Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO

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Viel Licht, aber auch Schatten

Testbericht Symbolbild "Check"

Unser Community-Mitglied Roland Ondra hat die Filter der Nik Collection 2.3 by DxO getestet. Er berichtet:

Wer kennt sie nicht, die berühmte Nik Collection. Ab etwa dem Jahr 2000 entwickelte die Hamburger Firma Nik einzelne Filter, um die Arbeit in Photoshop zu erleichtern. Seit 2006 wurde die sogenannte U-Point Technologie eingeführt und die einzelnen Filter wurden zusammen mit den entsprechenden Plugins als Nik Collection vertrieben. Ende 2012 übernahm Google die Nik-Software und hat diese zum kostenlosen Download angeboten. Ende 2017 übernahm dann DxO Labs diese Software und sie ist seitdem wieder kostenpflichtig. Nun endlich, Ende 2019, hat DxO Labs die Nik Collection in der Version 2.3 veröffentlicht.

Die Filter

Insgesamt besteht die Nik Collection aus verschiedenen, eigenständigen Unterprogrammen, die über Plugins insbesondere in DxO-Labs 3 und Photoshop eingebunden werden können. Diese sind:

  • Analog Efex Pro 2
  • Color Efex Pro 4
  • Dfine2
  • HDR Efex Pro 2
  • Sharpener Pro 3 Output Sharpening
  • Sharpener Pro 3 RAW Sharpening
  • Silver Efex Pro 2
  • Viveza 2

Programme, die mit Photoshop-Filtern zurechtkommen, haben ebenfalls direkten Zugriff auf die Nik Collection.

Installation und Anwendung

Die Installation auf meinem MacBook Pro 15 unter Catalina verlief absolut problemlos. Es wurden automatisch Lightroom, Photoshop und auch DxO PhotoLab 3 erkannt. Die Plugins wurden gleich mit installiert. Falls DxO PhotoLab nicht auf dem Computer installiert ist, so wird es mit der Nik Collection mit installiert, allerdings in der Essential Version. Für Affinity Photo 1.7.3 musste ich diese Plugins per Hand einbinden und auch von da aus lassen sich nun die einzelnen Features der Nik Collection als Filter aufrufen. Meine praktisch ausschließlich genutzten Filter waren auch bisher Color Efex Pro und Silver Efex Pro. Die anderen Filterprogramme fristeten eher ein sehr ruhiges Leben im Speicher meines Computers.

Ein Aufruf über das Plugin aus einem der genannten Programme ist anscheinend nötig. Sie laufen zwar als eigenständige Software, aber es ist mir nicht gelungen ein RAW-Bild direkt z.B. in Color Efex Pro 4 oder Silver Efex Pro 2 zu öffnen. Es funktioniert zwar mit TIFF- oder mit JPG-Dateien allerdings nicht mit RAWs. Übergibt man sein Bild z.B. aus Photoshop, Lightroom oder PhotoLab, so wird es zunächst in ein TIFF umgewandelt und dann erst übergeben.

Was die einzelnen Programme leisten, ist teilweise durch ihre Namensgebung teils selbsterklärend. Dennoch möchte ich hier kurz auf den Inhalt eingehen, da auch nicht selbstverständlich alle Leser bereits mit einer älteren Version der Nik-Collection vertraut sind.

Hier zunächst das originale Bild, entwickelt in DxO PhotoLab 3. Dieses Bild dient als Basis für die weiteren Veränderungen in den Modulen.

Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO Beispielbild

Analog Efex Pro 2

Hier kann man seinem Bild verschiedene Looks einer analogen Kamera mit analogem Film geben. Mitgeliefert werden neun verschiedene Kameraoptionen. Diese können verändert, personalisiert und abgespeichert werden. Ein Import bzw. Export solch einer Einstellung ist möglich.

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Color Efex Pro 4

Dies ist das wohl am meisten genutzte Einzelprogramm innerhalb der Nik Collection. Hiermit werden Color-Looks in einem Bild überlagert. Eine Vielzahl dieser Looks ist möglich. Teils ist auch die Deckkraft und somit die Intensität des betreffenden Looks regelbar. Hier ein Beispiel einer Art vertikaler Verlaufsumsetzung mit zwei Farben.

Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO Beispielbild

Dfine 2

Dieses Modul dient der Entrauschung des Bildes. Hierfür werden gespeicherte Kamera Profile auf das Bild angewendet und eine Entrauschung durchgeführt. Die Standardparameter führen dabei schon zu äußerst brauchbaren Ergebnissen. Inwieweit man dieses Modul benötigt, wenn man vor allem in DxO PhotoLab 3 ein außerordentlich gute „Prime“-Entrauschung besitzt, ist fraglich. Aber es arbeitet nicht jeder mit DxO PhotoLab und die Entrauschung mit Dfine führt zu besseren Ergebnissen als Lightroom sie liefert.

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HDR Efex Pro 2

Hier habe ich als Beispiel eine HDR-Serie bestehend aus 5 Bildern mit -2/-1/0/1/2 Belichtungsstufen ausgewählt. Einfach die Bilder in DxO PhotoLab markieren und HDR Efex Pro aufrufen. Die Ghosting-Effekte werden erkannt und beseitigt. Die Bilder werden gegenseitig ausgerichtet und dann zusammengefügt. Man hat die Auswahl aus verschiedensten HDR-Bild-Effekten. Ich habe hier eine moderate Stufe, 2 Stufen über der Standard-Stufe, ausgewählt. Die extremen HDR-Toning-Looks sind geschmacklich unterschiedlich zu bewerten.

Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO Beispielbild

Sharpener Pro 3 Output Sharpening

Ist man mit der Bildbearbeitung fertig, so kann man das Bild noch zusätzlich schärfen. Mit den Reglern lässt sich dies auch noch zusätzlich individuell steuern bis hin zu überschärften Bildern. Zusätzlich zur Ausgabeschärfung bietet die Nik Collection auch noch das RAW-Sharpening.

Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO Beispielbild

Sharpener Pro 3 RAW Sharpening

Dieses Modul funktioniert ähnlich dem Output Sharpening. Nur hier soll man, wie der Name schon sagt das Bild vor der Bearbeitung schärfen. Inwieweit diese Module tatsächlich sinnvoll sind, obliegt dem persönlichen Geschmack. Jedenfalls bietet DxO PhotoLab 3 den Schalter DxO Clear View Plus, mit dem das Bild neben der Schärfung auch die Klarheit und den Kontrast entsprechend verändert. Hier ist man zwar nicht so flexibel wie in den beiden Sharpening Modulen von Nik. Allerdings bekommt man bereits sehr sehenswerte Ergebnisse, ohne in ein anderes Filter-Modul wechseln zu müssen.

Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO Beispielbild

Silver Efex Pro 2

Dieses Modul ist wohl neben dem Color Efex Pro das am meisten benutzte Programm. Hier erfolgt eine Schwarz-Weiß-Umwandlung des Bildes und es sind viele mögliche Voreinstellungen vorhanden, aus denen man auswählen kann.

Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO Beispielbild

Viveza 2

Mit Viveza erhält man eigentlich ein zusätzliches Entwicklungsmodul, bei dem man selektiv die Farben und die Belichtung steuern kann. Über die Tonwert-Kurven kann man auch die einzelnen Farbkanäle regeln.

Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO

Von DxO empfohlener Workflow

DxO gibt für einen sinnvollen Workflow folgende Bearbeitungsreihenfolge an:

  1. RAW Presharpener
  2. Rauschunterdrückung mit Define 2
  3. Farbe und Licht regeln mit Viveza 2
  4. Mit Filtern sein Bild gestalten mit Color Efex Pro 4
  5. Konvertierung in Schwarz/Weiß mit Silver Efex Pro 2
  6. Ausgabeschärfe mit Sharpener Pro 3

Lob und Kritik

Leider gilt auch für die Nik Collection der Spruch: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

  • An die einzelnen Filterprogramm können (zumindest habe ich nichts dazu gefunden) nur aus Lightroom, Photoshop, DxO-Lab oder Affinity Bilder übergeben werden. Dabei wird das Bild standardmäßig in ein TIFF umgewandelt und dann in dem bestimmten Programm geöffnet. Nur TIFF und JPG Dateien lassen sich direkt öffnen (aber auch nicht in allen Teilprogrammen).
  • Dies führt sofort zu einem weiteren Problem: mit der Nik Collection ist keine direkte Bearbeitung eines RAW möglich. Das Bild wird grundsätzlich aus einem der oben genannten Programme als TIFF (oder JPG, in den Einstellungen wählbar) übergeben.
  • Das hat noch einen weiteren Haken: Die Bearbeitung innerhalb eines der Nik-Programme ist damit destruktiv. Das bedeutet, einmal auf OK gedrückt und das Bild wieder zurück übergeben, sind die Veränderungen weder editierbar noch rückgängig zu machen. In Photoshop und Affinity kann man dazu vorher eine Kopie aller Ebenen als neue Ebene anlegen und dann erst in die Nik Collection wechseln. In Lightroom oder DxO PhotoLab 3 wird ein neues TIFF Bild erzeugt, welches dann nachträglich auch nicht mehr editierbar und damit veränderbar ist.
  • Die Deckkraft ist in fast allen Nik-Programmen bzw. Filtern nicht regelbar.
  • Die einzelnen Programme der Nik Collection sind nicht ebenenorientiert wie dies Photoshop oder Affinity Photo oder auch ON1 bietet. Es gibt aber die Möglichkeit, mit einer Art Maske den Bildern auch lokale Bearbeitungen hinzu zu fügen. Man kann mehrere Effekte hintereinander dem Bild zuordnen und dann an den Reglern drehen (speziell bei Color Efex und Silver Efex).
  • Die Nik Collection bietet mit einigen seiner Module Einstellmöglichkeiten, die eigentlich in den heutigen RAW-Entwicklern ebenfalls vorhanden sind. So bietet beispielsweise selbst DxO PhotoLab 3 die Möglichkeit, am HSL-Rad zu drehen, die Klarheit und den Kontrast zu verstellen oder das Bild zu schärfen. Gleiches gilt für die üblichen Verdächtigen wie Lightroom, Luminar oder ON1, ganz zu schweigen von Photoshop oder Affinity Photo.
  • Die Stärken der Nik Collection liegen vor allem in den beiden Modulen Color Efex Pro4 und Silver Efex Pro 2. Dies sind die beiden Programme, mit denen der Nutzer wohl am häufigsten arbeiten wird. Damit lassen sich ultraschnell Filter über die Bilder legen, um ihnen einen besonderen Look zu geben.

Für wen ist die Nik Collection geeignet?

  • Wer seinen Bildern schnell einen besonderen Look verpassen möchte ohne groß mit Ebenen, Einstellungen, Verlaufsumsetzungen hantieren zu wollen, der findet in der Nik Collection ein wirksames Werkzeug, mit dem er extrem schnell zum Ziel kommen kann.
  • Wer bei seinem Workflow auch bisher auf die Nik Collection gebaut hat, wird auch auf die neueste Version upgraden. Dies trifft insbesondere für die Mac-User zu, die bereits auf Catalina umgestiegen sind. Unter Catalina sind 32Bit Programme nicht mehr lauffähig und man wird die Vorgänger-Version nicht zum Laufen bekommen. Unter Windows ist das momentan wohl noch kein Problem, denn dort läuft auch unter Windows 10 noch 32Bit Software.
  • Die neueste Version hat in den einzelnen Modulen ein paar Filter standardmäßig dazu bekommen. Ob man diese tatsächlich braucht, ist fraglich.
  • Mit der Nik Collection erhält man DxO PhotoLab 2 in der Essential Version mit dazu. Wer ohnehin in Richtung DxO PhotoLab als Bildbearbeitungsprogramm schielt, dem ist auf jeden Fall die Nik Collection anzuraten, um PhotoLab mit dazu zu bekommen.
  • Wer optimal mit der Nik Collection arbeiten will, dem ist zu empfehlen, wie auch zum Anbeginn von Nik, auf Photoshop oder auf Affinity Photo zu setzen. Dann lassen sich die Effekte auch in der Deckkraft regeln und man ist viel flexibler in deren Einsatz. Auch kann man in Photoshop eine Bearbeitungsebene als Smart-Objekt konvertieren und dann sogar die Effekte noch bedingt editieren. In Affinity Photo ist dies nicht möglich.
  • Wer mit DxO PhotoLab arbeitet, wird an der Nik Collection nicht vorbeikommen. Einige Funktionen, wie z.B. das Hinzufügen einer künstlichen Vignette, sind in PhotoLab gar nicht vorhanden und man muss dies mit Nik einarbeiten. Auch gehen die Bearbeitungsmöglichkeiten, wie beispielsweise die Bearbeitung mit den Tonwert-Kurven, über die von PhotoLab hinaus.

Das Fazit zur aktuellen Nik Collection

Die Nik Collection basiert auf einem Konzept aus der Zeit, als die RAW-Entwickler ausschließlich als Entwickler dienten und keine Bearbeitungssoftware waren. Für alle Photoshop-User war sie quasi unentbehrlich, um nicht Stunden an Looks zu arbeiten. Mittlerweile sind die RAW-Entwickler wie Lightroom, Luminar oder ON1 zu Bildbearbeitungs-Programmen mutiert, mit denen man nicht nur Belichtung und Kontraste regeln kann. Für Lightroom gibt es ebenfalls unzählige Presets am Markt, die ähnliche Looks zulassen wie beispielsweise Color Efex von Nik. In ON1 sind diverse Looks bereits integriert oder lassen sich ebenfalls zukaufen. Somit kann man sagen, dass die Nik Collection ein wenig Patina angelegt hat und von der Entwicklung der Konkurrenzsoftware eingeholt wurde.

Dennoch halte ich sie speziell in Zusammenarbeit mit DxO PhotoLab und ganz besonders mit Photoshop für sehr sinnvoll. In Sachen SW-Bearbeitung bietet Silver Efex auch heute noch sehr viele Stile auf Knopfdruck an, bei denen man gerade in Photoshop einige Zeit verbringen würde.

Die Qualität der einzelnen Module im Hinblick auf die Bildbearbeitung liefert hervorragende Ergebnisse ohne großen Aufwand. Leider ist die Bearbeitung (mit Ausnahme von Smartebenen in Photoshop) nicht verlustfrei. Das Ursprungsbild bleibt natürlich erhalten, jedoch kann die Bearbeitung nicht editiert werden, sobald das Bild abgespeichert und zurück übergeben wurde.

Wer die Vorgängerversion installiert hat, wird sich sicherlich überlegen, ob er die aktuelle Version überhaupt braucht und ob ihm die zusätzlichen neuen Filter das Upgrade wert sind. Wer von Haus aus auf DxO setzt, wird ohnehin nicht an Nik vorbeikommen. Wer seinen Mac auf Catalina upgegradet und seinen Workflow auf die Nik Collection ausgerichtet hat, sollte sich ebenfalls für das Upgrade entscheiden.

Aufgrund der eigentlich doch destruktiven Bearbeitung und der Tatsache, dass andere Programme einige Filter bereits integriert haben, vergebe ich 3,5 von 5 Sternen mit einer Tendenz zu 4 Sternen. 3 von 5 sind eindeutig zu wenig, dafür sind die Resultate einfach zu gut. 4 von 5 wären aufgrund der Extrakosten und der genannten Einschränkungen zu viel.

Bewertung

Weitere Informationen

Zur Nik Collection 2.3 auf der Webseite von DxO
Zur Webseite von DxO
Testbericht Nik Collection 2.3 by DxO von Peter Schneider

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Bildnachweis: © Roland Ondra

Über Anja Hoenen 1517 Artikel
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.