Dein Engagement in Ehren Patrick - aber was meinst du was passiert, wenn wir Verbraucher ab sofort alle nur noch bewußt "teuer" (oder zumindest: teurer) einkauften?. Meinst du, dadurch würde auch nur ein Arbeitsplatz mehr geschaffen? Oder auch nur ein Angestellter/Arbeiter einen Euro mehr verdienen? Im Gegenteil: viele Produzenten würden noch größere Geschäfte wittern und trotz steigender Gewinne noch weiter rationalisieren. Das Problem ist mE weniger die "Geiz ist geil"-Mentalität der Verbraucher, sondern vielmehr das maßlose Gewinnstreben vieler Produzenten. Allerdings gilt für beides gleichermaßen: man sollte es nicht auf die Spitze treiben.
Hallo Jan and all,
ich denke mir, dass in der Mitte so etwa die Wahrheit liegt.
Das Händler- und Firmensterben in den 80er und 90er Jahren sowie Anfang diesen Jahrhunderts war wohl das Resultat eines Marktumbruchs und einer gewissen Marktbereinigung.
Wenn ich nnur mein persönliches Konsumverhalten betrachte, dann ging es im fotografischen Sektor kontinuierlich nach unten - einfach weil mir neben der Zeit auch das Geld fehlte um es zu verkonsumieren. In der analogen Fotografie und als Privatperson wäre ich heute vermulich der 1 Film/Jahr Knipser geworden.
Die digitale Fotografie hat mir den Spaß an der Freud beschert, weil ich halt bis auf die Anfangskosten erst einmal keine kontinuierlichen Folgekosten habe, da ich weder Flmentwicklung noch Abzüge bezahlen muss.
Daraus resultierte nun auch ein verringerter Umsatz bei den Händlern, da ich nicht alleine mit diesem Verhalten war. Die Folge war auch, dass bis auf wenige Fotolabore, der größte Teil dichtmachen musste. Wer erinnert sich noch an 2004, als CEWE bereits das einzig bekannte Labor war, welches verzweifelt über gezielte Marketingmaßnahmen den Markt und die eigene Existenz zu retten versucht hat. Wie mir scheint, mit Erfolg und wohl auch durch das sich auf einige wenige Anbieter konzentrierte Massengeschäft. Was glaubt ihr, bleibt bei eine 9 Cent-Bild wirklich an Gewinn? Ich würde hier grob kalkulieren 1/10 Cent! Da werden laufede Kosten nur über Massenfertigung bewältigt.
Das "Immer-Billiger-haben-wollen" führt in der Folgekonsequenz zu versteckten Kostensteigerungen. Beispiel Canon PIXMA Drucker - bis zum Modell 4500 war die Tintenmenge 15ml, beim Modell 4600 - welches vom Start weg weniger kostet, als der Vorgänger - ist die Menge auf 9ml gesenkt worden. Bei unveränderten Preisen für die Druckpatronen liegen nun die Kosten um rund 60 Prozent höher. Damit verdient Canon nicht mehr am Drucker aber nun am Verbrauchsmaterial. Andere Anbieter machen das auch so oder so ähnlich!
Ihn ähnlicher Situation befinden sich ALLE Hersteller. Der Kunde entscheidet ein ganzes Stück weit mit, was ihm geboten wird bzw. was er sich künftig bieten lassen muss.
Features wie ein Okularverschluss an Kameragehäusen, eine hochwertige Belederung, ein einwandfreies AF-System usw. waren zu analogen Zeiten selbstverständlich (nur um Mal ein paar Punkte rauszugreifen). Die Kameras waren sicherlich höher im Preis bezogen auf den Stundenlohn, aber wenn ich mir das ein oder andere Modell und de Umgang mit diesem Stück Technik bei den Nutzern/Käufern anschaue, dann stelle ich wohl zu recht die Frage in den Raum: "Sind diese auch preiswert?"
Billig ist mir persönlich zu teuer, denn wenn ich etwas kaufe, dann bin ich eher investierend tätg und nicht nur konsumierend. Ich kaufe mir keine Kamera und kein Objektiv, welches ich bereits nach kurzer Zeit "wegwerfe" sprich wieder verkaufe, weil es wieder was Neues gibt. Ich will bei den Produkten, die mich umgeben und die ein Stück weit auch meine Lebensphilosophie darstellen, das Gefühl haben, dass ich etwas von Wert besitze. Das Gefühl ist wohl einem Großteil der Bevölkerung abhanden gekommen.
Der Wirtschaftskreislauf ist derzeit nur auf Ruin ausgerichtet. Produzenten produzieren vielfach billiger (und nicht preiswerter) und können vielfach nur noch beschränkt Arbeitskräfte einsetzen. Dadurch kommt ein größerer Anteil an Menschen nicht mehr in den Genuss, so viel übrig zu haben, dass sie konsumieren können, was dazu führt, dass die Nachfrage sinkt und die Hersteller entweder ene Überproduktion haben oder aber zu Kurzarbeit greifen, damit der Verlust der Produktionskosten nicht zu groß wird. Und so setzt sich die Spirale solange fort, bis wir eine Weltwirtschaftskrise haben - wie aktuell in ANSÄTZEN erkennbar wird.
Uns geht es noch immer gut - ich bin dazu bereit, mein Teil dazu beizutragen ohne das ich das Gefühl habe, dass es mir dadurch in anderen Bereiche schlechter geht.
Mein Händler ist froh, dass ich bereit bin, seine Arbeitsleistung und sein Geschäftsrisiko anzuerkennen und lasse ihm die Luft zum Atmen (Verdienen)...
Sobald das die Verbraucher endlich wieder realisieren, wird es auch endlich wieder eine gesamtwirtschaftliche Umkehr und Fortschritt für Alle bringen.
Davon bin ich überzeugt!
Helmut