Die Lightroom Meisterklasse – Mit gezielter Nachbearbeitung zu besseren Fotos


PeterTaylor

NF-F Platin Mitglied
Als ich die Information bekam, dass oben genanntes Buch zur Rezension anstünde, war sofort klar, dass ich auf jeden Fall dieses Werk lesen musste. Martin Evening ist Pionier der ersten Stunde in den Themen Photoshop und Lightroom und ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der elektronischen Bildverarbeitung. Zusammen mit Katrin Eismann hat er Standardwerke für die Bildverarbeitung mit Photoshop geschaffen und daher war ich sehr gespannt, was er in seiner Lightroom Meisterklasse behandeln wird.
Das im dpunkt.verlag erschienene Buch umfasst 255 Seiten und ist als Softcover Version im Format 20x25cm ausgeführt. Dass das einem klassischen Fotoformat von 8x10 Inch entspricht, finde ich passend und eine subtile Hommage an das Medium Fotografie. Die 255 Seiten sind in acht Kapitel aufgeteilt, der Index schließt sich am Ende an. Die Kapitel behandeln folgende Themen:

1. Was macht ein gutes Foto aus? (10 Seiten)
2. Optimieren (55 Seiten)
3. Tonwert- und Farbkorrekturen (47 Seiten)
4. Abwedeln und Nachbelichten (27 Seiten)
5. Fotos neu komponieren (26 Seiten)
6. Bilder zusammenfügen (36 Seiten)
7. Schwarzweißkonvertierung (23 Seiten)
8. Retusche (24 Seiten)
9. Index (7 Seiten)

Zum Inhalt:
Ich muss gestehen, dass ich nach den ersten beiden Kapiteln etwas irritiert war. Erwartet hatte ich eher einen Einstieg nach dem Motto: „Was ist Lightroom?“, „Wozu braucht man es?“, „Was kann das Programm leisten und was nicht?“
Das Buch beginnt aber mit Ausführungen zum Thema Bildgestaltung, Bildqualität und Aufnahmetechnik. Erst auf der letzten Seite des Kapitels folgt unter der Überschrift „Worum geht es also?“ ein Ausblick auf die Ziele des Buches. Die Kernaussage des ersten Kapitels ist, Bilder mit einer Aussage zu fotografieren. Bilder für die es sich lohnt, Aufwand in die Bearbeitung zu investieren.

Ok, verstanden! Ungewöhnlicher Einstieg, aber nun ran an den Speck. Das nächste Kapitel steht unter der Überschrift „Optimieren“. So, jetzt aber die Tricks und Kniffs, die das Bild auf dem Bildschirm erstrahlen lassen. Farben, Kontraste, Belichtung, Ausschnitt und Schärfe optimieren wird damit wohl gemeint sein – weit gefehlt.

Erste Unterüberschrift, die wie folgt lautet „Von der Kamera zum Druck“. Bitte? Wieso Druck, wo ich doch noch kein Wort über die oben genannten Themen gelesen habe? An diesem Punkt war ich wirklich irritiert über den Aufbau des Buches. Im Nachhinein jedoch hat es schon eine Logik, die Schritte zu erläutern, die grundlegend für eine technisch optimale Aufnahme und damit für einen optimalen Druck / eine optimale Ausgabe sind. Ich hätte in diesem Stadium des Buches keinesfalls erwartet, dass ich über Zeit-/Blendenkombinationen, über Verwacklung reduzieren in Photoshop, über Objektivkorrekturen und –profile sowie über axiale chromatische Aberrationen und deren Behebung lesen werde. Aber Martin Evening bleibt seiner Linie treu und schließt gleich noch Erklärungen zu ISO Werten, Scharfzeichnungsworkflow, Rauschreduzierung und Moiré-Entfernung an. Nebenbei wird noch die ETTR (expose to the right) Belichtungsmethode abgehandelt und ein paar Sätze zur Bittiefe geschrieben. Uff, das war wirklich geballte Information zu Themen, die wahrscheinlich der durchschnittliche Lightroom Nutzer so kaum auf dem Schirm haben dürfte. Aber im Nachhinein, und das ist das Erstaunliche für mich, waren die Themen an der Stelle genau richtig platziert.

Im zweiten Teil des Kapitels „Optimieren“ geht es dann um die RAW-Verarbeitung in Lightroom und hier zum ersten Mal um die Möglichkeiten im Entwicklungsmodul. Kalibrierungseinstellungen (Kameraprofile), Grundeinstellungen und HSL/Farbe/SW Bedienfeld werden kurz beschrieben, um dann wieder einen unerwarteten Exkurs Richtung Photoshop zu machen. Das wird im weiteren Verlauf des Buches immer wieder vorkommen, da Martin Evening die beiden Programme für seinen Workflow eng verzahnt nutzt und mehrfach zwischen den Programmen wechselt, bis das Bild final bearbeitet ist. Ein Vorgehen, das ich selber so bisher noch nicht kannte. Um so arbeiten zu können, erklärt der Autor auch die erforderlichen Schritte, um ein in Photoshop bearbeitetes Bild später wieder in Lightroom weiterverarbeiten zu können. Da Qualität auf allen Ebenen oberstes Gebot ist, wird an dieser Stelle gleich noch ein Exkurs zum Thema Farbmanagement eingeschoben.

Spätestens hier ging mir ein Licht auf, warum das Buch „Lightroom Meisterklasse“ und nicht Lightroom für Anfänger“ heißt. Unglaublich dichte Informationen in wenigen Sätzen, bei denen Vorkenntnisse in der Bildverarbeitung unerlässlich sind, um den ganzen Nutzen daraus ziehen zu können. Empfehlungen zur Druckausgabe und zur Dateiverwaltung /-speicherung schließen das Kapitel ab.

Das Kapitel über Tonwert- und Farbkorrekturen (Kapitel 3, Seite 65!) ist mit „erste Korrekturen zur Optimierung Ihrer Bilder“ untertitelt. Hier werden Erwartungen erfüllt, die Werkzeuge im Grundeinstellungen-Bedienfeld und die Bedeutung und Interpretation des Histogramms erläutert und der Umgang mit der Gradationskurve veranschaulicht. An Beispielbildern werden der praktische Umgang mit den Reglern und Werkzeugen beschrieben und einige Hintergrundinformationen geliefert. In Summe ein sehr dichtes und gut bebildertes Kapitel, das unglaublich viele Informationen enthält.

Im Kapitel 4 „Abwedeln und Nachbelichten“ geht es hauptsächlich um die Werkzeuge Radialfilter, Verlaufswerkzeug, Korrekturpinsel und Vignettierung und das in mehrfacher und kombinierter Anwendung. Auch hier folgt im Kapitel ein recht ausführlicher Ausflug nach Photoshop, in dem Korrekturen mittels Einstellungsebenen erläutert werden.

Im Kapitel „Fotos neu komponieren“ widmet sich Martin Evening dem Freistellungswerkzeug und den Upright-Korrekturen sowie den Objektiv-/Winkelkorrekturen in Lightroom. Auch hier geht es ohne Photoshop nicht, denn bei recht komplexen Korrekturen des Bildausschnittes baut Herr Evening auch schon mal Bildteile an und vergrößert die Bildfläche mittels inhaltsbasierter Füllung in Photoshop. Hier ist schon eine konkrete Vorstellung der Korrekturen und eine ausgeprägte Visualisierungsfähigkeit nötig, um die Werkzeuge und Methoden vernünftig einsetzen zu können. Aber Übung macht den Meister…

Das Kapitel 6 beschäftigt sich dann mit HDR und Panoramen. Einerseits werden Möglichkeiten der Kontrastkontrolle mittels Verwendung mehrerer Aufnahmen unterschiedlicher Belichtung erläutert und andererseits auch das Zusammenfügen von Aufnahmen zu einer Gesamtaufnahme als Panorama erklärt. Spannend sind hierbei die Tipps und Tricks zu den Zusatzmodulen wie zum Beispiel Photomerge oder Ebenen automatisch ausrichten in Photoshop. Ich hätte nie gedacht, wie einfach es sein kann, mittels zweier Aufnahmen und Ebenen ausrichten störende Elemente im Bild verschwinden zu lassen. Zum Ende des Kapitels gibt es noch einen kleinen Exkurs zum Thema „Focus Stacking“.

Persönlich war für mich das Kapitel 7 zur Schwarzweißkonvertierung noch einmal ein Highlight. Hier habe ich Dinge gelernt, die ich so vorher noch nicht gekannt habe. Als Stichwort sei hier die Nutzung der Kamerakalibrierungsregler als Graustufentool oder die HSL-Korrektur mit weniger Sättigung erwähnt. Wieder ein Beleg dafür, wie tief der Autor in der Materie steckt und wie virtuos er die unterschiedlichen Optionen zu nutzen weiß. Bildränder über das Dialogfeld „Erkennungstafel“ und das Erzeugen eines Vintage-Looks in Photoshop runden das Kapitel ab.
Zum Abschluss wendet sich Martin Evening den Retuschewerkzeugen in Lightroom und Photoshop zu, um störende Elemente aus Bildern zu entfernen oder Staubflecken zu eliminieren. Die Funktion „Synchronisieren“ mit den diversen Optionen wird erläutert und die Kolorierung von Bildern findet ihren Platz. Als Abschluss des Kapitels und des Buches gibt es noch eine Anleitung, den beliebten Miniaturisierungseffekt zu erzeugen.

Verständlichkeit
Durch die Dichte an Informationen und die anfangs ungewöhnliche Strukturierung der Kapitel ist das Buch keine leichte Lektüre. Dennoch ist alles sehr verständlich geschrieben und nachvollziehbar – ich musste einige Prozessschritte allerdings mehrfach lesen, um die Fülle an Informationen verarbeiten zu können. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die englischsprachigen Autoren komplexe Dinge einfacher erklären als deutschsprachige Autoren. Das ging mir schon immer so.

Grafiken / Bilder
Die gezeigten Bilder sind gut gewählt und für die Erklärungen des jeweiligen Themas gut geeignet. Die Vielfalt der Themen unterstreicht das Können des Autors und man hat am Ende das Gefühl, dass keine Tricks oder Hinweise zurück gehalten wurden.

Layout
Das Layout ist im Wesentlichen zweispaltig pro Seite, wobei die Spalte zum Seitenrand hin deutlich schmaler ausfällt und hauptsächlich für Erklärungen, Tipps und kleine Screenshots genutzt wird. Auf einigen Seiten bleibt sie auch komplett leer, die Hauptspalte füllt dann etwas mehr als 2/3 der Seite.

Spreche ich eine Kaufempfehlung aus?
Hier kommt ein eingeschränktes „Ja“ von mir. Für mich ist Martin Evening einer der Päpste der digitalen Bildbearbeitung und jemand, der sich mit am Tiefsten in dem Möglichkeitenraum der Adobe Programme für Fotografie auskennt. Der vorgebildete Anwender findet jede Menge Tipps und Tricks sowie fundiertes Knowhow, das der Autor bereitwillig weiter gibt. So muss das sein! Für Anfänger kann ich das Buch eher nicht empfehlen.
Von mir trotzdem volle 5 Sterne.

Die Daten
Martin Evening. Die Lightroom-Meisterklasse. Mit gezielter Nachbearbeitung zu besseren Fotos erschien am 1. Dezember 2016 im . 266 Seiten, komplett in Farbe, Broschur, 20,3 x 1,7 x 25,1 cm. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN: 978-3-86490-407-3
Preis: 29,90 Euro (Buch) | 23,99 Euro (E-Book)

Leseproben
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Zusatzmaterial
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Bewertung:
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ISBN: 3864904072

 
Zuletzt bearbeitet:

milupamann

Sehr aktives Mitglied
Danke für den Hinweis.Hatte schon lange auf den "Lightroom 4 "Nachfolger gewartet. :)
 
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cjbffm

Registrierte Benutzer_B
Hm, ist das Buch auch nützlich für Leute, die nur Lightroom besitzen?

Fragt sich - grüßend -
Christian
 
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Klinke

Registrierte Benutzer_B
Für wen könnte ein Buch, speziell über Lightroom, denn sonst geeignet sein?! ;-)
 
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PeterTaylor

NF-F Platin Mitglied
Die Frage von Christian ist nicht so abwegig, wenn man meine Rezension aufmerksam gelesen hat ;)

Sicherlich werden Lightroom und Photoshop in dem Buch häufig als interdependente Werkzeuge angesehen, aber das auch in Bereichen, die nicht unbedingt die Grundfunktionen bei der Bildbearbeitung berühren.

Insofern würde ich sagen, dass es auch für Lightroom only Nutzer viele gute Tipps bietet, wenn man sich mit dem Programm ein wenig auskennt. Es wird halt schon ein Schwerpunkt auf Entwickeln und Drucken gelegt.

VG,
Peter
 
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medicopter

NF Mitglied
Sehr viel Mühe gemacht mit der Rezension! Finde sie auch sehr aussagekräftig. Arbeite jetzt zwar schon jahrelang vorwiegend mit Lightroom (weniger mit Photoshop) und man denkt dann ja auch meist, dass man sich komplett auskennt - aber ich habe es mir dennoch mal bestellt. Es findet sich bestimmt das ein oder andere, dass einen dazu bewegt, doch mal etwas anders zu machen als bisher...


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Danulon

Sehr aktives Mitglied
Wie ist dein Vorwissen? Das Buch ist für fortgeschrittene LR-Anwender.

Auf die Frage "Was ist das beste...?" wirst du beim Thema Fotografie seriöserweise immer eine Gegenfrage erhalten.
 
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Robie

Aktives NF Mitglied
Stimmt.

Mein Vorwissen: Ich arbeite seit 3-4 Jahren mit Lightroom. Ob ich das gut kann, weiß ich nicht. Ich mach es halt einfach. Nach Gefühl und nicht sehr unstrukturiert.

Ich denke, es wird sicherlich klassische Fehler geben, die ich beim Bearbeiten mache und die nicht als bewusstes Darüberhinwegsetzen über bestimmte Regeln anzusehen sind.

Daher bin ich in "Profi-Regeln" bzw. einem professionellen Vorgehen interessiert. Also an Regeln etc., die man kennen sollte und sich erst dann darüber hinwegsetzt, wenn man sie kennt/verstanden hat und nicht aus Unwissenheit.
 
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AnjaC

Administrator
Teammitglied
Das Buch ist sehr gut, fordert aber auch einiges an Vorwissen und den Willen, sich intensiv damit und Lightroom zu beschäftigen.

Es kommt auch ein bisschen darauf an, was für ein Lese- und Lerntyp Du bist: wenn Du dich reinfuchsen und Zusammenhänge verstehen willst, ist das genau das richtige Buch. Das Buch verschafft meiner Meinung nach mehr Verständnis für Zusammenhänge, die dann in der weiteren Arbeit mit Lightroom hilfreich sind. In der Folge dient es dann als Nachschlagewerk für die Frage "wie war das noch mal?"

Wenn Du vornehmlich schnell nach einfach beschriebenen Lösungen für bestimmte Anwendungen suchst, wäre vielleicht eines der zahlreichen Bücher von Scott Kelby eher was für Dich.

Gibt halt für jeden Anwenderkreis das passende Buch.
 
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Danulon

Sehr aktives Mitglied
Das sehe ich auch so.

Wenn du - so wie ich - zunächst orientierungslos vor den vielen Reglern in Lightroom stehst, dann empfehle ich dir auch erst einmal ein grundlegendes Buch. Die Bände von Scott Kelby könnten da einen ersten guten Anlaufpunkt bieten.

Wie in der Rezi beschrieben geht der o.g. Band sehr viel tiefer ins Detail. Nicht unbedingt eine ideale Einstiegslektüre.
 
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hjba

Sehr aktives Mitglied
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Heinz
 
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