Nochmal zur PCR Test Spezifität bei insgesamt geringer Erkrankungshäufigkeit und der aktuellen Zunahme der positiv Getesteten.
Ich weiss, wir hatten das schon mal andiskutiert.
Das Thema erscheint mir immer noch sehr brisant und nicht gelöst zu sein:
Wenn man nun nur eine geringe Verbreitung der Erkrankung insgesamt hat, mit in Deutschland derzeit 0,7 Neuerkrankungen pro Tag und pro 100000 Einwohner, dann gewinnt die Testspezifität ein um so größeres Gewicht.
Wenn diese laut letztem Ringversuch der Labore
jedoch nur bei 98,2 Prozent liegt, dann fände man auch unter 100 000 Gesunden 1800 Personen die fälschlicherweise als positiv getestet registriert werden. Eine Testkontrolle, um diese Zahl zu verringern ist offenkundig weder vorgeschrieben noch üblich.
Ich habe auf den RKI Seiten zumindest keinen Hinweis darauf gefunden.
Selbst bei einer Spezifität von 99,5 % würde man unter 100 000 Gesunden fälschlicherweise noch 500 positiv Getestete finden, was den aktuellen Grenzwert von 50 positiv Getesteten pro 100 000 Menschen noch um den Faktor 10 übertreffen würde.
Diese 1800 bzw. 500 Menschen würden also in Quarantäne geschickt. Die maximal erlaubte Fallgrenze pro 100 000 Einwohnern wäre bei weitem gerissen und die Welle wäre da, auch wenn es gar kein Virus mehr gäbe.
Bei Steigerung der Testzahlen würde man auch die R-Zahl wieder deutlich ansteigen sehen, so ganz ohne Viren......
Natürlich ist das nur ein Gedankenexperiment, dass eben zeigen soll, wo ich ein Problem sehe.
Wenn infektiöse Neuerkrankungen sich an der Grenze der Vortestwahrscheinlichkeit bewegen, wie das Phänomen benannt wird, ist der Nutzen einer Testung ohne Symptome offenkundig sehr gering, auch wenn Herr Söder das anders sieht.
Die Corona App wird dann vermehrt Fehlalarme produzieren, die Angst in der Bevölkerung wird steigen, die nächste Grippesaison wird dann erneut zum nationalen Notstand erklärt werden.
Da momentan der Prozentsatz der positiv Getesteten rascher ansteigt als die Anzahl der durchgeführten Tests, ist realistischerweise dennoch von einer realen Erhöhung der positiv Getesteten auszugehen.
Unterm Strich bleibt als hartes Faktum nur noch die Coronatodesstatistik, auch wenn man hier viel zu rügen hätte.
Da seit Wochen ein Anstieg der angeblich oder tatsächlich Infizierten täglich vermeldet wird, müßte mit Verzögerung ja nun auch ein Anstieg der an oder mit Corona Verstorbenen zu beobachten sein.
Die letzten Cluster Ereignisse haben möglicherweise eher wieder jüngere Personen betroffen, welche deutlich seltener behandlungsbedürftig werden als ältere.
(Mehr als die Hälfte der insgesamt Verstorbenen ist über 81 Jahre alt).
Aktuell befinden sich laut DIVI in ganz Deutschland nur 224 Patienten wegen Covid-19 in intensivmedizinischern Krankenhausbetreuung bei insgesamt rückläufiger Tendenz.
Diese Widersprüche zwischen zunehmender Zahl der positiv Getesteten einerseits, der bislang jedoch fehlenden Effekte auf Todesstatistik oder Auslastung der Intensivstationen andererseits, sind schwer erklärbar.
Vielleicht kann man den Effekt wegen der jeweiligen Verläufe noch nicht sehen.
Oder es gibt gar keine Krankheitsverläufe, weil die Betroffenen subjektiv nicht oder nur leicht erkrankt sind und einer anderen Bevölkerungsgruppe angehören, als die schwer Erkrankten?
Ich vermute Letzteres.
Die Intensivstationen sind jedenfalls meilenweit von einer Überlastung entfernt.
Bei den Gesundheitsämtern kann man das schwerer beurteilen.
Eine oder mehrere überregionale mobile Task Forces zur Unterstützung der lokalen Ämter - wie von Streeck vorgeschlagen - wären sicherlich hilfreich.
Eine Obduktion ist kein Herumschnippeln.
Ich finde es gut, dass man Dinge herausfinden möchte, von denen man noch zu wenig weiß. Hier habe ich allerdings den Eindruck, jeder weiß schon alles, was er wissen muss.