Der Ansatz ist tatsächlich Computational Immunology.
Der Ansatz ist Proteinchemie, oder Proteindesign.
Ein Enzym und dazu kann man auch einen Antikörper im weitesten Sinne zählen, besteht aus der Sekundärstruktur, alpha-Helix, beta-Faltblatt und manchmal Disulfid-Brücken, die zur 3D-Stuktur des Proteins führen und diese Struktur unter bestimmten Bedingungen (pH, Temperatur, etc.) stabil halten. Außerdem formen sie das Protein so, dass das aktive Zentrum, also der Bereich, wo eine Assoziation zu einem Substrat, oder Epitop stattfindet, entsprechend zugänglich ist.
In den letzten 30 Jahren hat man viele Enzyme kristallisiert (teilweise mit gebundenem Substrat) und hat so etwas über die 3D-Strukturen und die Bindungsaffinitäten gelernt. Danach hat man durch gezielte Mutagenesen einzelne Aminosäuren ausgetauscht: Im aktiven Zentrum wollte man so Bindungsaffinitäten und Substratumsatz verändern, in der Sekundärstruktur wollte man Proteine schaffen, die z.B. temperaturstabiler werden.
Ähnliche Arbeiten sind bei Antikörpern gelaufen. Zunächst hat man versucht zu verstehen, was ein gutes Epitop ist, also die Bindungsstelle, die ein spezifischer Antikörper bei einem Antigen erkennt. Welche Aminosäuren in einem Epitop werden besser erkannt, wie muss die 3D-Stuktur eines Epitops aussehen, damit sich Antikörper mit Bindungsaffinität herausbilden können. Dann hat man sich mit den Unterschieden (Aminosäuren und 3D-Struktur) beim Antikörper IgG beschäftigt.
Wer sich da etwas einlesen will, hier ein relativ einfach verständlicher Beitrag:
Wer es komplexer mag und experimenteller:
The antibody Fv module which binds antigen consists of the variable domains VL and VH. These exhibit a conserved ß-sheet structure and comprise highly variable loops (CDRs). Little is known about the contributions of the framework residues and CDRs to their association. We exchanged conserved...
www.nature.com
Nachdem unser Körper in der selbst/nicht-selbst-Reaktion eine fremde Substanz erkannt hat, beginnt er mit seiner Immunantwort. Alle möglichen Bindungsstellen, Aminosäurenkombinationen und 3D-Strukturen, die ein Computer modellieren kann, kann prinzipiell auch unser Körper ausbilden.
Bei einem großen Fremdpartikel, wie einem Virus, wird unser Immunsystem diverse Epitope erkennen und einen Satz unterschiedlicher IgGs ausbilden, die das Virus an ganz unterschiedlichen Stellen angreifen. Das ist normalerweise therapeutisch wirksamer, als der Einsatz nur eines spezifischen (häufig monoklonalen Antikörper) der nur an einer Stelle binden kann. Spezifisch bindende Antikörper (meist Monoklonale) nimmt man eher zum Markieren.
Was immer dieses Unternehmen herausgefunden hat, es muss sich erstmal zeigen, ob Covid im menschlichen Körper das eine ausgewählte Epitop entsprechend präsentiert und ob dieser eine Antikörpertyp, dann dass Virus so stark in seiner Reproduktionsfähigkeit inhibiert, so dass der Krankheitsverlauf abgemildert wird. Der Weg von in vitro Experimenten zu einer in vivo (im Körper eines infizierten Menschen) Wirkung ist ziemlich weit.
Und selbst wenn man DEN spezifischen IgG findet, der einer körpereigenen Immunantwort, die das Virus an vielen Stellen gleichzeitig angreift, überlegen ist, muss man danach diesen spezifischen Antikörper in großen Mengen produzieren, um damit Hunderttausende von Kranken behandeln zu können. Das müsste dann in speziellen Zellkulturen stattfinden, über Kosten und mögliche Produktionsmengen möchte ich nicht nachdenken, aber für eine Pandemie wahrscheinlich nicht darstellbar. Da sind Antiseren von Menschen, die covid überstanden haben, schneller und in größerer Menge verfügbar. Bei covid wird der spezifische Antikörper-Ansatz keinen breitflächigen Durchbruch bringen.
Und Du kannst sicher sein, dass es viele hochkompetente Risk Capital Gesellschaften gibt, die ständig nach Start-ups mit erfolgversprechenden Ansätzen suchen. Liquidität ist im Überfluss vorhanden, wenn der Ansatz so spektakulär wäre, brauchten die Jungs kein Crowdfunding. Wäre es ein Rohdiamant, den hätten sich Black Rock & Co. diesen schon gesichert.
Der Ansatz ist wissenschaftlich interessant, aber nicht spektakulär, es gibt viele Gruppen und Start-ups, die sich mit Epitop-Antikörper-Bindungsstudien beschäftigen und letztendlich geht es ja darum.