Die Vogelwelt von Sulawesi und Halmahera

lokatz

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Es sei keinem übelgenommen, der jetzt mit einem ‘Häh? Wo bitte liegt denn Sulawesi? Und was genau ist Halmahera?‘ reagiert. Muss man nicht wirklich kennen…

Sulawesi und Halmahera sind zwei recht interessante Inseln, die zu der umfangreichen Inselwelt von Indonesien gehören. Sie liegen sozusagen eingeklemmt zwischen den größeren Inseln Borneo im Westen und Neu-Guinea im Osten. Halmahera, die wesentlich kleinere der beiden Inseln, gehört zu den Molukken, nach ihren historisch wichtigsten Ausfuhrprodukten auch ‘Gewürzinseln‘ genannt. Sie wird hier auf der Karte als 'North Maluku' bezeichnet.

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Was diese beiden Inseln besonders macht, ist die sogenannte Wallace-Linie, die zwischen ihnen hindurchläuft. Auch noch nicht gehört? Kannte ich vorher auch nicht, finde ich aber ungeheuer faszinierend: Diese gedachte Linie, die u.a. auch quer durch die Inselwelt der Philippinen verläuft, weist eine recht scharfe Trennung zwischen asiatischen und ozeanischen Arten auf, und zwar bei Flora und Fauna, Bäumen wie Blumen, Vögeln wie Säugetieren. Westlich der Linie dominieren asiatische Arten, östlich davon ozeanische. Warum diese Trennung so ausgeprägt ist, vor Allem zwischen diesen nahen Inseln, kann die Wissenschaft bisher nicht genau erklären.

Spannend, oder?

Im April 2026 habe ich direkt im Anschluss an meine Reise durch China und Tibet nach Nepal Sulawesi und Halmahera mit einem spezialisierten Veranstalter für Naturfototouren besucht. In diesem Bericht möchte ich auch ein wenig von der Landschaft zeigen und ein paar andere Tiere vorstellen, mein Schwerpunkt liegt hier aber klar auf meinen Lieblingsobjekten, den Vögeln.

Dennoch hoffe ich, dass ihn auch die Nicht-Vogelfreunde unter euch interessant finden werden. Ihr werdet so Einiges finden, was euch höchstwahrscheinlich noch nie über den Weg gelaufen ist...

Einem chronologischen Ablauf zu folgen, macht meinen Bericht nicht unbedingt spannender. Ich trenne daher zwar klar zwischen Sulawesi und Halmahera, die beide viele endemische, also jeweils nur dort beheimatete Arten aufweisen, konzentriere mich ansonsten aber auf thematisch mehr oder weniger verwandte Arten.
 
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Sulawesi

Auf Sulawesi, das manch einer vielleicht noch unter seinem früheren Namen Celebes kennt, waren wir nur im Norden dieser nicht ganz kleinen Insel. Von Manado weit im Norden, wo wir starteten, bis nach Makassar, dem Hauptort im Süden, sind es fast 1.800km Fahrstrecke!

Ich beginne mit einer Familie von Vögeln, die man in Asien und auch Afrika in vielerlei Ausprägungen findet, in Ozeanien dagegen selten und in Australien überhaupt nicht: den Nashornvögeln oder auch nur Hornvögeln. Sie leben meist in hohen Bäumen, in Landschaften wie dieser hier:

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5 Kommentare
Robert Goppelt
Robert Goppelt kommentierte
Da bin ich schon sehr gespannt... (y) (y)
 
Wölkchen
Wölkchen kommentierte
.......ich auch. (y) :)
 
MartinA
MartinA kommentierte
Da freue ich mich besonders. Sulawesi habe ich vor einigen Jahrzehnten bereist - der Schwerpunkt war allerdings nicht die Fotografie, sondern Kultur, Land und Leute.
Iinteressanterweise findet sich auch hier in der Foren-Suche einige ältere Themen rund um Sulawesi und z.B. den Toraja.
Halmahera hingegen ist für mich auch ein "weißer Fleck".
Wie auch immer - ich freue mich auf deine Bilder.
 
L
lokatz kommentierte
Land und Leuten sind wir leider nicht wirklich gerecht geworden, natürlich auch aus Zeitmangel.

Was mich überrascht hat, war, wie viele Katholiken auf der Insel leben und Symbole ihres Glaubens zeigen. (Wir sahen viele Kirchen und oft in Vorgärten große Kreuze, die gelegentlich beleuchtet waren.) Schließlich ist Indonesien das größte muslimische Land der Erde.
 
MartinA
MartinA kommentierte

In der Tat: insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhundert ihrer Kolonialzeit, haben die Holländer die Christianisierung stark vorangetrieben. Insbesondere auch im Hochland von Sulawesi (Toraja-Land).
 
Hornvögel sehen den südamerikanischen Tukanen ein wenig ähnlich, haben aber neben dem langen gebogenen Schnabel meist noch eine Hornplatte am oberen Schnabelansatz.

Über die Jahre habe ich schon eine Reihe solcher Vögel fotografieren können. Der spannendste aller, die ich jemals zu Gesicht bekommen habe, ist aber ohne Zweifel der Helmhornvogel.

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Hand aufs Herz: Wer denkt hier nicht sofort an Comics? Dieses Bild ist -großes Indianerehrenwort- der Wirklichkeit entnommen und nicht von einer KI generiert. Endemisch auf Sulawesi und einigen kleineren Nachbarinseln, ist dieser äußerst ungewöhnlich aussehende Vogel dort zwar noch einigermaßen regelmäßig anzutreffen, wegen der Bedrohung seiner Lebensräume aber bereits als gefährdet eingestuft.
 
2 Kommentare
asaerdna
asaerdna kommentierte
@AnjaC - da kommt sicher noch mehr, aber alleine dieses Bild ist für mich ein absolutes Highlight ;).
 
Bettina
Bettina kommentierte
Gute Idee, ist nun auch in unseren Highlights vertreten (y) (y) (y)
 
Das Männchen (voriges Bild) ist am roten Horn zu erkennen, das Weibchen, hier im Flug, am gelben.

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Helmhornvögel spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung bestimmter tropischer Baumarten, deren Samen sie häufig weitertragen.
 
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Wo wir gerade bei gefährdeten Arten sind, zeige ich hier eine ganz andere und noch seltenere: den Maleo, auf Deutsch Hammerhuhn. Er bildet innerhalb der Familie der sogenannten Großfußhühner eine eigene Gattung und ist ebenfalls auf Sulawesi endemisch, kommt also ausschließlich dort vor.

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Der deutsche Name erschließt sich von selbst, oder?
 
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Dieser Vogel legt seine Eier in heißem Sand oder, wie oben im Bild, vulkanischer Erde ab, wo Temperaturen von etwa 35 Grad herrschen. Danach bedeckt er das Ei mit einer Schicht aus etwa 10cm Sand bzw. Erde und überläßt es sich selbst.

Hammerhühner-Paare bleiben lebenslang zusammen – aber quasi kinderlos.

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MartinA
MartinA kommentierte
Wenn es keine Hühner wären, hätte ich gesagt: Raben-Eltern. ;)
 
L
lokatz kommentierte
Ich denke, die würden sich auf ihre Gene rausreden... ;)
 
Das Küken muss sich nämlich nicht nur selbst aus dem Ei herauspicken, sondern auch durch die Sand-/Erdschicht graben.

Es ist danach sofort flugfähig und dauerhaft auf sich selbst gestellt, bekommt also seine Eltern möglicherweise nie zu Gesicht.

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Dieses Exemplar hier ist genau einen Tag alt und wird gerade aus einer Aufzuchtstation freigelassen, was seine Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht, da das Risiko am ersten Lebenstag am größten ist.

Große Ähnlichkeit mit seinen Eltern hat es noch nicht. Muss aber kein Nachteil sein... ;)
 
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Heute mache ich mal nur mit den Eisvögeln weiter. Davon haben wir ja in Europa nur einen und erwarten deswegen vielleicht keine große Vielfalt. Auf Sulawesi dagegen konnte ich von diesen farbenprächtigen Vögeln gleich sieben verschiedene Arten fotografisch festhalten, und zwar SEHR unterschiedliche.

Immerhin vier davon sind ebenfalls endemisch, nämlich der Einsiedlerliest,…

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… und der mit nur 8-10 Zentimetern Körperlänge ziemlich winzige, aber ausgesprochen hübsche Sulawesi-Zwergfischer.

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Er erreicht gerade mal ein Drittel der Länge des Einsiedlerliests, der größten dieser vier Arten.
 
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Die verbleibenden drei Arten haben jeweils ein wesentlich größeres Verbreitungsgebiet.


Der besonders ungewöhnlich aussehende Feuerliest ist von Ost- bis Südasien zu finden, also zum Beispiel auch in Korea, Japan, China, Indien und auf den Philippinen.

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Zu guter Letzt folgt noch ein guter Bekannter, nämlich ‘unser‘ Eisvogel, dessen Verbreitungsgebiet immerhin von Mauretanien bis nach Japan und Papua-Neuguinea reicht.

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Eisvögel gibt es übrigens, man sieht es schon beim Halsbandliest und Eisvogel, auf beiden Seiten der Wallace-Linie. In Australien sind zum Beispiel zehn verschiedene Arten davon beheimatet, darunter der Kookaburra.
 
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Wuxi
Wuxi kommentierte
Ich finde ja verblüffend dass diese Vögel, die es in deutschsprachigen Gebieten nicht gibt trotzdem deutsche Namen haben.
 
L
lokatz kommentierte
Nun ja, es gibt viele deutsche Ornithologen, und die brauchen ja auch eine Aufgabe... ;)

Aber Spott beiseite, Vogelarten werden in sehr vielen Sprachen benannt, obwohl es sie in dem Sprachraum gar nicht gibt. Ich habe allerdings auch schon eine ganze Reihe von Arten fotografiert, für die auch bei gründlicher Suche kein deutscher Name zu finden war. Der Goldstandard ist der lateinische Name - den gibt es wirklich für jede bekannte Art.
 
L
lokatz kommentierte
Der von mir oben erwähnte australische Kookaburra, genauer der Laughing Kookaburra, heißt auf deutsch übrigens 'Lachender Hans'. Wer einmal seinen Ruf gehört hat, versteht, warum.

Und so sieht er aus:

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Nun muss ich eine Korrektur anbringen, da ich im Lauf meiner Recherchen etwas schlauer geworden bin: Anders als von unserem Tourveranstalter behauptet, verläuft die nach Alfred Russell Wallace benannte Wallace-Linie westlich von Sulawesi, trennt also die von uns besuchten Inseln nicht. Sie bildet die Grenze zwischen Asien und dem sogenannten Wallacea, einer von Wallace definierten Übergangszone zwischen asiatischen und ozeanischen Arten, zu der auch Neu-Guinea und viele andere Inseln gehören.

Die von mir beschriebene Trennlinie zwischen Sulawesi und Halmahera, die asiatische und ozeanische Arten separiert, heißt dagegen richtig Weber-Linie. Sie ist nach Max Carl Wilhelm Weber benannt, einem deutsch-holländischen Zoologen. Auf sie werde ich mich im Weiteren beziehen.
 
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Bevor ich mich heute einigen Kleinvögeln widme, stelle ich einen ganz anderen ‘seltsamen Vogel‘ vor: In einem küstennahen Regenwald ganz im Nordosten von Sulawesi stießen wir auf einen Trupp von Schopfaffen.

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Tatsächlich ist diese Affenart nur im äußersten Nordosten der Insel beheimatet und somit endemisch.
 
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Diese Makaken gehören zu den Meerkatzenverwandten. Mit Ausnahme der afrikanischen Berberaffen leben alle Makakenarten in Asien – und dort westlich der Weber-Linie.

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Bereits auf der östlichen Nachbarinsel Halmahera sind keine Makaken mehr zu finden.
 
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Diese Affen leben meist in Gruppen von etwa 25 bis über 100 Tieren. Sie verbringen ca. 60% ihrer Zeit am Boden, sind aber -wenig überraschend- auch gute Kletterer.

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Von den sechs Makakenarten Sulawesis ist der Schopfaffe der am meisten gefährdete. Die IUCN stuft ihn als 'critically endangered' ein, die höchste Warnstufe vor dem Aussterben.
 
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