Bei Capture One könnte eine der größten Veränderungen seit Jahren bevorstehen. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass die nordische Beteiligungsgesellschaft Axcel einen Verkauf von Capture One vorbereitet. Fast zeitgleich kündigt das Unternehmen eine weitere Preiserhöhung um 6 Prozent an. Die Kombination kommt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: Während Capture One weiterhin solide Gewinne erwirtschaftet, geriet Phase One 2024 deutlich unter Druck.

Capture One steht laut Berichten möglicherweise vor einem Eigentümerwechsel. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen eine Preiserhöhung von 6 Prozent an. (Symbolbild: KI-generiert)
Axcel plant offenbar den Ausstieg
Wie das Branchenportal PetaPixel berichtet, arbeitet Axcel derzeit an einem Verkaufsprozess für seine Imaging-Beteiligungen. Demnach sollen zunächst die Hardware-Aktivitäten von Phase One und anschließend die Software-Sparte Capture One veräußert werden.Axcel hatte Phase One bereits 2019 übernommen und das Unternehmen später organisatorisch in zwei eigenständige Bereiche aufgeteilt: die Hardware-Sparte Phase One sowie die Bildbearbeitungssoftware Capture One.
Eine offizielle Bestätigung eines laufenden Verkaufsprozesses gibt es bislang nicht. Die Berichte stützen sich auf Informationen aus dem Umfeld der beteiligten Unternehmen und Finanzkreise.
Phase One kämpft mit rückläufigen Umsätzen
Die wirtschaftliche Entwicklung von Phase One liefert zumindest einen möglichen Hintergrund für die aktuellen Spekulationen.Laut dem offiziellen Jahresbericht geriet Phase One 2024 deutlich unter Druck. Der Umsatz ging spürbar zurück, das Unternehmen rutschte in die Verlustzone und das Management bezeichnete das Ergebnis ausdrücklich als „unzufriedenstellend“.
Für einen Private-Equity-Investor wie Axcel, dessen Geschäftsmodell auf den späteren Weiterverkauf von Beteiligungen ausgerichtet ist, sind solche Zahlen kein ideales Umfeld.
Capture One bleibt das attraktivere Asset
Deutlich besser dürfte die Situation bei Capture One aussehen.Während Phase One 2024 deutlich unter Druck geriet, präsentiert sich Capture One wirtschaftlich wesentlich stabiler. Laut dem aktuellen Jahresbericht bewertet das Management die Geschäftsentwicklung 2024 als zufriedenstellend. Der Jahresüberschuss stieg auf 25,1 Mio. DKK, nachdem im Vorjahr 5,5 Mio. DKK ausgewiesen worden waren. Gleichzeitig erhöhte sich der Gross Profit leicht auf 123 Mio. DKK.
Die Verkaufsgerüchte sind dabei keineswegs zwingend ein Zeichen für Schwierigkeiten bei Capture One selbst. Im Gegenteil: Die aktuellen Geschäftszahlen zeigen ein profitables Softwareunternehmen, das für potenzielle Käufer gerade deshalb interessant sein dürfte.
Die Software gehört zu den wichtigsten professionellen Alternativen zu Adobe Lightroom und genießt insbesondere bei Studio-, Werbe- und Modefotograf:innen einen hervorragenden Ruf. Funktionen wie Tethering, präzise Farbverwaltung und professionelle Workflow-Werkzeuge haben Capture One über viele Jahre eine treue Nutzerbasis gesichert.
In der Softwarebranche werden profitable Unternehmen häufig deutlich höher bewertet als klassische Hardwarehersteller. Entsprechend dürfte Capture One für potenzielle Käufer der interessantere Teil des Gesamtpakets sein.
Zeitgleich steigen die Preise erneut
Fast zeitgleich mit den Verkaufsgerüchten kündigte Capture One eine weitere Preisanpassung an.Wie aus einer offiziellen Mitteilung hervorgeht, steigen die Preise für Abonnements und Dauerlizenzen ab dem 2. Juni 2026 um 6 Prozent. Als Begründung nennt das Unternehmen Investitionen in Produktentwicklung, Infrastruktur und zukünftige Funktionen.
Für viele Nutzer:innen kommt die Anpassung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Bereits in den vergangenen Jahren hatte Capture One mehrfach Änderungen an Preisen und Lizenzmodellen vorgenommen. Entsprechend kritisch fallen die Diskussionen in den sozialen Netzwerken und Anwenderforen aus.
Was bedeutet das für Fotograf:innen?
Kurzfristig dürfte sich zunächst wenig ändern. Selbst wenn ein Verkaufsprozess bereits läuft, können solche Transaktionen viele Monate dauern.Spannender ist die Frage, welche Strategie ein möglicher neuer Eigentümer verfolgen würde. Viele Fotograf:innen fragen sich bereits:
- Bleiben Dauerlizenzen langfristig erhalten?
- Werden die Preise weiter steigen?
- Verändert sich die Entwicklungsgeschwindigkeit der Software?
- Wird Capture One stärker auf Abonnements setzen?
Fazit
Noch handelt es sich um unbestätigte Berichte über einen möglichen Verkaufsprozess. Gleichzeitig sind die Preiserhöhungen offiziell angekündigt und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Phase One durch die aktuellen Geschäftsberichte gut dokumentiert.Die kommenden Monate dürften deshalb für viele Capture-One-Nutzer:innen besonders interessant werden. Sollte Axcel tatsächlich einen Käufer suchen, könnte dies die Zukunft einer der wichtigsten professionellen Bildbearbeitungslösungen am Markt nachhaltig prägen.
Update (01.06.2026, 19:10 Uhr): In einer früheren Version dieses Artikels wurden Finanzkennzahlen von Capture One auf Basis sekundärer Quellen wiedergegeben. Nach erneuter Prüfung des veröffentlichten Jahresberichts haben wir die entsprechenden Angaben angepasst.
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