ANTARCTICA – Der weiße Kontinent

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Sandra Petrowitz

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Liebe Foristi,

keine andere Region hat mich bislang so beeindruckt wie die Antarktis. Ich würd Euch gern in loser Folge Eindrücke vom "Weißen Kontinent" zeigen und die eine oder andere kleine Geschichte dazu erzählen. Das Ganze ist längerfristig angelegt, und es würde mich freuen, wenn Ihr mit von der Partie wärt :)

Los geht's stilecht mit einer Schlauchbootfahrt vor der Station Brown (früher Almirante Brown) an der Antarktischen Halbinsel …

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… mit Pinguinen, die auf ihren Highways Vorfahrt haben …

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… und mit dem Ausblick auf das antarktische Verkehrsmittel der Wahl, das für den Einsatz im Eis geeignete Schiff.

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LG Sandra
 
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Die meisten Touren in die Antarktis beginnen in Südamerika, die meisten davon wiederum in Ushuaia. Zwischen der Stadt am Beagle Channel und der Antarktischen Halbinsel liegt die Drake Passage, so bekannt wie berüchtigt. Ihren schlechten Ruf hat sie von den Stürmen, die gelegentlich durch sie hindurchsausen – an der einzigen Stelle, an der die Winde den ganzen Erdball umrunden können, ohne auf ein Landhindernis zu stoßen. Ja, es kann schaukeln, wenn man so einen Tiefdruckwirbel mitnimmt, aber ernsthafte Stürme sind keine täglichen Ereignisse, wie man angesichts einiger Youtube-Videos und kursierender Horrorgeschichten meinen könnte.

Zu den mehr oder minder ständigen Schiffsbegleitern gehören Seevögel, vor allem die Albatrosse.

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Schwarzbrauen-Albatros


Kommt man dann nach anderthalb bis zwei Tagen auf See dem antarktischen Kontinent nahe, kann man hinter den Vogelschwärmen bereits Land ausmachen. Die Kapsturmvögel heißen auch Pintados, "die Bemalten", wegen ihrer charakteristischen Gefiederzeichnung, die bei jedem Tier individuell ausgeprägt ist.

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Kapsturmvögel


Der erste Blick auf die Antarktis zeigt steile, schroffe Berge und viel, viel Weiß.

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Das Bild ist Ende Dezember abends um kurz nach acht entstanden.


Auch am anderen Morgen ergeben sich fantastische Lichtstimmungen.

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Frühes Aufstehen lohnt sich: Um 5.55 Uhr sieht die Welt so aus.


LG Sandra
 
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Nach der Zeit auf See will man nun natürlich schnellstmöglich an Land. Also ab in die Schlauchboote! Wir haben uns für den Beginn Neko Harbour ausgesucht, eine sehr malerische Stelle an der Antarktischen Halbinsel. Die "Plancius" ankert direkt in der Bucht.

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Größenvergleich mit Gletscher

Die Guides haben mit Flaggen einen Weg abgesteckt. Der Schnee ist tief und weich, aber irgendwie wühlt man sich höher. Der Aussichtspunkt oberhalb der Bucht lockt!

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Schneewühlerei aufwärts

Unterwegs begegnen wir den ersten Eselspinguinen, die auf ihren eigenen Straßen unterwegs sind: penguin highways gibt es auf viel begangenen Routen zwischen Kolonie und Meer. Sie werden von den Tieren regelmäßig genutzt, was dazu führt, dass im Laufe der Zeit ein Hohlweg im Schnee entsteht, aus dem die Pinguine manchmal gar nicht mehr hinausschauen können. Sie vertrauen einfach darauf, dass der Weg sie wie bisher auch zum Ziel führt.

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Eselspinguin auf seiner Stammstrecke

Die Aussicht von oben ist wirklich fantastisch.

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Neko Harbour

Nebenan genießt ein Einheimischer den Blick auf den Gletscher.

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Eselspinguin, Neko Harbour

Eis und Wasser bieten jede Menge Möglichkeiten für fotografische Spielereien.

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Spieglein, Spieglein …

Eine Gruppe Gäste ist per Kajak unterwegs. Die roten Farbtupfer machen sich prächtig in der monochromen Landschaft.

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Kajakfahren in der Antarktis

LG Sandra
 
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Am Nachmittag geht's zu einer der schönsten Stellen an der Antarktischen Halbinsel, die absolut zu Recht den Namen Paradise Bay trägt (richtig ist eigentlich Paradise Harbour, aber das sagt niemand). Dort gibt es eine argentinische Station, die früher "Almirante Brown" hieß, benannt nach Admiral William Brown, der als "Vater der argentinischen Marine" gilt. Im Zuge der Entmilitarisierung der Antarktis nennt man sie heute meist nur noch "Base Brown". In den gletscher- und eisberggefüllten Buchten rund um die Station könnte man tage- und wochenlang auf Erkundungstour gehen. Mittel der Wahl ist auch hier wieder das Schlauchboot (Zodiac).

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Eisberg-Cruise

Es ist ein einmalig schönes Erlebnis, mitten in dieser Wunderwelt aus Eis den Schlauchbootmotor für ein paar Minuten auszumachen und die Stille zu genießen – und all die anderen Geräusche, die plötzlich ganz intensiv zu hören sind: das Gekecker der Vögel, das Murmeln der Wellen auf den Steinen am Ufer, das Knistern und Knacken des Eises, wenn sich die eingeschlossenen Luftbläschen ausdehnen und ihren kalten Panzer sprengen … Fragt man die Gäste, was ihnen am Zodiac Cruise am besten gefallen hat, kommt oft als Antwort: die Minuten der Stille.

Als wir am Abend unser nächstes Ziel ansteuern, hat sich das Licht verändert. Ein leuchtendes Blau hängt an manchen Stellen über der Landschaft, und wir rätseln im Team eine ganze Weile hin und her, wo das Blau wohl herkommen mag. Eine schlüssige Erklärung finden wir nicht, aber es ist wunderschön anzuschauen.

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Blaues Licht über der Base Brown

Die Wahnsinns-Lichtverhältnisse begleiten uns durch den Abend, während wir nach Süden fahren.

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LG Sandra
 
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Gänsehaut pur. Aber nicht wegen der Kälte sondern aufgrund der Ehrfurcht vor diesen Kontinent.
Mein Neid sei Dir gewiss zu dieser Reise.

Freue mich auf die nächsten Bilder.

Frank
 
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Sandra,

das Nilpferd sitzt jetzt mit
- Gummistiefeln, wasserdichter Hose, Fliesjacke, Regenjacke, Sturmhaube, Handschuhe :frier:
vorn rechts im Zodiac.:surfing:
Monitor und Tastatur wurden in eine Plastiktüte verstaut.

Seit den ersten drei Beiträgen leidet das Nilpferd schon wieder unter akutem
Reisefieber gepaart mit heftigem Fernweh.
 
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Gänsehaut pur. Aber nicht wegen der Kälte sondern aufgrund der Ehrfurcht vor diesen Kontinent.

Glaub mir, das geht mir genauso. Und vielleicht ist Ehrfurcht – oder auch Demut – eins dieser Gefühle, mit denen ich am ehesten beschreiben könnte, was das Unterwegssein in der Antarktis in mir auslöst. Ich glaube, dass man nur einen kleinen Teil dessen in Bildern transportieren kann, aber ich arbeite daran, dass dieser kleine Teil langsam vielleicht ein kleines bisschen größer wird.

LG Sandra
 
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Sandra,

das Nilpferd sitzt jetzt mit
- Gummistiefeln, wasserdichter Hose, Fliesjacke, Regenjacke, Sturmhaube, Handschuhe :frier:
vorn rechts im Zodiac.:surfing:
Monitor und Tastatur wurden in eine Plastiktüte verstaut.

Seit den ersten drei Beiträgen leidet das Nilpferd schon wieder unter akutem
Reisefieber gepaart mit heftigem Fernweh.

Das reisefiebernde, fernwehende Nilpferd ist nachweislich polartauglich und eisgestählt, und außerdem hat es die passenden Klamotten an – ich bin mir sicher, es muss nicht allzu sehr bibbern ;)

Vorn rechts? Ich würd' vorn links nehmen, glaube ich. Aber was sind denn das für Begriffe? Backbord, bitte. Und steuerbord, falls Du doch auf der in Fahrtrichtung rechten Seite sitzen möchtest.

LG Sandra
 
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Am frühen Morgen passieren wir den legendären Lemaire Channel, eine hochspektakuläre Meerenge, in der man meist gemeinsam mit vielen Eisbergen zwischen himmelhohen Felsmauern und Gletscherwänden hindurchfährt. Diesmal ist von der Szenerie zumindest an der nördlichen Einfahrt nicht viel zu sehen, weil die Wolken tief hängen – aber was für Wolken! Und was für Licht!

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Licht und Schatten, Lemaire Channel

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Lichtspots und Wolkenfinger über dem Gletscher


Überhaupt treibt sich eine Menge Eis im vergleichsweise engen Kanal herum. Das kann schon mal – auch mitten in der Saison – dazu führen, dass eine Passage unmöglich ist. Wir stoßen auch südlich des Lemaire Channel auf sehr viel Eis und arbeiten uns langsam in Richtung Petermann Island vor. Auf der Insel, die seinerzeit der deutsche Walfänger (ja, auch sowas gab es) Eduard Dallmann entdeckte und nach dem Geographen August Petermann benannte, brüten Adeliepinguine.

Die Adelies gehören zu den echten antarktischen Pinguinen und kommen sehr weit südlich vor, tendenziell südlicher als Zügel- und Eselspinguine. Während sich diese aufgrund der Erwärmung der Ozeane immer weiter nach Süden ausbreiten, dürften die Bestände der Adeliepinguine in den Regionen, in denen die Populationen überlappen, schwinden. Und während man Esels- und Zügelpinguine auch viel weiter nördlich, zum Beispiel auf den Südshetlandinseln, zu Gesicht bekommt, muss man für die Adelies mit ihrem charakteristischen weißen Augenring schon recht weit nach Süden fahren, zur Antarktischen Halbinsel.

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Petermann Island


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Um den Jahreswechsel herum haben die Adelies bereits Nachwuchs: den grauen Flauschball unter dem Elterntier.

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Adeliepinguin at its best


LG Sandra
 
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Backbord und Steuerbord, das Nilpferd bittet um Vergebung.
:pray::pray::pray::pray::pray:

Viele Zodiac-Kapitäne und Kapitäninnen sind Rechtshändler.
Sie tendieren daher nach Steuerbord abzudriften.
Folglich sind dann viele Motive auf der Backbordseite.
Damit sind die Fotomöglichkeiten von der Steuerbordseite besser,
solange die anderen Fahrgäste von gegenüber mitspielen.

Bei Drei Kategorien von Fahrgästen ist man als Fotograf der Verlierer:
1. Ältere Mitreisende aus der Klasse "Ü80", die stocksteif da sitzen,
und man keine "Lücke" für ein 500er findet.
2. Chinesischer Fotograf, der wie ein wildgewordener Derwisch durch das Zodiac hüpft
und bei dem alle Ermahnungen des Zodiac-Kapitäns auf sprachliches Unverständnis treffen.
Hat man ein Motiv entdeckt und versucht es anzuvisieren,
springt der Kerl auf und ins Bild, bevor der schnellste Autofokus die geringste Chance hat auf das Motiv scharfzustellen.
3. Supergau: Vier rücksichtslose chinesische Fotografen, die völlig außer Rand-und-Band sind.
Sie kommunizieren so lautstark, dass sie locker eine Kolonie von 240000 Lummen übertönen können.
Da flüchten nicht nur die Robben, sondern sogar die Eisberge. :dizzy:

Dann ist die Backbordseite besser.
Da kniet sich der Fotograf hin, nimmt den Gummiwulst des Zodiacs als Stativersatz
und die anderen Zodiac-Fahrgäste gehen einen am Arsch vorbei ... :fahne:

Somit hat es auch Vorteile, wenn man eine ReiseleiterIn hat,
die aufpasst, das man auch mit den richtigen Leuten im Boot sitzt. :hallo:
 
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Viele Zodiac-Kapitäne und Kapitäninnen sind Rechtshändler.
Sie tendieren daher nach Steuerbord abzudriften.
Folglich sind dann viele Motive auf der Backbordseite.
Damit sind die Fotomöglichkeiten von der Steuerbordseite besser,
solange die anderen Fahrgäste von gegenüber mitspielen.

(…)

Dann ist die Backbordseite besser.
Da kniet sich der Fotograf hin, nimmt den Gummiwulst des Zodiacs als Stativersatz
und die anderen Zodiac-Fahrgäste gehen einen am Arsch vorbei ... :fahne:

Bernd, das ist ja ganz entsetzlich, was Du da beschreibst. Ist das in den Zodiacs wirklich so schlimm? :dizzy: :winkgrin:

Ich hab schon länger nicht mehr als Fahrgast vorne gesessen und mit der langen Tüte fotografiert, aber ich hätte gedacht, die Bewegungsfreiheit sei an Backbord (links) besser, weil ich mich dem Motiv weiter hinterherdrehen kann.

Das mit der Drift – oder einer "Lieblingsseite" der Schlauchbootfahrer – stimmt. Ich hab mich als Fahrer selbst auch schon dabei erwischt und in der Folge lautlos streng ermahnt, die Highlights gerecht an die Backbord- und die Steuerbordseite zu verteilen … :ship:

Und so ganz nebenbei hast Du sehr schön die Frage beantwortet, wie man denn aus dem Schlauchboot heraus am besten fotografiert: im Knien, die Ellbogen oder die Unterarme – je nach persönlichem Verrenk-Faktor – auf dem Gummiwulst des Zodiacs aufgestützt :D

LG Sandra
 
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