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Ein Schwergewicht mit beeindruckender Bildqualität​

Mit dem AF 35mm F1.4 Pro bringt Viltrox ein neues lichtstarkes 35er für Nikon Z und Sony E auf den Markt. Ich habe die Nikon-Z-Version an meiner Nikon Z8 ausführlich getestet und dabei über 800 Aufnahmen gemacht. Ob das Objektiv seinem Pro-Anspruch gerecht wird, zeigt mein Praxistest.

Auspacken und erster Eindruck​

Das neue Viltrox AF 35mm F1.4 Pro Z kommt in einem sehr edlen, schwarz glänzenden Karton daher, der schon äußerlich klarmacht, dass mit diesem Objektiv ein Statement gesetzt werden soll: Qualität ohne Kompromisse.



Allerdings war ich ganz schön perplex, als ich das Objektiv aus dem Karton befreit hatte. Wie bitte? Das ist doch kein lichtstarkes 85er oder 135er, sondern ein 35er - warum muss das derartig groß sein? Das klärt sich später auf – der Reihe nach:

Im Lieferumfang befinden sich neben dem Objektiv zwei Objektivdeckel, eine Gegenlichtblende und ein Objektivbeutel. Alle Zubehörteile sind Viltrox-typisch schlicht gehalten. Das Objektivgehäuse besteht vollständig aus Metall, wirkt hochwertig und vor allem sehr robust. Es ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet; die Frontlinse besitzt eine wasser- und schmutzabweisende Beschichtung.

Das Objektiv bringt in der Nikon-Z-Version ohne Deckel selbst gewogene 809 Gramm auf die Waage. Viltrox gibt das Gewicht mit rund 780 Gramm an. Von der Sensorebene aus gemessen ragt es 130 Millimeter nach vorne (Bitte beachten: Diese Messung ist nicht mit der vom Hersteller angegebenen Objektivlänge ab Bajonett vergleichbar). Mit Gegenlichtblende kommen nochmals 45 Gramm Gewicht und rund 50 Millimeter Länge hinzu.

Das ruft geradezu danach, das neue Pro-Objektiv und das Viltrox AF 35mm F1.8 II EVO Z einmal nebeneinanderzustellen:



Der Vergleich ist allerdings aus zwei Gründen ein bisschen unfair: Zum einen unterscheiden sich die beiden Objektive in ihrer Lichtstärke (F1.4 gegenüber F1.8), zum anderen gehören sie unterschiedlichen Produktlinien von Viltrox an.

Während Viltrox bei der Pro-Serie den Schwerpunkt auf hohe Lichtstärke und maximale optische Leistung legt, verbindet die EVO-Serie eine hochwertige optische Konstruktion mit kompakteren Abmessungen und geringerem Gewicht. Das EVO-Modell wiegt mit rund 375 Gramm weniger als die Hälfte des neuen Pro-Objektivs. Dafür bietet das Pro die höhere Lichtstärke und einen aufwendigeren Autofokusantrieb.

Der Größenvergleich verdeutlicht also vor allem die unterschiedlichen Konstruktionsansätze und ist kein direkter Qualitätsvergleich.

Die technischen Daten im Überblick (Herstellerangaben)​

MerkmalTechnische Daten
AnschlussNikon Z
SensorformatVollformat
Brennweite35 mm
BlendenbereichF1.4–F16
Bildwinkel62,6°
Optischer Aufbau16 Elemente in 11 Gruppen
Spezialgläser2 UA, 3 ED, 4 HR
Blendenlamellen11
AutofokusHyperVCM
Naheinstellgrenze0,30 m
Maximaler Abbildungsmaßstab0,18×
BlendenringJa, mit CLICK-Schalter
FunktionstasteFrei belegbar
Filtergewinde77 mm
AbmessungenØ 84,5 × 112,5 mm
Gewichtca. 780 g
Unverbindliche Preisempfehlung859 €

Ausstattung und Bedienung​

Viltrox hat dem Objektiv einen sehr leisen und schnellen Autofokus mitgegeben. Auf eine eigene optische Bildstabilisierung wurde verzichtet, die übernimmt bei meiner Nikon Z8 der kamerainterne Bildstabilisator.

Das Objektiv verfügt über einen Blendenring, dessen Rastung sich per Schalter aktivieren oder deaktivieren lässt. Ich persönlich mag die Rastung sehr gerne. Die Drittelstufen rasten satt ein, die A-Position ist etwas weiter von den übrigen Blendenstufen abgesetzt und bietet einen höheren Widerstand. In der Praxis lässt sich damit sehr gut und mit einem sicheren Gefühl arbeiten.

Auffällig ist der Verstellweg von rund 90 Grad. Von F1.4 bis F16 oder zur A-Position hat man also ordentlich zu drehen. Das war für mich anfangs gewöhnungsbedürftig. Dafür kann man die Blende auch in Eile und Hektik präzise einstellen. Man erwischt nicht gleich eine oder zwei Raststufen zu viel, wie mir das bei der Bedienung über das Einstellrad der Kamera gerne mal passiert. Da hat sich Viltrox etwas bei gedacht, und das macht Sinn!

90° links der Mitte befindet sich eine Funktionstaste, die im Kameramenü mit allen nur erdenklichen Funktionen belegt werden kann. Standardbelegung ist der AE/AF-Lock. Über einen weiteren Schalter kann zwischen automatischer und manueller Fokussierung gewechselt werden. Im ersten Fall fungiert der Fokusring als Einstellring der Schärfe, ansonsten über das Kameramenü als Multifunktionsring mit den Optionen Fokus M/A, ISO, Belichtungskorrektur, Blende oder “keine Belegung”.

An das Montieren der Gegenlichtblende musste ich mich erst gewöhnen. Die Fassung vorne am Objektivtubus ist recht schmal. Einfach irgendwie aufsetzen und drehen, bis es einrastet, funktioniert hier nicht. Sauber “Strich auf Strich” angesetzt und “bis Strich auf Punkt” gedreht, rastet sie leicht und sicher ein. Die Gegenlichtblende lässt sich zum Transport auch umgekehrt am Objektiv befestigen. Hier braucht es ebenfalls etwas Gefühl, bis sie richtig sitzt.

Nach dieser kleinen Einarbeitungsphase ging mir die Bedienung im Feld aber intuitiv, leicht und präzise von der Hand.

Natürlich bleibt das Gewicht für ein 35-mm-Objektiv gewöhnungsbedürftig. Selbst an der Nikon Z8 ohne Batteriegriff kam mir die Kombination etwas kopflastig vor. Mit dem zusätzlichen Batteriegriff fühlte sich das Ganze deutlich ausgewogener an. Eine klassische Grab-and-go-Kombination ist das allerdings nicht. Nach dem Einschalten der Z8 ist sie mit diesem Objektiv in ca. 0.8sec einsatzbereit.


Bildqualität: Schärfe und Auflösung im Praxistest​

Bei einem 35-mm-Objektiv braucht es eigentlich kein Referenzfoto, um den Bildwinkel zu beurteilen. Da Viltrox dieses Objektiv allerdings insbesondere wegen seiner Bildqualität so gebaut hat, habe ich dennoch unser übliches Referenz-Waldmotiv in der 100-%-Ansicht der 45-Megapixel der Nikon Z8 hergenommen und die Ergebnisse bei unterschiedlichen Blenden und Fokuspunkten verglichen.


f/1.4 - 1/5000s - ISO 100

Dabei konnte ich Folgendes feststellen:

Bereits bei F1.4 werden in der Bildmitte die feinen Verästelungen der Birke und ihre Rindenstruktur gut aufgelöst. Auch die kleinen Blätter sind differenzierbar, wenn auch noch etwas flächig. Zum Bildrand hin nimmt die Auflösung leicht ab, bleibt aber auf hohem Niveau.

Bei F2 verbessert sich die Darstellung sichtbar. Die Verästelungen werden sehr gut aufgelöst, die einzelnen Blättchen lassen sich deutlich besser unterscheiden und auch die Randschärfe legt sichtbar zu.

Ein weiteres Abblenden auf F2.8 bringt bei den Verästelungen subjektiv keinen erkennbaren Zugewinn mehr. Die Blättchen werden noch etwas differenzierter dargestellt, während die Schärfe an den Bildrändern nur noch geringfügig zunimmt.

Bei F5.6 und F8 lässt sich allenfalls noch ein leichter Kontrastgewinn erahnen. Eine weitere Verbesserung der Schärfe vermag ich nicht mehr auszumachen.

Für mich liegt der erkennbare Sweetspot dieses Objektivs bei F2.

Dabei sollte man bedenken, dass es sich hier nicht um eine Backsteinwand in fünf Metern Entfernung handelt, sondern um einen Wald mit feinsten Strukturen in über 100 Metern Entfernung, und das bei 35 mm Brennweite. Unter diesen Bedingungen ist das Ergebnis für mich schlicht hervorragend! Ich denke, das lässt sich bereits an dem aus technischen Gründen für die Darstellung im Forum deutlich verkleinerten JPG out of cam erkennen, aufgenommen mit dem moderaten Picture-Control-Profil SD der Z8.

Bildqualität im fotografischen Alltag​

Ich konnte das Objektiv bei verschiedenen Gelegenheiten und in ganz unterschiedlichen Situationen testen. Die Auswahl der Beispielfotos für den Testbericht fiel mir dabei wirklich schwer.

Aufnahmen in der Kirche​

In der Kirche fiel mir neben der Schärfe mit 1.4 auch der nahezu unhörbare AF auf. Auch die Vibration Reduction der Z8 kam gut mit dem Objektiv zurecht.


f/1.4 - 1/50s - ISO 100



f/1.4 - 1/20s - ISO 280

Nahaufnahmen und Bokeh​

Das Objektiv hat eine Naheinstellgrenze von 30 cm. Dies ermöglicht auch ohne dedizierte Makrofunktion sehr beeindruckende Detailaufnahmen. Hier Beispiele für die Anmutung mit weichem Bokeh bei Offenblende und eine hervorragende Bildschärfe bei Abblendung.


f/1.4 - 1/8000s - ISO 100 - (-0,3)



f/5.6 - 1/500s - ISO 100 - (-0,7)

Farbwiedergabe und feine Strukturen​

Auch bei den herbstlichen Motiven konnte mich das Viltrox überzeugen. Die Farbwiedergabe wirkt angenehm und neutral, während die zahlreichen einzelnen Blätter mit beeindruckender Detailgenauigkeit aufgelöst werden.


f/5.6 - 1/320s - ISO 100



f/1.4 - 1/3200s - ISO100



f/5.6 - 1/500s - ISO 100

Gegenlichtverhalten: Flares, Ghosting und Blendensterne​

Im Gegenlicht können sich je nach Motiv und Sonneneinfallswinkel mäßige bis deutlich erkennbare Ghosting- und Flareeffekte schon bei Offenblende zeigen.


f1.4 - 1/3200s - ISO 100

Bei stärkerem Abblenden entstehen deutliche Sterneffekte um die Lichtquelle. Die dabei auftretenden Reflexionen können durchaus auch gestalterisch interessant sein und den Aufnahmen einen gewissen Kinofilm-Look verleihen.


f/16 - 1/320s - ISO 200

Das Gegenlichtverhalten sollte man beim Fotografieren allerdings im Blick behalten. Nicht in jeder Situation sind diese Effekte erwünscht.

Die Nacht der Kultur in Schweinfurt​

Bei der Nacht der Kultur in Schweinfurt gab es reichlich Gelegenheit, das Viltrox AF 35mm F1.4 Pro Z unter ganz unterschiedlichen Bedingungen einzusetzen. Für Veranstaltungen wie diese ist das Objektiv wie gemacht.

Die verschiedenen Veranstaltungsorte stellten jeweils eigene fotografische Herausforderungen: vom Konzert in der Kirche über Pop-up-Galerien mit beeindruckenden Kunstwerken bis hin zur Licht- und Feuerkunst auf dem Kirchenvorplatz. Dazu kam der Oldtimer-Taxiservice auf dem Marktplatz, der die Besucher:innen von einem Veranstaltungsort zum nächsten brachte.


f/2.8 - 1/40s - ISO 1400



f/2 - 1/125s - ISO 2200

Kunst und Bokeh​

Der gewollte unscharfe Hintergrund dieser Skulptur zeigt ein angenehmes, weiches Bokeh.


f/2.8 - 1/40s - ISO 100

Oldtimer bei Nacht​

Bei den Oldtimern zeigt sich eindrucksvoll, was die Kombination aus der hohen Schärfe des Viltrox bei F1.4 und dem leistungsfähigen Sensor der Nikon Z8 ermöglicht. Die Fahrzeuge werden selbst bei wenig Licht mit erstaunlicher Detailgenauigkeit abgebildet – fast schon wie mit einem Nachtsichtgerät.


f/1.4 - 1/80s - ISO 5000

Die sportliche Fahrweise des Bulli-Fahrers machte Mitzieheffekte möglich.


f/1.4 - 1/40s - ISO 1800

Licht- und Feuerkunst​

Die Straßenkünstler bei Dunkelheit stellten sowohl die Ausrüstung als auch mich als Fotografen auf die Probe. Schnelle Bewegungen, wechselnde Lichtverhältnisse und wenig Umgebungslicht verlangten nach einer sorgfältigen Abstimmung der Kameraeinstellungen.

Hier halfen der schnelle Autofokus und das Abblenden auf F2.8, um etwas mehr Schärfentiefe zu gewinnen und die bewegten Szenen möglichst gut einzufangen. So entstanden Aufnahmen, die diese besonderen Momente in schöner Erinnerung halten.


f/1.4 - 1/40s - ISO 1600 - (+0.7)



f/2.8 - 1/125s - ISO 2500



f/2.8 - 1/125s - ISO 2000



f/2.8 - 1/125s - ISO 2500

Preis-Leistungs-Verhältnis​

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 859 Euro ist das Viltrox AF 35mm F1.4 Pro Z zwar kein günstiges Objektiv, bietet für seinen Preis aber eine bemerkenswerte optische Leistung. Das preiswertere NIKKOR Z 35mm f/1.4 verfolgt mit seiner kompakteren Konstruktion einen anderen Ansatz (näher an der EVO-Linie von Viltrox). Nikons hochwertige S-Line spielt mit dem 35mm f/1.2 dagegen in einer ganz anderen Preisklasse.

Auch innerhalb des Viltrox-Sortiments positioniert sich das Pro zwischen den kompakteren Modellen und der noch lichtstärkeren LAB-Serie. Angesichts der hervorragenden Bildqualität, der hochwertigen Verarbeitung und der umfangreichen Ausstattung verdient das Preis-Leistungs-Verhältnis die volle Punktzahl.

Fazit​

Mission erfüllt. Das Viltrox AF 35mm F1.4 Pro Z erhebt den Anspruch, in Sachen Bildqualität ein kompromissloses Statement zu setzen. Das ist gelungen, wenn auch nicht ganz ohne Einschränkungen.

Schärfe, Kontrast und Farbwiedergabe sind mehr als überzeugend, und das bereits bei offener Blende. In Kombination mit den modernen Sensoren einer Nikon Z6 oder Z8 unterstützt das Objektiv perfekt die “Nachtsicht”-Fähigkeiten solcher Kameras. Ghosting und Flares bei Gegenlicht sind ein Thema, das Fotograf:innen kennen und berücksichtigen sollten. Hier zeigen andere Objektive, dass es noch besser geht.

Haptik und Verarbeitung entsprechen dagegen voll und ganz dem Pro-Anspruch, den Viltrox mit dieser Objektivserie verfolgt. Verzeichnungen oder Verzerrungen konnte ich bei meiner Motivauswahl nicht feststellen.

Und was meinen ganz persönlichen Eindruck nach über 800 Aufnahmen mit unterschiedlichsten Motiven, Blenden und Belichtungseinstellungen angeht: In Sachen Bildqualität ist dieses Objektiv ganz sicher eines der besten, die ich je an meinen Kameras hatte.

Für Fotograf:innen, die bei dieser Brennweite regelmäßig eine hohe Lichtstärke und erstklassige Bildqualität benötigen, auch im professionellen Einsatz, ist das Viltrox AF 35mm F1.4 Pro Z eine klare Empfehlung. Ob man bereit ist, Größe und Gewicht in Kauf zu nehmen, ist eine persönliche Entscheidung.

Meine Bewertung:​


Preis, Verfügbarkeit und Community-Rabatt​

Das Viltrox AF 35mm F1.4 Pro ist ab sofort für Nikon Z und Sony E erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 859 Euro.

Unser Community-Vorteil: Mitglieder der Netzwerk Fotografie Community erhalten beim Kauf bis 30.11.2026 einen exklusiven Rabatt von 20 %.
Nach dem 30.11.2026 gilt wie immer unser regulärer Rabatt von 10 % mit dem Rabattcode NIKONFOTOGRAFIE.

Der zeitlich begrenzte 20 %-Rabatt wird automatisch im Warenkorb angewendet, und zwar direkt hier bei Viltrox:

oder über diesen Link bei Amazon:

Weitere Informationen gibt es hier direkt bei Viltrox:
Viltrox AF 35mm F1.4 Pro für Nikon Z
Viltrox AF 35mm F1.4 Pro für Sony E

Die Links führen zum Viltrox-Onlineshop beziehungsweise zu Amazon. Mit einem Kauf über diese Partnerlinks unterstützt ihr unsere Arbeit, ohne dass für euch zusätzliche Kosten entstehen.

© Netzwerk Fotografie. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Frank-Michael Anton und Anja Anton-Hoenen, Fotos: Frank-Michael Anton.

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