Die Kunst der Bildkritik

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AndyE

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Update 15.5.2010:
Aufgrund der mannigfaltigen Diskussionen zum Thema Bildkritik in diesem Thread von PeMax, hole ich diesen alten Thread wieder aus der Versenkung heraus.

Bitte schreibt Eure Sichtweisen, Philosophien und Ansätze hier dazu, damit jene die gerne Bilder "kritisieren" wollen, oder ihre Bilder der "Kritik" aussetzen wollen, hier ein (oder mehrere) Hilfswerke finden dieses konstruktiv zu tun.

LG, Andy


Ich bin kein Profi, der schon alles kennt.

Vielmehr zähle ich mich zu den Amateuren die gerne lernen. So auch hier. Immer wieder werden Bilder eingestellt, mit der Bitte um Feedback und Kritik. Aber wie geben? Was beachten? Auf was fokussieren? Fragen über Fragen. So kaufte ich mir ein Buch, um über dieses Thema Grundsätzliches zu lernen. Terry Barret: „ Criticizing Photographs – An Introduction to Understanding Images“.

Ich dachte, diese Zusammenfassung ist für die meisten Forumsteilnehmer hier hilfreich, denn die grundsätzliche Absicht in diesem Forum ist es, sich gegenseitig nicht nur zu helfen, sondern auch zu inspirieren (ohne zu verletzen). Also nochmals für Alle. Diese Zusammenfassung ist (noch) nicht auf meiner persönlichen Erfahrung aufgebaut, sondern die Zusammenfassung eines (aus meiner Sicht – guten) Buches, plus einiger weniger englischer Webseiten.

Was ist Kritik?
Laut Wiktionary ( http://de.wiktionary.org/wiki/Kritik ) hat Kritik folgende Bedeutungen
  1. fachmännische, objektive Beurteilung eines Produktes bzw. Werkes
  2. im Gegensatz zu [1] eine nicht fachmännische, manchmal subjektive Beurteilung
  3. häufig wird Kritik auch ausschließlich als negative Beurteilung verstanden

Die Verantwortung des Fotografen (des Posters)
Wenn die Definition von oben angewendet wird ist es klar, dass ein in dieser Galerie veröffentlichtes Bild Ziel einer kritischen Bewertung und Untersuchung wird. Es ist davon auszugehen, dass Kritik Ausdruck der persönlichen Meinung ist. Ein Bild einzustellen ist demnach nichts anderes als eine allgemeine Meinungsumfrage. Sicherlich werden einige das Bild so wie es ist schön oder toll finden, während andere Mitglieder an bestimmten technischen oder ästhetischen Aspekten etwas beanstanden werden.

Einer der größten Fehler, den eine Person machen kann, die hier ein Bild einstellt ist es die Kritik zu debattieren. Letztlich hat sich der Betrachter die Zeit genommen um – auf Anfrage des Posters – seine Gedanken mitzuteilen, was ihm an diesem Bild gefällt und was nicht. Oft noch mit der Bitte um Rat versehen, was denn noch verbessert werden kann. Dieses Vorgehen garantiert geradezu, dass Kommentare zu diesem Bild kommen werden, mit denen der Poster (oder andere Betrachter) ganz und gar nicht übereinstimmen.

Die Gültigkeit einer Kritik zu diskutieren ist lächerlich. Wenn ein Poster hier ein Bild veröffentlicht und nicht bereit ist, andere (gute wie schlechte) Kritik zu akzeptieren, dann sollte er es gar nicht hineinstellen! Andererseits ist es angemessen, den Betrachter klärende Fragen zu seinen Kommentaren zu stellen, falls diese nicht klar waren, vorausgesetzt der Betrachter wird halbwegs höflich um diese zusätzliche Zeit und Aufwand gebeten. In allen Fällen gilt, Kritik sollte nicht persönlich genommen werden – vor allem nicht als Hinweis auf die fehlenden Fähigkeiten des Posters.​

Eine gute Kritik schreiben
Während der Poster den Großteil der Last trägt , die „Perlen“ aus dem Feedback herauszulesen, widmet auch der Betrachter seine Zeit, Energie um seine Sichtweise einzubringen. Das Schreiben einer guten Kritik ohne beleidigend zu werden ist eine Kunst für sich.

Das Ziel der Bildkritik ist es dem Poster die Sichtweise des Betrachters näher zu bringen, unter Umständen mit Tipps wie das Ergebnis verbessert werden kann. Nachdem das Medium der Kommunikation die Schriftform ist, fehlen nonverbale Formen wie Gesichtsausdrücke, Gesten, Stimmveränderungen, die integraler Bestandteil eines physischen Treffens sind. Vorsicht vor Missverständnissen!​

Hier sind ein paar Vorschläge für gute Bildkritik:

  • Wirklich das Bild ausgiebig betrachten und studieren. Eine Meinung bilden, was an dem Bild gefällt (technisch wie ästhetisch). Manchmal ist es hilfreich ein Bild später nochmals zu betrachten.
  • Nachdem ein allgemeiner Eindruck über das Bild entstanden ist, beginnt die Suche nach speziellen technischen Qualitäten (Licht, Farben, Kontrast, Bildgestaltung, Tiefenschärfe, etc…) die entweder gefällt (oder nicht). In so gut wie allen Bildern wird man Beides finden. Das Gleiche wird mit den ästhetischen Eigenschaften gemacht, wie die Beschreibung der Emotionen die das Bild beim Betrachter auslöst.
  • Es kann schon vorkommen, dass es technisch lausige Bilder mit einer starken emotionalen Komponente gibt (und umgekehrt). Aber beide Betrachtungsebenen zu kommentieren ist hilfreich.
  • Suche jene Worte, die am besten Deine Gedanken über dieses Bild widerspiegeln.
  • Fang in Deinem Kommentar mit den positiven Dingen an. Kritik hat nicht nur eine negative Seite. Ein Fotograf kann genauso viel lernen, was Betrachter an seinem Bild mögen.
  • Suche jene Bildqualitäten, die aus der Sicht des Betrachters verbesserungswürdig sind, die am besten kommuniziert werden können. Warum Du denkst, was verbessert werden soll und wie diese Veränderung das Gesamtergebnis des Bildes verbessern hilft.
  • Wann immer möglich, biete Vorschläge aus eigener Erfahrung an.

Ergänzende Überlegungen für Alle an diesem kreativen Prozess Beteiligten:

  • Jeder der ein Bild postet: Es ist für den Betrachter hilfreich, wenn Du Deine Absicht oder das Ziel beschreibst, warum du das Bild gemacht hast (Dokumentation, Portrait mit Umgebung, künstlerische Darstellung, …). Es ist auch hilfreich, wenn Du beschreibst, was Du an deinem eigenen Bild magst und was Dir nicht so gefällt. Das hilft den Betrachter(n), ihr Feedback an Dich besser auszurichten und Missverständnisse von vornherein zu minimieren.
  • Oft sind Bilder technisch so gut, daß Betrachter daran nichts konstruktives zur Verbesserung vorbringen können. Da gibt es ja noch immer die emotionalen/ästhetischen Bereich der für einen Kommentar herhalten kann.
  • Da ein Betrachter das Recht hat seine Betrachtung zu kommentieren, muss er dieses Recht auch anderen Betrachtern geben. Kein „Seitenhieb“ auf eine andere Kritik. Besser ist es, die eigene Kritik mit so weit wie möglich objektiven Argumenten zu untermauern.
  • Wow, Toll, Super – Superlative in der Kritik geben oberflächlich gesehen nicht viel her – Hey, wir sind doch alle ein bißchen egozentrisch, oder nicht? :) – Das ist Balsam für die Seele …
  • Gute Kritik zu schreiben ist auch ein guter Lerneffekt beim Betrachter. Es hilft der gesamten Community wenn gute Kritiken vorliegen. Sowohl dem Poster, wie auch den anderen Betrachtern.
  • Allein die geposteten Bilder plus die dazugehörigen Kommentare zu betrachten und lesen fördert das Verständnis und das Lernen jedes Einzelnen

Wie gesagt, das ist meine erste Zusammenfassung, quasi version 0.1 und sobald ich mehr Übung habe, plus die Bücher solange gelesen habe, bis ich sie WIRKLICH verstehe, werde ich diese Zusammenfassung updaten.

Bin natürlich auch für Eure Vorschläge und Erfahrungen offen - nur her damit. :) :book:

In der Zwischenzeit - Have fun,
Andy
 
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Hallo Andy,

ich danke dir für die Mühe und die Power, die du in diesen Gedanken - auch für das Forum - investierst. Das finde ich große Klasse und könnte vielleicht ein kleiner (vielleicht auch großer ;) ) Baustein auf dem Weg zu einer tollen Forumskultur werden, was die Bilddiskussionen und Bildbesprechungen anbelangt.

In diesem Sinne nochmals ein herzliches Dankeschön!
 
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Einer der größten Fehler, den eine Person machen kann, die hier ein Bild einstellt ist es die Kritik zu debattieren.

...

Die Gültigkeit einer Kritik zu diskutieren ist lächerlich.

Das ist aber schon ein wenig realitätsfern.
Ich verstehe nicht was bezwecken soll, denn eine Kritik ist niemals sakrosankt und kann durchaus (auch leidenschaftlich!) diskutiert werden.
Nur so kommen doch erst spannende Diskurse zustande (zumindest draussen im richtigen Leben), die dann beide Seiten weiterbringen können.
 
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Die Definition von "Kritik" bei Wikipedia hat mich ins Grübeln gebracht. Ist eine Kritik nicht immer subjektiv?

Natürlich wird von professionellen Kritikenschreibern erwartet, dass ihre Behauptungen auf Fakten basieren und sie das Für und Wider beleuchten. Aber gibt es dabei (also, nicht nur in der Kunst) ein Richtig und Falsch? Gibt es vollkommene, alles erschöpfende Kritiken?
 
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HeikoZZ9 schrieb:
Die Definition von "Kritik" bei Wikipedia hat mich ins Grübeln gebracht. Ist eine Kritik nicht immer subjektiv?

Natürlich wird von professionellen Kritikenschreibern erwartet, dass ihre Behauptungen auf Fakten basieren und sie das Für und Wider beleuchten. Aber gibt es dabei (also, nicht nur in der Kunst) ein Richtig und Falsch? Gibt es vollkommene, alles erschöpfende Kritiken?

Nein, gibt es nicht und kann es auch gar nicht geben. Der philosophische Hintergrund dazu zu erläutern würde aber hier den Rahmen sprengen - im Prinzip läufts darauf hinaus, daß es für einen Menschen noch nicht mal möglich ist, die Wirklichkeit wahrzunehmen - sofern es überhaupt eine (oder zwei oder drei...oder x) gibt. Sehr verwirrend das - am besten, man hört hinter dem "Nein" auf zu lesen...:D

vg, stefan
 
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Aufgrund der mannigfaltigen Diskussionen zum Thema Bildkritik in diesem Thread von PeMax, hole ich diesen alten Thread wieder aus der Versenkung heraus.

Bitte schreibt Eure Sichtweisen, Philosophien und Ansätze hier dazu, damit jene die gerne Bilder "kritisieren" wollen, oder ihre Bilder der "Kritik" aussetzen wollen, hier ein (oder mehrere) Hilfswerke finden dieses konstruktiv zu tun.

LG, Andy
 
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Ich habe einige Erfahrung damit, Kindern "konstruktive Kritik" nahezubringen. Es werden selbstgemalte Bilder, selbstgeschriebene Texte etc. gegenseitig kritisiert.

Unsere Kritik erfolgt in 3 Schritten:

1. Fragen zum Bild/Text.
z.B. Warum hast du das SO gemacht?
Hier muss sich der Aussteller selbst Gedanken machen, warum er seine Aufgabe genau so gelöst hat, wie sie nun als Ergebnis vorliegt. Oft genug kommt er hier selbst schon auf die Idee, dass er dieses oder jenes anders (besser?) hätte lösen können. Oder er hat einen Grund für sein Ergebnis und kann es den anderen mitteilen, die wiederum daraus lernen können.​

2. DAS gefällt mir gut!
MEINE Meinung: "Mir gefällt gut ...", "Ich finde ... "​

3. Tipps
"DAS könntest du vielleicht beim nächsten Mal besser machen."​
Nicht zu viele Tipps auf einmal geben. Auf einen oder zwei grundlegende Ratschläge beschränken.​
Auch hier sollte beiden (Kritisierter und Kritiker) klar sein, dass es sich um subjektive Meinungen handelt. Oft werden hier Äußerungen auch begonnen mit "Ich würde ...", "Ich finde ...", "Ich meine ..."​

Schon Kinder im Grundschulalter können so enorm detailliert und tiefgehend Kritik üben. Sie schaffen es erstaunlich gut, gnadenlos ehrlich und dabei doch nie beleidigend zu sein. Sie sind wirklich interessiert, durch diese Kritik zu lernen und bemühen sich, die Tipps umzusetzen.

Vielleicht hilft es ja irgendwem, der nicht so recht weiß, wie er seine Kritik rüberbringen soll?

Viele Grüße,
Sylvia
 
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Wenn ich mit einem Bild nichts anfangen kann schreibe ich oft gar nichts.

Ansonsten versuche ich sachlich zu bleiben, wobei eine knappe Aussage "Spricht mich nicht an." auch eine sachliche Aussage ist.

Wie man kürzlich hier sehen konnte, liegt auch viel Verantwortung beim Fotografen, denn wenn der gleich pampig wird, ruft das leicht auch unsachliche Beiträge nach sich.
 
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