Testbericht: Objektiv Viltrox AF 1.8/85 für Nikon Z-Mount

Überzeugt in allen Belangen

Unser Community-Mitglied Dieter Doeblin hat das Viltrox AF 1.8/85 für Nikon Z-Mount getestet. Er berichtet:

Mitte Januar brachte der chinesische Hersteller Viltrox das erste Objektiv für Nikon Z-Kameras, das Viltrox Vollformat AF 1.8/85 Z, auf den Markt. Dieses Autofokus-Objektiv ist das erste für die Nikon Z-Serie, das von einem Drittanbieter kommt, und macht natürlich neugierig. Die Marke Viltrox gehört zur Shenzhen Jueying Technology Co., Ltd in China. Dort fertigen 200 Mitarbeiter und entwickeln 30 Ingenieure Produkte für den Fotomarkt. Neben Objektiven gehören Objektivadapter, LED-Leuchten und Monitore zum Portfolio des Unternehmens. Für spiegellose Kameras stellte Viltrox bisher Objektive mit Sony und Fuji-Anschluss in den Brennweiten 85, 33 und 23 mm her. In Deutschland vermarktet die Firma Rollei die Viltrox-Produkte. Die Firma Rollei stellte uns auch das aktuelle 1.8/85 mm mit Z-Anschluss für einen Test zur Verfügung.

Das Objektiv wird in einer stabilen Verpackung geliefert. Neben dem Objektiv mit Sonnenblende wurden eine kurze Bedienungsanleitung und ein Objektivbeutel mitgeliefert. Schon beim Auspacken machte das Objektiv einen sehr wertigen Eindruck. Es ist komplett aus Metall gefertigt und schon die Haptik macht einen neugierig auf das fotografische Handling und die optische Qualität. Hier nun einige Eckdaten:

Das Objektiv verfügt über 10 Linsen in 7 Gruppen. Ein Bildstabilisator fehlt ebenso wie ein Blendenring. Das einzige Bedienelement ist der Schärfenring, mit einer für ein Foto-Objektiv ungewöhnlichen, anschlaglosen 360° Verstellung, der seidenweich läuft. Einen Umschalter AF/M gibt es nicht, man kann allerdings jederzeit manuell eingreifen. Das Objektiv hat eine Innenfokussierung und neun Blendenlamellen

Die Nahgrenze wird mit 80 cm angegeben. Das Gewicht liegt bei 540 g und ist damit ca. 90 g schwerer als das Original. Der Filterdurchmesser beträgt 72 mm. Insgesamt ist das Objektiv etwas größer als das Nikon. Ein praktisches Feature ist ein USB-Anschluss an der Bajonettseite des Objektivs, der eine separate Dockingstation, wie bei anderen Herstellern üblich, für das Einspielen von Updates überflüssig macht. Einzig die mitgelieferte Bajonett-Sonnenblende aus Kunststoff funktioniert etwas hakelig beim Montieren. Insgesamt vermittelt das Viltrox-Objektiv aber einen wertigen und soliden Eindruck.

Hier mal ein direkter Größenvergleich: links das Viltrox und rechts das Nikon AF-D. Die Argumentation, dass die Z-Generation kleiner und leichter ist, trifft bei den Objektiven leider nicht wirklich zu. Das AF-S 1.8/85 wiegt z.B. nur 350 g, und das neue Z 2.8/70-200, welches ebenfalls zur Verfügung stand, ist in der Z-Version ist genauso groß und schwer wie das letzte AF-S. Von Vorteil für mich war, dass die Z 7-ll mit dem neuen Multifunktionshandgriff MB-N11 bestückt war, denn diese Kombi ist meiner Meinung nach vom Handling her das Beste, was man bei den Z-Kameras haben kann!

Für den Test standen mir also eine Nikon Z 50 und die aktuelle Z 7ll zur Verfügung, die das Nikon-Spektrum von der APS-C Einsteiger-Kamera bis zum Top-Modell der Z-Reihe abdecken. Als weitere Referenz habe ich noch meine D750 mit dem AF 1.8/85 D hinzugezogen.

Nikon Z 7ll

 

Nikon Z 50

Am ersten Wochenende habe ich die Z 50 mit dem Viltrox 1.8/85 mm getestet. An der APS-C Kamera werden aus den 85 mm dann 127 mm, also eine Telebrennweite. Früher gehörte ein 135er zu jeder Objektiv-Linie bei allen Herstellern, heute ist es eher die Ausnahme, erst recht mit einer Lichtstärke f1.8. Ich muss sagen, mir hat das Objektiv an der Z 50 gut gefallen. Das Handling war gut, alle Kamerafunktionen, die für das Objektiv vorgesehen, sind funktionierten einwandfrei. Der Autofokus war fix und präzise. Die Bildergebnisse zeigten, dass auch die Bildqualität überzeugen konnte. Einziger Wermutstropfen war der fehlende Bildstabilisator, so dass man als User wieder darauf achten muss, eine entsprechend kurze Verschlusszeit zu wählen. Alternativ kann man heutzutage natürlich auch die ISO-Automatik nutzen, über die die Z 50 ja auch verfügt.

Um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, habe ich für den Artikel die Kamera-JPGs verwendet. Einmal, weil das Viltrox-Objektiv in den RAW-Konvertern noch nicht für die elektronische Objektivkorrektur unterstützt wird. Zum anderen wird leider auch die Z 7ll noch nicht in den gängigen RAW-Konvertern (Lightroom, DxO 4) berücksichtigt. Auf ein Umschreiben der Exif-Dateien habe verzichtet. Das funktioniert zwar, und das NEF wird mit den Parametern der Z 7 entwickelt, aber für einen Test wollte ich das nicht machen, zudem auch dann die elektronische Objektivkorrektur nicht möglich war. Die Aufnahmen, inklusive die des Test-Charts, habe ich von Hand korrigiert, was wegen einer leichten, kissenförmigen Verzerrung bei beiden Kameras notwendig wurde. Durch die Verwendung der JPGs ergab sich auch die Möglichkeit, zu sehen wie gut die Bildqualität der kameraeigenen JPGs ist. Und sie ist sehr gut, bei der Z 7ll sogar außerordentlich gut!

Vor dem Hintergrund der noch fehlenden Software und aufgrund der äußeren Umständen (Lock-Down) und der daraus resultierenden Einschränkungen habe ich mich entschieden, einen schnellen und, was die Bildstrecke angeht, etwas eingeschränkten Test zu machen. Diese Vorgehensweise macht es möglich euch schon jetzt mit belastbaren Ergebnissen zu versorgen. Sobald die Kamera und das Objektiv von den gängigen RAW-Konvertern unterstützt werden, liefere ich noch einmal eine Fotostrecke, die auf RAW-Entwicklungen basiert, nach.

Ergebnisse an der Nikon Z 50

Bei der Testtafel wurde jeweils eine Blendenreihe mit der Kamera auf dem Stativ angefertigt, alle anderen Fotos wurden frei Hand gemacht. Da hier für unseren Test der Vergleich mit offener Blende am wichtigsten ist, zeige ich hauptsächlich die Fotos mit f 1.8.

D750

Z 50

Z 7ll

Da die Z 50 nicht das volle Format nutzt, zeige ich hier nur den direkten Vergleich der jeweils rechten unteren Ecke der Testtafel. Wie man sieht, ist das Ergebnis für das Viltrox an der Z 50 im Vergleich mit den Vollformat-Kameras wirklich gut.

Studioaufnahme LED-Licht, Nikon Z 50 bei f 1.8 und 127 mm Brennweite.
Außenaufnahme Nikon Z 50 bei f 1.8 und 127 mm Brennweite.
Z 50, Viltrox 1.8/85 (127) mm bei offener Blende, ISO 100, 1/2500 Sek.
Z 50, Viltrox 1.8/85 (127) mm bei offener Blende, ISO 100, 1/500 Sek.

Z 50 Viltrox 1.8/85 (127) mm, ISO 320, 1/125 Sek. und offener Blende.

Ergebnisse an der Nikon Z 7ll

Da wir hier das volle Format nutzen, zeige ich auch die Testtafel komplett.

D750, 1.8/85 D, f 1.8
Z 7ll Viltrox 1.8/85 Z, f1.8
D750, AF.1.8/85 D, f1.8, hier noch einmal die rechte untere Ecke der Testtafel.
Z 7ll, Viltrox 1.8/85 Z, f1.8, rechte untere Ecke der Testtafel.
f 1.8
f 8

f 1.8

Testreihe für den Augenautofokus, Objekt kommt auf die Kamera zu.

Bei der Testreihe für den Test des Augenautofokus (im Verfolgungsmodus) trat ein eigentümlicher Fehler auf: beim letzten Bild, bei dem das Objekt der Kamera am nächsten war, stieg der Augenfokus aus. Nach mehreren Versuchen, immer mit dem gleichen Ergebnis, wechselten wir das Objektiv. Aber auch mit dem Nikon-Objektiv trat der Effekt auf, so dass hier wohl ein Bug in der Kamera-Software verantwortlich war.

f 1.8
f 1.8

Auch die Symmetrie, hier an der Hauswand und den Fernstern zu sehen, ist gut.

Hier noch ein Vergleich mit dem neuen Z 2.8/70-200 mm; bei 70 mm und f 2.8

Fazit

Insgesamt hat sich der gute Eindruck, der sich schon beim Auspacken eingestellt hatte, bestätigt. Die Abbildungsleistung des Viltrox 1.8/85 mm mit Nikon-Z-Anschluss war schon bei offener Blende bei beiden Kameras sehr gut und bis in die Ecken scharf. Blendet man 1 oder 2 Blenden ab, ist es sogar hervorragend. Der Autofokus funktioniert zuverlässig und schnell und ist dabei sehr leise. Auch die Kontrastleistung der Linse ist sehr gut. Der Freistellungseffekt bei offener Blende ist eindrucksvoll, das Bokeh wirkt harmonisch, eventuell auftretende Blendenflecken erscheinen schön rund. Das Objektiv liefert auch bei kameraeigenen JPGs an beiden Kameras sehr ausgewogenen Farben. Mit entsprechender RAW-Entwicklung dürften alle Ergebnisse noch etwas besser ausfallen, so dass das Preis-Leistungs-Verhältnis als ausgezeichnet bezeichnet werden kann.

Das neue Viltrox 1.8/85 Z hat mir in allen Belangen sehr gut gefallen. Es macht das, was es soll, sehr gut und vermittelt einem ein gutes Gefühl beim Fotografieren. Da ich persönlich die 85er Brennweite, auch im Studio, nicht mehr so häufig verwende, hat mir die Telebrennweite an der Z 50 mit seinen 127 mm fast noch besser gefallen. Man kann durchaus gespannt auf weitere Viltrox-Objektive mit Z-Anschluss sein, die dem 85er noch folgen sollen.

Ich vergebe 5 von 5 Sternen!

Besonders bedanken möchte ich mich bei Michael Sehnen und Andreas Pott, die mich bei diesem Test unterstützt haben!

Technische Daten

Preis und Verfügbarkeit

Das Viltrox Objektiv ist im Online-Shop von Rollei erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 399,– €. Der aktuelle Einführungspreis liegt bei 369,- Euro.

Bewertung

© Dieter Doeblin. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Dieter Doeblin, Fotos: D. Doeblin, M. Sehnen, Viltrox, Rollei, Nikon

Über Anja Anton-Hoenen 1732 Artikel
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.