Ich bin heute sehr froh, dass ich Ende der 80er (noch als Schüler) Redaktionsluft atmen durfte. Bei allem Leid, was man als Lokalreporter miterlebt und allem Stress, den der Job so mit sich brachte, war es mein Traumjob und ich würde heute noch alles dafür aufgeben. Allerdings hatte man in den 90ern auch nur als festangestellter Redakteur ein Auskommen, welches bei berufstätigem Lebenspartner für Altbau-Haus und zwei Kinder reichte. Schon damals war es sehr, sehr schwer als Freier Mitarbeiter vernünftig zu leben. Heute ist der Job nahezu tot. Selbst denjenigen, die einen Redakteursposten haben, leben nicht gerade komfortabel. Dabei geht es den Verbliebenen in meiner Heimatstadt noch recht gut, nachdem die WAZ die Westfälische Rundschau aufgab und die WVW ihre Anzeigenblätter im Kreis. Ehemalige Redaktionsleiter fahren jetzt Reisbus oder halten sich anders über Wasser. Traurig. Und das alles nur, weil die Verlagshäuser nicht in der Lage waren, ihren Content erfolgreich online zu vermarkten. Die Möglichkeiten sind simpel (PDF-Abo für einen Heiermann, rechnet sich sogar besser für den Verlag als Print), aber der Zug ist weitgehend abgefahren.
Jedenfalls wird mir bei diesem Thread im wahrsten Sinne des Wortes bildlich vor Augen geführt, wie ein ganzer Berufsstand am Abgrund steht. Die Fotografen hat es da ja noch wesentlich schlimmer getroffen als die Textkollegen. Es ist traurig. Im Tageszeitungssektor geht das gute Pressefoto den Bach runter. Leider. Es tröstet nur wenig, dass es manche alten Haudegen noch schaffen, in dem Business zu überleben und ihre Qualitätsmaßstäbe aufrecht zu erhalten. Es sind leider viel zu wenige. Und ich richte mir nun ein Fotolabor daheim ein, weil ich es früher immer toll fand, wenn ich Sonntags mittags aus der Redaktion kam und die Pfoten nach Fixierer gerochen haben.