aufgrund der kontrovers geführten Diskussionen hatte ich mich vor einigen Tagen entschlossen, dass 16-85 zu ordern um mir mal selbst ein Bild machen zu können.
Desweiteren (und primär) unter dem Aspekt, mein 14-24 und bestelltes 24-70 nicht immer mit mir herumschleppen zu müssen, wenn der qualitative Aspekt der Aufnahmen nicht im Vordergrund steht, sondern schlichte Strassenfotografie durchgeführt werden soll.
Nachdem ich heute das Teil erhalten habe, konnte ich auf die Schnelle noch ein paar Photos durchziehen und feststellen:
1. Aufgrund der rechnungseigenen Verzerrungen ist es für Architekturaufnahmen ungeeignet
2. die Randschärfen sind an der Grenze der Akzeptanz, wenn man grösser ausbelichtet. Bis DIN A4 Printgrösse halte ich die Mängel für durchaus akzeptabel; den Ergebnissen der MTF Analyse auf photozone.de hält mein Objektiv nur bedingt stand, da insbesondere oben rechts die Unschärfe signifikant ausreisst. Wer Wert auf gute Randschärfen bis in die Ecken legt und grössere Ausbelichtungen plant, sollte m.E. das Objektiv nur bedingt in Erwägung ziehen und vorab austesten.
3. die VR arbeitet ausgezeichnet. 1/8 sec aus der Hand kann für alltagstaugliche Aufnahmen reichen (wenn es denn sein muss). Ich hab auf 4m Distanz auf eine kleine Displayanzeige meines Sat-Receivers fokussiert und Vergleichsaufnahmen mit und ohne diesen Wackeldackel gemacht. Erstere werden sehr ordentlich, letztere sind für die Tonne. Für mich als jemanden, der aus der Leicaecke kommt, eine ganz neue Erfahrung und Bereicherung. Wo sonst der Blitz oder höhere ISO Zahl ins Spiel kommt, sind hier 2-3 Blendenstufen Reserve realistisch. Dies bitte unter normalen Bedingungen, also keine Erbsenzählerei und tiefschürfende technische Bildanalyse sondern im praktischen Gebrauch.
Summa summarum denke ich, dass diese Optik für ihren Preis ein durchaus alltagstaugliches, leichtes und ordentliches Stück Linse ist.
Sie ist nicht der optische Überflieger, aber ebenso wenig ein preislicher Verriss.
Für flotte Strassen- / Situationsphotographie und wohl auch den überwiegenden Teil in der Landschaftsphotografie ist sie gut einsetzbar.
Wenn man sich mit ihren Schwächen vorab etwas befasst und unbeschwert/spontan arbeiten möchte ist sie ein dankbarer Begleiter an dem man seine Freude haben wird.
Wer die Ansprüche nach oben schraubt, muss zu den ganz o.a. Objektiven greifen und den Preis der Schlepperei zahlen. Ich tue es nur bei sorgfältig geplanter Arbeit - im Urlaub oder beim Wochenendspaziergang-/Streifzug durch die Gemeinden werde ich das 16-85 dabei haben, dessen Aufnahmen auf max. DIN A4 ausbelichtet werden und in ein privates Photoalbum kommen, welches später mehr der Erinnerung und Erbauung denn des Genusses an hochwertigen Aufnahmen dient. Man isst ja auch nicht jeden Tag Trüffel
Gruss - Klaus
PS: weitere Erkenntnisse zu Auffälligkeiten (zB Vignettierung etc) liefere ich nach, wenn ich die Muße gefunden habe, dies austesten zu können...