Falsche Brennweite des Tamron 28-300?

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.

freakazoid

NF Mitglied
Registriert
Hallo liebe Forengemeinde!

Ich habe mir im Frühjahr des Jahres eine D40 samt 18-55 Kitobjektiv zugelegt. Später kam das Tamron AF 28-300mm F/3,5-6,3 XR Di VC dazu, mit dem ich entgegen vieler negativer Meinungen in vielen Foren recht zufrieden bin. Ich lese seitdem täglich hier im Forum, hatte bisher aber noch nicht das Bedürfnis (und den Mut), etwas zu schreiben. Seit heute! Das sei aber nur am Rande erwähnt und ist nicht der Grund, weswegen ich diesen Thread verfasst habe.

Ich war heute mit dem Neffen meiner Frau und seiner EOS 40D samt Sigma 70-200mm F2,8 EX DG Makro unterwegs auf Viechzeuchsuche. Spinne gefunden, Objektiv aufgebaut, anvisiert und losgelegt. Nun kam sonderliches zum Vorschein: Selbst bei vollem Aushub meiner 300mm Brennweite bekam ich die Spinne nicht annähernd so vollformatig aufs Bild, wie mein Begleiter. (Wir haben das Stativ nicht vom Fleck gewegt)

Um dies bildlich zu veranschaulichen, habe ich mal 2 Bilder angehängt (die komplett unbearbeitet und lediglich verkleinert sind), damit ihr euch eine Meinung machen könnt. (Ja, ich weiß, dass beide nicht wirklich scharf sind, die EOS einen total verdreckten Sensor hat und der Weißabgleich auch daneben ist, also bitte spart euch Kommentare diesbezüglich :p )

Das Sigma:


Mein Tamron:


Wie ihr den Exifs entnehmen könnt ist das Bild der Sigma bei 150mm geschossen, das Tamron bei 300mm. Ich bin vielleicht nicht der tollste Fotograf, aber ein wenig rechnen kann ich: Laut Homepage von Tamron (ich weiß nicht, ob ich den Link hier posten darf, deshalb lass ich es lieber) rechnen sie mit einem Crop-Faktor von 1,55 (300mm Vollformat sollten demnach 465mm auf meinem Sensor entsprechen). Sigma rechnet soweit ich weiß mit Faktor 1,6 (und demnach ähnlich). Bei annähernd gleicher Sensorgröße meiner D40 (23,7x15,6mm) und der EOS 40D (22,2x14,8) sollten diese Variablen zu vernachlässigen sein. Das Objekt der Begierde sollte bei mir demnach größer abgebildet sein, oder? Warum zur Hölle ist die Spinne (siehe Bilder) bei meinem Begleiter nun aber bei halber Brennweite immer noch fast doppelt so groß abgebildet wie bei mir? Auch wenn ich noch ziemlicher Anfänger bin, ist der Neffe meiner Frau doch schon ein recht versierter Knipser, der sich darauf auch keinen Reim machen kann.

Habt ihr irgendwelche Ideen? :nixweiss: Oder sind wir nur zu blöde? Kann das Objektiv defekt sein? (Das erscheint mir doch ziemlich unwahrscheinlich) Oder bescheißt mich Tamron? :D
 

Rabenkraehe

Sehr aktives NF Mitglied
Registriert
Wie ihr den Exifs entnehmen könnt ist das Bild der Sigma bei 150mm geschossen, das Tamron bei 300mm. Ich bin vielleicht nicht der tollste Fotograf, aber ein wenig rechnen kann ich: Laut Homepage von Tamron (ich weiß nicht, ob ich den Link hier posten darf, deshalb lass ich es lieber) rechnen sie mit einem Crop-Faktor von 1,55 (300mm Vollformat sollten demnach 465mm auf meinem Sensor entsprechen). Sigma rechnet soweit ich weiß mit Faktor 1,6 (und demnach ähnlich). Bei annähernd gleicher Sensorgröße meiner D40 (23,7x15,6mm) und der EOS 40D (22,2x14,8) sollten diese Variablen zu vernachlässigen sein. Das Objekt der Begierde sollte bei mir demnach größer abgebildet sein, oder? Warum zur Hölle ist die Spinne (siehe Bilder) bei meinem Begleiter nun aber bei halber Brennweite immer noch fast doppelt so groß abgebildet wie bei mir? Auch wenn ich noch ziemlicher Anfänger bin, ist der Neffe meiner Frau doch schon ein recht versierter Knipser, der sich darauf auch keinen Reim machen kann.

Habt ihr irgendwelche Ideen? :nixweiss: Oder sind wir nur zu blöde? Kann das Objektiv defekt sein? (Das erscheint mir doch ziemlich unwahrscheinlich) Oder bescheißt mich Tamron? :D

Also der Reihe nach:

  • Der Crop-Faktor hängt nicht vom Hersteller des Objektivs ab, sondern von der Sensorgröße, damit also von der Kamera. Bei der 40D ist er 1,6, bei der D40 1,5 - und zwar jeweils für beide Objektive gleich!
  • Die Aufnahmen sind auf sehr kurze Entfernung entstanden. Beide Objektive fokussieren zumindest zu einem erheblichen Teil durch Verkürzung der Brennweite. Zufällig ergibt sich da halt bei dem Sigma aus der Kombination von effektiver Brennweite und Abstand ein deutlich größerer Abbildungsmaßstab als beim Tamron. Im Fernbereich sollten die Brennweiten hoffentlich ungefähr stimmen. (Übrigens steht in den EXIFs was von 56 cm Abstand. Eine einfache Linse von 300 mm Brennweite bräuchte mindestens 1,2 m Abstand zwischen Objekt und Bild, um eine scharfe Abbildung erzeugen zu können ...)
 
Kommentar

freakazoid

NF Mitglied
Registriert
Also der Reihe nach:

  • Der Crop-Faktor hängt nicht vom Hersteller des Objektivs ab, sondern von der Sensorgröße, damit also von der Kamera. Bei der 40D ist er 1,6, bei der D40 1,5 - und zwar jeweils für beide Objektive gleich!

Ok, da mag ich einen Denkfehler gehabt haben. Ich dachte, da Tamron mit einem Cropfaktor von 1,55 rechnet bedeutet dies, dass sie von einer APS-C Sensorgröße von ca 15,48x23,23 rechnen und ich das dann zusätzlich auf die Sensorgröße der beiden Kameras (D40 23,7x15,6mm und der EOS 40D 22,2x14,8mm) beziehen müsste, um den genauen Crop-Faktor zu ermitteln. Aber selbst wenn ich damit falsch liege, ist das ja auch nicht der Grund für mein Problem.

Eine einfache Linse von 300 mm Brennweite bräuchte mindestens 1,2 m Abstand zwischen Objekt und Bild, um eine scharfe Abbildung erzeugen zu können ...)

Das Tamron hat bei 300mm eine Naheinstellgrenze von 49 cm. Wie du richtig erwähnt hast, waren wir so zirka 56 cm weg (mit beiden Objektiven), demnach relaiv nah dran an der dichtesten Entfernung zum zu fokussierenden Objekt. (Wo hast du die 56cm gelesen? Ich find die bei meinem exifviewer nicht :nixweiss:)

Wenn ich jetzt 1,2m von der Spinne weggehen würde, würde ich Sie ja gar nicht mehr sehen, da ich ja bei dem geposteten Bild schon die maximale Brennweite ausgenutzt habe. Ich bin ja nun schon so nahe dran gewesen wie möglich, sprich formatfüllender habe ich sie nicht geschafft zu fotografieren (Und das wie gesagt bei 300mm Brennweite). Irgendwie befriedigt mich diese Antwort noch nicht so richtig. :nixweiss:
 
Kommentar

foxmulder

Auszeit
Registriert
Irgendwie befriedigt mich diese Antwort noch nicht so richtig. :nixweiss:

Sie ist aber im Grunde schon des Rätsels Lösung. Die Brennweite eines Objektivs bezieht sich immer auf die Entfernungseinstellung Unendlich. Bedingt durch die modernen Objektivkonstruktionen spielen sich dann beim fokusieren wundersame Linsenverschiebungen im Inneren des Objektivs ab, die zwar für ein scharfes Bild sorgen, aber idR auch für eine Brennweite die nicht mehr zum aufgedruckten Wert paßt. Ist so, läßt sich nicht ändern, muß man mit leben, ist auch kein spezielles Problem dieses Tamrons, das 18-200er Nikkor ist auch so ein Kandidat, bei dem fällt die Brennweite im Nahbereich bei Einstellung 200mm auf unter 150mm.

Gruß
Dirk
 
Kommentar

freakazoid

NF Mitglied
Registriert
Bedingt durch die modernen Objektivkonstruktionen spielen sich dann beim fokusieren wundersame Linsenverschiebungen im Inneren des Objektivs ab, die zwar für ein scharfes Bild sorgen, aber idR auch für eine Brennweite die nicht mehr zum aufgedruckten Wert paßt.
Dirk

Hallo Dirk! Das mach Sinn und leuchtet mir ein. Ich hätte nur nicht gedacht, dass es so extrem sein kann und die Brennweite offensichtlich im Grenzbereich des Fokus bei um die 50 cm (Was ja bei 300mm schon fast ein Konstruktionswunder ist) auf unter 150mm effektiv sinkt. Das hab ich nun von dem riesigen Brennweitenbereich von 28-300! :rolleyes: Vielen Dank für diesen Denkansatz. Demzufolge müsste sich dieser Effekt bei größerer Fokusentfernung aufheben, richtig? Leider können wir es nicht mehr testen, da mein Neffe samt Objektiv schon wieder weg ist.

D.h. wenn ich nicht auf größerers Viechzeuch umsattle werde ich wohl in näherer Zukunft nicht um ein richtiges Makroobjektiv herumkommen! :D

Wenn ihr mir noch nun noch sagen könnt, wie man aus den Exif-Daten die Fokusentfernung ablesen kann, bin ich zu ewigem Dank verpflichtet und ziehe meine Frage zurück! :)
 
Kommentar

foxmulder

Auszeit
Registriert
Wenn ihr mir noch nun noch sagen könnt, wie man aus den Exif-Daten die Fokusentfernung ablesen kann....

Um Entfernung angezeigt zu bekommen benötigst du einen Exifer-Viewer der diesen Wert ausliest, das kann z.B. PhotoME, irgendwo im Bereich Hersteller-Informationen im unteren Drittel.
Allerdings sollte man diese Entfernungsangabe nicht überbewerten, das ist eher eine grobe Schätzung als eine wirklich präzise Meterangabe.

Gruß
Dirk
 
Kommentar

Rabenkraehe

Sehr aktives NF Mitglied
Registriert
Ich hätte nur nicht gedacht, dass es so extrem sein kann und die Brennweite offensichtlich im Grenzbereich des Fokus bei um die 50 cm (Was ja bei 300mm schon fast ein Konstruktionswunder ist) auf unter 150mm effektiv sinkt. Das hab ich nun von dem riesigen Brennweitenbereich von 28-300! :rolleyes: Vielen Dank für diesen Denkansatz. Demzufolge müsste sich dieser Effekt bei größerer Fokusentfernung aufheben, richtig?
...
Wenn ihr mir noch nun noch sagen könnt, wie man aus den Exif-Daten die Fokusentfernung ablesen kann, bin ich zu ewigem Dank verpflichtet und ziehe meine Frage zurück! :)

Den Denkansatz hast Du in meiner ersten Antwort wohl überlesen, hmm? ;) Na, macht nix.

Zur "Extremität" der Brennweitenveränderung: Wenn wir nochmal die sogenannte "dünne Linse" bemühen (was Dein Objektiv ganz sicher nicht ist), wäre die längste Brennweite, die auf 49 cm fokussieren kann, 122,5 mm (kürzeste Distanz Objekt-Bild ist immer 4xBrennweite). Das wäre dann aber eine Abbildung im Maßstab 1:1, wovon Du noch weit weg bist. Am Nahanschlag sind von Deinen 300 mm schätzungsweise weniger als 100 übrig.
Mein 150er Makro erreicht aus 38 cm Maßstab 1:1, das 105er aus 31,4 cm - also wohl auch schon teilweise über Brennweitenverkürzung, aber viel weniger extrem...

Für die EXIF-Daten hab ich das "ExifTool" (http://www.sno.phy.queensu.ca/~phil/exiftool/) verwendet. Und ja, die Entfernungsangabe ist nicht so genau, wie sie vorgibt.

Grüße, Andreas
 
Kommentar
Oben Unten