Hallo riegwe!
Tatsache ist leider dass auch immer wieder unter dem Deckmantel der Wissenschaft "gute Geschäfte" gemacht werden (genauso wie unter dem Titel "Esoterik" und "Spiritualität").
Wenn du mal auf deine Wortwahl achtest, sprichst du vom "Deckmantel", also einem bewußten Missbrauch. Den gibt es natürlich, immer dann wenn wirtschaftliche Interessen im Spiel sind, dann ist gar nichts mehr sicher! Aber die Beispiele die du nennst, sind zum Teil auch auf Irrtümern begründet, insbesondere die medizinischen. Ein "nicht-wissenschaftlicher" Ansatz hätte da aber auch nicht geholfen.
Wissenschaft lässt per Definition den Diskurs über sich, ihre Hypothesen und ihre Theorien zu. Das ist etwas, was den meisten esoterischen, spirituellen oder religiösen Gebieten nicht zu eigen ist, die sich dann oft auch in den Bereich begeben, der allgemein als Pseudowissenschaft bezeichnet wird -- Kreationsimus ist ein Beispiel.
Tatsache ist auch dass wir eine Einheit aus Körper + Geist + Seele sind, so Sigmund Freud etc.[...]
Ein nicht ganzheitlicher Ansatz lässt (bewusst) viele Dinge unberücksichtigt.
bis hier hin Stimme ich zu. Ich sehe in Körper und Geist auch eine Einheit. In der Wissenschaft ist der Gedanke aber auch schon seit Ewigkeiten vertreten.
Die Wissenschaft ist aber immer durch eine streng stringente Vorgehensweise charakterisiert, und dazu ist es notwendig Abgrenzungen vorzunehmen. Jedes berechenbare (ja da ist es wieder - logisch beweisbare) Modell braucht definierte Randbedingungen, sonst funktioniert es nicht.
Modelle sind nichts typisch wissenschaftliches. Menschen bilden immer Modelle, egal über was. Das entscheidende ist nicht nur die Annahmen dahinter zu kennen, sondern auch Erkenntnisse über den Gültigkeitsbereich zu gewinnen -- im Zweifel im Experiment. DAS ist wiederum ein Kriterium für wissenschaftliches Arbeiten. Dazu gehört eben auch die Falsifizierbarkeit eines Modells, einer Theorie oder Hypothese zu erhalten. Religionen oder esoterische Gedankengebäude erlauben es i.d.R. nicht. Zumindest die wenigsten Religionen erlauben Zweifel an ihrer Gottheit oder ihren Schriften.
In der Physik scheint die String-Theorie derzeit immermehr gegen die Falsifizierbarkeit zu verstoßen, was für die Anhänger dieser Theorie auch in der Wissenschaftsgemeinde ernsthafte Argumentationsschwierigkeiten bedeutet.
Und genau an diesen (theoretisch wohl definierten, aber niemals exakt realen) Grenzen passiert "Es" dann immer wieder - die Verschiebung unseres "geistigen Horizonts".
Die Verschiebung des Geistigen Horizonts ist aber gerade ein wissenschaftliches Phänomen, wenn man das mal mit den definitiv eher statischen Religionen vergleicht. Es ist doch letztlich immer die Wissenschaft, die ihre Grenzen selbst erweitert.
Im übrigen ist das auch kein so sprunghafter Prozess, wie es oft dargestellt wird. Einstein ist nicht plötzlich mit der Relativitätstheorie im Kopf aufgewacht, da gab es viele, viele Vordenker! Und Newton lag dtrotz Relativitätstheorie nicht vollkommen falsch. Das wird gerne übersehen. Wissenschaft ist ein evolutionärer Prozess.
Denn "das Leben" ist chaotisch und unendlich, damit lässt sich schlecht "wissenschaften"
Mit der Aussage, dass Leben chaotisch sei, wäre ich vorsichtig. So chaotisch ist es gar nicht, wenn man mal schaut, mit welcher Stabilität es über lange Zeiträume existiert und die Evolution macht keine großen Sprünge. Unendlich? Was meinst du damit?
Aus wissenschaftlicher Sicht kann ich nur raten etwas mehr Sorgfalt bei der Argumentation mit Begriffen wie Chaos und Unendlichkeit walten zu lassen. Ich habe das Gefühl, du meinst etwas anderes damit, aber damit verlieren wir dann eine Diskussionsgrundlage. Übrigens auch ein Phänomen des "Nicht-Wissenschaftlichen", sich in Wortspielen bzw. Begriffen, deren Bedeutung eher beliebig ist, zu verlieren. Dann lässt sich damit in der Tat schlecht "wissenschaften". Deswegen spielt die Mathematik in der Wissenschaft auch diese zentrale Rolle, sie ist eine Möglichkeit Begriffe universell zu definieren. Es geht nicht nur um das Rechnen.
(bin kein prinzipieller Gegner der Wissenschaft, im Gegenteil, aber ich denke wir brauchen beides - Geist und Seele - Yin und Yang,
Wo ist der Widerspruch zur Wissenschaft?? Ich sehe in Geist und Seele nichts unterschiedliches. Beides ist IMO das gleiche Phänomen, dass aus dem emergenten Zusammenspiel "einfacherer" Einheiten entsteht (z.B. Nervenzellen im Gehirn).
und wehe dem der einseitig, einsichtig vorgeht, der nimmt Schaden oder noch schlimmer fügt anderen Schaden zu
Da stimme ich vollkommen zu. Das ist aber ebenfalls kein Widerspruch zur Wissenschaft... im Gegenteil. Es ist genau der Punkt, die Modelle kritisch zu betrachten. Alles auf einmal wirst du mit oder ohne Wissenschaft nicht betrachten können. Die Wissenschaft kann aber helfen den "Denkausschnitt" günstiger zu wählen.
Wirtschaftswissenschaften hatten wir schon.
Und wie sieht es mit den "Religionswissenschaften" aus

?
["die Erde ist eine Scheibe", "die Sonne dreht sich um die Erde", "Ketzerei", etc.]
Genau das sind ja die Aspekte, die als "nicht-wissenschaftlich" gelten. Die Religionswissenschaften sehe ich sehr gespalten. Was die Erkenntnisse über die Welt, das Leben und die Entstehung all dessen betrifft, sehe ich sie in weiten Teilen auf dem Holzpfad.
Selbst die logische Disziplin der Wissenschaft ist davon abhängig dass ihre Methoden "akzeptiert" werden (viele waren es lange Zeit nicht, und sind es jetzt gerade nicht, und werden es auch in Zukunft nicht sein).
Das müsstest du einmal genauer erklären. So wie es da steht kann ich nicht zustimmen.
Es gibt eben nicht die "eine Wahrheit" - die Wahrheit wird in unseren Köpfen als "intellektueller Durchschnitt" gebildet - und der verändert sich so, wie alles andere sich ebenfalls verändert.
Es ist die Abbild der "Realität" in unserer "Vorstellungskraft".
Gar nicht unähnlich dem Vorgang wir Fotos entstehen

.
Übrigens etwas was in der Wissenschaft -- als globaler evolutionärer Prozess -- schon seit der Antike bekannt ist.
Selbst die Mathematik lässt sich nicht durch sich selbst beweisen wie Kurt Gödel schon gezeigt hat.
Das ist auch kein Argument "gegen" Wissenschaft. Es ist vielmehr ein Produkt der Wissenschaft selber, die ihre prinzipiellen Grenzen ein Stück weit zu erkennen vermag.