Farben, Sand und erstaunlich viel Wasser - Wüstentour im Iran 1976

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Das war mal eine fahrbare Piste.


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Diese LKW hatten versucht eine überschwemmte Passage zu umfahren und sind vom Regen in die Traufe gekommen. Sie steckten da schon über 24 Stunden fest.


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Der Kollege hatte es an einer anderen Stelle versucht.


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Wenig erfolgreich.


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Gut gelaunt waren sie dennoch. Sowas bringt hier niemanden aus der Ruhe.


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Hier könnte es gehen ..... Unsere Reisebegleiter mit dem Bulli sind schon durch, unser Vater nimmt Anlauf. Der Peugeot 404 hängt hoffnungsvoll an einem Tanklaster.


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Wie üblich bei solchen Aktionen mussten alle Mitfahrer aussteigen. Wir hatten Spaß. Und alles ging gut.

 
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Es folgt der absolute Höhepunkt dieser Reise, der einzige Grund, warum meines Erachtens ein eigener Thread (sowie ein Fotobuch, das ich anfertigen werde) von dieser Reise lohnt.

Das Oasendorf Nayband...

Das wunderschöne Dorf und seine Bewohner hat so große Eindrücke hinterlassen, dass wir im Jahr 2009 einen mehrere hundert Kilometer langen Umweg auf uns nahmen, um es wieder zu besuchen. Sucht man im www. nach Informationen, findet man zwei interessante Aspekte: Eine längere Abhandlungen des Paläontologen Michael Hautmann zum Thema "Die Muschelfauna der Nayband-Formation, (Obertrias, Nor-Rhät) des östlichen Zentraliran" und man erfährt, dass die Gegend um Nayband (auch Nay Band geschrieben), das Naybandan, als Schutzzone für die letzten asiatischen Geparde deklariert ist. Das Naturreservat, das größte Schutzgebiet des Iran, erstreckt sich über eine Fläche von etwa einer Million Hektar.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll...

Wenn ich mich recht entsinne, war das das erste Foto. Ich war sowas von neidisch auf die riesige Schaukel zwischen den hohen Palmen!

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Nayband ist vollständig aus Lehm erbaut.

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Das Dorf liegt am Fuße des gleichnamigen Berges, der etwas über 3000 m hoch aufragt. Nayband selbst liegt auf etwa 1000 m über dem Meeresspiegel. Diese Berge haben verhindert, dass sich die Lut-Wüste über Nayband und die umliegenden Dörfer ausdehnte. Wie touristisch deutlich bekanntere Dörfer (die aber auch leichter zu erreichen sind) wie Masuleh und Abyaneh wurde Nayband terrassenförmig angelegt. Die Dächer von Gebäuden dienen als Terrasse oder auch Wege der darüber liegenden Häuser.

Manche der Gassen von Nayband sind überdacht. Sie schützen die Menschen vor dem brennenden Sonnenlicht von Chorasan und bieten Räume für Zusammenkünfte und um sich auszuruhen. Als Dacheindeckung wurden Balken aus Palmenholz sowie Palmblätter verwendet.


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Drei etwa dreihundert Jahre alte Türme sind Relikte der früheren Befestigung.

 
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Von Nayband habe ich zwei Panoramen angefertigt. Das erste, aus zwei Dias, war unproblematisch mit Lightroom zusammen zu fügen. Da die Bildbreite hier auf 1200 Pixel begrenzt ist, vermittelt das nachfolgende Bild nur einen bescheidenen Eindruck.


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Die unteren Ecken sind etwas abgerundet, aber ich lasse es so. Sonst würde ich meine Schwestern beschneiden ...,

Sehr viel mehr Aufwand war das Panorama aus vier Negativen der Rolleiflex, das ich vor einigen Jahren schon machte. Gescannt wurde mit dem Nikon Coolscan 9000, das Zusammenfügen mit einem speziellen Programm ging so leidlich. Aber meinen Eltern (Vater und Mutter reklamieren die Fotos beide für sich ....) ist ein Lapsus unterlaufen.


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Ich stelle mir das so vor: Die Kamera wurde von links nach rechts verschwenkt (Freihand) und vier Bilder gemacht. Bei der vierten Aufnahme dann "Huch, da sind ja noch Terrassen!" Also wird nach unten verschwenkt. Resultat: Beim Negativ rechts fehlten große Partien des Himmels. Die habe ich mit Lightroom hinzu gefügt. Dafür fehlten auf allen drei anderen Negativen große Teile des Bodens. Hier kostete mich die Reparatur viel Zeit. Heutzutage, mit den Mitteln der KI, ginge das besser.

Auch das Bild hier vermittelt nur einen vagen Eindruck. Ausbelichtet auf 240 x 60 cm und aufgezogen auf Alu-Dibond hängt es im Klavierzimmer meines Vaters. Man kann Ziegelsteine zählen.
 
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Nach einer Nacht in der Wüste unweit von Nayband ging es weiter. Die Regenfälle der letzten Tage sorgten weiterhin für Auswirkungen.

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Immer wieder querten Bäche und kleinere Flüsse die Schotterstraße.


Manchmal glich die Gegend eher einer Marslandschaft.

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Das Wetter blieb wechselhaft. Wasser, Schlamm und Sand setzten dem Material zu.

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Und so ist es im Nachhinein kein Wunder, dass auf einmal ein Radlager des Zeltanhängers eine kleine Rauchwolke produzierte und das Rad gleich darauf blockierte. Es gibt davon keine Fotos, daher die Geschichte kurz in Prosa:

Das Missgeschick geschah in Sichtweite eines kleinen Dorfes. Bis zu diesem wurde der Anhänger, etwas gegen seinen Willen, noch geschleppt. Wir bekamen für das Zelt ein Quartier in irgendeinem Innenhof und die Männer machten sich mit dem Peugeot auf die Suche nach einem Mechaniker im nächstgelegenen Städtchen. Dieses erreichten sie nach knapp zwei Stunden, fanden einen „ Mohandes“ (Ingenieur) und so kamen sie nach fünf Stunden zu dritt zurück. Der Mechaniker hatte etwas Werkzeug dabei und ein Radlager. Ich kann mich erinnern, wie er konzentriert arbeitete und auf Fragen des Vaters, ob es denn klappe, immer wieder zuversichtlich sagte. " Mishé, mishé!" (Es klappt, es klappt!). Aber irgendwann sagte er. "Nemishé." Das Lager passte nicht. Also nochmal in das Städtchen, ein anderes Lager holen, das passte. Die ganze Aktion kostete uns zwei Tage. Ich kann nicht recht verstehen, dass es davon keine Fotos gibt. Nur das hier:

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Der erwähnte Mechaniker betankt unser Auto. Das Foto entstand nach Abschluss der Arbeiten in seiner "Werkstatt", die auch gleichzeitig eine "Tankstelle" war. Lustig ist auch das selbstgemachte Kennzeichen am Bulli. Auch wir hatten in Indien ein selbst gemaltes. Bei solchen Straßen fallen die gerne mal ab....



 
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Nebenbei: Dass solche Zeltanhänger für diese Bedingungen nicht gemacht wurden zeigte sich schon wenige Monate später, im Sommer des gleichen Jahres bei der Rückfahrt aus Indien.

IMG_0490.jpeg

In Afghanistan, zwischen Herat und Kandahar, war das andere Lager fällig.

Siehe auch hier:
Beitrag im Thema 'Hitze, Elend, Menschen & Kultur: 12.000 km nach Kathmandu und retour'
https://www.nikon-fotografie.de/com...nach-kathmandu-und-retour.307726/post-2926790
 
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Wir saßen beim Frühstück mitten im Nirgendwo. Um einen Hügel kam eine Herde Schafe und Ziegen. Sie interessierten sich nicht weiter für uns, da an unserem Lagerplatz kaum ein Hälmchen wuchs. Aber ihr Hirte war neugierig.

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Er wirkte recht schüchtern, wagte dennoch eine kleine Kommunikation mit uns. Leider verstanden wir ihn nicht. Entweder sprach er kein Farsi oder einen für uns unverständlichen Dialekt.


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Weiter ging es durch menschenleere Landschaften

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Aber wir kamen nicht weit. Der Motor unseres Autos ging aus und ließ sich nicht mehr starten. Da keiner eine große Ahnung von Motoren hatte blieb nur die Möglichkeit, in Kerman, der nächstgelegenen Stadt, einen "Mohandes" aufzutreiben. Unsere Reisebegleiter machten sich auf die Fahrt in die knapp 70 km entfernte Großstadt Kerman. Während wir warteten erzählte der Vater, dass sie bei der kürzlichen Fahrt auf der Suche nach einem Mechaniker und einem Radlager mehrere Flüsse und Bäche durchquerten. Einmal, es war bereits dunkel, wäre das Auto so tief ins Wasser eingetaucht, dass es urplötzlich dunkel wurde. Die Scheinwerfer waren kurzzeitig unter Wasser. Das könne das Problem verursacht haben.

Unsere Reisebegleiter kamen zurück und sie hatten tatsächlich einen Mechaniker dabei. Ich werde nie das Bild vergessen, als er ausstieg. In der einen Hand trug er einen kleinen zylinderförmigen Gegenstand, in der anderen einen Schlitzschraubendreher. Er hielt, während der Vater Startversuche machte, den Schraubendreher mal hier hin, mal da hin. Hier funkte es, da nicht. Er schraubte ein zylinderförmiges Teil aus und setzte das mitgebrachte ein. Und das Auto sprang sofort an.

Der Mann hatte sonst nichts dabei. Nur einen Schraubendreher und einen (heute weiß ich es) Zündverteiler.
 
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Von Kerman gibt es keine Fotos. Wahrscheinlich ging es sofort auf die Heimreise. Bei Yazd machten wir kurz Halt an einem Dakhme, ("Turm des Schweigens"), siehe auch hier:



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Warum wir uns nach nur einem Jahr diesen Turm wieder anschauten, weiß keiner mehr. Vielleicht waren die Kollegen hier noch nicht gewesen.
Und das Licht war dieses Mal dramatischer.

Danach erfüllten die Erwachsenen den größten Wunsch der Kinder: Es ging zu den Sanddünen.

 
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Als Kinder hatten wir zunächst falsche Vorstellungen von der Wüste: Sie besteht aus Sand, so dachten wir. Sanddünen, Kamele, Weite. Bilderbuchwüste eben. Nun, die Weite gab es, hin und wieder sah man auch Kamele, aber Sand ist in den iranischen Wüsten nicht so häufig. Die Wüste ist steinig. Aber hin und wieder fuhren wir an Sanddünen vorbei. Sofern sie von der Schotterstraße auf kurzem Weg erreichbar waren (meist waren sie es nicht oder zumindest nicht leicht),

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mussten die Eltern halten damit wir im Sand toben können. Nordöstlich von Yazd gibt es ausgedehnte Sanddünen und unsere Reisebegleiter kannten zum Glück den Weg dorthin. Wir verbrachten zwei Nächte an unterschiedlichen Standorten.


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Am ersten Abend erreichten wir nur kleinere Dünen.


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Egal, Hauptsache, Sand!



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Ein Foto mit der Instamatic. Grottig wie immer, aber eine, wie ich finde, schöne Szene.

 
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Am nächsten Tag ging es tiefer in die Wüste und zu größeren Dünen. Die Anfahrtswege zu solchen Spots machten im Kreis der Lehrerinnen und Lehrer an der DST die Runde. Mehr als eine handschriftliche Skizze gab es nie. Meist reichte sie aus. Straßen gab es hier weit und breit nicht, auch nur rudimentäre Schotterpisten. Oft ging es absolut weglos durch die Wüste.


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Immer faszinierend: Im Hintergrund Schnee auf den Bergen.




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Schöner konnte ein Zeltplatz für uns Kinder nicht sein.

 
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Ein Tag noch den Sand genießen, dann ging es auf die elend lange Fahrt nach Tehran. Wie immer wurde am Ende die Zeit knapp, schließlich gingen von den 14 Tagen Schulferien 2 1/2 durch Pannen ziemlich verloren.


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Im memoriam Claudia, 1963 - 2017

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Das war's mit unseren Nouruz-Reisen. Möglicherweise werde ich weitere Fotos aus den fünf Jahren im Iran, die nicht auf größeren Reisen entstanden sind, in einen Sammelthread packen. Schaunmermal.

دست شما درد نکنه

Daste schoma dard nakonad!*

*Das ist Tehraner Dialekt ....
 
1 Kommentar
ni27fo
ni27fo kommentierte
Sehr schön gemacht und schön die alten Bilder (y)

Ich habe einiges gelernt.
 
Vielen Dank, dass du uns mit deinen Bildern auf diese abenteuerliche Reise mitgenommen hast. You made my day, wie man so schön sagt.
Das letzte Bild macht mich tatsächlich betroffen, auch wenn ich Claudia nicht kannte. Irgendwie fühlt es sich so an, als wäre ich mit ihr auf der Reise gewesen.
 
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Vielen Dank für den interessanten Reisebericht.
Besonders gut gefällt mir das Bild in Beitrag #31.
Die Landschaft wirkt wie aus einer Computerannimation für einen Fantasy-Film.
Die schlängelnde Straße, die schroffen Berge, keine Ortschaften, das kann nicht von dieser Welt sein.
 
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Wieder ein sehr eindrucksvoller, schöner Reisebericht, der uns in eine ferne und vergangene Zeit versetzt - aufgenommen in unsere Highlights (y) (y) (y)
 
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Vielen Dank, Bettina. Es ist schön, dass die Berichte Anklang finden. Ich war mir, als ich an die Arbeit ging, gar nicht sicher ob sich jemand für diese alten Kamellen interessiert. Und so richtig habe ich erst während dieser Arbeit realisiert, wie gut manche Fotos meiner Eltern sind. Insbesondere die kleinen Abzüge von den Negativen der Rolleiflex in den Fotoalben bieten nur einen schwachen Eindruck von dieser Qualität. Aber auch die meisten Dias wirken so richtig erst nach der Restauration.

Inzwischen ist auch das Fotobuch dieser Reise von 1976 da.

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Die Trilogie unserer Nouruz-Reisen auf insgesamt 262 Seiten ist damit abgeschlossen.

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Und weil dieser Part abgeschlossen ist habe ich das letzte Buch mit Ausführungen zum "Making of ..." ergänzt.

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Es wäre durchaus interessant gewesen, zu erfassen, wie viele Stunden ich mit allem beschäftigt war. Habe ich aber nicht.
 
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