Mich würde interessieren, wie sich das eine Foto im Hundethread macht
Vielleicht sollte ich es mal ausprobieren, dann ergibt sich kurz später eine Sammelklage zwecks Ausschluss aus dem NF-F.
Fandest Du es einfach die Menschen anzusprechen fuer die Portraits?
Hi Cosmo,
ich fand es eigentlich irgendwann total selbstverständlich und ganz locker...
Ich finde, man sieht Portraits oft an, ob sie aus der Ferne "abgeschossen" wurden oder in direktem Kontakt mit den Menschen entstanden. Unter Verwendung mittlerer Festbrennweiten sind Kopf-/Schulter-Portraits eigentlich auch nicht möglich, ohne vorher zu fragen und das Einverständnis zu bekommen.
Manchmal war das schwierig, nicht zuletzt aufgrund der Sprachbarriere, aber auch, wenn ich beispielsweise aus einem fahrenden Boot heraus und damit zwingend schon lange vor dem ersten Kontakt fotografieren wollte. Dann genügte meist ein kurzes Winken, ein Zeig auf die Kamera, ein ermunterndes Lächeln und - so oft wie möglich - der anschließende Blick auf das Ergebnis. Das war das Mindeste, was ich im Gegenzug erbringen konnte, und viele hatten sich scheinbar noch nie auf einem Foto gesehen, was immer wieder zu herzlichen Momenten und dem ein oder anderen Plausch führte.
In Südostasien waren die Menschen meist sehr offen der Kamera gegenüber, manchmal etwas peinlich berührt, ängstlich-neugierig oder beschämt, aber spätestens nach einem ersten Blick auf das Display dann hin und weg. Die Nord-Vietnamesen (und später die südamerikanischen Indios) waren da viel verschlossener, fanden sich mitunter gar "hässlich und ungepflegt" (Zitat eines Indio), sodass ich oft Absagen erhielt - manchmal Dutzende am laufenden Band. An oben erwähntem Markttag hatte ich zunächst mit 200mm einfach "dokumentarische" Portraits gemacht und den Leuten gezeigt, dann war das Eis wirklich schnell gebrochen und nach dem ein oder anderen Reisschnaps wollte dann plötzlich jeder von oder mit dem Weißen fotografiert werden.

Häufig musste ich nach der ersten Auslösung schon "herzeigen!", wobei die Leute nicht zwischen dem Geräusch des Auslösers oder der Abblendtaste unterschieden haben, was manchmal für Verwirrung sorgte...
Ich habe mir auch entsprechende Gedanken um die Nutzung der Bilder gemacht - schließlich zeige ich sie in diversen Medien, ohne eine richtige Einverständniserklärung bekommen zu haben. Aber wie soll ich eine 80jährige Burmesin fragen, ob ich ihr Konterfei auch im Internet zeigen darf? Kennt sie das überhaupt? Und wenn, ist sie sich der Tragweite dieser Einwilligung bewusst?
Ich habe letztlich für mich entschieden mich mit der Erkenntnis zu begnügen, wenigstens ehrlich um das Foto gebeten und bei einer Absage auch keines gemacht, niemanden in peinlichen Momenten fotografiert zu haben und (hoffentlich) verantwortungsvoll mit den Bildern umzugehen...
Für mich ebenso oft mit Gewissensbissen verbunden waren auch jene Situationen, in denen die Leute
nach dem Foto Geld wollten... Stand vorher fest, dass es Foto nur gegen Geld gibt, habe ich gleich dankend abgelehnt - und wenn vorher kein entsprechender Deal kommuniziert wurde, auch im Nachhinein nicht bezahlt.
Sicher, 50ct für ein Bild sind nicht die Welt. Aber aus diesem Handel entwickelt sich schnell eine Masche, die vielerorts dazu führt, dass Ausländer konsequent übers Ohr gehauen werden. In Indien gibt es an jeder Ecke Bettelmönche, die für ein Bild 1$ verlangen - so viel verdient ein Bauer mit harter Arbeit an einem ganzen Tag. Die Mönche sind meist weder Mönche noch bettelarm, sondern unfreundliche Schlitzohren, die nicht nur nerven, sondern auch handgreiflich werden können. Andernorts wurden wir von Kinderscharen verfolgt, die - anstatt die Schule zu besuchen - von den Eltern zum Betteln genötigt werden. Die Kinder beherrschen das entsprechend perfekt, können dabei auch nur wenige Worte Englisch: "Hey, photo? Dollar!"
Mich beschlich oft der Eindruck, die Menschen würden ihre Seele verkaufen. Es gibt ganze Dörfer, die nur davon leben, dass ihre Einwohner in traditionellen Gewändern vor Touristenbussen posieren und schließlich ein paar Pfennige eintreiben. Die Landwirtschaft liegt dort entsprechend brach, viele Familienväter saufen, die Kinder gehen nicht zur Schule, und die eigentliche Tradition verkommt zum Kitsch (so gesehen in Sapa, Nordvietnam).
Sozialarbeiter rieten uns letztlich, bettelnden Kindern prinzipiell kein Geld zu geben, auch nicht den Eltern oder Lehrern, sondern in nicht veruntreubare Sachspenden zu investieren - wenn überhaupt.
Die ganze Sache ist ein mindestens zweischneidiges Schwert, die Wahrheit liegt irgendwo im Dunkeln, und ich kann jeden verstehen, der anders entscheidet...
Ok, ich bin in den nächsten Tagen kaum zu Haus und komme erst am Wochenende dazu, die letzten Bilder einzustellen - Entschuldigung schon einmal dafür.
