es ja so, dass wenn kein Interesse an solchen Bildern, gerade an Prominenten bestehen würde, wäre diese Art von Fotografie schon längst ausgestorben. :)

Nun geht es mir ja, wie ich geschrieben habe, nicht um Recht haben oder Unrecht. Das ist in keiner Art und Weise meine Intension. Aber es tut gut, sich mit dem eigenen Verhalten zu beschäftigen und auseinander zu setzen.
 
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[MENTION=5768]sam25[/MENTION] Zwei Dinge deines Startbeitrages finde ich bemerkenswert:

im Paragraph 3) - gibt es eigentlich eine weibliche und eine männliche Photographie? Im Sinne von "Frauen photographieren Blümchen und Männer Autos"? Oder "Frauen setzen die Augen/den Blick in Szene, Männer die Person in ihrem Umfeld"? Ich frage das so blödsinnig klischeehaft, weil ich da überhaupt keine Ahnung habe, mir diese Frage nur beim Lesen des Textes hochkam.

im Paragraph 5) - das Äquivalent zum Bilder zeigen ist die Jagdtrophäe an der Wand. Die Stirnplatte mit Gehörn auf Holzbrett ist das Gegenstück zum Photo im Rahmen. Das Teilen der Beute ist hingegen das Teilen des Honorars. Ich habe ein Bild gemacht, verkauft, und jetzt mache ich uns Allen den Kühlschrank voll. Der Jäger wird dafür geschätzt, es hinterlässt aber - ausser einem vollen Bauch - keine Spuren.
 
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[MENTION=5768]sam25[/MENTION] Zwei Dinge deines Startbeitrages finde ich bemerkenswert:

im Paragraph 3) - gibt es eigentlich eine weibliche und eine männliche Photographie? Im Sinne von "Frauen photographieren Blümchen und Männer Autos"? Oder "Frauen setzen die Augen/den Blick in Szene, Männer die Person in ihrem Umfeld"? Ich frage das so blödsinnig klischeehaft, weil ich da überhaupt keine Ahnung habe, mir diese Frage nur beim Lesen des Textes hochkam.

im Paragraph 5) - das Äquivalent zum Bilder zeigen ist die Jagdtrophäe an der Wand. Die Stirnplatte mit Gehörn auf Holzbrett ist das Gegenstück zum Photo im Rahmen. Das Teilen der Beute ist hingegen das Teilen des Honorars. Ich habe ein Bild gemacht, verkauft, und jetzt mache ich uns Allen den Kühlschrank voll. Der Jäger wird dafür geschätzt, es hinterlässt aber - ausser einem vollen Bauch - keine Spuren.

...danke: und eine sehr schöne Weiterführung der Gedanken ... :)
 
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Fotografieren auf der Straße oder auf Festveranstaltungen ist freie Jagd in Reinstkultur. :sabber: Zivilisation ist nur eine hauchdünne Hülle.
 
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