Man kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass sRGB die schlechteste aller möglichen Alternativen ist.
Und warum dann nicht gleich ProPhoto RGB benutzen?
Ich stattdessen komme genau zum gegenteiligen Schluss. Unweigerlich.
Denn es ist schlimmer als das:
Ich würde AdobeRGB nur nutzen wenn es jemand (Druckvorstufensoftware) von mir fordert. Ansonsten bringt es keinerlei Vorteile für mich, nur potentielle Probleme.
Wenn das Ziel ohnehin überwiegend sRGB oder Druck ist, dann bringt die temporäre Nutzung von Adober RGB nicht nur
potenzielle Probleme, sondern handfeste Nachteile. Bei temporärer Nutzung von ProPhoto RGB wäre es noch schlimmer.
Warum?
Vorausschicken möchte ich, dass ich etwas unglücklich bin mit dem Begriff Farbmodell (RGB, CMYK) in Unterscheidung zum Farbraum (sRGB, Adobe RGB, ProPhoto RGB, CMYK ISO Coated v2). Das bringt man nur zu leicht durcheinander, dass ist selbst dem guten Dieter in Beitrag #2 passiert, der die Farbmodelle und Farbräume in einem Satz in denselben Topf geworfen hat.
Aus meiner Sicht ist RGB oder CMYK zunächst nur eine "Datenrepräsentanz", ich würde daher lieber von "Datenräumen" sprechen. RGB Datenpunkt z.B. 185,107,82 definiert noch keine Farbe, sondern einen Datenpunkt in einer Bild-Datei (und damit habe ich regelmäßig selbst noch Schwierigkeiten). Erst das Profil macht daraus eine Farbe. Und diese Farbe ist dann unterschiedlich, je nachdem, welches Profil (Farbraum) der Datei zugeordnet ist.
Soweit, so klar.
Nun möge man sich verdeutlichen, dass über das Profil alle Farben innerhalb des jeweiligen Farbraumes auf die gleiche Anzahl (16,78 Mio. bei 8 Bit) unterschiedliche Datenpunkte gemappt werden. Das bedeutet: ist der Farbraum Y größer (d.h. umfasst einen
weiteren Farbbereich) als X dann repräsentiert eine Stufe (1 bit Differenz) bei Farbraum Y eine größere Farb-Differenz als im Farbraum X. Mit anderen Worten: Der größere (weitere) Farbraum Y hat eine gröbere Farb-Abstufung als der Farbraum X. Obwohl das ansich schon ein Nachteil sein kann, wird man das im Normalfall nicht bemerken können. Aber sobald man eine kräftige Bildbearbeitung vornimmt (im größeren/weiteren Farbraum Y), können die Stufen erheblich größer und damit sichtbar werden. Auch das wird übrigens in der EIZO-Artikelreihe thematisiert und gezeigt. Um dieses Problem zu umgehen, müsste man dann im 16 Bit Datenraum arbeiten. Aber irgendwann kommt dann die Konvertierung z.B. nach sRGB (und 8 Bit), und dann sind die (vermeintlichen) Vorteile nicht nur dahin, sondern wandeln sich in Nachteile. Diese Gefahr ist wesentlich geringer, wenn man über der gesamten Verarbeitungsstrecke immer den gleichen Farbraum beibehalten kann.
Zudem: es ist ja gar nicht möglich, dass ein z.B. in Adobe RGB bearbeitetes Bild nach Konvertierung in sRGB exakt so aussieht wie vorher. Wenn das der Fall wäre, hätte man gleich in sRGB bleiben können. Nicht nur wegen der Problematik der Abstufung (dem neu-Sampling der zugeordneten Farben), sondern weil sRGB ja eben einen kleineren Farbbereich umfasst als Adobe RGB. D.h. die speziellen Farben, die Adobe RGB darstellen kann, sRGB aber nicht, fehlen zwangsweise nach der Konvertierung.
Die durchgängige Nutzung von sRGB als sowas wie der kleinste gemeinsame Nenner hat daher klare Vorteile und bewahrt vor potenziellen Enttäuschungen.
Äh ja, gut und schön – hilft aber nicht weiter.
@FrankyG
Guck mal, ob in allen Programmen der gleiche Farbraum AdobeRGB hinterlegt ist.
Mir scheint die Windows-Fotoanzeige mit sRGB zu laufen …
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