Ein Farbfilter filtert Farben (daher übrigens auch der Name "Bratkartoffel" ...). In einem SW Bild/Negativ herrscht ein gewisser Mangel an Farben. Der Farbfilter kann also nur wirken, solange noch farbiges Licht durch ihn hindurch fällt.
Das ist der Fall, wenn du mit der Knipskiste vor dem Motiv stehst. Hier fällt Licht verschiedener Wellenlänge (Farbe) durch das Objektiv auf den Datenträger (Film oder Sensor). Mit einem Filter im Strahlengang kannst du beeinflussen, welcher Art Farbe du wie stark blockieren willst. Was durch geht, fällt auf den Datenträger.
Ist der Datenträger ein SW Film und der Filter orange, so wird zB jeder Blau-Anteil stark geblockt (dunkler Himmel, dunkles Gras), Gelb- und Rottöne konnen jedoch quasi unbeeindruckt durch den Filter. Die Sonnenblumen haben also weisse Blütenblätter auf schwarzen Stengeln.
Scannst du jetzt dieses Negativ und willst die Farben in der EBV bearbeiten, so wird das ein kurzes Unterfangen. Es gibt keine Farben. Es gibt nur S und W. Nur Kontrast und Abstufung.
Anders herum könntest du ein Farbbild aufnehmen, und dies dann in der EBV bearbeiten. Hier kannst du jetzt bei der Konvertierung nach SW genauso Farben blockieren oder durchlassen, wie du es mit dem Filter vor dem Objektiv der Kamera mit SW-Film gemacht hast. Legst du hier einen Blaufilter auf, sähen die Stiele der Sonnenblumen hellgrau aus, als wäre Rauhreif auf ihnen (es ist viel Blau im Grün, also guter Durchgang) - und die Blütenblätter wären fast Schwarz (in Gelb ist nämlich eher kein Blau).
Wenn du das so konvertierte Bild dann abspeicherst und erneut öffnest, kannst du zwar weiter an den Kontrasten und der Sättigung arbeiten, aber auch hier hast du keine Farbkanäle mehr, die du individuell beeinflussen kannst. Es gibt nur noch S und W.
Deshalb braucht man Farbfilter BEVOR die Konvertierung in SW passiert. Beim SW Film oder einer Leica M Monochrom wäre das, bevor das Licht die Filmschicht erreicht (also als Filter am Objektiv), in der EBV bedeutet das, bevor die softwaremässige SW Konvertierung passiert (also im Programm). Der Effekt ist gleich, der Weg ein Anderer.