anonymes Bild Nr. 384 *


bassheiner

Well-known member
Ein Bild kann, aber muss ja nicht immer zwingend eine Aussage haben.
Es ist auch gut, wenn ein Foto etwas Schönes, Interessantes oder
auch Schockierendes zeigt. Super sind auch Fotos, bei denen man
in der Atmosphäre versinken kann. Es kann auch ein Bild sein, das
irgendwie mit Formen und Farben (natürlich auch S/W) anspricht
oder etwas in uns Berührt.

Aber für meinen Geschmack und mein Empfinden hat dieses Bild
vom all dem nichts.

Die Absicht hinter dem Bild ist klar. Ein plakatives Spiel mit Formen
und Farben. Aber ich glaube da liegt die Kunst in der Beschränkung;
also weniger ist mehr. Durch die Bodenplatten sind es hier zu viele
Linien und Farben.

Bei Fotos dieser Art stelle ich mir immer vor, wie die wohl als sehr
großer Print auf Leinwand oder einem anderen edlen Material an
der Wand einer großzügigen Empfangshalle wirken würden.

Selbst in einem total cool, nüchternen Raum würde dieses
Bild wahrscheinlich nicht funktionieren.

LG
Heiner
 
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Fotorista

New member
Ich mag diese Art Bilder sehr, die kein vermeintliches Hauptmotiv zeigen, sondern durch die Aufteilung von Flächen, Farben, Strukturen und Linien wirken.

Dieses Bild vermischt die Darstellung von streng angeordneten geometrischen geraden Flächen der Hallenwand mit unregelmäßigen eher natürlich wirkenden Linien im
Vordergrund. Auch die Farben dieser beiden Bereiche stehen in starkem Kontrast zueinander. Als Hingucker dient der orangefarbene Kasten im Bild.

Für meinen Geschmack könnte die Bodenfläche durchaus kleiner sein, so dass die Wandfläche mehr Raum bekommt.
Das Bild darf ruhig flacher wirken und kommt auch mit einem weniger starkem Vordergrund aus.

Die Ausrichtung ist schon ziemlich genau, hat aber einen Haken.
Eigentlich will der Kasten durch die auffällige Farbe doch der Blickfang sein, mein Blick wird aber immer auf die leere Wandfläche rechts daneben gelenkt.
Durch eine exakte parallele Ausrichtung dagegen, würde man nicht so schräg in das Bild hineinschauen.

Gut finde ich die Aufteilung der Wand mit den beiden angeschnittenen Toren. Diese geben den Halt, ohne den die Kästen sonst wahrscheinlich verloren wirken würden.

Und: es lohnt sich, das Bild mal aus 2 Meter Abstand vom Monitor zu betrachten... ;)

Viele Grüße,
Conny
 

Telewatt

Nikon-Community VIP Member
Einen eigenen Text habe ich nicht mehr eingestellt, da Conny gerade alles so beschrieben hat, wie ich es auch sehen...:eek:

Das würde sich nur wiederholen...;)

Grüße,
Jan
 

Aquarius162

New member
Liebe Fotofreunde,

wenn ein Foto innnerhalb so kurzer Zeit seit Veröffentlichung so viele unterschiedliche und gegensätzliche aussagen erhält, dann kann es eins auf jedenfall nicht sein: schlecht!

Was gut ist liegt wie einige schon hier sagten immer im jeweiligen Geschmack der Betrachter. Und so wie man die Dinge für sich selber sehen mag oder erstellt, so fallen dann unter Umständen auch die Beurteilungen anderer Werke aus. Das ist nur allzu menschlich. Es scheint in unserer Natur zu liegen, sofort die von uns gesehenen "schlechten" Dinge aufzuzeigen und die "guten" nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Also versuche ich es mal anders herum, die guten Dinge an dem Foto zu sehen:
Da wäre zunächst mal der Mut unseres Fotofreundes, sich mit diesem Bild anonym traut, sich uns mit einem Werk zu präsentieren. Im war genau dieses Bild wert, es durch den Sucher zu komponieren, es mit der Bildbearbeitung weiter zu gestalten. Er fand es wert, eine bestimmte Szene festzuhalten, zu dokumentieren. Die Vignettierungen können auch als gestalterisches Mittel gesehen werden, beachte man mal nur die unterschiedliche Verteilung in den Bildecken. Die etwas starke Schärfung der Kanten der Holzbretter als Kontrastverstärkung zum unnruhigen Boden.
Und dann begebe ich mich mal viele Jahre zurück, so Klasse 7 oder 8 Deutschunterricht Aufsatz Bildbeschreibung. Was sehe ich.... Und wenn man das Foto unseres Fotofreundes so angeht, sieht man plötzlich sehr viel. Probiert es mal. Ich gebe nur ein Besipiel: Der Beton/ Asphaltboden vor dem Gebäude, so lieblos und unfachmännisch erstellt, gebrochen, teilweise zertstört... er muss ziemlich schlimme Zeiten hinter sich haben... und im Gegensatz dann dazu die Pflege die ihm wohl heute zukommt, die Brüche und Dehnfugen sauber ausgefüllt, dass Unkraut sauber entfernt, der Boden sauber was wohl früher so nicht war, jedenfalls meine Vermutung.
Dies ist nur ein Beispiel von dem was man aus dem Bild deuten kann, nicht muss. Abr für mich hat unser Fotofreund eine Aussage mit diesem Bild dokumentiert. Ob die Art der Dokumentation die ist die ich wählen würde, weiß ich nicht, ich hätte vielleicht diesen Blick auf die DInge gar nicht so im Vorbeigehen erkannt.

Und ist es nicht das, was uns immer wieder reizt, durch den Sucher zu schauen, es mit unserem eignen Blick zu beurteilen, auszulösen..

Ich finde das Bild gut, weil es zu diesen kontroversen Kommentaren führte, ich finde es gut weil es für mich Dinge zeigt, die ich vielleicht so im Vorbeigehen nicht erkannt hätte, mich aber jetzt veranlassten, mich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen. Ob mir das, was ich dann sehe, immer gefällt, das ist eine andere Sache, die ich dem Fotofreund nicht anlasten kann.

Und zur Technik, sagte nicht schon Fontane "Tand Tand ist das Gebilde aus Menschenhand" :fahne:

Es grüßt Euch
Aquarius162
 

Hanner B.

Administrator
Teammitglied
ja, zumindest diese ansage:

Von mir stammt übrigens auch Nr. 384.
es wäre aber schon nett, wenn [MENTION=6309]flensdorfer[/MENTION] auch hier noch mal etwas schreiben würde.
 

flensdorfer

New member
Ich oute mich dann mal - das Foto ist von mir. :fahne:

Wie auch schon in Nr. 388 danke ich allen für ihre Meinung. Ich mag kontroverse sachlich geführte Debatten, so kann man immer etwas für sich mitnehmen und sich weiter entwickeln.

Das Technische:
80-200/2.8 an einer D3, ISO 200, 185mm, 1/1600, f/2.8
Es handelt sich um eine Flugzeughalle auf einer kleinen Sportflugplatz.

Das Foto war nicht geplant. Ich war in einer Gruppe dort unterwegs und gerade auf dem Weg zu einer Halle am Ende des Geländes. Im Vorbeigehen blickte ich kurz nach rechts und hatte sofort das Bild vor Augen. Umgedreht, anvisiert und abgedrückt. Dann musste ich auch schon Anschluß an die Gruppe halten, da wir auf dem Flugfeld zusammenbleiben mussten.

Der Flugplatz gibt es seit den 1930ern. Ob alle Asphaltflächen so alt sind, würde ich bezweifeln, viele haben aber schon einige Jahre hinter sich und viel gelitten. Der Luftsportverein kümmert sich jedoch mit viel Hingabe um der Erhalt.

Ich hatte (und habe immer noch) eine Phase, wo mir grafische Bilder sehr gefallen. Diese klar strukturierte Grafik sah ich im Hintergrund und fand sehr spannend dazu den Vordergrund mit den geflickten Stellen im Asphalt - als deutlicher Kontrast zum sachlichen Hintergrund.

Die Bearbeitung ist recht weitgehend, über die Vignette kann man tatsächlich reden. Sie ist aber gewollt, nur vielleicht etwas zu deutlich.
 
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