Langsam gewinnt die Vernunft Oberhand, die uns sagt, dass man nun mit hoher Priorität verläßliche Daten zur tatsächlichen Letalität durch repräsentative Erhebungen dringend nachliefern muss, damit die Politik vernünftige Entscheidungen treffen und begründen kann.
Nehmen wir mal an, die verlässlichen Daten führen zu einer Übersterblichkeit von 100.000 Menschen in 2020, bei nur geringen staatlichen Maßnahmen/Eingriffen. Dann entsteht eine Diskussion um Menschenleben (primär "Restlaufzeit" von alten Menschen) vs. Arbeitslosigkeit, soziales Elend, Einschränkung von Grundrechten, etc.. Die Politik ist nicht bereit so eine Diskussion zu führen und weite Teile der Bevölkerung sind für eine abstrakte moralphilosophische Diskussion auch zu unreif. Man denkt in Tabus und Platituden, aber nicht in Denkmodellen nach den Prinzipien eines Utilitarismus, die bei dieser Werteabwägung angezeigt wären.
So lange die Datenlage diffus ist und man noch "Angst" schüren kann, ergibt sich so eine Diskussion noch nicht im Mainstream.
In dieser Situation vermisse ich das Philosophische Quartett mit dem überragenden Denker Peter Sloterdijk und häufig tollen Gästen. Vor einer philosophischen Wertediskussion über "Covid und staatliche Maßnahmen" wäre Sloterdijk nicht zurückgeschreckt. Stattdessen wird das Volk nun mit Will, Lanz und Illner "verdummt".
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Kommentare
Es mag Dir ja nicht gefallen, aber sobald es konkrete Zahlen zur Übersterblichkeit geben wird, wird es auch die Wertediskussion geben. Schon jetzt, bei dieser diffusen Datenlage, versuchen die Herren Schäuble, Kubicki und Palmer, die Diskussion in diese Richtung zu lenken.
Eine aufgeklärte, pluralistische und demokratische Gesellschaft sollte so ein Thema (ohne Tabus) ergebnisoffen diskutieren können - alles andere wäre eine Meinungsdiktatur. Und ich denke, eine sachliche Diskussion zu diesem Thema ist besser, als die Demos von Schwachköpfen die sich nun überall in Deutschland formieren und wohl noch mehr Zulauf bekommen werden. Der Geist ist aus der Flasche....
Du, es geht gar nicht darum, was mir gefällt oder nicht. Es ist nur derzeit kein Thema für diesen Thread. Was die derzeitigen Demos betrifft, teile ich Deine Meinung - unfassbar z.B. Kemmerich von der FDP, nur mal so als Beispiel:
www.spiegel.de
Thüringens Ex-Ministerpräsident: Kemmerich verärgert Parteifreunde mit Corona-Protest - DER SPIEGEL - Politik
"Corona-Exit mit Maß und Mitte": Thüringens Ex-Ministerpräsident Thomas Kemmerich hat sich in Gera an einer Demonstration gegen die Beschränkungen beteiligt. Selbst aus der FDP gibt es Unverständnis.
Es gab hier bereits Hauen und Stechen, als Schäuble nur anklingen lies, dass Politik auch über solche Themen sprechen und vor Allem entscheiden muss.
Wir können einander nicht sehen, wir kennen einander nicht und die meisten von uns formulieren schriftlich zu unüberlegt, um das hier zu diskutieren, ohne dass es ausartet. Und ja ... ich persönlich halte mich auch weder für reif, noch weise genug, um es öffentlich zu tun.
Wir können einander nicht sehen, wir kennen einander nicht und die meisten von uns formulieren schriftlich zu unüberlegt, um das hier zu diskutieren, ohne dass es ausartet. Und ja ... ich persönlich halte mich auch weder für reif, noch weise genug, um es öffentlich zu tun.
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Nochmal: ich lasse hier eine Grundsatzdiskussion über "wieviel ist ein Leben wert" nicht zu. Auch nicht, wenn es philosophisch verbrämt betrachtet werden soll.
Auch eine Diskussion über Utilitarismus führt hier deutlich zu weit. Eine kurze Begründung (bitte nicht weiter kommentieren, weil off-topic - dient nur der Transparenz im Thread. Kann sich jeder seine eigene Meinung bilden und ggf privat diskutieren):
Dazu nur vorbeugend, bevor hier wieder die üblichen fiktionale Szenarien wie "schießen wir das entführte Flugzeug mit allen Unbeteiligten an Bord ab oder nicht" aufs Tableau kommen - es gibt ein klares Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu dieser Frage. In der Urteilsbegründung heißt es, "der Staat dürfe eine Mehrheit seiner Bürger nicht dadurch schützen, dass er eine Minderheit – hier die Besatzung und die Passagiere eines Flugzeugs – vorsätzlich töte. Eine Abwägung Leben gegen Leben nach dem Maßstab, wie viele Menschen möglicherweise auf der einen und wie viele auf der anderen Seite betroffen seien, sei unzulässig. Der Staat dürfe Menschen nicht deswegen töten, weil es weniger seien, als er durch ihre Tötung zu retten hoffe."
Sloterdijk ist - man verzeihe mir die Deutlichkeit - meiner persönlichen Meinung nach ein typischer Vertreter der Gattung "alter, weißer Mann, bei dem die Manifestation negativer Charakterzüge proportional zu steigendem Alter und möglicherweise beginnender Demenz ist". Schade, sehr schade, meiner persönlichen Meinung nach. Aber mit der Haltung schon seit Jahren für mich unerträglich. Mag sich jeder seine eigene Meinung bilden:
Peter Sloterdijk – Wikipedia
Begriffe wie "Restlaufzeit" sind schlicht eine Unverschämtheit, und wenn Du sie noch so sehr in Anführungszeichen setzt.