Bei Fotoequipment kommt erstaunlich schnell einiges an Wert zusammen. Kameragehäuse, zwei oder drei gute Objektive, Blitz, Stativ und das übliche Zubehör – und schon trägt man bei einer Fototour ein kleines Vermögen durch die Gegend.

Dass man die Kamera besser nicht fallen lässt, dürfte sich herumgesprochen haben. Andere Risiken sind weniger offensichtlich: Feuchtigkeit bei längerer Lagerung, Staub, Hitze im Auto, ein schlecht gepackter Fotorucksack oder schlicht der Moment, in dem die Kameratasche im Café unbeaufsichtigt neben dem Stuhl steht.
Vieles davon lässt sich mit ein bisschen Aufmerksamkeit vermeiden. Und gerade bei teurer oder beruflich genutzter Ausrüstung lohnt es sich, nicht erst über Schutz nachzudenken, wenn etwas passiert ist.
Feuchtigkeit und Staub: Was der Kamera auf Dauer nicht guttut
Feuchtigkeit gehört zu den Dingen, die man seiner Fotoausrüstung möglichst nicht dauerhaft zumuten sollte. Das gilt besonders für Objektive: Bei längerer Lagerung unter ungünstigen Bedingungen kann hohe Luftfeuchtigkeit die Entstehung von Glaspilz begünstigen – und den möchte wirklich niemand von uns in seinen Linsen entdecken.Für die normale Aufbewahrung reicht in den meisten Fällen ein trockener Raum mit halbwegs gleichmäßiger Temperatur. Problematischer wird es z.B. in feuchten Kellerräumen. Dann können gut schließende Boxen mit Silikagel oder womöglich sogar spezielle Trockenschränke interessant werden. Beim Silikagel gilt allerdings: Reinlegen und für die nächsten fünf Jahre vergessen funktioniert nicht. Je nach Produkt muss es regelmäßig getrocknet, regeneriert oder ausgetauscht werden. In unserem Community-Thread „Klimatische Bedingungen in der Fotovitrine: Wie Luftfeuchtigkeit senken?“ findet ihr allerhand Erfahrungen und Ideen dazu.

Staub lässt sich nicht komplett vermeiden. Ein geschlossener Schrank oder eine Box hält aber zumindest einen guten Teil davon fern. Loser Staub kann mit einem geeigneten Blasebalg vorsichtig von Kamera und Objektiven entfernt werden.
Einen Sturz, Diebstahl oder Wasserschaden verhindert natürlich auch eine Versicherung nicht. Bei hochwertiger oder beruflich genutzter Ausrüstung kann es trotzdem sinnvoll sein, sich Gedanken über die finanzielle Absicherung zu machen. Spezielle Angebote wie eine Kameraversicherung für Foto-, Video- und Filmproduktionen und Studios können – abhängig vom jeweiligen Tarif – Risiken abdecken, die anderweitig nicht oder nicht ausreichend versichert sind. Hier lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte: Entscheidend ist nicht die Überschrift über der Police, sondern was tatsächlich versichert ist und welche Ausschlüsse gelten.
Unterwegs: Die Kamera möchte nicht einfach irgendwie ins Gepäck
Für den Spaziergang mit Kamera und einem Objektiv braucht niemand einen Expeditionskoffer. Bei einer größeren Ausrüstung sieht die Sache schon anders aus. Entscheidend ist weniger, ob Tasche oder Rucksack besonders schick aussehen, sondern ob die Ausrüstung darin tatsächlich geschützt ist. Kamera und Objektive sollten nicht lose gegeneinander schlagen können. Gut angepasste Trennwände oder Schaumstoffeinlagen sind deshalb wichtiger als so manches Ausstattungsdetail, mit dem Fototaschen beworben werden.
Wie unterschiedlich die Anforderungen an einen guten Fotorucksack sein können, zeigen auch unsere eigenen Praxistests. Den Deuter Jaypack 34+ haben bei uns gleich zwei Community-Mitglieder unabhängig voneinander ausprobiert – und dabei durchaus unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt.
Erster Praxistest des Deuter Jaypack 34+
Zweiter Praxistest des Deuter Jaypack 34+
Auch den Rollei Fotoliner Ocean Pro hatten wir bereits ausführlich im Praxiseinsatz: Unser Erfahrungsbericht zum Rollei Fotoliner Ocean Pro.
Bei häufigem Transport oder härteren Einsatzbedingungen können robuste Schutzkoffer sinnvoll sein. Einige Modelle sind zusätzlich gegen Staub und Wasser abgedichtet und für anspruchsvollere Transportbedingungen ausgelegt.
Mit Fotoequipment ins Flugzeug
Auf Flugreisen würde ich empfindliche Kameraausrüstung nach Möglichkeit ins Handgepäck nehmen. Das ist nicht nur eine Frage des etwas liebevolleren Umgangs mit der eigenen Kamera: Die europäische Luftfahrtbehörde EASA empfiehlt, tragbare elektronische Geräte mit Lithium-Akkus wie Kameras möglichst im Handgepäck zu transportieren. Ersatzakkus und Powerbanks gehören ohnehin nicht ins aufgegebene Gepäck.EASA: Hinweise zu elektronischen Geräten und Lithium-Akkus auf Flugreisen
Die Regeln der jeweiligen Fluggesellschaft solltet ihr trotzdem vor jeder Reise kontrollieren. Maße und Gewichtsgrenzen fürs Handgepäck unterscheiden sich je nach Airline und Tarif erheblich – und Diskussionen am Gate sind erfahrungsgemäß der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um darüber nachzudenken.

Mit dem Thema haben wir uns bei Netzwerk Fotografie übrigens schon einmal ausführlicher beschäftigt. In unserem Beitrag „Sicher reisen mit Fotoausrüstung“ geht es unter anderem um die Entscheidung zwischen Tasche, Rucksack und Koffer, Hand- oder Aufgabegepäck sowie den Umgang mit der Ausrüstung bei Sicherheitskontrollen.
Übrigens: Auch das Auto ist kein idealer Aufbewahrungsort. Vor allem im Sommer können die Temperaturen im Innenraum schnell sehr hoch werden. Akkus und empfindliche Elektronik freuen sich darüber ebenso wenig wie über längere Aufenthalte in praller Sonne. Und eine sichtbar im Auto liegende Fototasche ist natürlich auch unter dem Gesichtspunkt Diebstahl keine besonders gute Idee.
Schutz vor Sturz und Diebstahl
Im Fotoalltag sind es manchmal die ziemlich banalen Dinge, die teuer werden. Der Kameragurt war nicht richtig befestigt, beim Objektivwechsel fehlt plötzlich eine Hand oder die Kamera steht „nur ganz kurz“ unbeaufsichtigt auf einem Tisch. Ein vernünftiger Kameragurt oder ein anderes passendes Tragesystem kann deshalb mehr zum Schutz der Ausrüstung beitragen als manches Spezialzubehör. Beim Objektivwechsel solltet ihr Gehäuse- und Objektivdeckel griffbereit haben, damit offene Anschlüsse nicht länger als nötig Staub und Schmutz ausgesetzt werden.Bei Schutzfiltern scheiden sich bekanntlich die Fotografengeister. In bestimmten Situationen können sie die Frontlinse vor Schmutz, Spritzwasser oder direktem Kontakt schützen. Zusätzliches Glas vor einem guten Objektiv ist aber nicht automatisch in jeder Situation die beste Lösung. Das muss am Ende jede:r für sich und die eigene Art zu fotografieren entscheiden.
An belebten Orten oder auf Veranstaltungen kommt noch ein anderer Faktor dazu: Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Eine Kamera auf dem Stativ oder die offene Fototasche unter dem Tisch solltet ihr nicht aus den Augen lassen.
Sehr sinnvoll – und trotzdem häufig vernachlässigt – ist außerdem eine gute Dokumentation der eigenen Ausrüstung. Seriennummern, Kaufbelege und gegebenenfalls Fotos der Geräte können nach einem Diebstahl oder Schaden plötzlich ziemlich wichtig werden. Am besten liegt diese Liste natürlich nicht ausschließlich auf dem Laptop, der zusammen mit der Kameraausrüstung gestohlen wurde...
Wartung: Ein bisschen Pflege darf sein
Auch sorgfältig behandeltes Fotoequipment braucht gelegentlich etwas Aufmerksamkeit. Sensorstaub gehört bei Kameras mit Wechselobjektiven praktisch zum Leben dazu und zeigt sich besonders gerne genau dann, wenn man einen schönen gleichmäßigen Himmel fotografiert hat. Viele Kameras haben eine Funktion zur automatischen Sensorreinigung. Reicht die nicht aus, könnt ihr den Sensor mit geeignetem Werkzeug vorsichtig selbst reinigen. Noch besser ist es, die Reinigung einem Fachbetrieb zu überlassen, z.B. beim Check & Clean, der häufig von den Kameraherstellern auf größeren Fotoevents angeboten wird.Auch Objektive dürfen ab und zu genauer angesehen werden. Sitzt alles, wie es soll? Laufen Zoom- und Fokusring normal? Gibt es ungewöhnliche Geräusche oder Auffälligkeiten nach einem Sturz? Wenn euch da etwas beunruhigt: gerne mal in unserer Service-Ecke nachfragen!
Akkus verdienen ebenfalls etwas Aufmerksamkeit. Beschädigte, ungewöhnlich heiße oder aufgeblähte Lithium-Ionen-Akkus gehören nicht mehr in die Kamera. Bei längerer Lagerung lohnt sich auch ein Blick in die Hinweise des jeweiligen Herstellers, denn Empfehlungen zu Ladezustand und Lagerbedingungen können sich je nach Akkutyp unterscheiden.
Gut geschützt ist besser als hinterher geärgert
Ein gutes Schutzkonzept für Fotoequipment besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme. Die beste Versicherung hilft nicht gegen Glaspilz, der teuerste Hartschalenkoffer nützt wenig, wenn die Kamera anschließend zwei Tage im heißen Auto liegt, und eine perfekt gepflegte Ausrüstung kann trotzdem gestohlen werden. Am Ende ist es die Kombination: vernünftig lagern, passend zum Einsatz transportieren, die Ausrüstung im Blick behalten, gelegentlich kontrollieren und bei entsprechendem Wert auch über eine finanzielle Absicherung nachdenken.Dabei macht es einen Unterschied, ob eine Kamera überwiegend zu Hause liegt und am Wochenende mit auf Fototour kommt oder ob mehrere Gehäuse und Objektive regelmäßig bei Produktionen, Veranstaltungen oder auf Reisen eingesetzt werden. Je wertvoller die Ausrüstung ist und je intensiver sie genutzt wird, desto mehr lohnt sich ein kleines persönliches Schutzkonzept. Und dazu gehört für mich auch eine aktuelle Bestandsliste mit Seriennummern und Kaufbelegen. Sie verhindert keinen Schaden – aber falls tatsächlich einmal etwas passiert, ist man ziemlich froh, wenn man nicht erst überlegen muss, wo eigentlich die Rechnung für das Objektiv von 2022 geblieben ist.
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